13. März 2025
Aufruf gegen den Sondierungswahnsinn der neuen Regierung: Gegen die astronomische Aufrüstung!
Mit abgewählten Mehrheiten treiben die neuen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD in einem demokratieverachtenden Coup die Militarisierung Deutschlands voran. Mit einer Grundgesetzänderung soll noch in dieser Woche die Schuldenbremse für Verteidigung aufgehoben und endlose Milliarden Euro Kriegskredite ermöglicht werden – nicht für Soziales oder Bildung, sondern für die Kriegsvorbereitung.
Das milliardenschwere Aufrüstungsprogramm und das kreditfinanzierte Infrastrukturprogramm sind zwei Seiten derselben Medaille: Laut Sondierungsergebnis soll 1% des Wehretats unter die Schuldenbremse fallen, um einen erheblichen Teil des künftigen Bundeshaushalts gegen Sozialausgaben aufzurechnen und Kürzungen zu rechtfertigen. Damit stellt die geplante Grundgesetzänderung faktisch eine Verschärfung der Schuldenbremse dar: Während Sozialausgaben weiter unter Finanzvorbehalt stehen, können zusätzliche Rüstungsvorhaben unbegrenzt über Kriegskredite finanziert werden. Die dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen dienen dabei nicht einer nachhaltigen, sozialen und ökologischen Transformation der Industrie, sondern werden in den zivilen Ausbau militärischer Mobilmachung gelenkt – etwa durch Schienennetze und Krankenhäuser, die vorrangig der Verlegung und Versorgung von Truppen dienen. Das Finanzkapital wird in den Krieg umgeleitet – ein Raubbau an unserer Zukunft.
Ziel ist die Errichtung einer Kriegswirtschaft, und die dafür notwendige Transformation der Bundeswehr zur „kriegstüchtigen“ Streitmacht. Die geschürte Angst vor Russland soll den Rüstungswahnsinn legitimieren – während mit der Raketenstationierung gezielt Drohgebärden gegen Russland aufgebaut werden. Dabei ist die militärische Überlegenheit der NATO, wenn nur die europäischen NATO-Staaten auf sich allein gestellt blieben, unbestreitbar und jetzt sollen von der EU nochmal 800 Milliarden Euro Schulden für denselben Aufrüstungszweck bereitgestellt werden.
Dieser Aufrüstungskurs dient allein den Herrschenden in Europa, die den Krieg in der Ukraine für ihre Großmachtambitionen am Leben halten wollen, während sie gleichzeitig den Völkermord in Gaza nicht nur duldeten, sondern aktiv unterstützen. Dabei nehmen sie einen Krieg mit Russland in den nächsten fünf Jahren bewusst in Kauf und bereiten ihn strategisch und besonders ideologisch vor.
Die Imperialisten der Welt zeigen ihre wahre Fratze: Das Recht des Stärkeren soll die antifaschistischen Errungenschaften des Völkerrechts ersetzen. Für uns – die Mehrheit der arbeitenden Klasse – bedeutet er nichts anderes als eine gigantische Umverteilung von unten nach oben, durch Rüstung, Krieg und soziale Verelendung.
Die Kürzungen im sozialen Bereich werden zu einer weiteren Prekarisierung der Arbeiter*innenjugend am unteren Rand der Gesellschaft führen. Der einzige Ausweg aus der Verwahrlosung soll das Militär sein, sowohl als sicherer Arbeitgeber als auch als Möglichkeit einer kaum mehr zu bewerkstelligenden Studienfinanzierung. Die parallel dazu eingesetzte Wehrpflicht-Debatte zeigt: Neben wirtschaftlichem Zwang wird auch ideologischer Druck genutzt, um eine neue Kriegsbereitschaft zu formen. Doch bislang gibt es in der Jugend wenig Zustimmung für eine solche nationale Mobilmachung.
Auch die Hochschulen sollen nicht mehr der breiten Bevölkerung offenstehen, sondern nun wieder der Elitenförderung dienen und die Wissenschaft wieder einmal, diesmal aber mit neuer Qualität und noch größerem Anteil, dem Imperialismus dienen. Dem stehen die Zivilklauseln im Weg, die nun auch eine der Regierungsparteien offen verbieten will.
Die Auseinandersetzung um die Aufrüstung spitzt sich also um die Jugend und die Hochschulen zu. Die Rüstungsindustrie benötigt dringend unsere Köpfe und unsere Tätigkeiten. Das heißt, wenn wir uns wehren, wenn wir unsere Tätigkeiten nicht der Kriegsforschung widmen und an den Zivilklauseln halten, wenn wir die soziale Schließung der Hochschulen verhindern und uns nicht als Arbeiter*innenjugend spalten lassen, verunmöglichen wir den Kriegskurs!
Das Friedensgebot im Grundgesetz ist eine antifaschistische Konsequenz: Nie wieder Krieg, nie wieder Militarismus als Staatsräson. Dies erfordert aktive Abrüstung und zivile Konfliktlösung statt endloser Aufrüstungsspiralen. Rüstungsausgaben binden Mittel, die für Bildung, Klimaschutz und öffentliche Infrastruktur fehlen – gesellschaftlicher Fortschritt wird blockiert. Stattdessen braucht es eine echte Zeitenwende: Abrüstung, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.
Also kämpfen wir mit einer langfristigen Organisierung an unserem Lebensschwerpunkt:
mit Bafög für Alle gegen die Elitenbildung zu Kriegszwecken!
mit Zivilklauseln und kritischer Wissenschaft gegen die Vereinnahmung für Kriegsforschung!
Wir rufen alle Studierenden auf, lokale Aktionen vom 13.03. bis 18.03.25 zu organisieren und sich den Ostermärschen anzuschließen!
29. Januar 2025
Pressemitteilung zur beschlossenen Antisemitismusresolution im Bundestag
Als sozialistisch-demokratischer Studierendenverband stehen wir klar gegen jede Form von Diskriminierung und halten somit auch die Bekämpfung von Antisemitismus für wichtig. Doch der von SPD, Grünen, FDP und CDU/ CSU vorgelegte Antrag wird diesem Anspruch nicht gerecht, weshalb wir seine Verabschiedung entschieden kritisieren.
“Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Antisemitismus findet mit dieser Resolution ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit und Verengung des Diskurses statt!” – Julius aus dem BuVo. Dieser gefährdet nicht nur kritische Wissenschaftler*innen, sondern bedroht auch die Hochschulautonomie und untergräbt unsere Arbeit als Studierendenverband.
Die Verwendung der IHRA-Antisemitismusdefinition als einzige Grundlage, nach welcher zukünftig die Vergabe von Forschungsgeldern auf Antisemitismus überprüft werden soll, stellt einen Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit dar. Die Arbeitsdefinition der IHRA gilt wissenschaftlich als hochgradig umstritten [1] und ihre Verwendung wird von vielen Menschenrechtsorganisationen kritisiert [2], da sich unter ihr jegliche Kritik am Staat Israel und seiner Politik fassen lassen.
In einer Zeit, in welcher das genozidale Bestreben Israels im Gazastreifen Gegenstand einer Anklage vor dem ISTGH und zahlreicher Berichte der Vereinten Nationen ist, kann die IHRA-Definition genutzt werden, um kritische Stimmen an den Universitäten zu unterdrücken. Die verfassungswidrige Räumung des Protestcamps an der Freien Universität Berlins oder die Stark-Watzinger-Affäre waren nur ein Vorgeschmack darauf, wie sich der Diskursraum für all jene verdichtet, welche sich nicht bedingungslos hinter die deutsche Staatsräson stellen.
Dadurch wird diese Resolution ihrem eigenen Anspruch, nämlich dem Erhalt von Universitäten als Orte des kritischen Diskurses und der Vergabe von Fördergeldern alleine auf Basis der wissenschaftlichen Exzellenz, nicht gerecht und wurde deshalb zu Recht von der Hochschulrektorenkonferenz kritisiert [3].
Darüber hinaus fokussiert sich der Antrag lediglich auf Antisemitismus und setzt sich überhaupt nicht mit der Zunahme antimuslimischen und anti-arabischen Rassismus seit dem 07. Oktober auseinander. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass nur die Geschichte Israels Gegenstand von Unterricht und Forschung sein soll und die Geschichte Palästinas, sowie anderer Länder in der Region keine Rolle spielen soll, wie die Allianz für kritische und solidarische Wissenschaft zu Recht kritisiert [4].
Aus diesen Gründen halten wir die Verabschiedung der Antisemitismus-Resolution für gefährlich und fordern nachdrücklich den Erhalt von Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie, sowie eine Ausfinanzierung der Hochschulen und Rücknahme der Reprresionen, da dies die Grundlage für einen offenen kritischen Diskurs über Antisemitismus darstellt.
22. August 2024
Aufruf: Hinaus zum Antikriegstag!
Getrieben von ökonomischem Expansions- und geopolitischem Machtstreben überfiel am 01. September 1939 das faschistische Deutschland Polen und überzog damit die Menschheit mit dem Zweiten Weltkrieg, der das Leben von über 65 Millionen Menschen beendete, darunter mehr als 27 Millionen Sowjetbürger. Der Krieg war von langer Hand vorbereitet mit enormer Aufrüstung, der Aufkündigung von Abrüstungsverträgen, dem Umbau zu einer Kriegswirtschaft, der Verfolgung von sozialistischen Kräften, Pazifist:innen und Jüd:innen sowie rassistischer Hetze. Einer antifaschistischen Allianz gelang es, den Krieg zu beenden und – als Lehre aus den zwei Weltkriegen – systemübergreifend die UN-Charta und die Verfassung der UNESCO hervorzubringen, damit die Menschheit ihre Geschicke selbst in die Hand nimmt. Angesichts der aktuellen kriegerischen Eskalationen weltweit und der Militarisierung ist es umso notwendiger, diese Lehren zu verwirklichen.
Mit dem Abstieg und der Herausforderung des US-Imperialismus und dem Aufstieg der Länder des globalen Südens sowie Chinas verschärft sich die Konkurrenz der ehemals US-hegemonialen Weltordnung. Gegen diesen Abstieg rüsten BRD und NATO-Staaten auf, um kriegerisch die Führung in der Weltordnung durchzusetzen: zur Sicherung des privilegierten Zugangs westlicher Konzerne zu Rohstoffen, Absatzmärkten und billigen Arbeitskräften. Zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges wird für 2026 die Stationierung von US-Raketen in der BRD vorgesehen. Diese Raketen zielen Richtung Russland. Die Bundesregierung nimmt damit sehenden Auges die Eskalation bis zum Atomkrieg in Kauf.
Begleitet wird diese Eskalation durch immer neue Waffenlieferungen. Diese beschränken sich nicht auf die Ukraine. Durch die Lieferung deutscher Waffen wird auch der Genozid, die Hungerkrise, die vollständige Vernichtung ziviler Infrastruktur und die Zerstörung des Bildungswesen in Gaza befeuert. Entgegen dem gilt es Völkerverständigung sowie die Menschenrechte zu realisieren. Deshalb sagen wir “Nein” zu Waffenlieferungen, Auslandseinsätzen, “Kriegstüchtigkeit” und der „Abschreckung“ als Machtmittel in der internationalen Weltordnung. Statt internationaler Gewalt braucht es gewaltigen Internationalismus für die Lösung der Menschheitsherausforderungen des Hungers, der Armut, dem Klima- und Umweltschutz sowie der Geschlechtergerechtigkeit. Zur Beendigung des Krieges in der Ukraine braucht es Diplomatie und Kooperation als Grundlage für soziale Entwicklungsmöglichkeiten.
Der Krieg nach innen durch die Verrohung aller zivilgesellschaftlicher Bereiche durch die Bundesregierung geht damit einher, dass die Errungenschaften aus „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ vergessen gemacht werden sollen, um den Menschen auf allgemeine Feindschaft, Konkurrenz, wirtschaftliche Verwertbarkeit und Leistungsfähigkeit umzupolen – darunter sind die Anstrengungen zur Wiedereinführung der Wehrpflicht zu verstehen. Im Interesse aller Menschen und menschlich ist das Zusammenleben selbstbestimmt, solidarisch und auf Augenhöhe zu gestalten. Die Kriegsvorbereitungen zielen auf dsa Gegenteil, dem müssen wir uns geeint entgegenstellen. Der (finanzielle) Aufwand, der gerade für die Aufrüstung betrieben wird, muss in Bildung, Kultur, Gesundheit, Wohnraum, Klima und öffentliche Räume umgewidmet werden.
Der Kampf für soziale Verbesserung in den Bildungseinrichtungen ist ein entscheidender Faktor im Kampf für den Frieden und Sozialismus. Ihre Neugestaltung schafft eine soziale Grundlage für die kritische Meinungsbildung. Mit vollem Magen lässt sich besser studieren! Dies ermöglicht erst die volle Wahrnehmung der eigenen Interessen sowie eine oppositionelle und widerständige Haltung gegen die herrschenden Verhältnisse von Austerität, Gehorsam und Kriegstüchtigkeit.
Anstatt die intellektuelle Kraft, die aus den Hochschulen hervorgeht, für die Militärforschung zu verschwenden, wollen wir diese als entscheidenden Beitrag zur Lösung der globalen Krisen einsetzen.
Hierfür gilt es, die Wissenschaftskooperationen nach zivilen Maßstäben auszubauen – mit Russland, China, Palästina und Israel. Im Falle Israels heißt das konkret: Stopp von Rüstungskooperationen. Stopp von ideologischer, juristischer, geschichtswissenschaftlicher Legitimierung von Völkermord und Ungleichheit und stattdessen eine friedenspolitische Neuausrichtung für Völkerverständigung und einen gerechten und sozialen Frieden. Die Wissenschaftsfreiheit muss dabei stets im Zusammenschluss mit der Verwirklichung des Friedensgebots und der Würde des Menschen begriffen werden. Vorstößen des Bundesforschungsministeriums oder der bayerischen Landesregierung zur Militarisierung der Hochschulen stellen wir uns entschieden entgegen. Für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft für alle haben wir unsere Kreativität und Denkkraft in die menschen- und friedensorientierte Forschung zu stecken.
In diesem Sinne: Hinaus zum Antikriegstag! Kommt mit uns am 01.09.24 auf die Straße und lasst uns ein starkes Zeichen für den Frieden setzen. Wir alle sind diejenigen, auf die es ankommt, eine wirkliche Perspektive zu entwickeln und zu erwirken! BAföG für alle, statt Profite für wenige als Teil einer sozialen Wende. Wir kämpfen für: Internationale Wissenschaftskooperationen als Teil konkreter Völkerverständigung. Friedensbildung als Teil von ziviler Emanzipation. Wissenschaft, die immer dem Frieden und nie dem Krieg dienlich ist als Leitwissenschaft für einen wirklichen Beitrag zur Lösung der gesellschaftlichen Krisen. Das ist die einzige Existenzberechtigung für Universitäten, Lehrende und Lernende. Dafür laden wir alle ein, mit uns an den Hochschulen zu kämpfen!
08. Juli 2024
Waffenstillstand jetzt! Stoppt die Ausweitung des Krieges im Nahen Osten!
Auf dem 34. Bundeskongress von Die Linke.SDS haben wir per Dringlichkeitsbeschluss das folgende Statement verabschiedet:
Als Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband fordern wir alle Gliederungen der Partei, des Jugend- und Studierendenverbands sowie alle Mitglieder auf, sich in einer neuen Qualität und vollkommenen Entschlossenheit für einen sofortigen Waffenstillstand im Nahen Osten einzusetzen. Der fortlaufende Genozid und die absolute Zerstörung aller zivilisatorischen Grundlagen, resultiert durch die Besatzungsökonomie und Apartheid in Israel. Jetzt wurde eine eskalative Ausweitung des israelischen Kriegs auf den Libanon angekündigt.
Ranghohe Armeevertreter haben eine Offensive im Libanon „genehmigt und freigegeben“, teilte die Armee mit. Der israelische Außenminister Israel Katz drohte der Hisbollah mit ihrer Zerstörung in einem umfassenden Krieg (“all-out war”).
Die Gefahr einer weiteren Ausweitung des Krieges zu einem atomaren Flächenbrand droht, wenn keine Deeskalation erkämpft wird. Statt weiteren Waffenlieferungen muss ein umfassendes Waffenembargo gegen Israel und ein Stopp aller Rüstungsexporte aus Deutschland durchgesetzt werden. DIE LINKE wird aufgefordert, sich entschieden und öffentlichkeitswirksam für einen Stopp aller deutschen Waffenlieferungen nach Israel einzusetzen.
08. Mai 2024
BAföG statt Rüstung – Für eine wirkliche Reform der Ausbildungsförderung statt weiterer Elendsverwaltung
Im Bundestag läuft gerade die sogenannte “BAföG-Reform” an. Die Ampel-Regierung hat bereits einen Entwurf vorgelegt, der nun an verschiedenen Stellen diskutiert wird. Gleichzeitig geht es an den Hochschulen in Deutschland rund. In Berlin soll mit der Wiedereinführung des Ordnungsrechts an den Hochschulen die Möglichkeit zu Zwangsexmatrikulationen geschaffen werden, um politisch unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. In Hessen und Bayern arbeiten die unionsgeführten Regierungen an der Aufweichung bzw. Abschaffung der Zivilklauseln, um Rüstungsindustrie und Bundeswehr Zugang zu Forschung und Lehre zu verschaffen. Damit sollen auch Wissenschaft und Studierende “kriegstüchtig” gemacht werden. “Kanonen statt Butter”, wie Ifo-Präsident Clemens Fuest kürzlich in (wohl unbewusster) Anlehnung an den Nazi-Funktionär Rudolf Hess sagte. Das ist aktuell die Devise der Bundesregierung. Zugunsten der Sicherung und Erweiterung der globalen Einflussgebiete strebt der deutsche Staat seit Ausrufen der “Zeitenwende” die umfassende – materielle wie ideologische – Militarisierung der Gesellschaft an. Bei der Butter, d.h. Sozial- und Bildungsausgaben, Umweltschutz und öffentlicher Infrastruktur, usw., muss daher gespart werden.
Dies zeigt sich auch beim BAföG. Im Koalitionsvertrag von 2021 wurde noch die große Reform der Ausbildungsförderung versprochen. Dass daraus nichts wird, war schon abzusehen, als die Bundesregierung ankündigte, im Bundeshaushalt 2024 den BAföG-Topf um rund ein Viertel zu kürzen (von 2,7 Mrd. auf 2,0 Mrd. Euro). Doch das Bildungsministerium unter Stark-Watzinger (FDP) will nun nicht mal die mickrigen 160 Millionen, die im Haushalt der BAföG-Reform zugesprochen wurden, ausgeben. Im Referentenentwurf sind nur 60 Millionen veranschlagt. Zwar enthält dieser auch positive Teilerfolge für Studierende und Schüler*innen, die jedoch völlig unzureichend bleiben:
- Ab Herbst 2024 sollen die Elternfreibeträge um 5% angehoben werden. Der wirkliche Reformschritt der Elternunabhängigkeit für die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung emanzipatorisch vom Elternhaus und für die Stärkung der öffentlichen, demokratischen Finanzierung der Bildung bleibt offen zu erkämpfen.
- Die Förderungsdauer wird um ein “Flexibilitätssemester” auf 7 Semester erhöht. Dauerhaftes, leistungs-unabhängiges BAföG zur Realisierung des Rechts auf Bildung und sinnvollen Lernens ist dagegen die reale Verbesserungsperspektive.
- Eine einmalige “Studienstarthilfe” von 1000 Euro, die Studienanfänger*innen aus armen Familien auf Antrag einen Monat vor Semesterbeginn ausgezahlt werden soll.
Doch im Ganzen kann nicht von einer wirklichen “Reform” gesprochen werden. Vielmehr wird das Elend weiter verwaltet, zu dem das BAföG – bei seiner Einführung 1971 ein Meilenstein für die soziale Öffnung der Hochschulen für Arbeiterkinder – in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde. In wichtigen Punkten stellt der Entwurf eine Verschlechterung dar:
- Die monatliche Rückzahlungsrate des Darlehensanteil soll von 130 auf 150 Euro steigen.
- Die maximale Rückzahlungssumme soll von 10.010 auf 11.550 Euro erhöht werden.
- Zudem gibt es keine Erhöhung der Bedarfssätze sowie der Wohnungspauschale trotz anhaltender Inflation bei Konsumgütern und Mietpreisen!
Nachdem schon viele Vertreter studentischer Interessen wie das Deutsche Studierendenwerk, der fzs und die GEW den Vorstoß kritisierten, machte nun auch der Bundesrat einen vorsichtigen Schritt in diese Richtung, wobei die Sorge um Rechtssicherheit und die Belastung der Sachbearbeiter*innen im Vordergrund stehen:
- Die Bedarfssätze müssten dem Existenzminimum entsprechen und die Wohnkostenpauschale erhöht werden.
- Statt des “Flexibilitätssemesters” soll die Förderungshöchstdauer um zwei Semester erhöht werden sowie die “Studienstarthilfe” allen Empfänger*innen ausgezahlt werden.
- Es gab jedoch keine Kritik an der Verschlechterung der Rückzahlungsmodalitäten.
Für die Länder ist es einfach, die mangelnde Zahlungsbereitschaft des Bundes zu kritisieren. Doch wenn es um notwendige Maßnahmen im eigenen Verantwortungsbereich geht, sind die Länder still. Es muss auch die Ausfinanzierung der Hochschulen und der Studierendenwerke gesichert werden!
Von Mut zur Reform kann daher weder beim Bund, noch bei den Ländern die Rede sein. Dabei kennen die Politiker*innen doch genauso gut wie wir alle die Zahlen: 38% der Studierenden leben unter der Armutsgrenze, unter allein- oder in WGs lebenden Studierenden sogar 76%. Dass die BAföG-Sätze, und speziell die Wohnungspauschale in Großstädten, nicht mal annähernd zum Leben reichen, wird regelmäßig von Forschungsinstituten belegt und sogar bald vor dem Bundesverfassungsgericht diskutiert. Ohnehin erhalten aufgrund der strikten Förderkriterien heute nur noch rund 12% der Studierenden BAföG. Bei der Einführung 1972 waren es noch 45%! Man könnte also meinen, die Bildung wäre der Regierung einfach egal. Doch das wäre falsch. Tatsächlich sorgt sich der Staat immer sehr um die Lage an den Hochschulen, wenn Studierende oder Wissenschaftler*innen aufmüpfig werden, wie die angestrebte Reform des Berliner Hochschulgesetzes zeigt. Bildung und Wissenschaft müssen aus Sicht des Staats ihren Zweck erfüllen, d.h. fleißige, gehorsame Arbeitskräfte produzieren und Innovationen, die dem deutschen Kapital in der Markt- und Staatenkonkurrenz einen Vorteil verschaffen. Die Unterfinanzierung der Hochschulen ist kein Unfall, sondern eine Methode, um die Abhängigkeit und Not der Studierenden wie auch des Lehrpersonals zu verschärfen und damit Konformität zu fördern. Wenn wir eine wirkliche Reform des BAföGs wollen, können wir daher nicht auf die Almosen der Regierung warten. Wirkliche Reformen wurden immer erkämpft!
Das zeigt u.a. die Geschichte des BAföGs, dessen Einführung 1971 wesentlich auf dem Druck der Studierendenbewegung basierte. Dabei betrachteten die Studierenden damals das BAföG als Fortschritt, aber lediglich als einen aus dem Kompromiss geborenen Teilerfolg. Bereits der historische SDS der 60er Jahre forderte ein umfassendes “Studienhonorar”, das Schüler*innen ab 18, Auszubildenden und Studierenden ermöglichen sollte, sich ohne Existenzsorgen auf ihre Bildung zu konzentrieren. Die Bildungsgewerkschaft GEW vertritt diese Forderung bis heute. Ihr zugrunde liegt die Idee, dass es nicht der Sinn von Bildung ist, individuelle Vorteile auf dem Arbeitsmarkt zu erlangen. Bildung ist eine soziale und materielle Produktivkraft, ohne die beim heutigen Entwicklungsstand nichts laufen würde und die daher ausreichend öffentlich finanziert werden muss, damit alle Menschen Zugang zu ihr haben. Nur so kann die Wissenschaft sich den realen Menschheitsproblemen widmen und dabei zur Befreiung von Krieg, Umweltzerstörung und sozialem Elend beitragen – statt diese aktiv zu fördern!
In diesem Sinne streiten wir als SDS für eine wirkliche Reform: BAföG für Alle! Das heißt, dass jede und jeder vom Regelsatz gut leben und lernen kann und dass dieser allen Studierenden, Auszubildenden und Schüler:innen (die nicht mehr bei den Eltern wohnen) zukommt – unabhängig von Alter, Herkunft, Studiendauer und Einkommen der Eltern. Deshalb fordern wir:
- Erhöhung der Bedarfssätze von dem aktuellen Höchstsatz von 934 Euro auf flächendeckend mindestens 1200 Euro inklusive automatischer Steigerung mit der Inflation, weil damit erst das Recht auf Sozialstaat, menschenwürdige Mindestsicherung und Bildung realisiert wird.
- Erhöhung der Wohnpauschale, weil die Mieten enorm nach oben gesetzt wurden.
- Massive Erhöhung der Elternfreibeträge, damit die öffentliche Finanzierung und die emanzipatorische Persönlichkeitsentwicklung gestärkt wird.
- Verlängerung der Förderungsdauer, damit wir diskutieren, forschen und lernen können.
- Reduktion des Darlehensanteils, hin zum Vollzuschuss!
- BAföG für Alle statt bürokratische und erniedrigende Antragsstellung!
Mischt euch mit ein!
08. Mai 2024
BAföG statt Rüstung – Für eine wirkliche Reform der Ausbildungsförderung statt weiterer Elendsverwaltung
Im Bundestag läuft gerade die sogenannte “BAföG-Reform” an. Die Ampel-Regierung hat bereits einen Entwurf vorgelegt, der nun an verschiedenen Stellen diskutiert wird. Gleichzeitig geht es an den Hochschulen in Deutschland rund. In Berlin soll mit der Wiedereinführung des Ordnungsrechts an den Hochschulen die Möglichkeit zu Zwangsexmatrikulationen geschaffen werden, um politisch unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. In Hessen und Bayern arbeiten die unionsgeführten Regierungen an der Aufweichung bzw. Abschaffung der Zivilklauseln, um Rüstungsindustrie und Bundeswehr Zugang zu Forschung und Lehre zu verschaffen. Damit sollen auch Wissenschaft und Studierende “kriegstüchtig” gemacht werden. “Kanonen statt Butter”, wie Ifo-Präsident Clemens Fuest kürzlich in (wohl unbewusster) Anlehnung an den Nazi-Funktionär Rudolf Hess sagte. Das ist aktuell die Devise der Bundesregierung. Zugunsten der Sicherung und Erweiterung der globalen Einflussgebiete strebt der deutsche Staat seit Ausrufen der “Zeitenwende” die umfassende – materielle wie ideologische – Militarisierung der Gesellschaft an. Bei der Butter, d.h. Sozial- und Bildungsausgaben, Umweltschutz und öffentlicher Infrastruktur, usw., muss daher gespart werden.
Dies zeigt sich auch beim BAföG. Im Koalitionsvertrag von 2021 wurde noch die große Reform der Ausbildungsförderung versprochen. Dass daraus nichts wird, war schon abzusehen, als die Bundesregierung ankündigte, im Bundeshaushalt 2024 den BAföG-Topf um rund ein Viertel zu kürzen (von 2,7 Mrd. auf 2,0 Mrd. Euro). Doch das Bildungsministerium unter Stark-Watzinger (FDP) will nun nicht mal die mickrigen 160 Millionen, die im Haushalt der BAföG-Reform zugesprochen wurden, ausgeben. Im Referentenentwurf sind nur 60 Millionen veranschlagt. Zwar enthält dieser auch positive Teilerfolge für Studierende und Schüler*innen, die jedoch völlig unzureichend bleiben:
- Ab Herbst 2024 sollen die Elternfreibeträge um 5% angehoben werden. Der wirkliche Reformschritt der Elternunabhängigkeit für die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung emanzipatorisch vom Elternhaus und für die Stärkung der öffentlichen, demokratischen Finanzierung der Bildung bleibt offen zu erkämpfen.
- Die Förderungsdauer wird um ein “Flexibilitätssemester” auf 7 Semester erhöht. Dauerhaftes, leistungs-unabhängiges BAföG zur Realisierung des Rechts auf Bildung und sinnvollen Lernens ist dagegen die reale Verbesserungsperspektive.
- Eine einmalige “Studienstarthilfe” von 1000 Euro, die Studienanfänger*innen aus armen Familien auf Antrag einen Monat vor Semesterbeginn ausgezahlt werden soll.
Doch im Ganzen kann nicht von einer wirklichen “Reform” gesprochen werden. Vielmehr wird das Elend weiter verwaltet, zu dem das BAföG – bei seiner Einführung 1971 ein Meilenstein für die soziale Öffnung der Hochschulen für Arbeiterkinder – in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde. In wichtigen Punkten stellt der Entwurf eine Verschlechterung dar:
- Die monatliche Rückzahlungsrate des Darlehensanteil soll von 130 auf 150 Euro steigen.
- Die maximale Rückzahlungssumme soll von 10.010 auf 11.550 Euro erhöht werden.
- Zudem gibt es keine Erhöhung der Bedarfssätze sowie der Wohnungspauschale trotz anhaltender Inflation bei Konsumgütern und Mietpreisen!
Nachdem schon viele Vertreter studentischer Interessen wie das Deutsche Studierendenwerk, der fzs und die GEW den Vorstoß kritisierten, machte nun auch der Bundesrat einen vorsichtigen Schritt in diese Richtung, wobei die Sorge um Rechtssicherheit und die Belastung der Sachbearbeiter*innen im Vordergrund stehen:
- Die Bedarfssätze müssten dem Existenzminimum entsprechen und die Wohnkostenpauschale erhöht werden.
- Statt des “Flexibilitätssemesters” soll die Förderungshöchstdauer um zwei Semester erhöht werden sowie die “Studienstarthilfe” allen Empfänger*innen ausgezahlt werden.
- Es gab jedoch keine Kritik an der Verschlechterung der Rückzahlungsmodalitäten.
Für die Länder ist es einfach, die mangelnde Zahlungsbereitschaft des Bundes zu kritisieren. Doch wenn es um notwendige Maßnahmen im eigenen Verantwortungsbereich geht, sind die Länder still. Es muss auch die Ausfinanzierung der Hochschulen und der Studierendenwerke gesichert werden!
Von Mut zur Reform kann daher weder beim Bund, noch bei den Ländern die Rede sein. Dabei kennen die Politiker*innen doch genauso gut wie wir alle die Zahlen: 38% der Studierenden leben unter der Armutsgrenze, unter allein- oder in WGs lebenden Studierenden sogar 76%. Dass die BAföG-Sätze, und speziell die Wohnungspauschale in Großstädten, nicht mal annähernd zum Leben reichen, wird regelmäßig von Forschungsinstituten belegt und sogar bald vor dem Bundesverfassungsgericht diskutiert. Ohnehin erhalten aufgrund der strikten Förderkriterien heute nur noch rund 12% der Studierenden BAföG. Bei der Einführung 1972 waren es noch 45%! Man könnte also meinen, die Bildung wäre der Regierung einfach egal. Doch das wäre falsch. Tatsächlich sorgt sich der Staat immer sehr um die Lage an den Hochschulen, wenn Studierende oder Wissenschaftler*innen aufmüpfig werden, wie die angestrebte Reform des Berliner Hochschulgesetzes zeigt. Bildung und Wissenschaft müssen aus Sicht des Staats ihren Zweck erfüllen, d.h. fleißige, gehorsame Arbeitskräfte produzieren und Innovationen, die dem deutschen Kapital in der Markt- und Staatenkonkurrenz einen Vorteil verschaffen. Die Unterfinanzierung der Hochschulen ist kein Unfall, sondern eine Methode, um die Abhängigkeit und Not der Studierenden wie auch des Lehrpersonals zu verschärfen und damit Konformität zu fördern. Wenn wir eine wirkliche Reform des BAföGs wollen, können wir daher nicht auf die Almosen der Regierung warten. Wirkliche Reformen wurden immer erkämpft!
Das zeigt u.a. die Geschichte des BAföGs, dessen Einführung 1971 wesentlich auf dem Druck der Studierendenbewegung basierte. Dabei betrachteten die Studierenden damals das BAföG als Fortschritt, aber lediglich als einen aus dem Kompromiss geborenen Teilerfolg. Bereits der historische SDS der 60er Jahre forderte ein umfassendes “Studienhonorar”, das Schüler*innen ab 18, Auszubildenden und Studierenden ermöglichen sollte, sich ohne Existenzsorgen auf ihre Bildung zu konzentrieren. Die Bildungsgewerkschaft GEW vertritt diese Forderung bis heute. Ihr zugrunde liegt die Idee, dass es nicht der Sinn von Bildung ist, individuelle Vorteile auf dem Arbeitsmarkt zu erlangen. Bildung ist eine soziale und materielle Produktivkraft, ohne die beim heutigen Entwicklungsstand nichts laufen würde und die daher ausreichend öffentlich finanziert werden muss, damit alle Menschen Zugang zu ihr haben. Nur so kann die Wissenschaft sich den realen Menschheitsproblemen widmen und dabei zur Befreiung von Krieg, Umweltzerstörung und sozialem Elend beitragen – statt diese aktiv zu fördern!
In diesem Sinne streiten wir als SDS für eine wirkliche Reform: BAföG für Alle! Das heißt, dass jede und jeder vom Regelsatz gut leben und lernen kann und dass dieser allen Studierenden, Auszubildenden und Schüler:innen (die nicht mehr bei den Eltern wohnen) zukommt – unabhängig von Alter, Herkunft, Studiendauer und Einkommen der Eltern. Deshalb fordern wir:
- Erhöhung der Bedarfssätze von dem aktuellen Höchstsatz von 934 Euro auf flächendeckend mindestens 1200 Euro inklusive automatischer Steigerung mit der Inflation, weil damit erst das Recht auf Sozialstaat, menschenwürdige Mindestsicherung und Bildung realisiert wird.
- Erhöhung der Wohnpauschale, weil die Mieten enorm nach oben gesetzt wurden.
- Massive Erhöhung der Elternfreibeträge, damit die öffentliche Finanzierung und die emanzipatorische Persönlichkeitsentwicklung gestärkt wird.
- Verlängerung der Förderungsdauer, damit wir diskutieren, forschen und lernen können.
- Reduktion des Darlehensanteils, hin zum Vollzuschuss!
- BAföG für Alle statt bürokratische und erniedrigende Antragsstellung!
Mischt euch mit ein!
04. März 2024
Gemeinsame Pressemeldung von Die Linke.SDS und der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost zum Beschluss des fzs
Am vergangenen Wochenende hat der fzs, der “freie Zusammenschluss von Student*innenschaften”, auf seiner 73. Mitgliederversammlung einen Antrag beschlossen mit dem Titel “Aufforderung an die Hochschulleitungen gegen Antisemitismus vorzugehen und Juden:Jüdinnen vor Übergriffen zu schützen”. Dieser Antrag widmet sich formal dem Kampf gegen Antisemitismus, ist aber in seiner politischen Intention klar gegen alle Personen, Organisationen und Wissenschaftler:innen gerichtet, die sich kritisch zum Krieg und angehenden Genozid in Gaza äußern. Wir, der bundesweite Studierendenverband Die Linke.SDS und die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, lehnen diesen Angriff auf uns und die Wissenschaftsfreiheit entschieden ab. Die vom fzs verwendete Antisemitismusdefinition eröffnet die Möglichkeit, Personen, die die deutsche oder die israelische Regierung für ihre eskalierende Politik kritisieren, als Antisemiten zu brandmarken. Das Völkerrecht, welches als Ergebnis von internationalen und systemübergreifenden Lehren aus dem 2. Weltkrieg geschaffen worden ist, gilt auch für Israel. Darauf hinzuweisen, wie Menschenrechtsorganisationen sowie UN-Institutionen unter dem Eindruck des fürchterlichen Massakers im Gaza-Streifen tun, darf nicht pauschal als antisemitisch definiert werden. Im Gegenteil, als Teil der Studierendenschaften tragen wir Verantwortung dafür, von Rassismus und Antisemitismus betroffene Kommilliton:innen, darunter jüdische und muslimische Studierende, effektiv vor Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus zu schützen und etwaigen Vorkommnissen entgegen zu arbeiten.
Wir leben in Zeiten von erneuter Beteiligung Deutschlands an einem angehenden Genozid. Diese Brutalisierung der politischen Realitätenschadet allen: Gleichzeitig steigender Rassismus und Antisemitismus sind die Konsequenz. Wer Antisemitismus bekämpfen will, muss sich daher gegen jede Menschenfeindlichkeit wenden!
Der Internationale Gerichtshof hat mit dem Urteil vom 26. Januar 2024 der Klage Südafrikas hinsichtlich gebotener Maßnahmen zur Verhinderung eines drohenden Genozids in Gaza stattgegeben und Israel zu entsprechenden präventiven Maßnahmen verpflichtet. Der Eintritt Deutschlands als Drittpartei in dieses Verfahren und die militärische Unterstützung Israels vonseiten Deutschlands, aber auch anderer Staaten, nahm die Regierung Nicaraguas zum Anlass, am 02.03.2024 eine Klage gegen Deutschland am Internationalen Gerichtshof einzureichen. Der zentrale Anklagepunkt ist die Beihilfe zum Genozid, mit Betonung auf die Entscheidung Deutschlands dem UN-Hilfswerk UNRWA die finanziellen Mittel zu entziehen, die dringend benötigt werden, um eine Hungerkatastrophe im Gaza-Streifen zu verhindern. Gerade in Deutschland müssen die Konsequenzen aus der Befreiung vom Faschismus wach gehalten werden. Das Friedensgebot und die Universalität der Menschenrechte wollen wir auch gegen Widerstände zur Geltung bringen.
Dass sich nun die offizielle Vertretung der bundesweiten ASten dafür entscheidet, sich zu diesen vom Internationalen Gerichtshof anerkannten Fakten nicht zu äußern und die Rolle Deutschlands darin nicht zu thematisieren, nehmen wir mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis. Zudem wenden wir uns entschieden gegen den versuchten Ausschluss von friedensmotivierten Stimmen vom Campus.
Wir fordern den fzs daher auf, diesen Beschluss zurückzunehmen. Als bundesweite Zusammenschlüsse und als friedensbewegte Studierende werden wir die Auseinandersetzung für einen sofortigen Waffenstillstand, Abrüstung und eine Aufarbeitung von Kriegsverbrechen, Genozid und Apartheid auch an den Universitäten offensiv weiterführen und für Zivilklauseln und ein Wissenschaftsverständnis kämpfen, welches sich an Frieden und Völkerverständigung orientiert.”
Gezeichnet: Die Linke.SDS und die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
28. Februar 2024
Gegen die Privatisierung und Militarisierung der Hochschulen, für Frieden und Sozialismus – Solidarität mit den Studierendenprotesten in Griechenland
[You can find the English and Greek version by clicking the hyperlink in the title.]
Wir erklären unsere Solidarität mit dem rechtmäßigen Kampf der griechischen Studierenden, Schüler*innen und Arbeiter*innen gegen die Privatisierung der Hochschulen!
Seit Anfang des Jahres ziehen in Griechenland Woche für Woche tausende Studierende auf die Straßen Athens und anderer Großstädte, um ihr Recht auf gute Bildung für alle zu verteidigen. Dieses Recht steht nämlich gerade unter Beschuss. Die griechische Regierung plant, das in Artikel 16 der griechischen Verfassung verankerte Verbot privater Hochschulen – eine historische, weil weltweit einmalige Errungenschaft – aufzuheben. Die Folgen wären vorhersehbar: weitere Unterfinanzierung der staatlichen Hochschulen, die die Masse der griechischen Bevölkerung besucht, während die kleine griechische Oberschicht ihre Kinder auf private Eliteuniversitäten schicken kann. Richtig und wichtig also, dass seit Januar zahlreiche Hochschulen von den aufbegehrenden Studierenden besetzt gehalten werden und der Druck auf den Straßen nicht abbricht!
Geschichte hochschulpolitischer Kämpfe in Griechenland
Kämpfe um die Hochschulen sind keine Neuheit in Griechenland. Vor einigen Wochen erst jährte sich zum 50. Mal die Besetzung der Polytechnio Athen durch Studierende, die sich durch die Unterstützung von Schüler*innen und Arbeiter*innen schnell zum Aufstand gegen die Militärdiktatur ausweitete, bevor die Besetzung brutal (24 Tote) niedergeschlagen wurde. Doch der Widerstand konnte nicht unten gehalten werden, die Militärdiktatur wurde 1974 gestürzt. Als Lehre aus den Gewalttaten an der Polytechnio wurde später die Polizeipräsenz an Hochschulen verboten, die als “UNI-Asyl” in die Geschichte einging. Als die griechische Regierung 2021 eine Änderung des Hochschulgesetz anstrebte, um Langzeitstudierende exmatrikulieren und eine “Campuspolizei” schaffen zu können, mobilisierten die Studierenden bereits zu großen Protesten. Die gesammelte Kampferfahrung zahlt sich aus: Während der aktuellen Proteste kann die Studierendenbewegung auf den gebildeten Strukturen an den Hochschulen und Fakultäten aufbauen. Auch die aktuellen Privatisierungspläne der griechischen Regierung sind nicht neu, sondern lediglich eine Fortsetzung der Ereignisse von 2006/07. Den Höhepunkt bildeten damals wie heute landesweite Besetzungen an insgesamt 457 Fakultäten. An den Vollversammlungen der Studierendenverbände nahmen etwa 80-100.000 Studierende teil. So konnte die Studierendenbewegung den Kampf für gute Bildung für Alle nach Besetzungen und Protesten gewinnen!
Die Rolle der BRD für die Unterfinanzierung der griechischen Hochschulen
Was ist seitdem passiert? Im Anschluss an die globale Finanzkrise befand sich die griechische Regierung in Schwierigkeiten, ihre Staatsschulden zu finanzieren. Griechenlands Schuldner (vor allem auch deutsche Banken) antworteten, anstelle z.B. von Schuldenerlass, mit aufgezwungener Austeritätspolitik – vermittelt über die Bundesregierung, die EU sowie den Internationalen Währungsfonds. Die Folge: Sozialstaatsabbau, Unterfinanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge (u.a. in der Bildung) sowie hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter der Jugend. Unter solchen Bedingungen wollen die griechische Elite sowie Teile der Mittelschichten natürlich nicht studieren und gehen daher ins Ausland (“Brain drain”). Das ist der Hintergrund der Privatisierungspläne, mit der die Regierung einige Inseln akademischer Qualität schaffen will, um die staatlichen Hochschulen weiter unbekümmert aushungern zu können. Das deutsche Kapital hat hieran seinen Anteil!
Parallelen zu Deutschland: Militarisierung und Kapitaloffensive auf die Hochschulen
Aber das ist nicht alles: Trotz verordnetem Austeritätszwang haben die Regierungen in Griechenland seit 2015 kontinuierlich aufgerüstet. Eine Verschärfung dieser Politik erleben wir heute durch die massive Militarisierung seit Beginn des Ukraine-Krieges, verbunden mit einem verstärkten Sozialabbau. Dabei gibt es Bestrebungen der Herrschenden, diese Militarisierung auch mittels der Hochschulen durchzusetzen und zu legitimieren. Das System der Unterfinanzierung und Drittmittelforschung zwingt die Universitäten nicht selten, Gelder für Projektfinanzierungen anzunehmen, die aus den Geldbeuteln der Rüstungskonzerne und Militärbündnisse wie der NATO kommen. Ein Aufruf von Akademiker:innen aus den griechischen Universitäten mit hunderten von Unterschriften kritisiert aus diesem Grund nicht nur die Verfassungswidrigkeit des Gesetzes, sondern auch, dass es Unternehmen die Möglichkeit bietet, unter Umgehung der verfassungsrechtlichen Vorschriften Universitätsgesellschaften oder Zweigstellen ausländischer Einrichtungen in Griechenland zu gründen. So spricht auch die International campaign to support the student movement struggling for Public & Free Education in Greece von “partnerships with the private sector and multinational companies in the pretext of connecting them to the market and reciprocal “collaborations”. While war becomes an organic element of capitalism, Greek universities cooperate with the war industry and NATO, turning their research from social needs to those of the killing machines.”
Ähnliches können wir auch in Deutschland beobachten. Der in sog. “Zivilklauseln” festgeschriebenen Verpflichtung vieler deutscher Hochschulen, Forschung und Lehre an friedlichen und zivilen Zwecken zu orientieren, haben Rüstungslobbyisten und ihre politischen Vertreter wie Friedrich Merz und Marie-Agnes Strack-Zimmermann, aber selbst die Bildungsministerin, den Kampf angesagt. In Bayern und Hessen nimmt die staatliche Offensive zur militärischen Indienstnahme der Hochschulen bereits Fahrt auf. Dagegen gilt es in diesen Zeiten geopolitischer Eskalation die Zivilklauseln, als Ergebnis vorhergegangener studentischer Bewegungen und Proteste für Frieden und Abrüstung, zu verteidigen und auszuweiten.
Was können wir dabei von unseren Genoss:innen in Griechenland lernen?
In den Protestjahren 2006/2007 waren die linken Kräfte an den griechischen Universitäten dazu gezwungen zusammenzuarbeiten, um gegen die rechte Studierendenorganisation der Nea Dimokratia eine Mehrheit in den Vollversammlungen zu erhalten. Die Fakultäten, die keine linken Fraktionen bilden konnten, gründeten unabhängige und progressive Gruppen von Studierenden, um die Koordinationsräte zu besetzen und Besetzungen durch Vollversammlungen abzusichern. Die wöchentlichen Ergebnisse der Versammlungen in den benachbarten Fakultäten und im ganzen Land gingen unter den politisierten Studierenden um wie ein Lauffeuer. Digitalisierte Besetzungskarten zeigten den Stand der Kämpfe, an denen sich alle beteiligten. Die Macht, die die Studierendenbewegung (auch heute noch!) entfalten kann, zeigt sich nicht zuletzt im Agieren der Regierung: Die sorgte dafür, dass der aktuelle Gesetzentwurf zur Hochschulprivatisierung kurz vor der Prüfungsphase vorgelegt wird, um die Mobilisierungen zu schwächen und eine Spaltung zwischen Studierenden und Gesellschaft zu erzeugen.
Gegen diesen Druck haben die Studierenden es geschafft, die Fakultätsbesetzungen seit mehr als fünf Wochen zu halten und bei der öffentlichen Anhörung am 8. Februar in Athen und anderen Großstädten zehntausende Demonstrierende auf die Straße zu bringen. Durch die statusgruppen-übergreifende Mobilisierung gelang es zudem, mit der Unterstützung gewerkschaftlich organisierter Hochschulbeschäftigter den Server der Universität Athen lahmzulegen und damit die digitalen Prüfungen zu verhindern. Die Bestrebungen der griechischen Studierendenbewegung, den Kontakt zu Schüler*innen und Lohnarbeitenden herzustellen, hat Tradition und Aktualität. So bildete sich auch bei den aktuellen Bauernprotesten trotz versuchter Spaltungen ein Bündnis verschiedener Bevölkerungsgruppen: Lohnarbeitende, Arbeitslose, Bauern, Studierende und Schüler*innen unterstützten die Proteste. Die Botschaft ist klar: Wir sind die Mehrheit und wir stehen zusammen!
Von den Kampferfahrungen unserer griechischen Genoss:innen – in der Organisation an Hochschule und Fachbereich, im Aufbau von Protesten und der Knüpfung von Bündnissen – können und sollten wir lernen. Die Auseinandersetzung um eine ausfinanzierte, allen zugängliche Bildung und der Kampf gegen die Militarisierung verbindet unsere Kämpfe europaweit. Daher wollen wir ihre Erfahrungen in unseren Kämpfen an deutschen Hochschulen aufgreifen: für Friedensforschung und Zivilklauseln, für ein Bafög für Alle und im Aufbau einer Massenbewegung für eine sozialistische Alternative am Campus und darüber hinaus!
13. Oktober 2023
Statement des SDS-Bundesvorstands zur Situation in Israel/Palästina
Die Ereignisse in Israel und Palästina erschüttern uns zutiefst. Wir betrauern die Toten, unsere Gedanken sind bei all denjenigen, die in den letzten Tagen auf beiden Seiten Angehörige oder Freund*innen verloren haben oder sich derzeit um deren Wohl sorgen müssen. Wir stehen auch an der Seite unserer Genoss*innen in der Diaspora und all derer, die in den nächsten Tagen und Wochen zunehmende Repression, Kriminalisierung oder Angriffe fürchten müssen. Auch nach einigen Tagen können wir nur versuchen, die richtigen Worte zu finden. Mit Blick auf die Eskalation vor Ort, die Situation der Menschen in der Diaspora und der Linken hierzulande sehen wir es aber als geboten an, uns zur aktuellen Situation zu äußern.
Was ist geschehen?
Am vergangenen Samstag ist es zum größten Angriff der Hamas und assoziierter Kämpfer auf Israel gekommen. Erstmals haben dutzende Kämpfer den Zaun um Gaza niedergerissen und durchbrochen. Den Menschen in Gaza ist damit erstmals der Ausbruch aus dem Freiluftgefängnis gelungen, was für viele Palästinenser*innen überhaupt eine Möglichkeit des Widerstands gegen die Unterdrücker bedeutet hat. Daraufhin folgten Kämpfe, unter anderem in israelischen Grenzstädten sowie ein Angriff auf ein Festival in der Nähe von Re’im. Die Angreifer haben dabei hunderte Menschen umgebracht und entführt. Die vielfach dokumentierten Gräueltaten und Kriegsverbrechen, die mit dem Angriff einhergingen, verurteilen wir entschieden. Am selben Tag des Angriffs hat Israel mit der Bombardierung des Gazastreifens in einem nie dagewesenen Ausmaß begonnen.
Hintergrund: Besatzung & Siedlungskolonialismus
Es ist wichtig, diese Ergebnisse in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Diese Kontextualisierung dient keinesfalls dazu, die derzeitigen Verbrechen zu rechtfertigen, sondern dazu, die Gesamtsituation einzuordnen und Möglichkeiten eines Endes der Gewalt vor Ort aufzuzeigen. Denn die Gewalt der letzten Tage ist nicht aus dem Nichts entstanden, sondern folgt, wenn auch nicht mit Notwendigkeit, auf die jahrelange Unterdrückung von Palästinenser*innen und der gewaltvollen Besatzungspolitik durch Israel. Dies wird in der Berichterstattung und Stellungnahmen hierzulande zu oft ausgeblendet. Besonders drastisch ist die Lage in Gaza. Seit 2007 ist der Gazastreifen von Israel zu Lande, zu Wasser und aus der Luft vollständig abgeriegelt, es gibt keinen annähernd menschenwürdigen Zugang zu Trinkwasser, Lebensmitteln, Energie, medizinischer Versorgung, geschweige denn Bildung. Die Menschen in Gaza, von denen über die Hälfte minderjährig sind, leben seit Jahren unter menschenunwürdigen Bedingungen im größten Freiluftgefängnis der Welt. Und immer wieder sind sie Luftangriffen ausgesetzt, bei denen Familien ihr Zuhause und Zivilist*innen ihr Leben verlieren.
Die Bildung der rechtsradikalen Regierung in Israel hat unterdes die Siedler*innen weiter radikalisiert, indem sie unter anderem die vollständige völkerrechtswidrige Annexion des Westjordanlands in Aussicht stellte. Die Palästinenser*innen sind willkürlichen Demütigungen, Übergriffen, ungerechtfertigten Inhaftierungen und Vertreibungen aus ihren Wohnhäusern ausgesetzt. Israelisches Militär und militante Siedler*innen dringen in Ortschaften ein, greifen die Bewohner*innen an und töten Zivilist*innen.
Solidarisierung mit dem palästinensischen Befreiungskampf
Die derzeitige Gewalteskalation ist ein Resultat jahrzehntelanger israelischer Besatzungspolitik. Als Sozialist*innen und Internationalist*innen stehen wir klar an der Seite des palästinensischen Befreiungskampfes. Die Palästinenser*innen haben das Recht auf Widerstand und (auch bewaffnete) Verteidigung gegen ihre Unterdrückung. Dennoch halten wir eine militärische Lösung des Konflikts weder für möglich noch für friedensbringend. Unzählige vorausgegangene Formen des Protests wurden von Israel und seinen westlichen Partnerstaaten kriminalisiert, diplomatische Bemühungen blieben unbeantwortet, palästinensische Symbole wurden verboten und Demonstrationen niedergeknüppelt.
Wir stehen ein für den Aufbau einer breiten palästinasolidarischen Bewegung, die sich für ein Ende der Gewalt auf beiden Seiten einsetzt und um eine politische Lösung kämpft, um die Gewaltspirale zu durchbrechen.
Hamas
Auch der Aufstieg der zutiefst reaktionären Hamas selbst ist das Resultat der gewaltvollen Besatzungspolitik der letzten 75 Jahre. Faktoren wie die erdrückende Machtasymmetrie zwischen dem israelischen Staat und den Palästinenser*innen, der Unwille das siedlungskoloniale Projekt als Voraussetzung für einen Friedensprozess zu stoppen und die Korrumpierung zuvor entscheidender Akteure wie der Fatah haben die Position der Hamas heute überhaupt erst möglich gemacht. Die Hamas sind keine progressive Befreiungsarmee und wir stellen uns entschieden gegen die von ihnen verübten, unentschuldbaren Kriegsverbrechen.
Aus unserer Sicht kann nur ein Ende der Besatzung und ein freies Leben in Würde für alle Menschen vor Ort zu einem dauerhaften Ende der Gewalt führen.
Folgen
Über 300.000 Reservist*innen sind seit der Kriegserklärung Netanjahus eingezogen worden. Zwei Tage nach Beginn des Angriffs sprach der israelische Verteidigungsminister, Yoav Gallant, davon, gegen “menschliche Tiere” zu kämpfen und befahl die vollständige Blockade Gazas. Seitdem sind 2,2 Millionen Palästinenser*innen, darunter über eine Million Kinder, von der Versorgung mit Nahrung, Medikamenten, Elektrizität und Wasser abgeschottet. “Wir werden erst alles plattmachen und dann werden die Truppen hineingehen”, kündigt der ehemalige Geheimdienstchef im israelischen Fernsehen an. Netanjahu spricht davon, Gaza in “menschenleeres Gebiet” zu verwandeln. Erst heute morgen forderte das israelische Militär über 1,1 Millionen Menschen auf, die nördlichen Gebiete vor einer drohenden Bodenoffensive zu verlassen – eine Fluchtbewegung, die in den Augen der UN “ohne verheerende humanitäre Folgen unmöglich” ist. Während der CDU-Generalsekretär Linnemann im DLF fordert, diese „unschönen Bilder auszuhalten“, stellen wir uns entschieden dagegen. Durch die andauernden Bombardierungen, die fehlenden Fluchtmöglichkeiten und die vollständige Blockade des Lebensnotwendigen bereitet der israelische Staat gerade einen Genozid an der palästinensischen Zivilbevölkerung vor, unter Duldung der westlichen Großmächte und unter mehrheitlichem Schweigen der Öffentlichkeit. Menschenrechte und ein sicheres Leben gilt es nicht selektiv zu verteidigen, sondern umfassend für alle.
Reaktionen in Deutschland
Die Eskalation der Gewalt vor Ort ruft nachvollziehbarer Weise zahlreiche Reaktionen auch in Deutschland hervor. Wir stehen als Sozialist*innen selbstverständlich gegen Rassismus und Antisemtismus und bekämpfen solche menschenverachtenden Ideologien, wo immer sie in Erscheinung treten.
Auch deswegen ist es wichtig zum Schutz von Jüd*innen aufzurufen und gleichzeitig das enorm repressive Vorgehen des deutschen Staates gegenüber Einzelpersonen und Gruppen, die sich in Deutschland für die palästinensische Befreiung einsetzen, zu kritisieren. Die Repression gegen den palästinensischen Befreiungskampf kennen wir nicht zuletzt von den Verboten der Demonstrationen rund um das Nakba-Gedenken der letzten zwei Jahre. In den letzten Tagen reagierte die Berliner Polizei auf “Free Palestine”-Rufe oder das Tragen einer Kufiya mit gewaltvollen Verhaftungen. Forderungen nach der Schließung von Zentren für islamische Kultur werden laut und der rassistische Diskurs, der in den letzten Monaten neue Höhen erreichte, setzt sich fort. Die gestern im Bundestag verabschiedete Resolution aller Parteien soll Ausweisungen und die Entziehung von Staatsbürgerschaften aufgrund von Palästina-Solidarität möglich machen und ist Zeichen einer massiven Verschärfung der Repression gegen Palästinenser*innen, die, bei Entzug der Staatsbürgerschaft, keinen Ort mehr haben, an den sie zurückkehren können. Die Kriminalisierung setzt dabei alle Menschen, die auf die Situation vor Ort aufmerksam machen wollen, unter rassistischen Generalverdacht. Während Aiwanger vor wenigen Wochen nicht aus der CSU-Koalition geschmissen wurde, trotz handfester Antisemitismus-Vorwürfe, die AfD immer neue Höchstwerte erreicht und Neonazis auf deutschen Straßen laufen, wird nun wieder die rassistische Warnung vor “importierten Antisemitismus” laut. Antisemitismus ist ein ernsthaftes Problem in dieser Gesellschaft und muss entsprechend bekämpft werden. Der Verweis auf die angeblich “Anderen” oder die Solidarität mit Israel (und damit auch mit dem aktuellen Kriegsverbrechen), ersetzen die Aufarbeitung und die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht. Gleiches gilt selbstverständlich für Rassismus in seinen verschiedenen Ausdrucksformen.
Was tun als Linke hierzulande
Als gesellschaftliche Linke hierzulande ist es unsere Aufgabe, klar an der Seite aller Unterdrückten zu stehen. Dabei sollten wir uns viel stärker an der palästinensischen, jüdischen und israelischen Linken orientieren als an deutscher Staatsräson und israelischen Staatsapparaten.
Für all die Personen, die aufgrund eines deutschen Passes oder sicheren Aufenthaltsstatus nicht von Ausweisung und Abschiebung bedroht sind, gilt es sich in den kommenden Wochen solidarisch zu zeigen und ihre Stimme deutlicher gegen die staatliche Repression und die Unterdrückung der Palästinenser*innen zu erheben und sich gleichzeitig dafür einzusetzen, dass die deutsche Regierung die israelische Besatzung nicht länger finanziell, diplomatisch und ideell unterstützt.
Ebenso gilt es, sich selbstverständlich solidarisch mit Jüdinnen und Juden zu zeigen, die vor antisemitischen Ausschreitungen sowie einem fortschreitenden Rechtsruck bedroht sind und vor diesen geschützt sein müssen.
Den Kampf gegen antipalästinensische, antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus führen wir zusammen und kämpfen für ein sicheres Leben aller marginalisierten Gruppen und eine befreite Gesellschaft.
23. April 2023
Pressemitteilung: Universitätspräsidium untersagt Veranstaltung zu antimuslimischem Rassismus, aus Angst „Ansehen der Philipps-Universität Marburg zu beeinträchtigen“ – Protest angekündigt!
Am Freitag den 21.04.2023 musste die Feier des muslimischen Eid-Gebets und Fests im Georg-Gaßmann-Stadion wegen einer Bombendrohung evakuiert werden. Am selben Tag kündigte die Universitätsleitung die Raumbelegung zur Veranstaltung „Antimuslimischer Rassismus“ der Gruppe ‚Seebrücke Marburg‘ sowie der Hochschulgruppe SDS im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ der Universitätsstadt Marburg. Zwei Meldungen – ein Tag in Marburg.
Die Universitätsleitung begründete die Raumkündigung damit, dass „nicht auszuschließen ist, dass die Veranstaltung das Ansehen der Philipps-Universität Marburg beeinträchtigen könnte“. Von Seiten der Universitätsleitung ließ man sich für einen politischen Streit innerhalb der Studierendenschaft instrumentalisieren, in dem es um die undifferenzierte Gleichsetzung von BDS mit Antisemitismus geht. In der Stellungnahme des SDS an die Universitätsleitung (s.u.) wird Bezug genommen zu dem Vorwurf. Ähnliche Vorwürfe in anderen Orten wurden bereits von zwei deutschen Gerichten verhandelt und als nicht begründet angesehen1.
Der SDS weist daraufhin: „Kernbestandteil des antimuslimischen Rassismus, der von AfD und anderen neurechten Akteur:innen vertreten wird, ist das Narrativ vom sogenannten ‚importierten Antisemitismus‘, der besonders auf muslimische Menschen projeziert wird“.
„Der Beschluss des Universitätspräsidiums, bestätigt nur die Dringlichkeit unserer Veranstaltung. Dass einer rassismusbetroffenen Person seitens des Präsidiums die Plattform genommen wird, sich wissenschaftlich mit dem virulenten Phänomen des Rassismus auseinanderzusetzen, ist ein Skandal“, heißt es in einem Statement des SDS. Wir bekräftigen, dass die Universität ein Raum der wissenschaftlichen Diskussion ist. Die Austragung von Meinungsverschiedenheiten in Forschungsgegenständen sehen wir daher an der Universität richtig platziert.
Deshalb rufen wir alle Menschen, die sich ehrlich gegen antimuslimischen Rassismus einsetzen oder etwas darüber lernen möchten, auf, an unserer Kundgebung „Antimuslimischen Rassismus ernstnehmen“ am Montag den 24.04.2023 um 17:45 Uhr am Firmaneiplatz in Marburg, beim ursprünglichen Veranstaltungsort, teilzunehmen. Anschließend an die Kundgebung möchten wir die Veranstaltung in einem alternativen Raum in der Nähe fortführen.
Mit freundlichen Grüßen
der Bundesvorstand von Die Linke.SDS
1 Das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sieht BDS-Maßnahmen als eindeutig gedeckt durch die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit im Einklang mit der EU-Grundrechtecharta: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-8-2016-005122-ASW_EN.html
Die gleiche Position vertritt der UN-Berichterstatter für die Menschenrechtspakte: https://www.ohchr.org/en/news/2019/04/un-experts-call-israel-overturn-deportation-human-rights-watch-director?LangID=E&NewsID=24516
Das Verwaltungsgericht Oldenburg sah in ähnlich gelagerten Fällen eine Verletzung der Versammlungsfreiheit: https://verwaltungsgericht-oldenburg.niedersachsen.de/aktuelles/vg-oldenburg-haelt-aufhebung-der-entscheidung-zur-ueberlassung-eines-vortragssaals-im-pfl-fuer-eine-vortragsveranstaltung-der-bds-im-mai-2016-durch-die-stadt-oldenburg-fuer-rechtswidrig-169355.html
Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht urteilte, die Beweislast für die Antisemitismus-Vorwürfe liege bei der Partei, die einen solchen Vorwurf erhebt. Das Gericht fand keine Anhaltspunkte dafür, dass die BDS-Initiative antisemitisch ist oder den Grundsätzen der freiheitlich demokratischen Ordnung in Deutschland widerspricht: Beschluss des 10. Senats des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts am 27.3.2019, Beschluss 10 ME 48/19, 3 B 709/19 (Abschrift, nicht online).
Statement an den Universitätspräsidenten Nauss
Hallo sehr geehrter Herr Nauss,
Ein ehrliches Danke für diese Informationen. Diesen schwerwiegenden Vorwurf nehmen wir sehr ernst, da wir uns als SDS grundsätzlich gegen Antisemitismus und Rassismus einsetzen. Wir teilen dabei die Auffassung der von Ihnen genannten zivilgesellschaftlichen Monitoringeinrichtung ausdrücklich nicht. Unsere Auffassung wird innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses (inter-)national auch geteilt und ist daher weiterhin Gegenstand der Forschung.1
Bezüglich der Veranstaltung möchten wir deshalb unsere Auffassung mit Ihnen teilen:
1. Wir sind gegen jede Form von Antisemitismus, gehen dagegen bei Demonstrationen auf die Straße und betreiben Aufklärung innerhalb der Studierendenschaft. Wir setzen uns sogar dagegen ein, dass die Philipps-Universität Marburg Gelder annimmt von Juristischen Personen, die der Mittäterschaft an Holocaust und Vernichtung mitschuldig sind, bis Reperationen und Entschädigungen gezahlt wurden. Dazu zählen die Nachfolgeunternehmen der IG Farben, namentlich Agfa, Basf, Bayer etc. Daher treten wir als SDS, wie Sie wissen, für eine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Universität ein (siehe beschlossener Antrag des 11. Senats vom 30.03.2022, TOP – 33 Antrag zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Philipps-Universität Marburg [Unterlage Nr. 11-223]).
2. Wir sind schockiert darüber, dass unsere Veranstaltung zu antimuslimischem Rassismus gemeinsam mit der Seebrücke Marburg als antisemitisch verurteilt wird. Diese Veranstaltung findet im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus der Stadt Marburg statt. Unsere Intention war es die Perspektive von Geflüchteten unter (Post-)Kolonialen Gesichtspunkten zu behandeln und dabei auch die Situation in Deutschland zu diskutieren. Der von Ihnen genannte Vorwurf des Antisemitismus entspricht in diesem Fall dem Narrativ der „Neuen Rechten“, wonach der Antisemitismus aus „muslimischen Ländern importiert“ sei. Daher haben wir große Bedenken, wenn dieser Zusammenhang in Hinblick auf unsere Veranstaltung überhaupt hergestellt wird. Es bestätigt unsere Veranstaltung, die der Fragestellung nachgeht: Was ist überhaupt antimuslimischer Rassismus.
3. Silencing von Geflüchteten
Gerade in Deutschland werden die Stimmen von Rassismus betroffenen Menschen im Diskurs häufig mundtot gemacht. Diese Perspektive wird, leider auch im (außer-)curricularen Kontext der Universität, noch zu wenig behandelt. Wir verstehen die Philipps-Universität Marburg als diversen und offenen Raum, in dem sich auch marginalisierte Gruppen zu Wort melden können, ohne Angst vor Diffamierung haben zu müssen. Wir hoffen, dass Sie unser Verständnis der Universität als vielfältigen Raum der Diskussion teilen.
Die Universität ist ein Raum der (wissenschaftlichen) Diskussion. Die Austragung von Meinungsverschiedenheiten in Forschungsgegenständen sehen wir daher an der Universität richtig platziert. Deshalb laden wir Sie, das Unipräsidium und auch die RIAS ein, bei unserer Veranstaltung teilzunehmen und in einer gemeinsamen (gern auch kritischen!) Diskussion über antimuslimischen Rassismus Fortschritte zu erzielen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Sollten Ihrerseits weiterhin Unsicherheiten bestehen, sind wir gerne bereit ein ausgereiftes Sicherheits- und Moderationskonzept für die Veranstaltung zu teilen sowie parlamentarische Beobachter als öffentliche Begleitung aus dem hessischen Landtag hinzuzuziehen (Dr. Ulrich Wilken, Landtagsvizepräsident).
Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag,
Viele Grüße
Aktivist*innen von Die Linke.SDS
1 Vgl. Antisemitismus-Definition „The Jerusalem Declaration: https://jerusalemdeclaration.org/;
vgl. Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung „Der BDS-Beschluss ist keine Eingriffsberechtigung in die Tätigkeit von Kulturinstitutionen“: https://www.antisemitismusbeauftragter.de/SharedDocs/interviews/Webs/BAS/DE/2021/BZ_Haustein_BDS.html
vgl. „Von Jüdischen Und Israelischen Wissenschaftler An Deutsche Parteien Zu ‚BDS‘: https://de.scribd.com/document/410140639/Aufruf-von-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftler-an-Deutsche-Parteien-zu-BDS )
19. Februar 2023
Statement des Bundesvorstands zum ‚Manifest für den Frieden‘
Am 24. Februar jährt sich der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Millionen Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende haben bereits ihr Leben verloren, und es ist kein Ende in Sicht. Insbesondere die Zivilbevölkerung leidet unter den Auswirkungen des Krieges, nicht zuletzt, weil russische Truppen gezielt Infrastruktur zerstört haben. Es muss alles dafür getan werden, dass das Leid und Sterben aufhört und dieser Krieg so schnell wie möglich endet. Wir stehen zum Selbstverteidigungsrecht der Ukraine. Zugleich lehnen wir den militaristischen Tunnelblick der Bundesregierung ab und stehen für zivile Alternativen zu einem langen Abnutzungskrieg. Ein erster Schritt muss es sein, genug Druck auf die Bundesregierung aufzubauen, damit sie die Eskalationsspirale der Waffenlieferungen verlässt und endlich ernst gemeinte diplomatische Initiativen vorantreibt.
Das „Manifest für den Frieden“ – welches innerhalb weniger Tage von über 500.000 Menschen unterschrieben wurde – geht dieser wichtigen Richtung nach. Es fordert den Bundeskanzler auf, die weitere Eskalation des Krieges mit immer neuen und schweren Waffen zu stoppen und sich an „die Spitze einer starken Allianz für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zu setzen.“
Auch der Großteil der Bevölkerung lehnt die Waffenlieferungen und eine weitere Eskalation des Krieges ab. 58% der Bevölkerung spricht sich für Verhandlungen aus. Unter den jungen Menschen (18–34 Jahre) liegt die Ablehnung der Waffenlieferungen bei 54%. Das „Manifest für den Frieden“ schafft es, sich als ihre Stimme zu repräsentieren.
Trotz der Aussage der Initiator:innen, dass Rechtsextreme auf Friedenskundgebungen „nichts zu suchen“ haben, zeigen jedoch auch Politiker:innen der AfD und das rechtsextreme Magazin Compact Interesse an dem Aufruf. Diese Entwicklung ist nicht neu. Die AfD probiert seit geraumer Zeit, sich als friedenspolitische Kraft im Krieg in der Ukraine zu inszenieren. Dabei eignet sie sich Positionen der LINKEN an, um diese mit Nationalismus zu unterwandern. Denn ihre Kritik an Krieg und Waffenlieferungen entstammt nicht einer antiimperialistischen Haltung – im Gegenteil. Die AfD möchte lediglich den deutschen Imperialismus extremer vorantreiben. Aus diesem Grund ist sie für die massive Aufrüstung der Bundeswehr, die Anschaffung von bewaffneten Drohnen und allgemein Befürworterin von Rüstungsexporten – nur eben in andere Kriegs– und Krisengebiete, geleitet von rein deutschen nationalistischen Interessen.
Warum wir vor Ort sein werden:
Wir unterschätzen die Gefahr einer rechten Präsenz nicht. Da aber die Friedensbewegung auf antifaschistischer Tradition beruht, gibt es für Rechtsextreme auf der Kundgebung (und in der Friedensbewegung generell) keinen Platz. Als Die Linke.SDS werden wir sie ihnen nicht überlassen: Ihre reaktionären und nationalistischen Positionen ebnen erst den Weg für militärische Macht– und Kriegspolitik. Somit fordern wir die Organisator:innen der Kundgebung sowie alle Anwesenden dazu auf, möglich anwesenden Rechten und ihren potentiellen Äußerungen, Plakaten und Symbolik entschieden entgegenzutreten und diese des Platzes zu verweisen. Darüber hinaus muss der Versuch von Regierung und breiten Medien, Initiativen für Diplomatie und Friedenspolitik als Verrat oder sogar fünfte Kolonne Moskaus zu diffamieren, entschlossen angegangen werden.
Kriege werden mit Waffen begonnen und mit Verhandlungen beendet. Die Bundesregierung hat keine nennenswerten diplomatischen Initiativen ins Leben gerufen, sondern sich durch die Lieferung von immer mehr schweren Waffen in einem militärischen Tunnelblick verrannt und sich dadurch Steine in den Weg gelegt. Laut dem ehemaligen israelischen Premierminister Naftali Bennett haben der britische Ex–Premier Boris Johnson sowie US–Präsident Joe Biden sogar einen möglichen Friedensbeschluss im März 2022 durch Einwirken auf die Ukraine verhindert. Damit macht sich der Westen mitschuldig an der zunehmenden Eskalation.
Wir stehen daher an der Seite derer, die die Logik des Krieges durchbrechen wollen. Das schließt auch alle mit ein, die sich durch zivilen Widerstand, gewaltfreie Aktionen, Desertion oder Kriegsdienstverweigerung gegen den Krieg stellen. Dafür ist es auch wichtig, dass alle Menschen, die sich dem Krieg entziehen möchten, Schutz durch humanitäre Visa und Asyl finden können. Was es braucht, ist keine militaristische, sondern eine zivile Zeitenwende. Von der Investition des Milliarden Euro schweren Aufrüstungsprogrammes in Soziales, Bildung und Umwelt bis zu einer 180–Grad–Wende in der Außenpolitik. Das heißt in der internationalen Politik die Abkehr von Blockbildung und Konfrontationspolitik sowie Einsatz für Multilateralismus, Rüstungskontrolle und Diplomatie.
Wir als Die Linke.SDS unterstützen die Zielsetzungen des „Manifests für den Frieden“. Breite Initiativen und Mobilisierungen für Verhandlungen und gegen weitere Waffenlieferungen sind das Gebot der Stunde. Deshalb werden wir auf der Demonstration mit weiteren Inhalten anwesend sein. Nur eine starke antimilitaristische Linke vor Ort kann den Druck für diplomatische Offensiven ausüben. Wir ringen um den weiteren Aufbau einer starken, internationalistischen sowie antifaschistischen Friedensbewegung. Für uns ist klar: Nur progressive Kräfte können einen echten Frieden erringen. Denn wo die Linke stark ist, sind die Rechten chancenlos.
Wir fordern:
1. Sofortigen Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine
2. Diplomatische Offensive Deutschlands unter Einbindung der EU und Chinas
3. Keine Rüstungsexporte – vor allem nicht in Kriegs– und Krisengebiete
4. Sofortige Aufnahme aller Deserteure, Kriegsverweigerer und aller Menschen, die vor
Krieg fliehen
5. Den sofortigen Stopp der militärischen Aufrüstung Deutschlands – 100 Milliarden für
Soziales, Bildung, Gesundheit und Umwelt, statt für Militarisierung
Solidarische Grüße,
Euer Bundesvorstand
»Tant que la vie continue, le combat continue!«*
Sozialistische Politik in Zeiten von Klimakrise, Krieg und Inflation.
Leitantrag zum 30. Bundeskongress. Beschlossen am 18. Juni 2022.
In einer repräsentativen Befragung aus dem Frühjahr diesen Jahres berichtet die Hälfte der in Deutschland befragten 14-29-Jährigen von einem stressigen Alltag, ein Drittel von Antriebslosigkeit und Erschöpfung. Fast 30% leiden nach eigenen Angaben unter Depression. Nur acht Prozent haben die Hoffnung, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen. Der Jugend scheint die Hoffnung abhanden zu kommen. Angesichts dessen, was auf der Welt passiert, ist das wenig verwunderlich. Als größte Sorgen geben die befragten Jugendlichen die Klimakrise, den Krieg und die zunehmende Inflation an. Es ist also nicht nur daher gesagt, dass die Welt, in der wir leben, die Menschen krank macht. Wenn wir nicht nur die Symptome bekämpfen wollen, muss das System in seinen Grundstrukturen verändert werden.
Mit diesem Text versuchen wir diese zentralen politischen Entwicklungen und Herausforderungen von Studierenden zu verstehen und diskutieren, wo sozialistische Politik ansetzen muss, wenn sie der Hoffnungslosigkeit eine überzeugende Vision der Überwindung des Kapitalismus entgegenstellen will. Krisen scheint es zur Zeit an allen Ecken und Enden zu geben. Wer soll da den Überblick behalten? Uns ist bewusst, dass die Analyse unserer Zeit nie vollständig und abgeschlossen sein kann. Doch die dringend notwendige Veränderung dieser Welt fordert uns heraus, auch als junge Sozialist:innen zu versuchen, gemeinsam ein Gespür für diese Zeit zu bekommen. Nur so wissen wir, wo unsere Kraft und Energie am besten eingesetzt werden können.
Im Folgenden blicken wir daher schlaglichtartig auf die drei großen Sorgen der Jugend: Die Klimakrise, den Krieg und die Inflation als Ausdruck zunehmender sozialer Verwerfungen, die auch an den Hochschulen zu spüren sind. Dabei gehen wir auch auf die Rolle der gesellschaftlichen Linken im Allgemeinen und der LINKEN im Besonderen ein, um Vorschläge für unsere Schwerpunktsetzung als Die Linke.SDS zu machen. Im Widerspruch von steigendem Autoritarismus, Aufrüstung, Konkurrenzpropaganda und Armut ist der Kampf um soziale Gleichheit und internationaler Gerechtigkeit dringend wie nie. Die Erkenntnis, dass es uns in diesem System allen schlecht geht, lässt uns als Sozialist:innen nicht pessimistisch werden, sondern treibt uns an, diese Verhältnisse zusammen mit unseren Genoss:innen, Kommiliton:innen, Kolleg:innen und Freund:innen zu überwinden. An den Hochschulen wie in den restlichen Teilen der Gesellschaft liegt es in unserer Hand, auf die Herausforderungen unserer Zeit die richtigen Antworten zu finden und Lösungen zu entwickeln.
Sozialismus und Kapitalozän
2050 wird Berlin ein Klima wie heute Toulouse haben. Der jüngste IPCC Bericht stellte fest: Das 1,5 Grad Ziel wird nicht erreicht. Im Gegenteil: Die jetzige Politik bringt uns sogar auf 3,2° Erderwärmung. Es kommt zu Extremwettereignissen, Dürren und Ernteausfällen. Auch ein Anstieg des Meeresspiegels, der besonders kleine Inseln und Küstengebiete bedroht, wird nicht abwendbar sein. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten eine Milliarde Menschen in Küstengebieten ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Wenn es zu einer Erderwärmung von 1,7 bis 1,8 Grad kommt, wird die Hälfte der Weltbevölkerung lebensbedrohlicher Hitze und Feuchtigkeit ausgesetzt sein. Bei einem Temperaturanstieg von 1,6 Grad werden 8% der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr nutzbar sein. Dementsprechend mahnt der IPCC-Bericht zu schnellen und grundsätzlichen Maßnahmen: »Jede weitere Verzögerung bei konzertierten globalen Maßnahmen wird ein kurzes und sich schnell schließendes Zeitfenster zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft verpassen.«
Wir befinden uns auf dem Weg in ein Zeitalter der Katastrophen, doch trotzdem scheint niemand die »Notbremse« ziehen zu wollen, als welche Walter Benjamin die Revolution bezeichnete. Die Differenz zwischen Notwendigkeit von Maßnahmen und den leeren Versprechen der Politik könnte nicht größer sein. Die Klimakrise soll individualistisch und technologisch gelöst werden. Das klammert bewusst die Akteur:innen aus, die für die Krise verantwortlich sind. Denn die Klimakrise ist nicht vom Himmel gefallen und es sind auch nicht alle Menschen gleich verantwortlich. Der britische Historiker Adam Tooze bringt es auf den Punkt: »Wenngleich es wahr ist, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wird, verursachen ihn nicht die Menschen im Allgemeinen. Das ökonomische System und diejenigen, die es verwalten und von ihm profitieren, verursachen den Klimawandel. Die krisenhafte Epoche, in der wir uns befinden, sollte das Kapitalozän genannt werden.«
Das System, in dem wir leben, hat die Klimakrise erst hervorgebracht und ist der Motor, der sie immer weiter antreibt. Der Kapitalismus opfert sukzessiv seine eigenen Lebensgrundlagen für den Profit. Er strebt ein unendliches Wachstum an, das es auf einer Erde mit endlichen Ressourcen nicht geben kann. Diesen Widerspruch würde selbst ein vollkommener Umstieg auf erneuerbare Energien und Rohstoffe nicht ändern, denn im Kapitalismus wird nicht nur nach unendlichem Wachstum gestrebt – durch die kapitalistische Konkurrenz muss auch immer schneller immer mehr Wachstum generiert werden. Kurz gesagt: Das Kapital muss in diesem System schneller akkumulieren als erneuerbare Rohstoffe nachwachsen können. Es gibt daher keinen sanften Weg aus dem Kapitalozän. Reformen des Bestehenden reichen nicht aus. Was wir brauchen ist ein »System Change«, einen radikalen Bruch mit dem System. Die »Notbremse« muss betätigt werden.
Dieser radikale Bruch ist unter den aktuellen Kräfteverhältnissen noch nicht absehbar. Stattdessen bestimmt die ökologisch-ökonomische Zangenkrise** die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Unter den aktuellen Herrschaftsverhältnissen käme es zu weiteren schwerwiegenden sozialen Problemen, wenn das Wachstum begrenzt und weniger Profit
erwirtschaftet werden würde. Die Folgen, die mit dem fehlenden Profit einhergehen würden, würden auf dem Rücken der lohnarbeitenden Bevölkerung ausgetragen werden – in Form von Massenentlassungen, einer Arbeitsintensivierung ohne Lohnerhöhung oder einem späteren Renteneintrittsalter. In Anbetracht der Klimakrise ist eine Eingrenzung der
Wachstumsbestrebungen dringend notwendig. Doch das würde unter den aktuellen Kräfteverhältnissen zu einer Verschlechterung der Lebensumstände der lohnarbeitenden Bevölkerung führen. Wir befinden uns in einer Krise der Mensch-Natur-Beziehungen, für die es im bestehenden System keine Lösung geben kann.
Es lassen sich wenige präsente und gute Antworten auf diese Krise finden. Die neue Bundesregierung schmückt sich damit nun endlich effektivere Umweltpolitik zu betreiben und versucht hinter ihrem neuen Hegemonieprojekt eines grünen Kapitalismus verschiedene Bevölkerungsteile zu vereinen. Aber in der Realität sind die Maßnahmen, die ergriffen werden, schlussendlich Maßnahmen für den Systemerhalt unter einem grünen Deckmantel und somit zum Scheitern verurteilt.
Die linken Kräfte in Deutschland haben dem Hegemonieprojekt eines grünen Kapitalismus bisher zu wenig entgegenzusetzen. Es ist klar, dass unsere Vorstellung von einem guten Leben für alle jetzt und in Zukunft immer unter Berücksichtigung der Klimakrise geprägt sein muss. Das heißt, wir müssen Antworten darauf entwickeln, wie mit einem zu erwartenden
Temperaturanstieg konkret umzugehen ist und was dies für die praktische Umgestaltung von gesellschaftlicher Infrastruktur bedeutet. Wir müssen also besser darin werden, unsere Vorstellung von einem guten Leben, das zwar nach dem Kapitalismus aber unter den Folgen der Klimakrise stattfindet, zu konkretisieren. Gleichzeitig fehlt es uns an Stärke, um die
Forderungen, die wir gemeinsam entwickeln, auch wirklich durchzusetzen. Nur wenn wir gesellschaftliche Mehrheiten für einen Klimaschutz der 99% gewinnen, wird sich dies ändern.
Grüner Kapitalismus bedeutet, dass unzureichender Klimaschutz auf Kosten der arbeitenden Klasse betrieben wird. Dagegen müssen wir einen Ansatz stärken, der soziale und ökologische Fragen immer zusammen denkt. Das ist in der Theorie jedoch leichter gesagt als in der Praxis getan. Es gibt sie, die zarten Pflänzchen einer Vision des Ökosozialismus, in der sich ÖPNV-Beschäftige mit FFF-Aktivist:innen oder Bosch-Beschäftigte mit Klimaaktivist:innen vernetzen. Doch diese Beispiele sind bisher mehr Ausnahme als Regel. Vielmehr steckt die Klimabewegung ähnlich wie die LINKE in einer schwierigen Phase. Es gibt wenige Antworten auf die Frage, wie es weitergehen soll. Die Forderung nach Klimagerechtigkeit und die damit einhergehende Einbeziehung der sozialen Frage wird zwar breit geteilt, aber wie diese praktisch umgesetzt wird, ist weiterhin offen.
Es wird daher Zeit, neue Wege zu gehen und sich in Milieus zu wagen, die sich der Klimabewegung gerade noch fern fühlen. Das bedeutet für uns an den Hochschulen: Die Klimabewegung als Mehrheitsbewegung aufbauen, echte Klimastreiks organisieren, Zusammenarbeit mit Gewerkschaften suchen und so Stück für Stück eine ökosozialistische Alternative zum Kapitalozän »sprechbar« machen. Darum veranstalten wir als Die Linke.SDS Ende Oktober den “System Change”-Kongress in Leipzig, der uns genau diesen Austauschraum bieten wird, in welchem wir unsere Ideen und Vorschläge zur Debatte stellen können.
Um die Klimakrise aufzuhalten, braucht es den radikalen Bruch mit dem Kapitalozän. Dieser wird nicht allein durch den nächsten Klimastreik ausgelöst werden. Die Notbremse kann einzig und allein von einer organisierten Arbeiter:innenklasse betätigt werden. Es ist an uns als Sozialist:innen verbindende Bündnisse zwischen Klimabewegung und Arbeiter:innen, die materielle Stärke entfalten können, aufzubauen.
Der Ukraine-Krieg und die Folgen
Die Klimakrise hat nicht nur enormen Einfluss auf soziale Auseinandersetzungen, sondern trägt auch zur Zuspitzung der geopolitischen Lage bei – denn auch Russland befindet sich im
Griff der ökonomisch-ökologischen Zangenkrise. 43% der wirtschaftlichen Leistung Russlands stammen aus dem Export fossiler Energieträger. Je schneller Russlands Abnehmerstaaten die Energiewende vollziehen – welche dringend notwendig ist, um die Menschheit nicht über die Klippe zu stürzen –, desto wertloser werden die russischen Öl und
Gasvorkommen. Die Zukunftsszenarien der herrschenden Klasse in Russland sehen entsprechend finster aus. Wenn die grundlegende Umstrukturierung der russischen Wirtschaft ausbleibt, bleiben den Herrschenden in Russland deshalb perspektivisch in erster
Linie die Machtressource des Militär und die Bereitschaft brutale Angriffskriege zu führen, um ihre imperiale Stellung in der Weltordnung nicht zu verlieren. Diese bleiben aber nur dann anwendbar, solange die Gegner vom russischen Öl und Gas abhängig sind. Der Angriffskrieg sorgt zudem auch in den westlichen Ländern für Instabilität – steigende Preise
führen zu einer geringeren Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Die Folgen treffen in erster Linie die breite Bevölkerung und die dringend notwendige Nachhaltigkeitsrevolution wird erneut zu einem fernen Zukunftsszenario. Der Angriffskrieg Russlands hat den wirtschaftspolitischen Hintergrund, neue Wirtschaftsräume zu erobern und alte Wirtschaftszweige abzusichern.
Als Die Linke.SDS verurteilen wir den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des russischen Regimes. Wir sind solidarisch mit den Menschen in der Ukraine, egal ob sie fliehen oder sich gegen die Besatzungsmacht verteidigen. Die russische Regierung verfolgt imperialistische Interessen, rechtfertigt den Krieg mit einer Reihe von Lügen und nationalistischer Propaganda und nimmt das Leid von Millionen in der Ukraine und darüber hinaus in Kauf. Die Antwort von sozialistischen Studierenden kann nur sein, alles dafür zu tun, dass der Krieg schnell endet und Solidarität mit all jenen zu üben, die vor dem Krieg fliehen oder sich ihm unter Einsatz des eigenen Lebens entgegenstellen.
Es handelt sich bei dem aktuellen Krieg dennoch um eine sehr viel komplexere Lage, als die bürgerliche Erzählung es behauptet. Denn zu dem legitimen Kampf der Ukrainer:innen um Selbstbestimmung tritt zunehmend ein inter-imperialistischer Konflikt hinzu. Deshalb suchen viele Linke nach Orientierung, kontroverse Debatten auch innerhalb der bekannten Lager sind die Folge. Klar ist: Die USA unterstützen die Ukraine nicht, um die demokratischen Werte des Westens vor den autokratischen Bestrebungen Putins zu verteidigen. Sie verfolgen imperialistische Interessen, das Schicksal der Menschen in der Ukraine ist zweitrangig. Bei dem Krieg in der Ukraine handelt es sich daher auch um einen Krieg des globalen Kapitalismus, der bedeutende Umbrüche in der politischen Weltlage zur Folge haben wird.
Die unmittelbaren Konsequenzen des Krieges sind bereits jetzt verheerend: Tausende Tote und Menschen auf der Flucht, denen die Lebensgrundlage entzogen wurde. Russlands Beschlagnahmung und Blockade von Nahrungsmittelexporten tragen – neben Getreidespekulation, Klimakrise und neokolonialen Abhängigkeiten – weltweit zu Versorgungsengpässen und Hunger bei.
Weltweit wirken die Kriegshandlungen in der Ukraine auf die imperialistischen Blöcke. Die USA können von dem Krieg profitieren, da sie die russische Wirtschaft mit Sanktionen schwächen und das russische Militär stellvertretend durch die vom Westen militärisch ausgestatteten ukrainischen Streitkräfte ausbluten lassen können. Die EU, als enger Partner der USA, wird weiter auf sie angewiesen sein, da sie sich perspektivisch wohl eher an amerikanischer statt russischer Energie orientieren muss. Mit der verschärften imperialistischen Konkurrenz kommt es zu einer »neuen/alten Blockkonfrontation« (Solty).
Die imperialistischen Zentren rüsten auf. Mit den Waffenlieferungen der NATO-Staaten an die Ukraine und der Ausbildung ukrainischer Soldat:innen sind diese letztlich eine Kriegspartei geworden. Die Gefahr eines Atomkrieges steigt damit massiv an. Von der weltweiten Aufrüstungsspirale, in der wir uns bereits befinden, profitiert am Ende vor allem die Rüstungsindustrie. Die klimaschädliche Produktion wird enorm vorangetrieben, was zu einer Verschärfung der Klimakrise führt – eine globale Zusammenarbeit, um gemeinsame Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise auf den Weg zu bringen, wird unmöglich. Um
sich von russischen Brennstoffen unabhängig zu machen, würden in Folge neuer Abkommen die weltweiten Bohrungen nach fossilen Brennstoffen wieder zunehmen, sodass der fossile Kapitalismus ungehindert weiter unsere Lebensgrundlage zerstören kann.
In Anbetracht der ökonomisch-ökologischen Zangenkrise nutzen die imperialistischen Akteure die neue Weltlage außerdem dazu, weiter aufzurüsten und sich auf künftige Kriege um Ressourcen vorzubereiten. Denn bei einer weiteren Zuspitzung der Klimakrise werden die mächtigen Staaten zunehmend Ressourcen monopolisieren, andere Staaten zur Versorgung der eigenen Bevölkerung ausbeuten und die Bewegungsfreiheit massiv einschränken. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass es zu weiteren Eskalationsstufen kommen wird, während die Menschheitsfragen des Hungers, der sozialen Ungleichheit und der Bedrohung der Existenz des Planeten – der Klimakrise – unbeantwortet bleiben.
Aufrüstung und Inflation
Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der damit einhergehenden Krise der Weltordnung schlägt auch die Bundesregierung Deutschlands einen neuen Kurs ein. Mit 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr und der damit einhergehenden Steigerung der Rüstungsausgaben auf das NATO-2%-Ziel steht die »Zeitenwende« der Ampel im Zeichen von Aufrüstung und einer neuen Sicherheitspolitik. Damit sehen wir uns mit der »fundamentalen Abkehr von den Prinzipien deutscher Außenpolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs« und einem neuen deutschen Militarismus konfrontiert. Mit der geplanten Aufrüstung könnte Deutschland weltweit auf Platz 3 der Staaten mit den höchsten Militärausgaben landen – und verfolgt damit eindeutig imperialistische Interessen, auch innerhalb der NATO. Doch den Menschen in der Ukraine wird damit nicht geholfen. Genauso macht die neue Hochrüstung Deutschlands die Welt nicht sicherer, sondern bereitet auf künftige militärische Auseinandersetzungen vor. Dass diese Entscheidung ohne vorherige breite öffentliche Debatte und demokratische Meinungsbildung getroffen wurde, kennzeichnet ebenfalls die autoritäre Politik der Regierungsparteien.
Der neue Kurs der Ampel ändert auch die Ausgangsbedingungen, in denen Linke Politik machen. Eine linke friedenspolitische Perspektive gerät zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen wird der öffentliche Diskurs von einer militärischen Logik dominiert, die sich in der derzeitigen Lage als alternativlos präsentiert. Linke werden gar als Verräter diffamiert, weil sie versuchen Deeskalation voranzutreiben. Diese Entwicklungen erschweren es linken Kräften ungemein, in der derzeitigen gesellschaftlichen Stimmung anschlussfähige Forderungen auf die Straße zu bringen. Gleichzeitig ist die aktuelle Situation auch ein Ausdruck der Schwäche der Linken: Trotz stellenweise breiter Ablehnung oder mindestens Skepsis gegenüber der Lieferung schwerer Waffen aus Angst vor einer direkten, möglicherweise atomaren Konfrontation zwischen Russland und der NATO gelingt es linken Kräften bisher kaum, eine breite Friedensbewegung zu mobilisieren.
Zugleich hat der russische Angriffskrieg erneut die fehlende antiimperialistische Grundeinstellung in breiten Teilen der gesellschaftlichen Linken aufgezeigt: Während manche den Imperialismus Russlands nicht als solchen erkennen, führt ein fehlendes Verständnis über den Imperialismus der NATO bei anderen zu einer unkritischen Unterstützung der Politik der Bundesregierung. Dabei braucht es gerade jetzt eine vereinte linke Friedensbewegung, die sich mit allen Unterdrückten von Krieg, Militarismus und Imperialismus solidarisiert, immer zunächst die Rolle der eigenen Regierung problematisiert und mit aller Kraft antiimperialistische und sozialistische Bewegungen weltweit stärkt.
Bereits jetzt wird von den Regierungsparteien deutlich gemacht, dass die Militärausgaben auf Kosten sozialer Projekte gehen werden. So wird wegen des Bundeswehr-Sondervermögens »das ein oder andere in der Legislaturperiode (…) nicht realisier[t]« werden können. Das ist ein Schlag ins Gesicht für progressive Bewegungen, die seit Jahren Investitionen in Sozialstaat, Klima, Gesundheit, Bildung und vieles mehr fordern und die stets mit der Begründung abgewiesen worden, dafür sei kein Geld da. Und am Ende wird sich der Staat das Geld, welches jetzt in die Aufrüstung fließt, durch Einsparungen in eben jenen Bereichen zurückholen.
Parallel zur durchfinanzierten Aufrüstung steigen die Lebensmittel- und Energiepreise. Mit 7,9% ist die Inflationsrate im Mai so hoch gewesen wie seit über 30 Jahren nicht mehr – und ein Ende des starken Preisauftriebs ist derzeit nicht in Sicht. Während damit zu rechnen ist, dass ein Großteil der Kosten an die Endverbraucher:innen weitergegeben wird, werden Unternehmen in der Öl- und Gasförderung enorm vom Krieg und der Inflation profitieren. Finanzminister Lindner lehnt allerdings eine Übergewinnsteuer für Kriegsprofiteure, wie sie
bereits von LINKEN und Grünen gefordert und in einigen Ländern umgesetzt wurde, ab – stattdessen werden »die Bürgerinnen und Bürger das bezahlen«. Darum will Lindner dafür sorgen, dass die Menschen auch »Lust haben zu arbeiten und ‘ne Überstunde zu machen«. Die Folgen der derzeit steigenden Energie- und Lebensmittelpreise sind nur ein Vorgeschmack auf mögliche Ressourcenkrisen der Zukunft. Umso entscheidender ist es, dass sich neue soziale Proteste formieren. Pandemie, Klimakollaps, Krieg und Inflation sind nicht vom Himmel gefallen – sie sind vom Kapitalismus produzierte Krisen, die von der herrschenden Klasse von oben und auf Kosten der breiten Bevölkerung bearbeitet werden. Hier ist die LINKE gefordert, die Widersprüche in der Krisenbearbeitung der Herrschenden aufzuzeigen, soziale Forderungen nach vorne zu stellen und Menschen in Verteilungskämpfen zusammenzubringen. Die Inflation ist eine Entwicklung, die die Mehrheit der Menschen unmittelbar betrifft. Doch die Regierung bringt lieber ein 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr statt wirkungsvolle Entlastungspakete auf den Weg. Die klassenpolitischen Dimensionen sind da. Wir müssen sie nur sichtbar
machen und sozialistische Alternativen ausbuchstabieren.
Auch wir als Studierende spüren die Folgen dieser Krisen und Verwerfungen. In Deutschland ist fast jede:r dritte Studierende von Armut betroffen – die Armutsquote unter Studierenden ist damit fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Mit der Corona-Pandemie, dem Wegfall zahlreicher studentischer Nebenjobs und der Schließung der Mensen verschlechterte sich die finanzielle Lage vieler Studierender in den letzten zwei Jahren bereits enorm – und auch von der aktuellen Inflation sind Studierende besonders stark betroffen. Die Ampel-Reform des BAföG gleicht nicht einmal die Inflation aus, eine großzügige Erhöhung und Ausweitung wäre weiterhin dringend geboten. Diese Position vertritt auch der fzs, dessen Mobilisierungskraft aber schwach ist. Für uns muss sich analog zur LINKEN die Frage stellen, ob und wie aus dieser sozialen Krise an den Hochschulen Protest und schließlich progressive Veränderung erwachsen können.
»Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens«
Die Lage ist ernst. Das zeigt die Analyse der objektiven Zustände und das weiß auch die junge Generation. Der Klimawandel bereitet mehr als der Hälfte dieser Generation große Sorgen, und drei Viertel blicken mit Furcht auf die Zukunft. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen in das Regierungshandeln rapide ab. Der Glaube, dass die Machthabenden in der Lage seien, die Zustände in den Griff zu bekommen, schwindet.
Was bedeutet das für uns? Eine einfache Antwort gibt es sicher nicht und doch ist uns als Sozialist:innen bewusst: Es ist nicht alles verloren. Aus einer historisch-materialistischen Analyse heraus wissen wir, dass die Welt veränderbar ist. Was es braucht, ist eine neue Radikalität der Ehrlichkeit: Die Zustände so zu benennen, wie sie sind und das System, welches die Vielfachkrise zu verschulden hat, in Verantwortung zu nehmen. Doch dort
dürfen wir nicht stehen bleiben.
Die Schwäche der gesellschaftlichen Linken und der Partei zeigt: So wie es ist, darf es nicht bleiben. Es braucht eine grundlegende Erneuerung linker Politik – Erneuerung heißt aber nicht Anpassung an die veränderten Zustände, sondern Einstehen für die grundlegenden Pfeiler einer linken Überzeugung. Eine Organisation, die sich viel auf die Fahne schreibt, aber diese progressiven Ansätze weder in der eigenen Organisation umsetzen noch in die Gestaltung der Gesellschaft einbringen kann, verliert an Glaubwürdigkeit.
Die Ampel-Koalition als »Modernisierungskoalition des Übergangs« (Candeias) ist nicht frei von Widersprüchen. Diese aufzuzeigen und anzugreifen wird Aufgabe einer nach vorne gerichteten, modernen sozialistischen Politik sein. Es ist davon auszugehen, dass die Ampel-Regierung die gesellschaftliche Erwartung zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen und Krisen früher oder später enttäuschen wird. Für die LINKE gilt es, darauf vorbereitet zu sein und den anhaltenden Wunsch nach Veränderung anhand von konkreten Visionen und realen Durchsetzungsperspektiven in gemeinsame Kämpfe zu übertragen. Unser politisches Agieren müssen wir auf das Ziel ausrichten materielle Macht
aufzubauen, die am Ende in der Lage ist, Strukturen anzugreifen und grundlegende Veränderungen voranzutreiben. Denn immerhin zwei Drittel der Jugendlichen haben das Gefühl in einer Generation zu leben, die politisch etwas verändern möchte. Hier können wir als Studierendenverband ansetzen und all den jungen Menschen, die etwas verändern wollen, eine politische Heimat anbieten. Dafür müssen wir ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen, diese in die objektiven Zustände einordnen und dem Gefühl der Lähmung eine Perspektive kollektiver Ermächtigung entgegensetzen.
Dabei könnten die Aufgaben, die vor uns liegen, nicht größer sein. Aber trotz des Katastrophenszenarios, das auf uns zurollt, dürfen wir nicht kopflos agieren. Der Ernst der Lage erfordert von uns, nicht überstürzt zu handeln, sondern wohlüberlegt und gut vorbereitet in Kämpfe zu gehen. Voraussichtlich werden wir dennoch einige der anstehenden Kämpfe verlieren. Umso wichtiger ist es, dass unsere Organisation in der Lage ist, persönliche Resignation, Enttäuschung und Frustration aufzufangen und eine gemeinsame Vision der Veränderung aufrechtzuerhalten.
Wir wissen: Es erscheint naheliegend, anhand der objektiven Zustände zu verzweifeln und aufgeben zu wollen, und doch – gerade in von Krisen geprägten Zeiten ist das Potential für Veränderung groß. Die politische Lage ist bereits fragil: Krieg, soziale Verwerfungen und die sich verschärfenden Klimafolgen werden den Unmut in der Bevölkerung immens verstärken. Es wird neue Möglichkeitsfenster geben, um sozialistischen Ideen neuen Aufwind zu verschaffen – wir müssen sie nur erkennen und nutzen lernen. Der Kapitalismus produziert und reproduziert fortwährend Ungerechtigkeiten und Leid – die Wut darüber kann uns
antreiben weiterzumachen.
Aufgeben war noch nie weniger eine Option. Denn »Tant que la vie continue, le combat continue!«.
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* So reagierte Jean-Luc Melenchon darauf, dass er knapp den Einzug in die Stichwahl bei der französischen Präsident:innenwahl verpasste. Auf deutsch: »Solange das Leben weitergeht, geht auch der Kampf weiter.«
** Als »ökologisch-ökonomische Zangenkrise« beschreibt Klaus Dörre die »historisch neuartige Ausprägung«, die das »strukturelle Wachstumsdilemma kapitalistischer Gesellschaften« im Kapitalozän erfährt. Da die Generierung von Wirtschaftswachstum, das »wichtigste Mittel zur Überwindung ökonomischer Stagnation und zur Pazifizierung sozialer Konflikte im Kapitalismus«, auf seinen heutigen, ressourcen- und energieintensiven fossilen Grundlagen »zunehmend destruktiv und deshalb gesellschaftszerstörend« wirke, befinde sich die Gesellschaft im »Zangengriff von Ökonomie und Ökologie«: Mehr Wachstum verursacht
ökologische Katastrophen, weniger Wachstum sozialen Konflikte. Klaus Dörre: Gesellschaft in der Zangenkrise. Vom Klassen- zum sozial-ökologischen Transformationskonflikt, in: Dörre, Holzschuh, Köster, Sattel (Hrsg.): Abschied von Kohle und Auto? Sozial-ökologische Transformationskonflikte um Energie und Mobilität, Frankfurt 2020.
21. April 2022
#LinkeMeToo
Statement des Bundesvorstands von Die Linke.SDS
Vorbemerkung: Wir haben seit dem Ostermontag an diesem Statement gearbeitet. Wir wollten uns so schnell wie möglich, aber auch so ernsthaft und überlegt wie nötig zu dem Thema zu äußern. Ein paar Tage haben wir auch deshalb gebraucht, weil die Schilderungen sexualisierter Gewalt Mitglieder des Bundesvorstandes aufgrund eigener Erfahrungen in einer Weise belasten, die es erschwert, innerhalb weniger Tage die richtigen Worte zu finden.
Solidarität mit allen Betroffenen sexualisierter Gewalt
Die Schilderungen im SPIEGEL-Artikel haben uns erschüttert und wütend gemacht. Auch wenn wir wissen, wie allgegenwärtig sexualisierte Gewalt in unserer Gesellschaft und damit auch in unserem Umfeld und unseren Organisationen ist – schwarz auf weiß zu lesen, was Genoss:innen erleben mussten und müssen, aber auch was vermeintliche Genoss:innen getan haben und tun, tut weh.
Unsere Solidarität gilt allen, denen sexualisierte Gewalt widerfahren ist. Sie gilt den Genoss:innen in Hessen, aber natürlich auch in allen anderen Regionen. Denn wir wissen: Sexualisierte Gewalt findet auch in unseren Organisationen statt und nicht zum ersten Mal ist das auch öffentlich bekannt gemacht worden. Umso tragischer ist es, dass wir in der LINKEN bisher noch kein breit getragenes und wirkungsvolles Verfahren für den Umgang mit Sexismus in all seinen Formen gefunden haben. Darunter leiden in erster Linie die Betroffenen, die sich teilweise Strukturen gegenüber sehen, die eher Hindernisse als Unterstützung darstellen.
Jetzt ist der Moment, um grundlegende Veränderung auf den Weg zu bringen. Wir begrüßen, dass die Partei hier jetzt erste Maßnahmen ergreift. Die Verantwortung, dass aus Beschlüssen und Bekenntnissen auch reale Veränderungen werden, liegt bei uns allen.
Aufklärung und Aufarbeitung
Für den Moment steht natürlich die Aufklärung und Aufarbeitung dessen, was in Hessen passiert ist, im Vordergrund. Fest steht, dass dieser Prozess sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren muss. Dies muss in Zusammenarbeit mit externen Beratungsstellen oder anderen Expert*innen im Bereich sexualisierter Gewalt geschehen. Wir stellen uns gegen jegliche Versuche machtpolitischer Vereinnahmung dieser Vorfälle und verurteilen diese zutiefst.
Es gibt in der Linken seit vielen Jahren Debatten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen. Denn für sozialistische Organisationen gelten nicht dieselben Maßstäbe wie etwa vor einem staatlichen Gericht. Unsere Organisationen sollen Orte der Ermutigung und der Emanzipation sein. Orte, an denen wir gemeinsam daran arbeiten, die Gesellschaft zu verändern. Unser Anspruch sollte weit über dem von anderen Parteien liegen.
Außerdem wissen wir, dass in unserer Gesellschaft Betroffenen oft nicht geglaubt wird oder ihre Betroffenheit relativiert wird. Das darf uns nicht passieren. Der Schutz und die Arbeit mit Betroffenen muss im Vordergrund stehen. Gleichzeitig muss unser Umgang mit gewaltausübenden Personen über eine Strafe oder Ähnliches hinaus gehen. Das Auftreten von sexualisierter Gewalt kann nur minimiert werden, wenn gewaltausübenden Personen aufgezeigt wird, inwiefern ihr Verhalten gewaltvoll ist. Nur dadurch können erlernte gewaltvolle Verhaltensmuster verändert werden, die sonst außerhalb der Partei ausgeübt werden. Die Bereitschaft für einen individuellen Veränderungsprozess sowie das Mitwirken an der Veränderung der Organisation gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse sind elementare Bestandteile einer feministischen Praxis.Wenn diese Bereitschaft nicht gegeben ist, muss es Möglichkeiten geben gewaltausübende Personen auszuschließen.
In der Linken wird ein Umgang in dieser Form als Ansatz transformativer Gerechtigkeit – »transformative justice« – diskutiert. An diesem Ansatz, in dessen Zentrum die gemeinsame und grundlegende Veränderung der Gesellschaft steht, orientieren auch wir uns in der Entwicklung eines kollektiven und demokratisch legitimierten Umgangs mit Gewalt und Diskriminierung innerhalb unseres Verbands. Wir halten diese Perspektive auch im Hinblick auf die Partei für eine sinnvolle Orientierung.
Was bedeutet es, eine feministische Partei zu sein?
Verfahren im Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt zu etablieren, die breite Anerkennung in der Partei erfahren und gleichzeitig ihren Zweck erfüllen, ist eine unserer Aufgaben. Feministische Partei zu sein bedeutet jedoch noch viel mehr. Für uns geht mit dem Anspruch sozialistische Mitgliederpartei zu sein auch die Herausforderung einher, dass wir als Genoss:innen gemeinsam versuchen, nicht nur das ABC sozialistischer Politik sondern auch einen solidarischen Umgang jenseits patriarchaler und anderen unterdrückenden Verhaltensweisen zu erlernen.
Feministische Partei zu sein fängt somit schon beim Aufbau von lebendigen und einladenden Ortsverbänden und Basisorganisationen an. Hier können FINTA-Personen insgesamt gefördert und in ihren Ansprüchen bestärkt werden, was nicht bedeutet sie schnell in Amt & Würden zu bringen um Quoten zu erfüllen, strukturelle Probleme aber unangetastet zu lassen. Nachhaltige Sensibilisierung für Sexismus und andere Formen von Diskriminierungen muss auf jeder Ebene der Parteistrukturen stattfinden. Mitarbeiter:innen, Abgeordnete und andere Funktionär:innen müssen in die Pflicht genommen werden ihre Zeit und ihre Ressourcen in den Aufbau und in die Erhaltung von Strukturen einzusetzen, welche dem bestehendem Sexismus und den patriarchalen Machtgefällen entgegenwirken. Zu einer feministischen Praxis muss gehören sich Machtgefällen bewusst zu werden, ihren Missbrauch zu verhindern und sie soweit wie möglich abzubauen. Dafür braucht es sowohl auf kommunaler als auch auf Landes- und Bundesebene kompetente ansprechbare (Vertrauens-)Personen, an die sich in Fällen von Sexismus und sexualisierter Gewalt gewendet werden kann.
Feministische Partei zu sein ist ein andauernder Prozess, denn solange wir die Gesellschaft nicht grundlegend verändert haben, prägt sie uns und fordert damit heraus, dass wir uns gegen alle Verhältnisse von Ausbeutung und Unterdrückung wehren – kollektiv wie individuell.
Zur Debatte
Im Anschluss an die SPIEGEL-Veröffentlichung dreht sich in der Debatte vieles darum, wer jetzt alles zurücktreten muss. Das ist nicht förderlich. Wenn sich Betroffene dazu gezwungen sehen, an die Öffentlichkeit zu gehen, dann ist eindeutig, dass in der Partei einiges schief gelaufen ist und Konsequenzen daraus gezogen werden müssen. Dass für manche jetzt die entscheidende Frage zu sein scheint, was Janine Wissler getan hat und was nicht und ob sie zurücktritt, halten wir für ein Teil des Problems. Ja, auch die jetzige Parteivorsitzende steht in der Verantwortung, mögliche Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und für die Zukunft jetzt die richtigen Schritte in die Wege zu leiten. Das kann aber nur in einem kollektiven Prozess passieren, in dem wir erstens Schutz für Betroffene organisieren und ihre Perspektive in den Vordergrund stellen, zweitens die Beschuldigten zur Verantwortungsübernahme bringen und ggf. Konsequenzen ziehen und drittens als LINKE-Mitglieder Verantwortung für die Partei und jeden Ort in ihr übernehmen und so gleichzeitig die Gesellschaft verbessern. Es liegt an uns, diesen Prozess solidarisch und unter Einbezug verschiedener Perspektiven und Erfahrungen zu gestalten. Dabei müssen Einsicht und Verantwortungsübernahme im Mittelpunkt stehen, denn nur so können wir nachhaltige Strukturen aufbauen und einen echten Kulturwandel innerhalb der Partei erwirken.
Wir als Bundesvorstand wollen von nun an weiterhin Druck auf die Partei ausüben, damit die angekündigten Konsequenzen auch umgesetzt werden. Außerdem arbeiten wir an der Umsetzung der Forderungen innerhalb von Die Linke.SDS. Bereits auf dem vergangenen 29. Bundeskongress hatten wir beschlossen, bis zum 30. Bundeskongress Konzepte für den Umgang mit Diskriminierung im Verband zu erarbeiten.
18. März 2022
Für den Erhalt und den Ausbau internationaler Wissenschaftskooperation!
Der Angriffskrieg der russischen Armee in der Ukraine muss sofort beendet werden. Damit dieser Krieg nicht zu einem atomaren Weltkrieg zugespitzt und das Leid sofort beendet wird, muss umso dringlicher die Spirale der Gewalt aus Abschottung, Abschreckung, Aufrüstung, Provokation und Eskalation durchbrochen werden. Doch die NATO, EU und ihre Mitgliedsregierungen schüren die bisherige Eskalation mit Aufrüstungen, Waffenlieferung, Ausdehnung der Macht- und Einflusssphäre gen Osten brandgefährlich weiter. Brutale Sanktionen treffen die globale Zivilbevölkerung. Kein Menschenleben wird dadurch in der Ukraine gerettet, im Gegenteil wird weiter Öl ins Feuer gegossen.
Dagegen: Wir sind der Überzeugung, dass zivile internationale Kooperation die notwendige und einzige Alternative zum Krieg ist – in Kultur, Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Deswegen streiten wir als dielinke.SDS für internationalen Wissenschaftsaustausch, Völkerverständigung, Abrüstung und menschenwürdige Aufnahme geflüchteter Menschen. Wir sehen uns in der Verantwortung, jetzt erst Recht Orte der internationalen Zusammenarbeit zu schaffen und zu stärken.
Wir rufen die Mitglieder der Hochschulen auf, die internationale wissenschaftliche Kooperation, insbesondere mit Kolleg:innen und Kommiliton:innen aus Russland und der Ukraine, zu suchen und zu intensivieren und so zu einer rationalen Verständigung und friedensstiftenden zivilen Entwicklung beizutragen. Wir fordern außerdem die Wissenschaftsminister:innen, die Bundes- und Landesregierungen, den DAAD, die Hochschulleitungen auf, sofortige Wiederaufnahme der Kooperationsaktivitäten mit russischen Hochschulen und anderen Wissenschaftseinrichtungen zu ermöglichen und aktiv zu befördern. Damit zur Herausbildung gleichberechtigter und verbindlicher kultureller, wirtschaftlicher und politischer Partnerschaften beigetragen wird. Das ermöglicht soziale, demokratische Progression in allen beteiligten Ländern und wirkt friedensbildend.
Wir stellen uns an die Seite der russischen Wissenschaftler:innen für den Frieden:
»Wissenschaftliche Forschung ist ohne eine umfassende Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Ländern nicht denkbar. Die Isolierung Russlands von der Welt bedeutet eine weitere kulturelle und technologische Degradierung unseres Landes, die keine positiven Perspektiven bietet. Ein Krieg mit der Ukraine ist ein Schritt ins Nirgendwo. (…) Wir fordern die sofortige Einstellung aller Militäraktionen gegen die Ukraine. Wir fordern die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität des ukrainischen Staates. Wir fordern Frieden für unsere Länder. Lassen Sie uns Wissenschaft betreiben, nicht Krieg!«
Wir kämpfen dafür, dass das angekündigte 100 Mrd. Euro Aufrüstungspaket in ein soziales, ziviles Investitionsprogramm umgewidmet wird. Die Hochschulen können, wie alle demokratischen öffentlichen Bereiche, die Mittel zur umfassenden Erfüllung wissenschaftlicher Arbeit und Bildung zum Allgemeinwohl sehr gut gebrauchen.
Wir wirken in den Hochschulen für Solidarität mit ukrainischen und russischen Kommiliton:innen sowie allen internationalen Studierenden. Aufgrund des Krieges fallen aktuell finanzielle Unterstützungen weg. Gerade zum Semesterbeginn setzen wir uns für einen sozialverträglichen Umgang mit der Zahlung von Semesterbeiträgen und Studiengebühren ein, bis zu ihrer Abschaffung. Geflüchtete Menschen, unabhängig ihres Passes, Hautfarbe oder Herkunft, sollen zügig in die Hochschulen und Studium aufgenommen werden.
Wir intensivieren unsere Arbeit für und mit Zivilklauseln für rein zivile Wissenschaft zu Kriegs- und Friedensursachen. Aufklärung und Verständigung ist die Alternative zu Kriegspolitik und -propaganda: Mit Vernunft Frieden schaffen!
28. Februar 2022
Nein zum Krieg um die Ukraine!
Stoppt die Invasion!
Statement des Bundesvorstands von Die Linke.SDS
Mit dem Beginn der Invasion am frühen Donnerstagmorgen hat Russlands Präsident Putin einen Völkerrechtsbruch begangen. Durch diesen Krieg wird das Leben von Tausenden und Millionen von Menschen gefährdet. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die jetzt um ihr Leben fürchten. Jetzt muss alles getan werden, damit die Lage sich wieder beruhigt und so wenig Menschen wie möglich zu Schaden kommen.
Das russische Regime behauptet, der Vormarsch sei eine „Friedensmission“. Das ist mehr als zynisch. In Wirklichkeit geht es darum, die russische Vorherrschaft über die Ukraine und die Region wiederherzustellen. Der russische Imperialismus steht dem westlichen in keinen Punkten nach: Es geht darum, die eigenen Kapitalinteressen zu sichern und gegen die Interessen des Westens zu erkämpfen. Putin sprach in seiner Kriegserklärung davon, dass die Ukraine schon immer ein Teil Russlands gewesen sei, verkennt damit jedoch das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das nach der Oktoberrevolution verankert wurde. Dieser Krieg und auch die Stimmungsmache gegen eine selbstbestimmte Ukraine hat zwei wesentliche Effekte: 1) die geopolitisch, sowie ressourcenreiche Ukraine in den eigenen Machtkorpus zu integrieren und 2) Stimmen der Opposition auszublenden. Der militärische Angriff seitens russischer Regierung ist ein klarer Ausdruck der Interessen der Herrschenden und ist aufs Schärfste zu verurteilen. Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand und die Rückkehr an den Verhandlungstisch!
Unsere Solidarität gilt der ukrainischen Bevölkerung, sowie den Demonstrant:innen und Kriegsgegner:innen in Russland und Menschen, die aufgrund der aktuellen Geschehnisse aus ihrem Zuhause fliehen müssen.
Auf die Straße für Frieden und Abrüstung!
In einem gemeinsamen Statement von Jusos und Grüne Jugend mit der Jungen Union und den jungen Liberalen heißt es: „Als junge Generation, die den Kalten Krieg nicht selbst erlebt hat, ist es auch unsere Verantwortung, den Frieden in Europa zu bewahren und Krieg zu verhindern.“ Für uns bedeutet die Verantwortung, den Frieden als „wertvollste(s) Gut“ zu bewahren, allerdings nicht, gemeinsam mit den politischen Kräften der Aufrüstung und Militarisierung für Frieden zu demonstrieren. Es ist höchste Zeit, dass unsere Generation wieder gegen Waffenexporte und für Abrüstung auf die Straße geht, und das nicht nur für den auf europäischem Boden. Wo war der Einsatz gegen den Krieg der Türkei in Syrien und der Bundeswehr in Afghanistan? Unsere Forderung nach Frieden muss sich auch an die NATO richten. Auch sie besitzt keine weiße Weste, führt Kriege und hat Kriege geführt, auch in Europa. Wenn Olaf Scholz behauptet, es gäbe seit 75 Jahren keinen Krieg mehr in Europa, dann vergisst er unter anderem Jugoslawien – Rot-Grün hat Deutschland in diesen Krieg geführt.
Wir leben in einem imperialistischen System mit zueinander in Konkurrenz stehenden Kapitalinteressen. Diese Interessen werden zur Not durch kriegerische Handlungen der Nationalstaaten oder Militärbündnisse durchgesetzt. Die Konsequenzen beobachten wir durchgehend weltweit.
Die Ukraine wird hier zu einem Spielball imperialistischer Großmächte, sowie es andere Staaten zuvor wurden und immer noch sind.
Die Leidtragenden des aktuellen kriegerischen Konflikts sind nicht diejenigen, die ihn anzetteln und befeuern, sondern die Menschen in der Ukraine, die um die Zerstörung ihrer Heimat oder gar die Auslöschung ihres Lebens fürchten müssen; diejenigen, die fliehen und alles zurücklassen müssen; die Menschen in Russland, die unter Repressionen und Sanktionen leiden; Menschen die ihr Leben oder ihre Unversehrtheit verlieren und auch all diejenigen, die aufgrund hoher Rüstungsausgaben in ihren Ländern auf grundlegende Sozialleistungen und damit auf ein Leben in Würde verzichten müssen. Und all das, weil einige wenige profitieren. Und diese wenigen riskieren einen Krieg, in dem es um Kapitalinteressen, fossile Brennstoffe und Rüstungsprofite geht!
Russland , und damit ist die politische und ökonomische Elite gemeint, ist in dieser Situation der akute Aggressor. Das ist eindeutig. Eine weitere Deeskalation wird es dennoch nur geben, wenn auch die NATO mit ihrer Politik unter Druck gerät durch eine neue Friedensbewegung voller junger Menschen. Waffen- und Rüstungslieferungen sowie Kriegsvorbereitungen, wie wir sie seit gestern seitens der Bundesregierung beobachten können, führen nicht zur Deeskalation und bringen keinen Frieden, sondern steigern weiter die Kriegsgefahr! Dass die Bundesregierung nun aktiv Waffen liefert, ist unhaltbar, dort Helfen auch keine beschwichtigenden Ausreden seitens der Regierung, dass man von den Verbündeten dazu gedrängt wird. Ebenso soll das Militärbudget erhöht werden, was eine Eskalation noch weiter vorantreibt. Wir müssen uns ganz klar gegen den Militarismus der Regierung stellen. Unsere Antwort kann nur eins sein: antikapitalistisch, antimilitaristisch und friedensbewegt!
Der politische Druck lässt sich nur gemeinsam von unten aufbauen! Wir rufen alle Menschen dazu auf, sich an den zahlreichen Kundgebungen für den Frieden, einen Waffenstillstand und Abrüstung zu beteiligen!
Für den Moment sind für uns folgende Forderungen zentral:
- Sofortiger Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine!
- Solidarität mit den Ukrainer:innen und den Demonstrant:innen und Kriegsgegner:innen in Russland
- Keine Eskalation, keine Intervention der NATO!
- Waffenstillstand und Verhandlungen jetzt!
- Abrüstung vor allem von Atomwaffen
- Asyl für desertierende Soldaten
- Offene Grenzen ohne Selektierung – Aufnahme aller Geflüchteten!
- ein Zurück zur Rüstungskontrolle und Abrüstungsverhandlungen
- Kürzung statt Erhöhung des deutschen Rüstungshaushaltes – Investitionen in Bildung und Soziales!
- keine Osterweiterung der Nato, keine weitere Waffenlieferung in Krisengebiete
20. Oktober 2021
Zwischen Wahlniederlage und Aufbruchstimmung:
Was kann die studentische Linke zu einem Comeback der LINKEN beitragen?
Statement des Bundesvorstands von Die Linke.SDS nach der Bundestagswahl und zum Semesterstart.
Wenige Wochen nach dem enttäuschenden Ergebnis der LINKEN bei der Wahl kehren wir Studierende endlich wieder an den Campus zurück. Was erwartet uns? Vor welchen Herausforderungen stehen wir? Und vor allem: Wie bauen wir die klein und groß geschriebene Linke (wieder) auf? Um diese Fragen zu beantworten, diskutieren wir in diesem Text zunächst den Wahlausgang mit besonderem Blick auf das Abschneiden der LINKEN. Anschließend widmen wir uns der Stärke von FDP und Grünen bei jungen Leuten und bringen diese in Zusammenhang mit der Lage an den Hochschulen. Zum Abschluss machen wir Vorschläge für Handlungsfelder, in denen wir als studentische Linke jetzt Schritte nach vorn machen können.
Merkels Nachfolge und der »progressive Neoliberalismus«
Die Frage »Wer wird Kanzler:in?« dominierte den Wahlkampf. Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz standen sich allerdings zu nahe, als dass es zu einer echten Polarisierung kommen konnte (vgl. Janis Ehling in der LuXemburg). Alle drei kämpften um das politische Zentrum. Im Vordergrund standen »Personalisierung, individuelle Schwächen der Kandidatin und der Kandidaten sowie reale oder vermeintliche Intrigen und Skandale« (Klaus Dörre im Jacobin), nicht die wichtigen Fragen unserer Zeit »Wie lösen wir die Klimakrise?« und »Wer bezahlt die Kosten des notwendigen Wandels und der Corona-Pandemie?«. Gleichwohl bemerkenswert ist die Krise des Konservatismus. Wohin die Neuaufstellung der Union nach ihrem schlechtesten Wahlergebnis führen wird ist zwar noch unklar, eine Öffnung nach rechts, wie sie Vincent Streichhahn in der LuXemburg diskutiert, halten wir jedenfalls ebenso für möglich wie eine Verjüngung und eine Art »modernen« Konservatismus. Ein Zurück zu alten Zeiten, wie Friedrich Merz vorschlägt, »bleibt aus der Perspektive eines ideellen Gesamtkapitalisten weit hinter den Erfordernissen einer tragfähigen Post-Corona-Agenda zurück«, wie Dörre richtigerweise schreibt. »Sie legt die Union auf Positionen fest, die selbst in der Wirtschaft auf Ablehnung stoßen und im imperialen Kräftemessen zwischen China und den USA in die Isolation führen müssen.«
Für uns steht fest, dass auch die Ampel nur das »Wie« des »Weiter So« verhandelt, nicht das »Ob«. Der »neue Aufbruch«, den Christian Lindner ankündigt, das »fortschrittliche Zentrum« und der »Neuanfang«, den sich 51% der Deutschen von einem Ampel-Bündnis erhoffen, wird kaum mehr sein als ein grünes Update des Status Quo. Als »progressiven Neoliberalismus« hat die neue Bundessprecherin der Grünen Jugend Sarah-Lee Heinrich die Ampel in Anlehnung an den Begriff von Nancy Fraser passenderweise bezeichnet – ein im Kern neoliberales Projekt, das sich fortschrittlich gibt, die sozialen Spaltungen aber verschärfen wird, eine Regierung, die bereits als »fortschritlich« gilt, »wenn die Führungsetagen von Unternehmen diverser besetzt werden, die Büros am Abend aber trotzdem migrantische Frauen für beschissene Löhne sauber machen müssen«.
Die kommenden vier Jahre werden von weiteren Klimakatastrophen und Verteilungskämpfen geprägt sein. Die Kosten der Klima- und Coronakrise werden von der kommenden Regierung mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Mehrheit der Bevölkerung abgewälzt werden. Dagegen Protest organisieren kann nur eine starke LINKE, die Menschen für einen sozial-ökologischen Systemwechsel begeistert. Doch davon sind wir aktuell weit entfernt.
Niederlage der LINKEN: Taktische Fehler und große Aufgaben
Wir sind noch wie selbstverständlich mit einer LINKEN im Bundestag politisch aktiv geworden. Dass das aber eben keine Selbstverständlichkeit ist, mussten wir am Wahlsonntag schmerzlich feststellen. Eine sozialistische Partei aufzubauen, die wirklich im Alltag von Millionen verankert ist, ist eine riesengroße Aufgabe. DIE LINKE ist bisher keine Partei in diesem Sinne, sie bietet uns aber die Möglichkeit, eine solche zu schaffen, weil sie Zehntausende links der Sozialdemokratie vereint. Heute steht auch diese Möglichkeit auf dem Spiel und diesen Trend umzudrehen ist die große Aufgabe vor der wir stehen, wenn wir uns als Sozialist:innen verstehen.
Wie konnte es dazu kommen? Warum hat DIE LINKE bei der Wahl überhaupt so viel Zustimmung verloren? Wir sehen mehrere Gründe. Zunächst stimmt es, dass wir in der Zuspitzung auf Scholz gegen Laschet und anfangs auch Baerbock zerrieben worden sind. Wer beerbt Merkel und wird Merkel 2.0? Das war die zentrale Frage. Mit unseren zentralen Botschaften haben wir als LINKE kaum Gehör finden können. Mediale Aufmerksamkeit bekamen wir erst als die Union Angst vor einem »Linksrutsch« schürte.
Zweitens aber reagierte die Parteispitze auf dieses wenig wahrscheinliche Szenario einer R2G-Regierung unter anderem mit dem sogenannten »Sofortprogramm«. Während wir die taktische Idee dahinter – Grüne und SPD herausfordern, zeigen, dass wir LINKE Veränderung wollen – nachvollziehen können, so war die Ausführung in unseren Augen schwach. SPD und Grüne wurden nicht herausgefordert. Vielmehr sah es so aus, als ob DIE LINKE so gerne regieren wollen würde, dass ihr der Inhalt einer Koalition gar nicht mehr so wichtig ist. Rote Haltelinien und positive »Wendepunkte«, wie sie im Programm eigentlich verankert sind, waren nicht klar erkennbar. Bitter ist dieser Eindruck eines »Lagerwahlkampfes«, der durch verschiedene Interviews und »Hintergrundgespräche« etwa von Dietmar Bartsch und Susanne Hennig-Wellsow noch verstärkt wurde, insbesondere deshalb, weil das Sofortprogramm ohne Zustimmung des Parteivorstands vorgestellt wurde. Es war demnach ein taktischer Fehler von wenigen, der hätte verhindert werden können.
Doch nicht nur der viel zu freundliche Umgang mit SPD und Grünen hat geschadet. Als LINKE haben wir drittens in zentralen Fragen unserer Zeit nicht mit einer Stimme gesprochen. Wir hätten die Grünen an ihren großen Aufbruchsversprechungen messen können, hätten uns für Klimaschutz gegen Konzerninteressen, konsequenten Antirassismus und Antifaschismus, die Abschaffung von Frontex und für Frieden stark machen können. Stattdessen haben wir über »Lifestyle-Linke« diskutiert, weil Sahra Wagenknecht überall erzählt hat, dass wir wie die Grünen sind und die »einfachen Leute« verprellen. Es stimmt, dass wir manche Menschen nicht (mehr) erreichen. Es wird aber nicht besser, wenn wir das nicht gemeinsam angehen sondern großen Medienkonzernen immer wieder sagen, wie blöd DIE LINKE eigentlich ist. Egal ob es Hintergrundgespräche mit der FAZ oder Interviews mit der WELT sind – unsere Bewegung wird nicht durch Interviews aufgebaut, nicht über eine Öffentlichkeit, die uns eher feindlich gegenüber steht.
Viertens und entscheidend ist unseres Erachtens aber die weiterhin fehlende Verankerung der LINKEN im Alltag von Millionen. Auch wenn wir zu den scheinbar glorreichen Zeiten der Partei noch in die Schule gegangen sind, haben wir verstanden, dass das gesellschaftliche Lager, dass die LINKE damals wählte, sich verändert hat. Es ist nicht gelungen, die guten Wahlergebnisse auch in Mitgliedschaft und Verankerung zu übersetzen. So entstanden Apparate und Ressourcen, von denen auch wir profitieren, die in der Realität aber auch zum Problem werden können. Sie simulieren Stärke, die wir nicht haben. Das hat die Wahl deutlich gemacht. DIE LINKE macht fast nie den Unterschied. Doch sie müsste es sein, die Kämpfe im Viertel, im Betrieb und auf den Straßen antreibt und zu Erfolgen führt.
Um die Zukunft der LINKEN als sozialistische Mitgliederpartei zu sichern, brauchen wir daher einen Fokus auf wirkliche Verankerung und einen Aufbau der Partei von unten. Dass das nicht leicht wird und ist, wissen wir selber aus unserer Arbeit an den Hochschulen allzu gut. Aber es gibt keine Alternative zu diesem Weg. Die über 200.000 Haustürgespräche waren ein guter erster Schritt. Gleiches gilt für einzelne Organizing-Projekte. Trotzdem arbeitet die Mehrheit der Kreisverbände nachwievor vor allem für den Sitzungssozialismus, führt kaum Gespräche, baut nicht systematisch auf. Das zu ändern hat nun höchste Priorität und die über 2000 Eintritte kurz nach der Wahl deuten das Potential einer Mitgliederpartei an.
FDP und Grüne statt LINKE: Was ist mit unserer Generation los?
Diese neuen Mitglieder sind wie in den letzten Jahren zu mehr als zwei Drittel junge Leute. Bei der Wahl bekamen allerdings Grüne und FDP die meisten Stimmen von Erstwähler:innen. Nur ein kleiner überzeugter Teil der jüngeren Generationen versteht sich als der LINKEN nahe. Daran müssen wir arbeiten.
Erfreulich ist jedoch zunächst die Tatsache, dass auch die AfD im bundesweiten Durchschnitt wenig Zustimmung innerhalb der Jugend bekommt. Auch wenn das in manchen Regionen und Bundesländern wie Sachsen anders aussieht, so zeigt dies doch, dass es der Jungen Alternative und Vorfeldorganisationen wie der Identitären Bewegung nicht gelingt, sich breit zu verankern. Erfreulich ist auch, dass die Erstwähler:innen kein »Weiter so« wollen. Den Regierungsparteien gaben sie nur wenig Stimmen. Doch der Veränderungswille polarisiert sich zwischen FDP und Grünen, die sich laut Instagram nun zwar annähern, häufig aber als scharfe Gegner:innen dargestellt werden. Als LINKE spielen wir mit 8% nur eine Nebenrolle. Wie ist das zu verstehen?
Blicken wir auf die FDP. Sie profitierte sicherlich von ihrer Ablehnung von zahlreichen Corona-Maßnahmen. Viele Schüler:innen und Studierende erlebten den Staat als einen Akteur, der Präsenzlehre und Freizeit verhindert, aber gleichzeitig wenig Alternativen und Perspektiven bietet. Während solidarische Alternativen zur digitalen Lehre bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Prüfungsdrucks fehlten, bot die FDP eine scheinbar attraktive Lösung an: Weniger Einschränkungen, mehr jede:r für sich. Der Krautreporter Bent Freiwald hat junge FDP-Wähler:innen nach ihren Motiven befragt. Die Antworten drücken einen Mischung aus Staatsmisstrauen und dem Versuch einer Abgrenzung zum grün-linken Milieu um Fridays For Future aus. Zu erwähnen ist schließlich auch die Präsenz der FDP in sozialen Medien und eine gewisse Beliebtheit, die sie in YouTube- und Gaming-Kreisen erfährt, wie der Journalist Raphael Knipping berichtet. Man mag das starke Ergebnis der FDP unter den fast 3 Millionen Erstwähler:innen so besser nachvollziehen können. Es ist dennoch Ausdruck einer neoliberalen Ellenbogen-Mentalität, die unseren Vorstellungen einer solidarischen Gesellschaft diametral entgegensteht.
Etwas relevanter für DIE LINKE ist daher der Blick auf junge Grüne-Wähler:innen. Warum so viele junge Menschen, die Veränderung wollen – die »Generation Greta« –, grün statt links wählen, hat der Jugendforscher Max Lill bereits im Mai diesen Jahres in der LuXemburg diskutiert. Er argumentiert, dass die Grünen mit ihrem »pragmatischen Idealismus« auf Zuspruch treffen, weil sie reale Bedürfnisse nach Sicherheit unter Jugendlichen adressieren. Dieses sogenannte »Re-Grounding« sei eine Reaktion auf zunehmende Unsicherheit bezüglich der eigenen Zukunft sowie gestiegenen Leistungsdruck in Schule und Studium. Wie können diese Bedürfnisse von links angesprochen werden? Wie können die hohen Zustimmungswerte zu Umverteilung, Klimaschutz und anderen progressiven Forderungen für einen Aufschwung sozialistischer Ideen und Politik genutzt werden? Diese Fragen müssen uns jetzt noch mehr beschäftigen. Hoffnungsvoll stimmt uns an dieser Stelle die weiterhin große Mobilisierungskraft der Fridays For Future-Demonstrationen kurz vor der Wahl. Mit 620.000 Menschen bundesweit war der Klimastreik deutlich stärker als andere große Mobilisierungen. FFF hat so wohl auch dazu beigetragen, die Grünen in die Regierung zu bringen. Doch die Hoffnung auf gute Klimapolitik wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell verfliegen. Daraus kann Frustration für die vielen jungen Klimaaktivist:innen entstehen, die von links aufgefangen werden muss.
Die Hochschulen öffnen – und jetzt?
In den Haustürgesprächen – einer der wenigen Möglichkeiten, die uns in den vergangenen Monaten zur Verfügung standen, um mit nicht-organisierten Studierenden in Kontakt zu treten – erzählten viele unserer Kommiliton:innen nicht nur vom Klimawandel und hohen Mieten, sondern häufig auch von ihrer Vereinzelung und Isolation in anderthalb Jahren digitaler Lehre. Die Unzufriedenheit über die mangelnde Berücksichtigung studentischer Interessen formierte sich aber erst im Juli diesen Jahres z.B. unter #UnisAuf in einer Protestbewegung, auch weil von links bis dahin kaum sinnvolle Angebote entwickelt wurden. So waren es nicht-organisierte Erstsemester, die Kundgebungen organisierten und die politisch eben vor allem an Einem interessiert waren – der Öffnung der Hochschulen. Dabei wurde wenig differenziert, welche Hochschulgruppen sich in die Proteste einbringen – wir waren genauso willkommen wie der Freie Campus, die liberale Hochschulgruppe. Dem anschließenden Versuch, die Proteste nun stärker von links zu prägen, wurde vielerorts mit den Öffnungsankündigungen der Hochschulleitungen schnell der Wind aus den Segeln genommen.
Mit dem Semesterstart und der damit einhergehenden Öffnung der Hochschulen kann jetzt auch die studentische Linke wieder eingreifen.Junge Studierende betreten das erste Mal die Universität, suchen Austausch, Informationen und Anschluss. An dieses Gefühl knüpfen wir und andere Gruppen bundesweit mit Kritischen Einführungs- und Orientierungswochen an. Wir als studentische Linke sind jetzt gefragt unseren Beitrag dazu zu leisten, die gesamtgesellschaftliche Linke und damit auch DIE LINKE wieder zu stärken. Wir sehen drei Felder, in denen wir jetzt erfolgreich sein können:
1) Den Campus als politischen Raum zurückerobern.
Die Hochschulen sind nicht der entscheidende Ort gesellschaftlicher Veränderung. Und doch können von ihnen Impulse über den Campus hinaus ausgehen. Im Wintersemester bedeutet das an den Hochschulen: Viel Raum für Debatte schaffen, Kundgebungen organisieren, zeigen, dass wir uns den Campus als Wirkungsort nicht so schnell nehmen lassen. Die verschiedenen Formen alternativer Einführungswochen können dabei nur der Anfang sein. Je nach Konfliktlage vor Ort können Vollversammlungen, Sit-Ins etc. sinnvoll sein, um den Campus wieder mit Politik zu füllen und vereinzelte kritische Studierende gegen das Zentrum zu sammeln. Auch grundsätzliche politische Bildungsangebote gilt es auf die Beine zu stellen. Wir werden mit unseren »marxistischen Montagen« zeitnah ein erstes Format auf den Weg bringen. Verstärken wollen wir auch den systematischen Aufbau an Fachhochschulen, an denen politisches Engagement häufig noch verhindert wird. Zuletzt bundesweite Proteste sollten verstärkt mobilisiert werden. Bereits am 22. Oktober findet der Zentralstreik von FFF in Berlin statt. Im Dezember lädt die AfD zum Bundesparteitag nach WIesbaden – eine Möglichkeit, die schwelenden Konflikte durch politischen Druck von außen zu verstärken und die Partei weiter zu schwächen.
2) Gewerkschaftlichen Aufbruch in Studium & Forschung unterstützen.
Die Kolleg:innen von TV Stud Hamburg haben indes schon damit begonnen den Campus zurück zu erobern und gleich zu Beginn des Semesters einen Hörsaal besetzt. Sie starten damit in die Tarifrunde der Länder, in der die Hochschulen zu den größten Betrieben gehören und in welcher nun auch der Tarifvertrag für studentische Beschäftigte verhandelt wird. Gemeinsam mit der Aufmerksamkeit rund um #ichbinhanna erneuern die TV Stud Initiativen die Hochschulpolitik in Deutschland, bringen Studierende und Beschäftigte zusammen, setzten auf systematischen Machtaufbau und Streiks. In der Kombination aus Streiks an den Hochschulen und Solidaritätsaktionen mit Auseinandersetzungen in den Universitätskliniken, die ebenfalls Teil dieser Tarifrunde sind, liegt das Potential, die soziale Frage und gewerkschaftliche Organisierung an den Hochschulen populärer zu machen. Das sollte unser Ziel sein.
3) Ökosozialistische Vision bekannt machen.
Entscheidend wird sein, wie es uns als studentischer Linken und Die Linke.SDS gelingen wird, Anziehungspunkt für die vielen jungen Leute zu werden, die das Voranschreiten der Klimakrise nicht weiter akzeptieren wollen. Dem Vertrauen auf Mechanismen des Marktes, Innovationen in der Technik und allen anderen Formen von systemimmanenten Strategien für den ökologischen Umbau müssen wir eine ökosozialistische Vision entgegenstellen, die sowohl durch etwas Utopisches als auch durch konkret durchsetzbare Projekte überzeugt. Den Anfang haben wir vergangenes Jahr in der Zusammenarbeit von Fridays For Future und ver.di gemacht. Im kommenden Jahr laden wir als Die Linke.SDS zu einer großen Organizing-Akademie ein, auf der wir weitere Projekte verabreden und eine Kultur der organisierenden Politik verallgemeinern wollen. Die studentische Linke, davon sind wir überzeugt, muss weiterhin aktiv das Bündnis mit Beschäftigten suchen und auf gesellschaftliche Mehrheiten für einen sozial-ökologischen Systemwechsel orientieren.
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16. Bundeskongress (Jun 2015)
/in Bundeskongress /von Pia ChwalczykStress an der Uni? Stress die Uni!
Leitantrag des Bundesvorstands und der Kampagnengruppe Prekarisierung
Aktionen im Wintersemester 15/16 im Rahmen der Preka-Kampagne:
Praktische Vorschläge zur Umsetzung der Kampagne an der Hochschule
Vorbemerkung:
Auf dem letzten Bundeskongress wurde der Antrag„Akademisch und Prekär“beschlossen. Als Studierendenverband wollen wir gemeinsam mit der Partei, aber auch als eigenständiger Faktor an der Kampagne „Das muss drin sein“ mitwirken.
Dieser Antrag ist gedacht als Diskussions- und Aktionsgrundlage innerhalb der Kampagne. Wir sehen in der Kampagne die Möglichkeit, als verbindendes Projekt des gesamten Verbandes zu fungieren. Die Herausforderung wird es aus unserer Sicht sein, in einem ersten Schritt die gegenwärtigen Verhältnisse zum Thema zu machen.
Die aktuelle Krisenerzählung lautet: Die Auftragsbücher sind voll, der Export brummt und alle, die wollen, finden einen Job. Das ist die Geschichte, die die deutsche Regierung seit Beginn der Krise 2008 erzählt. Die breite Öffentlichkeit in Deutschland wurde praktisch durchgehend an dieses Bild gewöhnt, während verschwiegen wird, dass das „Job-Wunder“ nur aufgrund des massiven Anstiegs atypischer Beschäftigung, einer Stagnation der Lohnentwicklung und einer aggressiven Exportstrategie der deutschen Wirtschaft zu Stande kommen konnte. Gleichzeitig werden die erkämpften sozialen und demokratischen Errungenschaften durch eine autoritäre Sparpolitik nach und nach zerstört. Spätestens seit der Agenda-Politik von Schröder und Co. ist die Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg bei breiten Bevölkerungsschichten und damit auch bei Studierenden angekommen. An den Unis werden wir daran gewöhnt, dass wir uns mit mehreren Jobs, Befristungen und einer miesen Bildung abfinden sollen. Wir sollen keine Ansprüche stellen und uns in die Sachzwänge.
Damit wollen wir uns aber nicht abfinden.
Deshalb schlagen wir folgende Punkte als inhaltliche Stoßrichtung vor:
1) Leistungsdruck und Bologna-Terror – für ein selbstbestimmtes Studium und kritische Wissenschaft:
Ungeachtet davon, welche Interpretation wir nun von den Bologna-Reformen haben, sind wir uns einig, dass die aktuelle Situation an den Hochschulen keinen Spielraum für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, oder etwa für politische Organisierung lässt. Ein rein nach Effizienz und Verwertbarkeit ausgerichtetes Studium, erfüllt nicht den Anspruch freier (kritischer) Wissensaneignung, ist vor allem für viele Studierende mit enormem Leistungsdruck und nicht selten mit psychischen Erkrankungen verbunden. Diese Auswirkungen wollen wir sichtbar machen, skandalisieren und Diskussionen und entsprechende Gegenbewegungen unterstützen, beispielsweise gegen Anwesenheitspflichten oder Institutsschließungen. Weiterhin ist es uns ein zentrales Anliegen kritische Wissenschaften, die von Profitinteressen und Drittmitteln verdrängt wurden, zurück an die Hochschulen zu kämpfen. Nur durch sie ist es möglich das Bestehende in Frage zu stellen um kollektiv Wissen zu entwickeln, welches dem besseren, friedlicheren Leben aller Menschen dient.
2) Akademisch und prekär – Zukunftsängste von Studierenden in der neoliberalen Gesellschaft:
Auch wer es geschafft hat, einen Abschluss in der Tasche zu haben, steht mehrheitlich nicht mit guten Perspektiven da. Der Bachelor ist höchstens die Garantie für einen Facharbeiterlohn, der Zugang zum Master bleibt beschränkt. Zusätzlich wird es für Studierende zunehmend schwerer, ihren Lebensunterhalt während des Studiums zu bestreiten. Während die Lebenshaltungskosten weiter steigen, stagnieren die Einnahmen, die kürzliche Bafög-Erhöhung fängt diese Entwicklung nicht im Ansatz auf. Im Schnitt finanzieren sich Studierende hauptsächlich durch ihre Eltern (2012: 48 %) und zu knapp einem Viertel (2012: 24 %) durch eigenen Verdienst. Das Bafög – wenn man denn Anspruch darauf hat – macht gerade mal 16 % des Einkommens aus. Hinzu kommen, trotz Abschaffung der Allgemeinen Studiengebühren, immer weiter ansteigende Gebühren für „Verwaltung“ und Studierendenwerke, sowie stetig steigende Mensapreise, die heute schon die ärmsten Studierenden aus den Unimensen verdrängen. Ebenfalls wenig thematisiert ist die Situation des akademischen Mittelbaus, der sich von Befristung zu Befristung hangelt und der studentischen Hilfskräfte, die gegen das Bild des „dankbaren“ Studierenden ankämpfen müssen, die ihre HiWi-Stelle als Ehre begreifen sollen. Aber die Unsicherheit, die Angst und Sorge sind keine persönlichen, sondern kollektive Probleme. Die Ausbeutung in der akademischen Welt muss endlich stärker thematisiert werden!
3) Mietsteigerung und Gentrifizierung:
Nicht nur in Berlin, München, Freiburg oder Marburg ist das Problem wohlbekannt: steigende Mieten und horrende Provisionen machen es zunehmend schwerer das Grundrecht „Wohnen“ zufriedenstellend wahrzunehmen. Es muss unsere Aufgabe als SDS sein, die Wohnsituation von Studierenden sichtbar zu machen, aber vor allem den Kontakt zu bereits bestehenden Stadt- und Mietpolitischen Initiativen zu suchen (wie etwa beim Mietenvolksentscheid in Berlin oder zahlreichen lokalen „Recht auf Stadt“-Bündnissen). Die Kämpfe um bezahlbaren Wohnraum werden sich als harter und langwieriger Klassenkampf gegen das Finanzkapital darstellen. Hier kommt es darauf an einen langen Atmen zu haben! Nach wie vor haben Studierende zudem auch damit zu kämpfen, dass sie für Gentrifizierung mitverantwortlich gemacht werden, obwohl dies nur eine Folge kapitalistischer Verhältnisse ist, die Studis in billige Stadtteile drängt. Dem müssen wir Analysen und Gegenstrategien zur kapitalistischen Wohn- und Mietenpolitik entgegenhalten! Ansätze für eine andere (linke) Wohn- und Mietpolitik wären die tatsächliche Durchsetzung der Mietpreisbremse, die Ausfinanzierung der Studentenwerke und damit der Studiwohnheime, die Wiederbelebung von sozialem Wohnungsbau bis hin zur Infragestellung von Eigentumsrechten und dem Entziehen des Wohnen der Marktlogik.
4) Verknüpfung herstellen zu aktuellen Kämpfen:
Die Hochschule und die dort geführten Diskurse beeinflussen die Gesellschaft in hohem Maße. Andersherum ist die Universität von der ihr umgebenden Gesellschaft nicht abgekapselt, sondern von ihr abhängig. Die Entscheidung, etwa darüber wieviel Landesmittel in die jeweiligen Hochschulen gesteckt werden, ist eine politische und der Widerstand gegen eine Vergabepraxis, die vor allem ökonomisch verwertbare Studiengänge fördert, muss dementsprechend im Kontext des Widerstandes gegen die vorherrschende Sparpolitk im Allgemeinen gesehen werden.
Unsere Perspektive als sozialistischer Studierendenverband muss demnach zweigleisig sein: zum einen müssen wir glaubwürdig die spezifischen Kämpfe vor Ort führen: wenn wieder ein Institut von Schließung bedroht ist oder in einer Stadt die Wohnheimplätze zusammengestrichen werden, müssen wir den Anstoß für lokalen Widerstand geben. In Zeiten von Nicht-Bewegung müssen wir uns weiter stetig bemühen die Lebenssituation der Studierenden vor Ort zu verbessern, in den studentischen Gremien und politischen Bündnissen, ohne dabei die sozialistische Perspektive aus dem Blick zu verlieren oder bürgerliche Klientelpolitik zu betreiben.
Zum anderen haben wir als SDS immer den politischen Kontext klar gemacht, in welchem Unterfinanzierung, Prekarisierung und politische Marginalisierung von Studierenden stattfinden. Das bedeutet, dass wir bei großen Protesten gegen die neoliberale Krisenbewältigung, Kapitalismus oder Rassismus auch immer wieder klar machen müssen warum auch diese Themen für die Hochschule und Studierende relevant sind und dass es auch für Studierende wichtig ist den Protest gegen diese Zustände auf die Straße zu tragen.
5) Students and workers unite – gemeinsam kämpfen und gewinnen:
Aus dieser Analyse folgt auch, dass die Schnittmenge mit den Problemen der in Lohnarbeit beschäftigten Bevölkerung in Deutschland und anderswo größer werden und die vermeintlich privilegierte Stellung von Studierenden zunehmend der Vergangenheit angehört. Die Kämpfe gegen die neoliberale Politik sind gemeinsame Kämpfe. Wenn wir sie vereinzelt angehen, werden wir scheitern. Nur zusammen in kontinuierlicher Arbeit an den Hochschulen und außerhalb können wir dieser Verarmungspolitik Merkels und Co wirksam etwas entgegensetzen. Nicht nur deswegen, kämpft Die Linke.SDS gemeinsam mit Beschäftigten gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse.
Schon 2013 waren AktivistInnen des SDS in Solidaritätsbündnissen für den Streik im Einzelhandel oder an der Charité in Berlin aktiv, und auch aktuell beteiligen sich mehrere Gruppen im Bundesgebiet an Solidaritätsarbeit mit den Beschäftigten bei Amazon und im Sozial- und Erziehungsdienst. Ein wesentlicher Grund für die Unterstützung von Arbeitskämpfen im Rahmen der Preka-Kampagne ist der Aspekt der Solidarität und die Anerkennung der enormen sozialen Macht der lohnabhängig Beschäftigten, aber dies ist nicht der einzige Grund und bleibt für sich allein genommen abstrakt. Wir müssen noch stärker als bisher den Zusammehang herstellen zwischen Arbeitskampfsolidarität und studentischen Klasseninteressen, also darlegen, warum es im Interesse von Studierenden ist, solidarisch mit Streikenden zu sein. Generell bedeutet Klassenpolitik für Studierende immer auch, Studierende als (künftigen) Teil der Arbeiterklasse zu begreifen; es entspricht durchaus einer studentischen Klassenpolitik, auf die Verbesserung der Situation von Studierenden nach dem Studium hinzuwirken. Außerdem wirft die Solidarität mit einem konkreten Streik verschiedene Fragen auf, die wir beantworten müssen: Welcher Zusammehang besteht beispielsweise zwischen Studierenden der Medizin oder der Sozialen Arbeit und Erziehungswissenschaft und den Beschäftigten an der Charité oder den Sozial- und Erziehungsdiensten? Welche geschlechterperspektivischen Dimension hat ein Streik insbesondere in diesen Sektoren, die in ihrer Tragweite über einen einzelnen Arbeitskampf weit hinausreichen?
Emanzipation als alltägliche Befreiung – Sozial, Kulturell und Demokratisch
Politische Schwerpunkte des SDS
Grundsätzlich zu Beginn: „Alle Emanzipation ist Zurückführung der menschlichen Welt, der Verhältnisse, auf den Menschen selbst.“ Karl Marx, „Zur Judenfrage“, 1843
Es ist (Zivilisations-)Krise: auf der einen Seite steigender gesellschaftlich produzierter Reichtum, der eine friedliche und prosperierende globale Entwicklung sofort möglich macht. Auf der anderen Seite der fortgesetzte Ausschluß der Mehrheit der Bevölkerung von diesem Reichtum durch die Zuspitzung von Ungleichheit, Krieg und Zerstörung.
In der perspektivlosen Fortschreibung der neoliberalen Politik der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche wird deutlich, daß die Herrschenden unfähig sind, die Krise zu lösen. Diese entfremdete Gesellschaftsordnung wird herrschenderseits im Kern durch den als „Freiheit“ verkauften Zwang zur Lohnarbeit aufrecht erhalten. Um die Ausbeutung abzusichern, kommt zwecks Einschüchterung und Unterdrückung progressiver Entwicklungsansprüche der offen ausgeübte Zwang durch Hartz IV-Schikane, Polizei und Militär hinzu – bis zum Krieg.
Dieses Zwangsmoment kommt aktuell verschärft zum Ausdruck, weil fortschrittliche Bewegungen die Herrschenden in eine veritable Legitimationskrise gestürzt haben. Ein deutliches Zeichen ist der aggressive Kampf des imperialistischen Blocks gegen den hoffnungsstiftenden Aufbruch des griechischen Frühlings. „Die Krise besteht gerade in der Tatsache, daß das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann.“(Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, 1929-35)
Es ist also zunehmend an uns, die zentralen Zivilisationsfragen nach allseitiger friedlicher Entwicklung, sozialer Gleichheit, kultureller Entfaltung und demokratischer Verfügung zu stellen, zu bearbeiten und zu beantworten. Ein Bruch ist Not-wendig, steht an und ist bereits begonnen.
Für echte Problemlösung und eine befreiende Entwicklung sind mündige Menschen unerläßlich. Den wissenschaftlich-gesellschaftlichen Institutionen fällt damit – entgegen ihrer jetzigen herrschaftslegitimierenden Praxis – direkte Bedeutung als Motor für die gesellschaftliche Entwicklung zu. Als antifaschistische Konsequenz ist „der Hochschulbetrieb nur soweit gerechtfertigt, als er Dienst am Menschen bleibt.“(„Blaues Gutachten“ zur Hochschulreform in Hamburg, 1948). Daß diese Lehre aus der Befreiung vom Faschismus voll verwirklicht wird, hin auf die humane Lösung der humanitären Krise, ist zentrales Anliegen des SDS. Umso mehr bilden wir als gesellschaftliche Opposition und eingreifender Verband in der LINKEN die lebendige Alternative zur Alternativlosigkeit.
Es geht gesamtgesellschaftlich, an den Hochschulen und je persönlich um die Emanzipation aller. Sozial. Kulturell. Demokratisch.
Sozialgleich,
allseitig frei,
an Würde reich
die Menschheit sei.
Weltweit richten Menschen sich auf und wenden ihren Unmut in organisierten Widerstand als Alternative zum Prinzip „TINA“ (there is no alternative, Margret Thatcher u.a.). Diese Kämpfe in öffentlichen und privaten Einrichtungen und Betrieben sowie die aktuelle (Regierungs-)Politik auf Grundlage von sozialen Bewegungen in Griechenland, Spanien, Kuba und Venezuela sind Befreiungsversuche für soziale, kulturelle und demokratische Verbesserungen im Interesse der Menschheit. Unverbrüchlicher Humanismus, internationale Solidarität und das mutige Einstehen für Gerechtigkeit setzen humane Verbesserungen durch und beenden das schmutzige Geschäft der Machtpolitik.
Die humanitäre Krise ist damit noch nicht gelöst. Insbesondere für die links organisierten Kräfte in Deutschland, einem der imperialistischen Zentren und so Höhle des Löwen, ist dies mit einer hohen solidarischen Verantwortung verbunden. Der SDS als internationalistischer Studierendenverband richtet deshalb sein Engagement auf die Abschaffung der für die ganze EU Modell stehenden Schuldenbremse in der BRD sowie auf einen Bruch mit der militarisierten Außenpolitik. Niemand in der Bevölkerung sollte angesichts des riesigen privat angeeigneten Reichtums „den Gürtel enger schnallen“.
Für die Überwindung jeglicher Gewalt und das Schaffen solidarischer Verhältnisse kämpft der SDS insbesondere an den Hochschulen für die Beendigung von Rüstungsproduktion, -forschung und -legitimation und für die Entwicklung der Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft. Dafür bedarf es u.a. einer bedarfsdeckenden öffentlichen Finanzierung statt fortgeführter Unterfinanzierung der Hochschulen sowie ihrer inhaltlichen und strukturellen Drittmittelabhängigkeit.
In Einheit damit bessere Arbeits-, Studien- und Lebensbedingungen für alle Hochschulmitglieder zu erkämpfen, sind gesellschaftlich zu verallgemeinernde soziale wie kulturelle Fortschritte mit Ausblick auf weiteres. Deshalb streitet der SDS für ein eltern- und altersunabhängiges BAföG als Zwischenschritt zu einem Studienhonorar, die endgültige Abschaffung aller Studiengebühren, komfortable und preisgünstige Wohnungen, einen menschenwürdigen Mindestlohn, öffentlich finanzierte Verkehrstickets und einen steuerlich finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Kulturellbefreit und aufgeklärt,
aufrecht in Gang und Haltung,
nicht buckelnd für des Marktes Wert,
gelingt menschliche Entfaltung.
Die strukturell gewalttätigen Zwänge sind gepanzert mit einem kulturellen Hegemoniegeflecht von Ausbeutung und Entfremdung legitimierenden Ideologien und Instanzen. Der vordergründig passive Konsens mit dem status quo wird dabei vor allem durch die verzweifelt achselzuckende Hinnahme im Alltagshandeln vollzogen. Verschärft durch die neoliberale Individualisierung und Passivierung zum „autonomen Konsumenten“ soll die unmenschliche Existenz im Kapitalismus als unveränderliche, von uns nicht beeinflußbare Naturgegebenheit erscheinen.
Dem entgegen seine eigenen Lebensverhältnisse zunehmend bewusst in Kooperation mit anderen zu gestalten, heißt solidarisch Lernen. Mit dieser Perspektive bildet der SDS die direkte Alternative zur Bachelor-Master-Degradierung und Depression, in der „Lernen“ heißen soll, sich der Konkurrenz zu unterwerfen und seine eigene Unmündigkeit pseudo-wissenschaftlich zu reproduzieren. Bildung mündiger Persönlichkeiten ist dagegen vollzogene Emanzipation als alltäglich befreiende und der Passivierung widerstreitende Subjektwerdung.
Um die fortschreitende Höherentwicklung der Menschheit zu befördern und darin die volle Entfaltung der mündigen Persönlichkeit und Würde jedes Einzelnen zu verwirklichen, macht der SDS Aufklärung, Solidarität und Anteilnahme zu Maßstäben seiner Verbandspraxis. Davon ausgehend sucht er die rationale Auseinandersetzung mit allen Protagonisten von Konkurrenz, Markt und Egoismus – besonders mit Ideologien, die versuchen von der sozialen Ungleichheit abzulenken und diese zugleich zu legitimieren, indem sie den Menschen als Eigenschaft zugeschrieben wird, bspw. durch die Ideologie vom „Leistungsträger“, Rassismus und Sexismus.
Die konservativen Instanzen Kirche, Ehe und Familie sind an der Bestätigung der konkurrenzhaften Verhältnisse insbesondere durch die Verallgemeinerung von „Normalitäts-“, Leistungs- und Verwertungsanforderungen wesentlich beteiligt. Daher ist die Souveränität gegenüber dieser versuchten Degradierung des Menschen zu einem braven und untertänigen Wesen ein zentraler Aspekt kultureller Emanzipation – durch Kritik, Ironisierung und Satire.
Damit alle Menschen gemeinsam ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen nach lernen, forschen, entwickeln und Verbesserungen erstreiten, müssen sie zeitlich unbegrenzt Teil einer Hochschule sowie von fortschrittlichen Assoziationen sein können. Dafür sind alle kulturellen wie strukturellen Hürden zu beseitigen, wie die Möglichkeit zur Zwangsexmatrikulation, Prüfungen, Leistungspunkte, Modularisierung, Selektionsschranken und gegenseitige Einschüchterung unter Kommilitonen und Hochschulmitgliedern à la „wer es nicht schaffe, sei selber schuld“.
In Studium, Lehre, Forschung und Verwaltung bedeutet dies in Gegnerschaft zu elitären und karrieristischen Haltungen konkurrenzschürende Instrumente und Praxen, wie die Selektion zwischen Bachelor und Master, Noten und die Kultur des Mißtrauens zu überwinden. In diesem Sinne begreift der SDS kritisch-eingreifendes Studieren als gesellschaftlich sinnvolle und notwendige Arbeit, in Gegnerschaft zum individuellen Karriere-“Trimm-Dich“-Pfad.
Demokratisch
mit vereintem Ton
statt als toter Fisch
einsam mit dem Strom.
Durch eine hierarchisch-technokratische Kultur des „Parlamentsroutinendrehs“(Kurt Tucholsky, „Feldfrüchte“, 1926) und der Kapitalismusverwaltung wird herrschenderseits dafür eingeschüchtert, nicht durch demokratische Aneignung der gesellschaftlichen Institutionen und Reichtümer die Ausbeutung zu beenden. Gegen die Verlängerung dieser Praxis hinein in fortschrittliche Assoziationen, z.B. durch eine Stellvertreter-funktionärsmäßige Verwaltung fortschrittlicher Bewegungen, wirkt der SDS für eine demokratische Gegenkultur auf Basis argumentativen Streits und umfassend kollektiver Verfügung – im Verband, der LINKEN, in Hochschulen und darüber hinaus.
Dieser Kampf für das Schaffen solidarischer Strukturen zur Überwindung alles vereinzelten, unterdrückten und entfremdeten menschlichen Lebens heißt z.B. die demokratische Gruppenhochschule als Ort wissenschaftlicher Assoziierung zu (re-)kultivieren und zu erweitern. Der SDS streitet deswegen für die positive Aufhebung des „68er“-Erbes u.a. mit viertelparitätisch-besetzten Hochschulgremien und gegen alle Reste der „Unternehmerischen Hochschule“,wie Hochschulräte und leistungsbezogene Mittelvergabe.
Diese Orientierung verallgemeinernd interveniert der SDS auf den verschiedenen Ebenen der studentischen Interessenvertretung und akademischen Selbstverwaltung. Fachschaftsräte sind neben den politischen Hochschulgruppen der erste Ort studentischer Organisiertheit. Mit Vollversammlungen, Flugblättern, Infotischen, Aktionen können die FSRe dazu beitragen, sich mit den wesentlichen hochschulpolitischen Themen und insbesondere mit Fragen der Wissenschaftskritik in der Spezifik des je eigenen Faches zu befassen.
In Studierendenräten, -parlamenten und ASten unternimmt der SDS vor allem Initiativen zur stärkeren Verbindung hochschul- und wissenschaftspolitischer Fragen mit dem gesellschaftlichen Kontext – Frieden, Antifaschismus, Ökologie, gegen Kürzungen. In den akademischen Gremien kooperieren wir kollegial mit Fachschaftsaktiven, anderen fortschrittlich handelnden Hochschulgruppen und insbesondere gruppenübergreifend in dem Bewußtsein, eine gesamtverantwortliche Entwicklungsperspektive für die Hochschulen in der Gesellschaft zu vertreten.
Mit Ausblick:„Was ist aber diese große Aufgabe unserer Zeit?
Es ist die Emanzipation. Nicht bloß die der Irländer, Griechen, Frankfurter Juden, westindischen Schwarzen und dergleichen gedrückten Volkes, sondern es ist die Emanzipation der ganzen Welt.“
Heinrich Heine, „Reisebilder“, 1830
Europa. Anders. Machen.
demokratisch – solidarisch – grenzenlos
Die Linke.SDS unterstützt den Aufruf für die Großdemonstration „Europa. Anders. Machen. demokratisch – solidarisch – grenzenlos“am 20. Juni in Berlin. Lokale SDS-Gruppen sind zu dezentralen Aktionen in Solidarität mit Geflüchteten aufgerufen.
Der Bundesvorstand und die Geschäftsführung stellen sicher, dass es einen SDS-Block vor Ort gibt, der thematisch an die beiden zentralen Themen der Demonstration anknüpft: Solidarität mit den Kämpfen der griechischen Bevölkerung und für eine grenzenlose Gesellschaft ohne Abschiebungen und Frontex-Abschottungs-Politik.
Zur Demonstration wird über die Kanäle des Bundesverbandes mobilisiert und Flyer (als Kopiervorlagen) zur Verfügung gestellt. Dass am selben Tag Faschist_innen in Merseburg und Frankfurt am Main aufmarschieren wollen, ist ein Hohn für Geflüchtete und unseren antirassistischen Kampf. Der SDS ruft dazu auf, sich dem engagiert entgegenzustellen.
Austritt aus dem Friedenswinter
Der Studierendenverband dieLINKE.SDS verlässt das Bündnis Friedenswinter, zieht seine Unterstützung des Aufrufes zurück und stellt die Mitarbeit in diesem Bündnis ein. An Folgebündnissen wird der SDS sich nicht beteiligen.
Streikwelle 2015 – Aktiv gegen das Tarifeinheitsgesetz
Während tatsächliche Arbeitskämpfe in Deutschland eine lange Zeit die Ausnahme blieben, beobachten wir zur Zeit eine enorme Zunahme an Streiks und Arbeitskämpfen. Das Jahr 2015 wird zu einem Rekordjahr, was Streiks angeht. Bereits jetzt wurden doppelt so viele Streiktage gekämpft, wie es im ganzen Jahr 2014 der Fall war. [1] Wir haben es mit einer Streikwelle zu tun, bei der Sektoren in den Arbeitskampf treten, die bisher nicht dafür bekannt waren. Die GDL legte über Wochen die deutschen Gleise lahm, die Briefträger der Deutsche Post streiken trotz Gegenmaßnahmen der Konzernführung, an der Charité fordern Pflegerinnen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal, die Kita-Beschäftigten wollen eine Aufwertung des Berufes, der lokale Nahverkehr streitet für höheren Lohn und sogar kleine Branchen wie die Dienstleistung der Füllung von Geldautomaten werden bestreikt. [2] Auch an Universitäten gibt es Arbeitskämpfe. Das gilt nicht nur für den Streik im Bereich des Tarifvertrages Öffentlicher Dienst (TVÖD) in diesem Jahr. An der Universität Frankfurt am Main befinden sich die Studentischen Hilfskräfte im Arbeitskampf für einen Tarifvertrag, damit einhergehend für höhere Löhne, eine Krankenversicherung und mehr Urlaub. Bei einem Erfolg wären die dortigen Hilfskräfte nach den Berlinern die zweiten mit einem Tarifvertrag, das kann auch einen Effekt auf andere Universitäten haben und die Lebensverhältnisse von vielen Studierenden deutlich verbessern.
Diese Arbeitskämpfe zeigen nicht nur die Zunahme der Konflikte, sondern entsprechen auch dem wirtschaftlichen Strukturwandel, der Tertiarisierung, was sich auch auf die Struktur der Arbeiterklasse auswirkt. Neue wichtige Bereiche und Sektoren entstehen, während die klassischen Streikbranchen teilweise erodieren. Entgegen vielen Erwartungen werden trotz schlechter Ausgangslagen für Beschäftigte und Gewerkschaften in diesen meist prekären Bereichen trotzdem große Arbeitskämpfe aufgenommen. Häufig sind diese von jungen, migrantischen und weiblichen Beschäftigten geprägt.
Die Gewerkschaften stoßen mit ihrem Modell der Sozialpartnerschaft immer häufiger an ihre Grenzen und haben nicht zuletzt durch diese Ausrichtung in den letzten Jahren massiv an Mitgliedern verloren. Die aktuellen Entwicklungen deuten jedoch auf erste Risse innerhalb dieser Ausrichtung hin. Einen Beitrag leisteten dazu auch die Konferenzen der Rosa Luxemburg Stiftung „Erneuerung durch Streik“, wo zum ersten Mal seit Jahren wieder linke und kämpferische GewerkschafterInnen zusammen kamen. Gewerkschaften müssen wieder lernen zu kämpfen und Herausforderungen konfliktiv zu lösen. Seit der Krise 2008 wurden zahlreiche Angriffe auf die Arbeiterklasse durchgeführt. Sie werden konfrontiert mit Lohnkürzungen, Verschlechterung von Arbeitsbedingungen, einer Verunsicherung von Beschäftigung und Abwertung ihres Berufes. Nun regt sich verstärkt Widerstand. Die deutsche Arbeiterklasse wird sichtbar ungehorsamer und stellt weitgehende Forderungen. Sie streiken oft nicht nur für die ökonomische Forderung nach höheren Löhnen, sondern für bessere Arbeitsbedingungen, weniger Stress auf der Arbeit, für das Grundrecht auf Streik oder eine Aufwertung von reproduktiven Tätigkeiten.
Das Tarifeinheitsgesetz versucht das Streikrecht einzuschränken. Kämpferische und durchsetzungsfähige Gewerkschaften sollen handlungsunfähig gemacht werden. Streiks sollen wieder zur Ausnahme werden. Abgesehen davon, dass das Recht auf Streik und die Koalitionsfreiheit ein Grundrecht der ArbeiterInnen ist, haben vor allem kleine Gewerkschaften in Vergangenheit die Kapitalseite enorm unter Druck gesetzt. Seien es die Fluglotsen, die Piloten von Cockpit oder die Bahnbeschäftigten der GDL, sie sind alle Teil der Arbeiterklasse und haben den Konflikt für ihre kollektiven Interessen gesucht. Diese Kämpfe müssen wir unterstützen. Das Problem liegt nicht bei den Spartengewerkschaften, sondern bei einer Ausrichtung seitens der DGB-Gewerkschaften, die oft nicht in der Lage sind schlagkräftige Arbeitskämpfe zu führen und Anstrengungen zu tätigen, um überhaupt erst dazu fähig zu sein. Zudem ist das Recht von Beschäftigten, sich frei zu organisieren, für uns unverhandelbar. Wenn sich Menschen zur Durchsetzung ihrer Position faktisch zwangsweise einer bestimmten Gewerkschaft anschließen müssen, nimmt dies die Möglichkeit eines pluralen Kampfes.
Als sozialistischer Studierendenverband sind wir Teil der ArbeiterInnenbewegung und kämpfen entsprechend für eine Ausweitung des Streikrechts und gegen das Tarifeinheitsgesetz.
Häufig arbeiten, forschen und diskutieren wir zu Themen, die die ArbeiterInnenklasse betreffen. Wir stehen als Studierende nicht außerhalb des Konfliktes zwischen Kapital und Arbeit. Auch wir werden in der Zukunft im Großteil als Lohnabhängige beschäftigt oder sind es bereits und haben dieselben Interessen wie die Kämpfenden in den bestreikten Branchen. Als politische AktivistInnen und Studierende können wir auf unsere praktischen und theoretischen Erfahrungen zurückgreifen und sie praktisch unterstützen. Als politischer Studierendenverband müssen wir darüber sprechen, welche Rolle wir bei Arbeitskämpfen spielen können.
Die Streiks mit denen wir es in der letzten Zeit zu tun haben, brauchen verstärkt gesellschaftliche Unterstützung und sind auf Solidarität angewiesen. Beispielsweise können die Kita-Beschäftigten wenig ökonomischen Druck aufbauen, sie erzeugen durch Streiks sogar Einsparungen für die kommunalen Kassen. Was es hier braucht ist die politische Initiative für Solidarisierung gesellschaftlicher Teile. Seien es die Eltern bei einem Kita-Streik, die KundInnen bei einem Streik im Einzelhandel oder die PatientInnen bei einem Streik im Krankenhaus. Hier kann eine Aufgabe für uns sozialistische StudentInnen liegen. Auf jeden Fall müssen wir uns aber beteiligen, wenn in unserem unmittelbaren Umfeld der Hochschule gekämpft wird, wie es bei dem kommenden Arbeitskampf der GebäudereinigerInnen der Fall sein wird.
Nicht zuletzt wird in solchen Kämpfen das häufig abstrakt verwendete Wort der Klasse anschaulich. Eine gemeinsame Klasse mit gemeinsamen Interessen wird hier praktisch greifbar. Hier kann Zusammenhalt für den Kampf einer linken Gegenhegemonie entstehen. Nicht nur in der Vergangenheit gab es politisch wichtige Verbindungen von ArbeiterInnen und Kämpfen der Studierenden, wie es mit Streikenden GebäudereinigerInnen und der Bildungsstreikbewegung 2009 der Fall war. Möglichkeiten für solche Verbindungen müssen wir weiter identifizieren und Aktivitäten dazu entwickeln.
Solidarität mit dem Streik im Sozial- und Erziehungsdienst
Der Bundesverband erklärt sich solidarisch mit den Forderungen und dem Arbeitskampf bei den Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst und fordert seine Basisgruppen dazu auf, sich aktiv an Aktionen zu beteiligen, auch während der Schlichtung und – je nach Ergebnis – darüber hinaus.
Der Bundeskongress beauftragt die „Projektgruppe SuE“ im SDS mit der Zusammenfassung der bisherigen Erfahrungen in Solidaritätsbündnissen und Komitees vor Ort. Außerdem beauftragt der Bundeskongress die Projektgruppe SuE und weitere gewerkschaftlich Aktive in Zusammenarbeit mit Bundesvorstand und Geschäftsführung ein Seminar vorzubereiten und durchzuführen, in dem die Diskussion um gewerkschaftliche Arbeit des SDS vertieft wird und eine Strategie für die zukünftige Arbeit entwickelt wird.
Parteilich in der Partei
Für Frieden, soziale Gleichheit und menschenwürdige Entwicklung
Gegen Regierungsbeteiligung und Kriegseinsätze
Von A bis Z gegen jeden Auslandseinsatz
Bereits seit ihrer Gründung im Jahr 2007 streben Teile der Partei DIE LINKE eine Regierungsbeteiligung in einer Koalition mit SPD und/oder GRÜNEN an. Um dieses Ziel zu erreichen, wird versucht die friedenspolitischen Grundlagen der LINKEN – wie die konsequente Ablehnung von (zivil-)militärischen Auslandseinsätzen – aufzuheben.
Auf dem Bielefelder Parteitag wurde dieses Bestreben erneut deutlich. So warb unter anderem der (Noch-)Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag, Gregor Gysi, für ein Abrücken vom Grundsatzprogramm, um die LINKE regierungskonform umzugestalten. Dort ist festgehalten: DIE LINKE setzt sich für eine schrittweise Abrüstung der Bundeswehr ein, die kriegsführungsfähigsten Teile sollen zuerst abgerüstet werden.[…]DIE LINKE verfolgt langfristig das Ziel eines Deutschlands, eines Europas ohne Armeen, einer Welt ohne Kriege.1
Die Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene ist das Abrücken von dieser Grundlagenposition, da die Beteiligung an Regierungen zwangsläufig und auf allen Ebenen mit Kompromissen verbunden ist.
Auch eine Koalition, an der DIE LINKE beteiligt ist, muss sich notwendiger Weise der Funktionsweise des neoliberalen Kapitalismus unterwerfen.
Weder die Schuldenbremse noch die Politik des sozialen Ausverkaufs können durch DIE LINKE in der Regierung überwunden werden. Gleiches gilt auch für die aggressive Wirtschaftspolitik nach innen und außen sowie die mörderische EU-Grenzpolitik.
Schon kleine Verbesserungen sind in der aktuellen politischen Situation mit SPD und GRÜNEN kaum möglich, die dafür notwendigen Kompromisse machen die LINKE als soziale Alternative unglaubwürdig.
Insbesondere bei Fragen von (zivil-militärischen) Auslandseinsätzen darf es keine Kompromisse geben. DIE LINKE wird überflüssig, wenn sie ihre konsequente antimilitaristische Haltung aufgibt und wird selber zum Akteur des westlichen Imperialismus und der von ihm geführten Kriege. Zur Kontrolle von Rohstoffen, zur Sicherung von Handelswegen und für die Behauptung geopolitischer Vorteile werden im Nahen und Mittleren Osten und mit der Ukraine wieder in Europa selbst Kriege geführt, Bürgerkriegsparteien einseitig finanziell unterstützt und mit Waffen beliefert. So werden immer wieder völkerrechtlich souveräne Staaten angegriffen und einige auch in Gänze zerstört, mit entsprechenden katastrophalen Folgen für die Bevölkerung. Dies geschieht allzu häufig mit der Begründung, man müsse in diesen Ländern Menschenrechte schützen oder vermeintlich böse Diktaturen stürzen. Auf solche Argumentationen, die einzig und allein dazu dienen dem westlichen Imperialismus im Weg stehende Staaten und Kräfte zu zerschlagen, darf sich die LINKE nicht einlassen.
Als Sozialistinnen und Sozialisten ist es unsere Aufgabe uns nach Kräften gegen den Krieg und für die Förderung des Friedens einzusetzen sowie uns in unserer Partei Regierungsbeteiligungen und Kriegseinsätzen entgegenzustellen. Die Genossinnen und Genossen innerhalb der Partei DIE LINKE und des Jugendverbands linksjugend [’solid], die sich für den Frieden engagieren, wollen wir unterstützen und stärken.
1Parteiprogramm der Partei DIE LINKE S.70
15. Bundeskongress (Dez 2014)
/in Bundeskongress /von Pia ChwalczykAkademisch und prekär
Leitantrag des Bundesvorstands
Die Geschichte des Neoliberalismuses ist keine friedliche Geschichte. Jede neoliberale Wende, jede Aufkündigung des keynesianischen Klassenkompromisses, ist mit massivem Klassenkampf von oben, aber auch mit erheblicher Gegenwehr verbunden. Diese Geschichte der Klassenkämpfe beginnt mit der Diktatur Pinochets und den Chigago Boys in Chile, mit dem förmlichen Bürgerkrieg Magaret Thatchers gegen die mittelenglischen Kohlegewerkschaften. Es ist die Geschichte der Agenda 2010 in Deutschland und der Austeritätsdiktate in Südeuropa. Ein Kapitel ist auch mit „Bologna-Prozess“ überschrieben und trifft uns täglich an den Universitäten.
Die Prekarisierung der Lebensverhältnisse
Die neoliberale Wende formierte die Gesellschaft neu. Sie transformierte den fordistsich-keynesianistischen Kapitalismus, der in den 70er Jahren in eine Krise geraten war. Der Neoliberalismus als Ausweg aus der Krise des Fordismuses basiert darauf, die Profite der Unternehmen durch eine verschärfte Ausbeutung der Arbeitskraft zu sichern. Gleichzeitig wurden neue Bereiche erschlossen. Dazu gehört maßgeblich die Erschließung der weiblichen Arbeitskraft. So wurden u.a. weibliche Domänen wie die Care-Arbeit seinem Akkumulationsstreben unterworfen und die doppelte Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft vorangetrieben. Damit greift die neoliberale Produktionsweise explizit in die Gestaltung der konkreten Lebensverhältnisse der Menschen ein.
Der Neoliberalismus brachte eine massive Senkung der Steuern für Kapitaleinkünfte und damit einen starken Rückgang der Steuereinnahmen. Das schränkt den finanziellen Handlungsspielraum des Staates ein. Die Rufe nach einem „schlanken Staat“ und „Bürokratieabbau“ werden laut. In der Realität führt das zu einem Abbau von Sozialleistungen und einem Umbau in ein Repressionssystem, das die Menschen in immer neue „Fortbildungen“, „Maßnahmen“ und „Projekte“ steckt, ihnen ihre Entbehrlichkeit für den Arbeitsmarkt stetig vor Augen führt und sie immer weiter passivisiert. Im Beispiel der schärfsten Prekarisierung, dem Hartz-IV Regime, zeigt sich besonders deutlich eine Tendenz, die auch für andere gesellschaftliche Bereiche gilt. Prekarisierung meint nicht nur das Fehlen von Sozialleistungen, sondern auch eine Unsicherheit über die Zukunft, in der keine länger angelegten Lebenspläne gemacht werden können, und eine enorme Verdichtung und Verdinglichung des Zeitregimes, das mit dem Mittel der „Flexibilisierung“ die Zeithoheit immer weiter den Menschen entzieht.
In den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr Bereiche der sozialen Vorsorge (wie die Rente oder die Kinderbetreuung) für die Kapitalverwertung geöffnet. Diese Fürsorgearbeiten wurden historisch vor allem an die unbezahlte weibliche Hausarbeit delegiert. Mit der Öffnung für die Kapitalverwertung und auch bedingt durch die demographische Veränderung werden diese Bereiche nun stärker zu gesellschaftlichen Arbeiten, jedoch nur ihres äußeren Charakters nach. Noch immer werden sie vorrangig von weiblichen Arbeitskräften unter prekäreren Arbeitsbedingungen ausgeübt. Doch die Transformation der Reproduktionsarbeit hat nicht nur Auswirkung auf Frauen, die gesamte Gesellschaft wird umgebaut. Da die Sicherungsinteressen der Menschen den Kapitalakkumulationsinteressen unterworfen werden, entsteht eine massive Unsicherheit für die Menschen. Die Rente ist nicht sicher, so wie wenig für die Menschen im neoliberalen Kapitalismus noch sicher ist.
Prekarisierung ist für den Großteil der Frauen in Europa kein neues Phänomen, welche sich erst durch die neoliberale Ideologie ergeben hat. Seit der Industrialisierung sind Frauen der Arbeiter_innenklasse von flexiblen und marginalen Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Die Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse der Männer im Fordismus stützten sich auf die lediglich prekäre Erwerbsintegration von Frauen. Frauen hatten zumeist kein Vollzeit-Normalarbeitsverhältnis, da sie nebenbei für Familie und Haushalt verantwortlich waren. Nicht nur die Geschlechter stehen also in Relation zueinander, sondern auch die Beschäftigungsbereiche von Frauen und Männern. Das Neue an Prekarisierung besteht im Neoliberalismus also darin, dass auch die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Männer von Prekarisierung erfasst werden. Darüber hinaus verstärken und verschärfen sich die traditionellen Prekarisierungstendenzen bei Frauen noch weiter. Niedriglöhne, befristete Verträge, Werksverträge und Leiharbeit sind an der Tagesordnung.
Neben der Arbeitswelt der Menschen sind aber auch ihre (Geschlechter-)Identitäten betroffen. Die hegemoniale Alleinernährermännlichkeit wird brüchig und ein Familienvater ist beispielsweise nicht mehr in der Lage, die traditionelle Kleinfamilie zu ernähren. Er ist auch auf die Lohnarbeit der Frau angewiesen. Diesem „Brüchig-Werden“ von Männlichkeit bedienen sich konservative bis rechte Parteien wie die AfD und Bewegungen wie die 1000-Kreuze-Marschierer in ganz Europa, indem sie traditionelle Familienstrukturen reetablieren und die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen und die ohnehin nur minimalen Abtreibungsrechte weiter einschränken wollen. Dies ist um so mehr der Fall, da der Sozialstaat sich durch neoliberale Spardiktate wie die Schuldenbremse und das Zurückfahren der Sozialleistungen immer weiter zurückzieht und den Menschen die alleinige Verantwortung für soziale (Ab)Sicherung überlässt.
Prekarität entfaltet ebenfalls wechselwirkende Tendenzen im Bezug auf die Ethnie/ Nationalität von Menschen. Besonders deutlich wird dies beispielsweise am Phänomen der Global Care Chains, bei denen Frauen aus Osteuropa oder dem globalen Süden die Care-Tätigkeiten der westlichen Frauen übernehmen damit diese ihre Arbeitskraft wiederum zum Markt tragen können. Die Verschärfung der Prekarisierung von Frauen läuft somit auch entlang der Diskriminierungskategorie Race. Arbeits- und Lebensverhältnisse werden prekär und brüchig, es ist kaum mehr eine Lebensplanung für lohnabhängige Menschen möglich. Leben wird verwundbar.
Krise und Autoritarisierung des Neoliberalismus
Dieser scheinbare staatliche Rückzug ist keineswegs ein Absterben des Staates, sondern nur ein Umbau, bei dem nicht alle Staatsapparate schrumpfen. Besonders deutlich wird das an den per se reppressiven Saatsapparaten, die keineswegs kleiner, sondern im Gegenteil immer stärker aufgerüstet werden. Der Staat reagiert auf die zunehmenden Kämpfe gegen die alltäglichen Folgen des neoliberalen Regimes mit Repressionen. Ein aktuelles Beispiel ist die Repression gegen Wohnraum- und Antizwangsräumungsaktivist_innen in Berlin und Hamburg. Diese Kämpfe sind direkte Folgekämpfe gegen die neoliberale verdrängende und prekarisierende Stadtpolitik. Da der Block an der Macht sich den Weg verbaut, die unterschiedlichen Interessen in einem keynesianistisch-kooperatistischem Klassenkompromis zu befrieden, wählt er die frontale Strategie der zunehmenden Autoritarisierung. Dabei spielen auch die schwachen Klassenkämpfe eine Rolle, da Klassenkämpfe Verbesserungen für die Arbeiter_innen erst ermöglichten. Aber auch der Kapitalismus trug trotz menschlicher Erleichterungenim Hochkeynesianismus nie ein menschliches Antlitz. Ein Weg nach vorne kann nicht dorthin zurück führen.
Seit der Finanzkrise von 2007 ist auch das aktuelle neoliberale Akkumulationsregime in eine massive Krise geraten. Das Kapital findet keinen Ausweg aus der Krise. Es findet nicht in großem Stil neue Akkumulationsmärkte oder Produktivkraftentwicklungen. Es sucht daher seine Flucht in einer Vertiefung des neoliberalen Akkumulationregimes und muss damit notwendigerweise die Widersprüche vertiefen. Die Krisenlösungsstrategie der Austeritätspolitik und Schuldenbremse verschärft die Prekarisierung in weiten Teilen Europas und erzeugt eine Generation gut ausgebildeter, aber prekärer oder gar nicht beschäftigter Jugendlicher, deren Mehrheit von Frauen gebildet wird. Das nimmt ganz verschiedene Ausmaße in den verschieden Teilen des Kontinents an. Es reicht von den öffentlichen Kürzungen in Deutschland bis zur massiven Jugendarbeitslosigkeit und puren Verelendung in Portugal. Das bisherige Profitieren des deutschen Kapitals von der Krise dürfte nicht ewig anhalten, da ihr immer mehr innereuropäische Exportmärkte wegbrechen. Außerdem profitiert das Kapital nicht nur auf Kosten der anderen europäischen Länder. Auch die deutschen Lohnarbeiter_innen müssen für den Wirtschaftsboom blechen. Die im Rahmen der Agenda 2010 durchgesetzte Prekarisierung der Lebensverhältnisse bringt dem Exportkapital Profite und den Arbeiter_innen Reallohnstagnation.
Doch gegen die Prekarisierungstendenzen des Neoliberalismus formiert sich auch überall Widerstand. Beispiele par excellence sind DIE LINKE, die aus dem Widerstand gegen die Agenda 2010 hervorging, oder aktuell Syriza und Podemos in Griechenland und Spanien. Nicht nur Parteien sind Widerstandszentren: Auch Bewegungen wie aktuell die Antizwangsräumungbewegungen in Spanien oder Deutschland, die erfolreichen Proteste gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts in Spanien, Generalstreiks und kämpferischere Gewerkschaften oder das selbstverwaltete Uni-Café sind praktischer Widerstand. Sie alle sind ein Produkt des Widerstandes, aber sie sind nun auch in der Pflicht, den Widerstand zu organisieren und ihm eine antikapitalistische Perspektive zu geben. DIE LINKE muss in Deutschland heute einen Widerstand organisieren, dessen Subjekt nicht mehr vorrangig ein Industrieproletariat ist. Es ist vielmehr ein äußerst fragmentiertes und prekarisiertes Klassengebilde, von denen nicht unbedeutende Teile auch eine Hochschulausbildung durchlaufen. Diese diffuse neue Arbeiter_innenklasse muss überhaupt erst ein gemeinsames Klassenbewusstsein erlangen. Dafür braucht DIE LINKE neue Ansprachemuster, um ein gemeinsames Interesse der Prekarisierten zu formulieren und das sie tragende Subjekt zu konstituieren. Wir setzen deshalb große Hoffnungen in die Kampagne gegen Prekäre Arbeit und Lebensverhältnisse. Im Folgenden wollen wir analysieren, inwieweit Studierende von der Prekarisierung betroffen sind und wo für uns als Studierendenorganisation Hebel der Organisierung und Veränderung bestehen.
Die neoliberale Transformation der Hochschule
Die Durchsetzung des Neoliberalismus in der Gesellschaft findet auch und in erheblichem Maße an den Universitäten statt. Sie ist hier besonders mit der Chiffre Bologna verbunden. Auch das hängt massiv mit der Transformation des Kapitalismus innerhalb der letzten 40 Jahre zusammen. Die veränderte Produktion, der technologische Fortschritt und der wachsende Dienstleistungssektor veränderten auch die Anforderungen an die Arbeiter_innen. In den Zentren des Kapitalismus wird heute verstärkt eine Arbeitskraft gebraucht, die in Ansätzen denkende und planende Tätigkeiten ausführt. Die Erkämpfung der Öffnung der Universitäten, Hochschulen und Gymnasien in Westdeutschland in den 70er Jahren durch die Studierendenbewegung und progressive Sozialdemokrat_innen und Liberale kam daher schließlich nicht ungelegen für das Kapital.
Die Umgestaltung von der Elitenschmiede zur Massenausbildung machte für das Kapital aber auch eine Umgestaltung dieser Bildungsinstitutionen nötig. Die Arbeitskraft braucht – unter Maßgabe der mit der Ausbildung verbundenen Kosten – nur so weit ausgebildet werden, wie es zur Erfüllung ihrer Aufgabe in der Produktion notwendig ist. Daher dient die Ausbildung an den Hochschulen und Universitäten heute einer Vermittlung von Kompetenzen, aber gleichzeitig durch das BA/MA-System auch einer Passivisierung. Durch die Durchstrukturierung des Lehrplanes, durch die Verhinderung geistiger Freiräume per hohem Workload, durch die Zurückdrängung kritischer Wissenschaften werden nur Arbeitskraft gebildet, kein Mensch. Diese Arbeitskraft ist ebenso wie Fließbandarbeiter_innen nur ein Zahnrad im Getriebe kapitalistischer Wertschöpfung. Die Arbeiter_innen haben nur eine kleine Aufgabe – in diesem Fall verstümmelt geistiger Natur – zu erfüllen. Sie bleiben dabei ohne Kontrolle oder Einblick in die Gesamtarbeitsstruktur der Produktion. Die Entfremdung wird keineswegs aufgehoben, sondern nur transformiert.
Heute beginnt fast jede_r Zweite in der BRD ein Studium. Das heißt, dass fast die Hälfte der Bevölkerung die Hochschule besucht haben wird (die Zahl derjenigen, die ein Studium beenden, ist um einiges geringer). Wenn die Hochschule einer immer weiter fortschreitenden Ökonomisierung und zugleich Entdemokratisierung unterzogen wird, hat das zweifellos Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, in der die (ehemaligen) Studierenden arbeiten und leben.
Das ist für das Kapital jedoch nicht nur nützlich. Die geistig passivisierende Ausbildung lässt zwar kaum Freiräume, über konkrete Problemlösungskompetenzen hinaus zu denken und damit gesellschaftliche Verhältnisse zu hinterfragen, führt aber auch dazu, die geistige Arbeitskraft nur ungenügend auszubilden und sie damit unbrauchbar für die Ausbeutung zu machen. Das zeigen die beständigen Klagen der Wirtschaft über die Unbrauchbarkeit von Bachelor-Studierenden für sie. Insofern hat die neoliberale Umformung der Universität zwar einen Widerspruch der kapitalistischen Arbeitskraftformation gekittet, doch nur auf Kosten eines neuen.
Studierende sind heute also keineswegs mehr insgesamt Teil der gesellschaftlichen Elite. Sie sind auch nicht eine neue Kleinbourgeoisie, wie sie Nicos Poulantzas noch in der Umbruchszeit vom Spätfordismus zum Postfordismus zu fassen versuchte. Heute, im entwickelten Postfordismus, können wir klar die Tendenz zur immer stärkeren Proletarisierung weiter Teile der Studierten erkennen. Studierte formen heute einen neuen Sektor der Arbeiterklasse, der entgeistigte Kopfarbeit ausführt. Entsprechend ihrer Verortung in der Arbeiter_innenklasse spiegeln sich auch die Prekarisierungstendenzen der Gesellschaft unter Studierenden und Studierten wider.
Zukunftsangst und Prekarisierung der Akademiker_innen
Da wir als Studierende inzwischen in der Mehrheit proletarisiert sind, trifft uns auch die Härte und Prekarisierung des proletarischen Lebens. Prekarisierung und Zukunftsangst sind keine ganz neuen Phänomäne, neu ist vielmehr, dass sie jetzt auch westdeutsche männliche Studierte und nicht mehr nur ohnehin marginalisierte Gruppen wie Migrant_innen, Frauen und Ostdeutsche trifft. Da nun auch Studierende nicht mehr das Privileg der Angstfreiheit besitzen, sind sie nun tendenziell nicht mehr eine außerordentlich privilegierte Schicht.
Auch wir haben nicht mehr die Aussicht auf einen sicheren, unbefristeten und gut bezahlten Beruf. Speziell trifft frisch ausstudierte Menschen heute noch eine besondere Prekarisierung: die Praktika. Es wird als normal angesehen neben, nach dem Studium eine Reihe dieser schlecht bezahlten Arbeiten anzunehmen. Sie sollen der Berufspraxis dienen, um die Arbeitskraft optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Hierin liegt eine tief internalisierte neoliberale Ideologie der zwanghaften Selbstoptimierung und Selbstdiszipliniereung der Individuen, um sich möglichst stromlinienförmig für die Karriere zu machen.
Die Zukunftsangst, die internalisierte Leistungsideologie und das verdichtete Studium ziehen nicht folgenlos an den Studierenden vorüber. Das werden die meisten von uns bestätigen können. Diese Verschärfung der Lebens- und Studienbedingungen lässt die Studierenden auch keineswegs automatisch nach links rücken. Jüngst zeigte eine Studie über die Ansichten deutscher Studierender, dass das Interesse für Politik beständig zurückgeht. Stattdessen wächst der Wunsch nach Statussymbolen und Sicherheit. Fast zeitgleich zeigte eine andere Studie, wie unter Rechtswissenschaftler_innen die Zustimmung zu Todesstrafe und Folter zunimmt. Der Campus wird immer mehr entpolitisiert und ist zumindest affin für reaktionäres Denken. Dieser Neobiedermeier erscheint nicht verwunderlich angesichts von Agenda 2010 und Bologna. Er ist eine gefährliche Abwehrreaktion. Doch er ist eine Abwehrreaktion auf real empfundene Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit müssen wir, als organisierte linke Studierende, an der Wurzel aufspüren und eine aktivierende Ansprache finden, die diese Unzufriedenheit adressiert, aufklärerisch über die prekarisierenden Verhältnisse wirkt und Studiernde motiviert politisch aktiv zu werden und sich zu organisieren. Doch wo finden wir diese Wurzel auf unserem Wirkungsfeld – dem Campus?
Die Soziale Lage der Studierenden
Anhand dieser Analyse können wir mehrere Felder identifizieren, auf denen sich für Studierende zentrale Prekarisierungstendenzen, aber auch Auseinandersetzungen finden. Diese wollen wir an dieser Stelle kurz skizzieren, um uns unserer Kampfbedingungen klar zu werden.
Bologna
Das im Bologna-Prozess eingeführte Bachelor/Master-System hat die Studiensituation dadurch enorm prekarisiert, dass sie den Studierenden die Selbstbestimmung über Studienorganisation und ihre Zeit genommen hat. Außerdem wird durch leichte Möglichkeiten der Exmatrikulation Furcht bei den Studierenden geschaffen. Diese Verschärfung des Studiums ist ganz im neoliberalen Sinne, senkt es doch die Produktionskosten der Arbeitskraft und nimmt gleichzeitig den Studierenden die Zeit für kritische Reflexion und Engagement. Viele heutige Studierende leiden zwar unter dem Workload und der beständigen Jagd nach credit points, haben aber keine Vorstellungskraft mehr von der Möglichkeit eines anderen Studiums. Selbst die dringend notwendige Masterplatzgarantie wird nicht als selbstverständlich wahrgenommen. Die Konkurrenz auf die zu wenigen Plätze dient zum weiteren Ausspielen und Konform-Machen der Studierenden. Hier gilt es den Unmut über Anwesenheitskontrollen, ständige Prüfungen, Fristen und Zeitmangel zu wecken und in Widerstand dagegen zu verwandeln. Eine Selbstherrschaft über die eigene Zeit ist eine unerlässliche Bedingung für ein nicht-prekäres und selbstbestimmtes Leben und Lernen.
BaföG und Studienfinanzierung
Heute bekommen lediglich 18,7% der Studierenden BaföG und das deckt nur noch gut die Hälfte der Lebenshaltungskosten. Auch die anstehende BaföG-Erhöhung wird mit 7% Steigerung daran kaum etwas ändern. Viele Studierende sind deshalb dazu gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten. Doch dort werden oft schlechte Löhne gezahlt und es geht viel Zeit verloren, die für Studium und Engagement besser zu gebrauchen wäre. In dieser Lohnarbeit neben dem Studium sammeln Studierende schon während des Studiums praxisnahe Erfahrungen im Berufsleben. Sie lernen dort Unsicherheit und schlechte Arbeitszeiten und Bezahlung kennen. Diesen Zustand thematisieren schon mehrere Gruppen erfolgreich in ihrer täglichen Arbeit, sei es durch Solidaritätsaktionen oder Gewerkschaftsarbeit im AStA. Die Frage nach der Studienfinanzierung ist aber immer mehr als nur eine Frage nach ein paar Euros. Gerade eine sozialistische Organisation muss sie auch als eine Frage nach der Sicherheit zur Selbstbestimmung behandeln. Daher ist es notwendig, für ein elternunabhängiges Studienhonorar zu kämpfen, das Zeit zum Studierenden und Denken lässt und weder in Lohnarbeits- noch Schuldenzwänge treibt.
Studentisches Wohnen
Die neoliberale Stadtentwicklung und ihre Auswirkungen in Form von Privatisierung von Öffentlichem und der Streichung von sozialem Wohnungsbau, einer Entdemokratisierung in Bezug auf die Mitentscheidung der Zivilgesellschaft in städtischen Entscheidungsprozessen und der Spekulation auf dem Immobilienmarkt führt zu einer ökonomischen Belastung und Handlungsunfähigkeit der Präkarisierten unserer Gesellschaft. Neben Niedriglohnarbeiter_innen (insbesondere Frauen und Migrant_innen) und Arbeitslosen sind es auch wir selbst, die Studierenden, die davon am stärksten betroffen sind. Steigende Mieten und fehlender Wohnraum führen vor allem in Universitätsstädten zu einer Wohnungsnot. Die Konsequenz ist eine Verdrängung der Präkarisierten aus dem Stadtkernen und somit aus dem Raum, in welchem das soziale und kulturelle Leben einer Stadt maßgeblich stattfindet.
Die fortschreitende Gentrifizierung der Innenstädte, also ihre soziale Umstrukturierung, bedeutet für viele Studierende, dass sie einen hohen Anteil ihres Einkommens für die Miete ausgeben müssen. Die Plätze in Studierendenwohnheimen können nicht einmal ansatzweise den Bedarf decken. Da sich die Wohnraumfrage in den kommenden Jahren zuspitzen wird, sehen wir eine Vertiefung in das Aktionsfeld „Wohnraum, Recht auf Stadt und Mieten“als eine wichtige Aufgabe des SDS an. In vielen Städten gibt es bereits bestehende Bündnisse von linken Gruppen und Mieter_inneninitiativen, die sich der Problematik angenommen haben. An den Universitäten sind die Forderungen nach mehr studentischem Wohnraum viel zu oft folgenlos geblieben. Der SDS sollte in und mit den bestehenden Bündnissen und Initiativen auf eine Verbreiterung der Bewegung hinarbeiten. Die Forderung nach mehr studentischem Wohnraum ist hier zentral.
Prekarisierung von Frauenbiografien
Wie weiter oben hergeleitet sind auch Studierende von Prekarität betroffen und Studentinnen noch mal in spezieller Weise. Insgesamt machen zwar Frauen häufiger ein Abitur und beginnen auch häufiger ein Studium, doch nach dem Studienabschluss wendet sich das Blatt. 45% der Promovierenden sind Frauen und nur noch 27% Frauen habilitieren. Insgesamt sind lediglich 20% der Professuren in Deutschland von Frauen besetzt. Dies bedeutet: Je höher die Qualifikationsstufe ist, desto weniger Frauen gibt es an Unis, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen. Frauen steigen häufig auch trotz gleicher Qualifikation nicht weiter auf. Soziolog_innen nennen dieses Phänomen „Gläserne Decke“. Doch diese „Gläserne Decke“ hat nicht nur Auswirkungen darauf, werforscht, sondern auch darauf, wasgeforscht wird. Denn ohne forschende Frauen gäbe es auch weniger Frauen- und Geschlechterforschung in der Wissenschaftslandschaft, die den hegemonialen Diskurs über die gesellschaftlichen (Kräfte-)Verhältnisse entscheidend mit prägt. Darüber hinaus steigt die Anzahl befristeter Anstellungen von wissenschaftlichem Personal seit Jahren immer weiter an. In allen universitären Statusgruppen sind Frauen häufiger befristet beschäftigt als Männer.
Wenn dann zur Doppelbelastung aus (Neben-)Job und Studium noch ein Kind oder eine andere zu pflegende Person hinzukommt, ist Studieren, besonders in Regelstudienzeit à la BA/MA, kaum noch möglich. Denn nebenbei muss eine KiTa gesucht werden, eine kindgerechte Wohnung gefunden werden und auf die Bedürfnisse des Kindes/ zu Pflegenden eingegangen werden. Dazu kommt noch, dass wissenschaftliches Vorwärtskommen auch auf den Besuch von Tagungen, Auslandsaufenthalten und Publikationen fußt – der Neoliberalismus fordert auch beim wissenschaftlichen Nachwuchs unbedingte Flexibilität. Doch wie lässt sich Flexibilität mit einem Kind vereinbaren? Wie soll man beispielsweise Einfluss auf Treffen von Berufungskommissionen für Professuren nehmen, wenn fast ausschließlich abends getagt wird, wenn keine KiTa mehr offen hat? Und da die Vereinbarkeit von Studium, Familie und Beruf an der Uni wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen den Frauen überlassen wird, sind Studentinnen überproportional häufiger betroffen als ihre männlichen Kommilitonen.
Prekarität kann also nicht alleine bekämpft werden, sondern sollte mit den Ansprüchen verknüpft werden, die Vereinbarkeit von Studium und Kind nicht den einzelnen Studierenden zu überlassen. Zudem sollte das Sorgen für Menschen als gesellschaftlich notwendige Arbeit anerkannt werden. Care-Arbeit sollte also nicht weiter als klassische „Frauenarbeit“ gesehen und nicht in Form von Erwerbsarbeit gering und in der Familie gar nicht entlohnt werden. Vielmehr sollte Sorge-Arbeit neu unter allen Menschen verteilt und aufgewertet werden.
Auch sollte das Scheitern an gesellschaftlichen Rollenerwartungen an die Frau, wie etwa perfekte Mutter und gleichzeitig Karrierefrau zu sein, als neoliberale und patriarchale Ideologie enttarnt und ihr gemeinsam etwas entgegengesetzt werden. Jeder und jedem soll eine Lebensplanung möglich sein, die auf den eigenen Bedürfnissen beruht.
Hochschule als Arbeitsplatz
Auch die Hochschule selbst als Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren eine dramatische Prekarisierung ihrer Arbeitsverhältnisse erfahren, die komplementär zum geringen gewerkschaftlichen Organisierungsgrad der Mitarbeiter_innen steht. Fast 90% aller wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen sind befristet beschäftigt, 53% arbeiten auf Grundlage von Zeitverträgen, die weniger als ein Jahr laufen. In keinem anderen Bereich des Arbeitslebens ist der Anteil befristeter Arbeitsverträge auch nur annähernd so hoch wie in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse halten insbesondere Frauen davon ab, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, u.a. da Familie und Job an der Hochschule besonders schwer zu vereinbaren sind.
Die enorme Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für wissenschaftliche Mitarbeiter_innen steht in direktem Zusammenhang mit den immer massiveren Kürzungen der Hochschuletats in Landeshaushalten, was, genau wie in der Privatwirtschaft, dazu führt, daß immer weniger Arbeit auf immer mehr Schultern verteilt wird und die Löhne gekürzt werden. Die andere Seite der Medaille ist die steigende Abhängigkeit von Drittmitteln. Insbesondere in drittmittelfinanzierten Projekten sind Arbeitsverträge mit sehr kurzen Laufzeiten üblich. Viele Lehrbeauftragte verbringen mittlerweile einen Großteil ihrer Zeit damit, Fördermittelanträge für private Stiftungen zu schreiben, was Auswirkungen auf die inhaltliche und politische Ausrichtung ihrer Arbeit hat. Lehre und Forschung werden immer stärker auf ökonomische Interessen ihrer privaten Geldgeber ausgerichtet – kritischer Wissenschaft wird schlicht der Geldhahn abgedreht.
Für Studierende ist die Arbeit als studentische_r Beschäftigte_r besonders attraktiv, weil sich durch sie nützliche Kontakte knüpfen und wichtige Qualifikationen erwerben läßt. Diese Vorzüge schlagen hingegen häufig in extreme Ausbeutung um: kurze Fristverträge, unsichere Weiterbeschäftigungsaussichten, besondere Abhängigkeit, da der/die Dienstvorgesetzte oft Prüfer_in ist. Stundenlohn und Arbeitnehmer_innenrechte liegen oft unter dem, was außerhalb der Hochschule gewährleistet wird. Einen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag mit Mindestbeschäftigungszeiten, Urlaubsansprüchen und Weiterbildungsangeboten gibt es bis heute nicht.
Auch die Arbeitsbedingungen von nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern leiden unter typischen Prekarisierungstendenzen. Durch die Etatskürzungen wurden als Sparmaßnahme immer mehr hochschuleigene Aufgaben in den letzten Jahren ausgesourcet und an externe Firmen vergeben, die im Wettbewerb um das niedrigste Angebot mit Dumping-Löhnen operieren. Dagegen setzen wir Solidarität bei Kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen (wie im vom SDS unterstützten Streik der IG BAU im Reinigungsgewerbe 2009) und die Forderung nach einer Viertelparität in den universitären Entscheidungsgremien. Die Viertelparität würde nicht nur den universitäten Beschäftigten Mitspracherecht bei ihren Arbeitsverhältnissen einräumen, sondern auch Studierenden in Fragen der Studienorganisation (Bologna), studentischem Wohnen, Freiräumen an der Uni, etc.
Der Hebel der Veränderung
Die Kraft, die den Hebel der Veränderung in Bewegung setzt, ist für uns Linke immer Organisation. Nur gemeinsam können wir die nötige Kraft aufbringen. Daher muss eines unserer zentralen Anliegen sein, eine Ansprache zu schaffen, die mehr Menschen dazu animiert, mit uns zusammen in Bündnissen und im SDS aktiv zu werden. Dafür ist es unerlässlich, dass wir an ihren Alltagserfahrungen in den oben skizzierten Bereichen ansetzen. Wir müssen mit unserer Kampagne einen Kern der Auseinandersetzungen bilden. Dabei können wir auch auf viel Wissen und Erfahrungen zurückgreifen, die wir aus bisherigen inhaltlichen Auseinandersetzungen gewonnen haben. Dabei gilt es auch immer, vor Ort den wirkungsvollsten Ansatzpunkt für den Hebel zu finden, also Forderungen aufzustellen, die tendenziell gesellschaftlich hegemonial sein können und viele Menschen betreffen. Wo wir uns, wie in der Mietenfrage, schon Expertise und Kontakte vor Ort erarbeitet haben, ist es leichter, einen Hebel anzusetzen.
Diese Art der Arbeit dürfen wir dabei nicht als losgelöste Kämpfe von Studierenden begreifen. So wie Studierende proletarisiert und den gesellschaftlichen Prekarisierungstendenzen spezifisch unterworfen sind, so sind auch ihre Probleme mit gesellschaftlicher Prekarisierung verknüpft. Wir führen gleiche und ähnliche Kämpfe wie andere Aktive an anderen Orten. Dennoch ist es ein gemeinsamer Kampf, dessen verschiedene Kampfstränge sich immer wieder überschneiden. Für uns gilt es dabei, solche Überschneidungspunkte zu schaffen, damit sich dort der Widerstand kristallisieren kann und wir dort unsere Analysen und Programmatiken einbringen können und wirkmächtig werden lassen. Ein solches Bündel von Kristallisationspunkten soll unsere Kampagne werden, auch in Verbindung mit der Kampagne der LINKEN und von linksjugend [’solid].
Der Startschuss: Kampagnenwochenende
Wir haben versucht, eine Analyse der Prekarisierung der studentischen Lebensverhältnisse im Neoliberalismus zu zeichnen. Wir haben ebenso versucht, daraus zentrale Kampffelder und unsere Hebel der Veränderung zu identifizieren. Nun soll dieser Leitantrag nicht nur eine letztlich folgenlose Analyse beinhalten oder eine kurze Kampagne starten, die nach wenigen Monaten Platz für die nächste macht. Vielmehr soll es ein Aufschlag als Teil unserer hochschulpolitischen Strategie sein, in dem wir die Arbeitsstränge unseres Verbandes unter dem Frame der Prekarisierung zusammenbringen wollen. Wir wollen ebenso wie die LINKE eine mittelfristige Kampagne gegen prekäre Lebensverhältnisse starten – bei uns auf unsere Subjekte, die Studierenden, bezogen.
Dafür brauchen wir die Expertisen, die schon auf den unterschiedlichen Arbeitsfeldern bestehen, und wir brauchen eine breite Debatte über den Charakter dieser Kampagne. Deshalb wollen wir konkret Anfang des nächsten Jahres ein Kampagnenwochenende durchführen. Dabei soll über die Inhalte und über den Spannungsbogen der Kampagne diskutiert werden, aber auch darüber, wie wir eigentlich eine Kampagne führen wollen. Die Prämisse ist es, die Kampagne basisdemokratisch von unten zu entwickeln
Praxishandbuch für den SDS
Antragssteller_innen: SDS LV Hessen
Eine offene Aktivengruppe erarbeitet in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung von die Linke.SDS ein Praxishandbuch für den SDS.
Dieses soll mindestens folgendes Enthalten:
Veränderungen bgeinnen mit Opposition
Antragssteller_innen: SDS LV Bayern
Die Linke. SDS macht sich folgende Positionen zu eigen:
DIE LINKE ist die sozialistische, friedenspolitische und ökologische Kraft im Parteienspektrum der BRD. Wir haben uns in den vergangen Jahren aus der gesellschaftlichen und parlamentarischen Opposition heraus gemeinsam mit Initiativen, sozialen Bewegungen und Gewerkschaften für einen grundlegenden Politikwechsel eingesetzt. Dabei wurden einige Erfolge errungen. Opposition wirkt.
Die Partei Die Linke unterliegt momentan einem massiven Rechtsruck, dessen Ziel die Beteiligung der Partei an einer Regierung mit der SPD und der Grünen Partei ist.
Dieser Rechtsruck wurde eingeleitet mit dem Hamburger Parteitag durch das Streichen von Formulierungen, die die Europäische Union als eine „neoliberale, militaristische und weithin undemokratische Macht“ beschrieb. Anschließend stimmten fünf Abgeordnete der Fraktion Die Linke im Bundestag für einen Auslandseinsatz der Bundeswehr vor der syrischen Küste. Dies war das erste Mal, dass Abgeordnete der Fraktion Die Linke für einen Militäreinsatz der Bundeswehr gestimmt haben. Weitere 18 enthielten sich. Weiter distanzierte sich der Parteivorstand der Partei Die Linke und der Fraktionsvorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag von der Genossin Sevim Dagdelen, die gegen eine Verharmlosung von Faschisten im reaktionären Bürgerkrieg in der Ukraine Stellung bezog. Außerdem distanzierte sich Gregor Gysi von Äußerungen des Abgeordneten Norbert Müller der Fraktion Die Linke im Brandenburger Landtag, der Joachim Gauck einen „widerlichen Kriegshetzer“ nannte. In einem Interview möchte Dietmar Bartsch Militäreinsätze nicht mehr grundsätzlich ausschließen, sondern von Fall zu Fall entscheiden Als bisher größten Auswuchs des Rechtsrucks ist das Papier des Parteivorstandes zu sehen, das sich ganz offen für eine rot-rot-grüne Koalition einsetzt und für eine auf Regierungsbeteiligung zielende Kampagne eintreten.
Ein wesentlicher Faktor, der einer Regierungsbeteiligung lange Zeit im Wege stand, war die entschiedene antimilitaristische Haltung der LINKEN. Krieg bleibt ein politisches Mittel der Mächtigen und wird nicht geführt, um die Einhaltung von Menschenrechten zu ermöglichen. Neben denjenigen Kräften, die von Anfang an eine Aufweichung der antimilitaristischen Positionen unserer Partei anstreben, sie „regierungsfähig“ machen wollen und momentan leider an Boden gewinnen, herrscht in großen Teilen der Partei wie auch der Gesamtbevölkerung eine große Verunsicherung über die derzeitige außenpolitische Lage. Vielen, die sich subjektiv als AntimilitaristInnen bezeichnen würden, leuchtet nicht auf den ersten Blick ein, warum eine „humanitäre Intervention“ im Namen der Menschenrecht nicht der richtige Weg ist, und werden durch die Politik des rechten Parteiflügels bewusst getäuscht. Wir müssen stärker in diese Debatte intervenieren und, wie zum Beispiel durch unsere Antimilitarismus-Kampagne, unsere politischen Standpunkte deutlich machen. Unsere Aufgabe ist es, Präsenz zu zeigen gegen die Militarisierung von Außenpolitik und Gesellschaft, den Kontakt zur bestehenden Friedensbewegung zu suchen und zu deren Verbreiterung beizutragen, Widerstand gegen Kriegseinsätze und die deutsche Beteiligung an Kriegen aufzubauen, auf die wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen hinter jedem Krieg hinzuweisen und eine Alternative zu Militarismus und Imperialismus zu formulieren. Eine solche Politik entreißt dem friedenspolitischen Revisionismus die Grundlage.
Die Linke. SDS kritisiert diesen Rechtsruck scharf.
Wir als Studierendenverband der Partei Die Linke treten für eine antiimperialistische und internationalistische Politik ein und gegen die neoliberale Politik der etablierten Parteien. Wir unterstützen in diesem Zusammenhang die Bewegungen der Arbeitenden und Geflüchteten.
Auf Grundlage dieser Positionen erachten wir es als unmöglich, ein Bündnis mit der Grünen Partei oder mit der Sozialdemokratischen Partei einzugehen. Wie soll eine antiimperialistische Politik mit den Grünen und der SPD aussehen, die bisher jeden Auslandseinsatz der Bundeswehr unterstützt haben? Wie soll der Kampf gegen Prekarisierung erfolgreich mit den beiden Parteien bestritten werden, die diesen neoliberalen Kurs mit der Agenda 2010 einschlugen? Wie soll ein gemeinsamer Kampf der Geflüchteten mit der Grünen Partei geführt werden, die die Gerhardt-Hauptmann-Schule in Berlin räumen ließ?
DIE LINKE. war von Anfang an ein Projekt mit offenem Ausgang, in dem verschiedene politische Ansätze – reformistische, revolutionäre, bewegungsorientierte und offen regierungsbefürwortende – miteinander konkurrierten. Antikapitalistische und regierungskritische Positionen sind derzeit nicht in der Weise im politischen Bewusstsein der gesamten LINKEN verankert, wie wir es uns wünschen würden, doch die derzeitige Situation der LINKEN muss im gesamtgesellschaftlichen Kontext gesehen werden. Für ihre Öffnung in Richtung Regierungsbeteiligung und die damit einhergehende Aufgabe konsequent antimilitaristischer Positionen gibt es Gründe. Ein generell niedriges Niveau von Klassenkämpfen und sozialen Bewegungen, die in der Lage wären, die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse nach links zu verschieben – also der Mangel einer sichtbaren Alternative zur politischen Veränderung jenseits von Regierungsbeteiligung – begünstigen eine offen reformistische, opportunistische und revisionistische Agenda, wie wir sie derzeit erleben. DIE LINKE deshalb aufzugeben, halten wir für falsch.
Als LINKE haben wir ein anderes Verhältnis zum Parlamentarismus als die anderen Parteien. Wir wissen, dass sich grundlegende politische Veränderungen nur durch eine Veränderung der gesellschaftlichen Kräfte und Ideen, mit Hilfe von Bewegungen gegen die Profitinteressen der Konzerne durchsetzen lassen. Aus diesem Grund setzt sich der Bundesverband dielinke.SDS innerhalb der Partei dafür ein, dass Die LINKE nach der Bundestagswahl 2017 nicht für eine Koalition oder Tolerierung mit den bürgerlichen Parteien zur Verfügung steht, denn grundlegende Verbesserungen – auch in entscheidenden kleinen Schritten – werden wir nur in Opposition zu den aktuellen Verhältnissen erkämpfen können.
Wachstumskritik ist Kapitalismuskritik!
Antragsteller_innen: Alexander Hummel (Die Linke.SDS Heidelberg), Andrea Henkel (dielinke.SDS Lüneburg), Hannes F. (dielinke.SDS HU), dielinke.SDS Lüneburg
„Die kapitalistische Produktion entwickelt […] nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter“
– K. Marx, Kapital I.: 530
Die Linke.SDS erkennt, dass Wachstumskritik zu Ende gedacht nur Kapitalismuskritik sein kann und stellt sich damit ausdrücklich auf die Seite der kapitalismuskritischen und feministischen Strömungen innerhalb der Postwachstums- und Degrowth-Bewegung. Gleichzeitig wird eine bundesweite Arbeitsgruppe Degrowth gegründet.
Zentral für die Positionierung des SDS sind dabei folgende drei Punkte:
1. Die Auseinandersetzung mit der Postwachstums-Debatte wird vom SDS als Chance genutzt, soziale und ökologische Themen zusammen zu denken; Denn ökologische Fragen sind immer auch soziale Fragen, so sind beispielsweise ärmere Länder vom Klimawandel am stärksten betroffen. Die soziale Frage stellt sich zudem auch intergenerationell, wenn es darum geht, dass wir nicht auf Kosten der Lebensgrundlage zukünftiger Generationen wirtschaften dürfen.
2. Ausgangspunkt für die Positionierung des SDS ist dabei eine Kapitalismuskritik, denn der Kapitalismus externalisiert ökologische und soziale Produktivität systematisch: Er betrachtet nur das am Markt Handelbare, er schließt vor allem (immer noch hauptsächlich weibliche) Sorgearbeit/Reproduktionsarbeit und die Produktivität der Natur aus seiner Betrachtungsweise aus und eignet sich beides ausbeuterisch an (siehe einleitendes Zitat). Die Postwachstums-Debatte führt diese bereits bei Marx angedeuteten Punkte also weiter aus und erweitert sie auch um eine feministische Perspektive.
3. Das Primat der Politik in einer kapitalistischen Gesellschaft ist Wirtschaftswachstum, das durch Profit- und Konsumzwang generiert wird. Wirtschaftswachstum als kapitalistische Zielorientierung kann daher kein Primat linker Politik sein.
Einrichtung einer Satzungsrevisionskommission
Antragssteller_in: Bundesvorstand
Es wird eine Satzungsrevisionskommission eingerichtet, die einen Vorschlag zur Überarbeitung der Satzung von dielinke.SDS erarbeitet.
Diese Vorschläge sollen auf dem nächsten Bundeskongress zur Diskussion gestellt und schließlich auf dem übernächsten Bundeskongress zur Abstimmung gestellt werden.
Für die Organisation der Satzungrevisionskommission ist ein Mitglied des Bundesvorstandes Verantwortlich. Die Beteiligung steht allen Genoss_innen offen.
Neue critica-Strategie entwickeln
Antragsteller_innen: critica-Redaktion
Der Bundesvorstand und die Geschäftsführung erarbeiten in Zusammenarbeit mit der critica-Redaktion und möglichst großen Teilen des Bundesverbandes bis zum XVI. Bundeskongress eine neue Strategie für das Verbandsmagazin critica. Dabei werden sowohl für die Printzeitung als auch für das Onlinemagazin neue Konzepte entwickelt. Die erarbeiteten Konzepte werden auf dem XVI. Bundeskongress beschlossen.
Unter anderem werden folgende Punkte diskutiert:
Klimagipfel COP21 in Paris 2015
Antragssteller_innen: Max Manzey (SDS HU Berlin), Kerstin Wolter (SDS HU Berlin)
Die Linke.SDS entsendet 2 Delegierte zu einem (möglicherweise im Januar 2015 stattfindenden) internationalen Vernetzungstreffen studentischer Vertreter_innen zur Vorbereitung der europaweiten Protest-Kampagne anlässlich des COP21 Klimagipfels in Paris im Dezember 2015.
Die Delegation sollte quotiert sein (min. eine Frau) und wird vom Bundesvorstand gewählt.
Herbstakademie 2015 „Krieg und Frieden“
Antragssteller_innen: Bettina Gutperl (SDS Marburg, BuVo), Janis Ehling (SDS Marburg), Kerstin Wolter (SDS HU Berlin, GeFü), Jakob Migenda (SDS TU Darmstadt, BuVo) (das HAK Orga-Team, alle MFG)
In vielen Teilen der Erde toben heute wieder bewaffnete Konflikte. Die Konflikte um den Donbass und Rojava sind dabei nur die prägnantesten Beispiele. Auch das die oft beschworenen deutschen Waffen und das deutsche Geld spielen dabei eine Entscheidende Rolle. Der Imperialismus ist dem entwickelten Kapitalismus inhärent und war nie wirklich weg, doch die Konflikteskalation nimmt in den letzten Jahren dennoch ein überaus hohes Niveau an.
Deshalb führt für eine marxistische Gegenwartsdiagnose heute kein Weg an einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Imperialismus vorbei. Auch der letzte SDS Bundeskongress hat die Virulenz des Themas erkannt und zwei Anträge zu dem Thema verabschiedet: den Antrag „Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft“ und den Antrag zur Durchführung einer Antimilitarismuskampagne. Wir wollen diese Positionierungen weitertragen und die Verbandsdiskussion dazu vertiefen und in diesem Sinne die nächste Herbstakademie zu diesem Thema veranstalten.
Konkret beantragen wir die nächste Herbstakademie rund um das Thema „Krieg und Frieden“ zu organisieren. Zu diesem Thema soll es am Sonnabend der Herbstakademie ganztägige systematische Workshops geben. Außerdem werden diesmal verstärkt kurze Einführungsworkshops zu wichtigen Grundproblemen des Marxismus, der politischen Praxis und anderer relevanter Themen gegeben.
Verantwortlich für die Durchführung der Herbstakademie ist die AG Herbstakademie in Absprache mit dem Bundesvorstand.
Kurdistan-Politik
Kampagne gegen das PKK-Verbot und Zusammenarbeit mit dem kurdischen Studierendenverband YXK
I. Kampagne gegen das PKK-Verbot
Weg mit dem PKK-Verbot! – Schluss mit Kriminalisierung von Kurd_innen!
Die Linke.SDS spricht sich für die Aufhebung des PKK-Verbotes aus.
Durch die aktuellen Ereignisse in Rojava und Kobanê hat auch die Kriminalisierung der PKK eine kontroverse Diskussion in der medialen Berichterstattung erfahren. Innerhalb der kurdischen Community und der linken Szene hat die Bewegung gegen das PKK-Verbot eine große Dynamik entfaltet. In Berlin hat sich bereits ein Bündnis zur Aufhebung des PKK-Verbotes gegründet, in dem Die Linke.SDS mitwirkt. Wir möchten unsere Basisgruppen ermutigen, sich an lokalen Demonstrationen gegen den PKK-Verbot zu beteiligen und in den hierzu vorhandenen Bündnissen aktiv zu werden.
Um die Forderung zur Aufhebung des PKK-Verbots auf dem Campus sichtbar zu machen, wird der Bundesvorstand beauftragt einen Aufkleber zu drucken.
Wir verteidigen bedingungslos das Recht aller linken Organisationen zur politischen Arbeit, ungeachtet (möglicher) politischer Differenzen mit ihnen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil von Solidarität innerhalb der Arbeiter_innen-Bewegung: bedingungslose gegenseitige Verteidigung gegen die Repression des bürgerlichen Staates. Wir bekräftigen in diesem Zusammenhang unsere Forderung nach der vollständigen Abschaffung der Paragraphen 129a und 129b des Strafgesetzbuches, dessen Sinn und Zweck von Anfang an in der Repression linker Gruppen bestand.
Wir dürfen der herrschenden Meinung nicht die Deutungshoheit über die PKK überlassen, die offiziell als terroristische Vereinigung gemäß gilt und deren politische Arbeit sowohl in Deutschland als auch der Türkei unter Strafe stehen. Wir sagen: Der wahre Terror ist die kriminelle Zusammenarbeit zwischen den NATO-Staaten BRD und der Türkei. Unvergessen bleiben für uns: die seit Beginn der Türkei bestehende brutale Unterdrückung der kurdischen Identität, Kultur und Sprache, die Verhinderung jeglicher politischer Aktivität von Kurd_innen als solche, die grausamenen Massaker der türkischen Regierung an Kurd_innen in den 1980er und 1990er Jahren – mit ausdrücklicher Rückendeckung und Waffenbelieferung durch die deutsche Bundesregierung – die Unterstützung des „Islamischen Staates“ durch die Türkei und die NATO-Verbündeten in den Golftstaaten, die derzeitige humanitäre Katastrophe an der syrisch-türkischen Grenze.
Kurdische Organisation sind permanent staatlicher Repression ausgesetzt; als Feigenblatt fungiert hierbei das Verbot der PKK und die Deklarierung jeder anderen kurdischen Vereinigung als Vorfeld- oder Tarnorganisation der PKK. Dies erschwert beispielsweise unseren kurdischen Genoss_innen von YXK die politische Arbeit massiv und erfüllt den Zweck, sie auch innerhalb der kurdischen Community zu diskreditieren und junge Kurd_innen von politischer Arbeit abzuhalten. Weder in der Türkei noch in Deutschland ist es für politisch aktive Kurd_innen möglich, einen fairen Prozess zu bekommen – Anti-Terror-Gesetze und Vorwürfe des Terrorismus werden willkürlich erhoben und dienen lediglich der Repression. Wir fordern die Freilassung aller kurdischen politischen Gefangenen in Deutschland und der Türkei, einschließlich des ehemaligen PKK-Vorsitzenden Abdullah Öçalan.
Wir erklären unsere Solidarität mit der LINKEN Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke, deren parlamentarische Immunität wegen Zeigens einer PKK-Fahne auf einer Solidaritätsdemonstration aufgehoben wurde und die nun vor einem Gerichtsprozess steht. Dies war ein mutiges und wichtiges Zeichen des zivilen Ungehorsams, dem bereits weitere Aktionen gefolgt sind.
II. Für eine stärkere Zusammenarbeit mit dem kurdischen Studierendenverband YXK:
In vielen Städten besteht bereits eine enge Zusammenarbeit zwischen SDS und YXK. Auch zwischen den Bundesvorständen besteht ein regelmäßiger politischer Austausch. Diese Anstrengungen wollen wir in der Zukunft intensivieren und möchten unsere Basisgruppen ermuntern, Kontakt zu YXK aufzunehmen, wo diese über lokale Basisgruppen verfügen.
Es besteht auch die Möglichkeit, die Antimilitarismus-Reihe fortzuführen und eine Veranstaltungsreihe mit Schwerpunkt Kurdistan. Themen hierfür wären:
Innerhalb der Linken muss dielinke.SDS eine klare Friedensposition vertreten, die Ursachen des Krieges im kapitalistischen Kernland Deutschland bekämpfen und auf humanitäre Unterstützung und politische Lösungen drängen. Frieden schaffen ohne Waffen! Solidarität mit Rojava!
III. Migrationsgipfel im Jahr 2015 in Zusammenarbeit mit YXK – Migrantische und linke Jugendorganisationen an einen Tisch bringen
Wir unterstützen den Vorschlag, als Die Linke.SDS und YXK gemeinsam zu einer migrationspolitischen Jugendkonferenz einzuladen.
Thematisiert werden sollen dabei vor allem:
Die Linke.SDS wird die Fahrtkosten für 20 Teilnehmer_innen aus unseren Reihen übernehmen.
Studentische Freiräume
Antragssteller_innen: Jakob Migenda (SDS TU Darmstadt, BuVo, MFG), Alexander Hummel (SDS Heidelberg, MFG)
Wir ermutigen alle unsere Gruppen sich vor Ort immer wieder die uns zustehenden Räume zu nehmen und zu nutzen. Außerdem wird der Bundesvorstand in Zusammenarbeit mit weiteren Interessierten damit beauftragt für eine öffentliche Problematisierung dieses Vorganges zu sorgen. Ein konkreter Schritt dafür ist mit anderen politischen und kulturellen Gruppen, mit AStEn und weiteren Bündnispartner_innen einen offenen Brief zu verfassen, in dem auf das Problem aufmerksam gemacht wird.
Antirassismus
Aktiv werden gegen antimuslimischen Rassismus und den Rechtsruck in Deutschland
Die Linke.SDS positioniert sich gegen den derzeitigen Rechtsruck in Deutschland und wird sich im WS 14/15 und darüber hinaus stärker im Bereich Antirassismus engagieren.
Es ist nötig, dass wir als Linke stärker aktiv werden gegen ein massives Anwachsen von antimuslimischem Rassismus in Deutschland und Europa und das Erstarken rechter Parteien und Bewegegen.
Auch einige gesellschaftliche Diskurse wie etwa die Gleichsetzung von Islamismus und Faschismus sehen wir problematisch und müssen korrigiert werden. Wir verurteilen das undifferenzierte herausgreifen konservativer Glaubensrichtungen des Islams (wie beispielsweise der Salafismus), um anti-muslimischen Rassismus salon-fähig zu machen.
Wir halten eine ideologische und praktische Intervention deshalb für unerlässlich und legen deshalb unseren Hochschulgruppen nahe, mit Aktionen und Veranstaltungen gegen antimuslimischen Rassismus und den Rechtsruck in Deutschland in die Öffentlichkeit zu treten.
Der Bundesvorstand wird mit der Erstellung von Material zum Thema „Rechtsruck in Deutschland“ beauftragt und soll dabei schwerpunktmäßig folgende Inhalte aufgreifen:
Dieser Antrag soll einer Auseinandersetzung mit Religionskritik im Allgemeinen und dem politischen Islam im Nahen und Mittleren Osten nicht im Weg stehen.
Antragssteller_in: Bundesvorstand
Seminar „Linke Perspektiven auf den Nahostkonflikt“ der RLS durchführen
Antragssteller_innen: Sophie Dieckmann (GeFü), Kerstin Wolter (SDS HU Berlin, GeFü, MFG), Bettina Gutperl (SDS Marburg, BuVo, MFG), Jakob Migenda (SDS TU Darmstadt, BuVo, MFG)
Die Linke.SDS wird ihren Mitglieder die Teilnahme an einem Wochenendseminar der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem Titel «Linke Perspektiven auf den Nahostkonflikt» ermöglichen. Das erprobte und erfolgreiche Bildungsmodul der RLS soll den Mitgliedern von DieLinke.SDS die Möglichkeit geben sich zu sensibilisieren für verschiedene Sichtweisen auf den Nahostkonflikt und den Umgang in der deutschen Linken mit dem Thema. Dadurch soll ein Diskussionsprozess innerhalb des Verbandes angeregt werden, der hoffentlich in einen konstruktiven Umgang mit verschiedenen Positionen und Sichtweisen mündet.
Gründung einer bundesweiten AG zur Erarbeitung eines SDS Bildungsprogramms
Antragsteller_innen: Daniel Schultz (SDS FFM), Rhonda Koch (SDS HU Berlin)
Gründung einer bundesweiten AG Bildungsprogramm zur Erarbeitung eines SDS Bildungsprogramms, welches folgende Punkte mindestens beinhaltet:
Idealerweise werden sich auch mindestens ein BUVO, sowie eine GEFÜ an diesem Projekt beteiligen.
Positionierung zur DDR
Antragssteller_innen: Tobias Heller (SDS.MLU Halle (Saale)), Jan Bruno Gerkens (SDS.MLU Halle (Saale)), Mirjam Sorge (SDS.MLU Halle (Saale)), Anika Zorn (SDS.MLU Halle (Saale))
Der Bundesvorstand soll eine innerverbandliche linke, systemische Kritik an der DDR initiieren, die sich ausdrücklich von einer bürgerlichen Kritik an der DDR distanziert und sich an der Verschleierung von Unrecht und Willkür in der BRD und ihrer Beschönigung nicht beteiligt.
Blockupy 2015 – Block the leaders! Nach Frankfurt zur Eröffnung des EZB-Towers
Antragssteller_innen: Bundesvorstand, Anton Thun (SDS HU, GruKa Stelle)
TTIP ist nach der intensiven Phase von Austeritätsmaßnahmen durch die Troika nun der Versuch das Kräfteverhältnis enorm zugunsten des Kapitals zu verschieben und den Status der entwickelten Zentren EU und USA als global dominanten Player abzusichern. Diese Thematik muss auf Krisenprotesten wie Blockupy ihren Platz finden. Außerdem betrifft Austerität auch direkt die Hochschulen. Mit Maßnahmen wie der Schuldenbremse ist eine Ausfinanzierung des Bildungssystems aktuell nicht möglich. Die Linke.SDS beteiligt sich daher an den internationalen Protesten gegen die Eröffnung der neuen EZB-Zentrale in Frankfurt am Main rund um den 18.03.2015, die wahrscheinlich den Höhepunkt der bisherigen Kampagne und der Krisenproteste darstellen werden. Dazu wird Mobilisierungsmaterial des Bundesverbandes für die Hochschulgruppen angeboten. Inhaltlich wird eine Verbindung zu dem TTIP-Abkommen als eine der aktuell schwerwiegendsten Initiativen des transatlantischen Kapitals gesucht.
Konkret bedeutet das:
TTIP, CETA & TISA verhindern – Demokratie gegen den Angriff des Kapitals verteidigen
Antragssteller_innen: SDS Berlin
Abschaffung des §218 StGB
Antragssteller: Hans Reuter (SDS Dresden, BAK Feminismus)
„Lokal vernetzt – bundesweit aktiv“ ernst nehmen: Aufbau einer bundesweiten Vernetzungs- und Weiterbildungsstruktur in dielinke.SDS
Antragsteller_innen: Kerstin Wolter (SDS HU Berlin, GeFü), Sophie Dieckmann (GeFü), Bundesvorstand, Ramona Seeger, Paul Naujocks (beide SDS Bremen)
Um eine bessere Vernetzung zwischen den Gruppen als auch zwischen lokaler und Bundesebene zu erreichen, soll eine Struktur gegründet werden, die sich aus SDS-Vertreter_innen verschiedener der lokalen Gruppen zusammensetzt. Die Vertreter_innen der lokalen Gruppen sollen dabei einerseits den Austausch und die Vernetzung der Gruppen ausbauen als auch Informationen und Wissen der einzelnen Gruppen und aus den Regionen zusammentragen und andererseits an Weiter- und Ausbildungsseminaren (in Organisations- und Kampagnenarbeit) teilnehmen.
Die Auswahl der Vertreter_innen soll über das Endsendeprinzip einer Person je Gruppe und aus der Gruppe erfolgen. Die Entsendung von Frauen wird, wenn möglich, bevorzugt.
Ziel: Das Ziel ist es, sowohl die bundesweite Vernetzung als auch Handlungsfähigkeit von die linke.SDS zu stärken. Die Verankerung, Verbindung, Verbreiterung von Projekten und Kampagnen soll gefördert werden – von lokaler Ebene auf Bundesebene und umgekehrt. Hier soll ein Top-Down dem Bottom-Up weichen. Zudem soll die Beteiligung und Einbeziehung von SDS-Gruppen ermöglicht werden, die bisher wenig mit dem Bundesverband bzw. anderem Gruppen zu tun hatten. Durch eine kontinuierliche Archivierung von Erfahrungen und Aktivitäten soll das Kollektivgedächtnis des SDS gesichert werden. Durch den Austausch mit Mitgliedern aus anderen SDS-Gruppen soll die Weitergabe von Erfahrungen und Wissen sowie gegenseitige Unterstützung gefördert werden. Durch die Aus- und Weiterbildung (wechselnder) Mitglieder des SDS können die Mitglieder nicht nur im SDS und ihren lokalen Gruppen als Multiplikator_innen wirken, sondern ebenso in Organisationen, in denen sie nach dem SDS aktiv werden (DIE LINKE, Gewerkschaften u.a.). Die Aus- und Weiterbildung soll unter der Berücksichtigung marxistischer und feministischer Analyse erfolgen.
Ebenso soll über die Etablierung eines jährlich stattfindenden Politik- und Strategieforums zur gemeinsamen politischen Strategiefindung im SDS beraten werden.
Da wir um die Arbeitsbelastung unserer Mitglieder wissen und gleichzeitig der allergrößte Teil der politischen Arbeit im SDS ehrenamtlich stattfinden, wollen wir einen Rahmen finden, der die Teilnahme der Gruppen an der Vernetzungsstruktur ermöglich. Deshalb schlagen wir konkret ein Wochenendetreffen pro Semester und dazwischen stattfindende Telefonkonferenzen. Die Häufigkeit der Telefonkonferenzen hängt von beteiligten Mitgliedern ab. Die Kommunikation zwischen den regionalen AnsprechpartnerInnen und der Bundesebene kann so effektiver durch die Stelle zur Gruppenbetreuung und Kampagnenarbeit hergestellt werden.
Finanzielle Ausstattung: Der Bundesverband stellt für Fahrtkosten, Übernachtung und mögliche externe Refernt_innen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung.
Zusammenarbeit: Die Gestaltung des Konzepts sowie der Wochenendseminare soll, wenn möglich, in Zusammenarbeit mit der Kommission Politische Bildung, der Abteilung Strategie- und Grundsatzfragen und der Abteilung Kampagnen und Parteientwicklung der Partei DIE LINKE sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung erfolgen.
Möglicher Fahrplan: Der Bundesvorstand, die Geschäftsführung und die Stelle für Gruppenarbeit und Kampagnenbetreuung wird damit beauftragt, im Frühjahr zu einer Telefonkonferenz einzuladen, um mit möglichen Interessierten das Konzept weiterzuentwickeln und die Planung eines ersten Vernetzungs- und Weiterbildungswochenendes im Frühjahr 2015 zu starten.
Schreiben, Layouten und rhetorische Fähigkeiten verbessern
Antragssteller_innen: Sophie Dieckmann (GeFü), Jakob Migenda (SDS TU Darmstadt), Ramona Seeger (SDS Bremen) (Beide critica Redaktion)
Bildungsreise nach Nahost unterstützen!
Antragsteller_innen: Alexander Hüser (SDS Leipzig)
DieLinke.SDS begrüßt die Bildungsarbeit des AK Nahost und unterstützt die für Ende März 2015 geplante Bildungsreise für alle Interessierten im Rahmen eines „Political Camps“ des AIC.
Hochschulpolitische Schwerpunkte des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbandes für das nächste halbe Jahr
Antragsteller_innen: dielinke.sds HAW Hamburg, dielinke.sds Uni Hamburg
Politische Schwerpunkte des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbands für das nächste halbe Jahr
DieHerrschenden betreiben fortgesetzt die neoliberale Politik, bei der nicht die Bevölkerung mit ihren sozialen, kulturellen und demokratischen Interessen im Mittelpunkt steht, sondern die Stärkung der Unternehmen in einem heraufbeschworenen „Standortwettbewerb“.
Diese marode Politik muss umgehend beendet werden. Für die große Mehrheit der Menschen ist vollständig unerheblich, ob die Hochschulen nach obskuren Kriterien „besser“ oder „schlechter“ dastehen als jene in Mailand, Tokyo oder Albstadt-Sigmaringen. Entscheidend ist, dass die Hochschulen Wissenschaft betreiben im Dienste des Menschen, z.B. für eine zivile Entwicklung , Vollbeschäftigung, die Erweiterung demokratischer Mitbestimmung, günstiges Wohnen, ein Gesundheitswesen, das seinen Namen verdient und allen zugängliche Bildungs-, Kultur,- und Sozialeinrichtungen.
Dielinke.sds kämpft in diesem Sinne in den Organen der studentischen Interessenvertretung, in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung, in der Linken, in der Friedens- und Antifabewegung, in den Gewerkschaften sowie im fzs für friedensorientierte, bildende, demokratische und öffentlich ausfinanzierte Hochschulen als relevanter Teil der Gesellschaft:
Wir müssen die Wissenschaften in den gesellschaftlichen Widersprüchen zwischen arm und reich, Krieg und Frieden, Wirklichkeit und Möglichkeit human bestimmen.
Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung und internationaler Kooperation ist zur Verallgemeinerung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischem Fortschritt im Widerspruch zu provinzialistischen Standortideologien und “-clustern“ durchzusetzen.
Für die Verwirklichung einer solchen Friedenswissenschaft kämpfen wir dafür, Zivilklauselnin allen Hochschulgesetzen zu verankern.
Studienreform muss auf die Bildung mündiger Menschenstatt auf „Humankapital“-Produktion hin verstetigt werden. Das bedeutet: Solidarisches Lernen für die gemeinsame Erweiterung der kritischen Handlungsfähigkeit gerichtet auf soziale und kulturelle Verbesserungen.
Dafür müssen wir auch alle Hürden des Hochschulzugangs beseitigen – u.a. durch die Einführung eines elternunabhängigen BAFöGs als Vollzuschuss – und einen entsprechenden Ausbau des Studienplatzangebotes sowie die kombinierte Zulassung zu Bachelor und Master realisieren.
Wir brauchen Forschendes Lernen und den kooperativen Austausch über Lernfortschritte und -herausforderungen statt vertiefungsfeindliche Module, Kreditpunkte-Jagd und Dauerstress durch Prüfungen und Noten.
Alle Exmatrikulationsregelungen sowie die Zwangsberatung sind zu Gunsten des Ausbaus sanktionsfreier Studienberatungsangebote sowie der studentischen Orientierungseinheiten abzuschaffen.
Alle Hochschulgesetze müssen bundesweit nach dem Leitbild der demokratischen Mitgliederhochschuleentgegen dem der „Unternehmerischen Hochschule“ durch Novellierungen radikal (re-)demokratisiert werden.
Mit dem Zusammenwirken aller Hochschulmitglieder, gruppen- und fächerübergreifend, basierend auf Information und Transparenz, demokratischer Beteiligung und dem Willen zur Konfliktlösung werden wir hierarchische Managementstrukturen, Marktinstrumente und Misstrauenskultur überwinden.
Die mit Wirtschaftslobbyisten durchsetzten Hochschulräte sind abzuschaffen zu Gunsten der Wiedereinrichtung gesamthochschulischer viertelparitätisch zusammengesetzter Gremien (Konzile) zur Befassung von Grundsatzfragen der Hochschul-, Wissenschafts- und Gesellschaftsentwicklung.
Die Einheit der Hochschulen und ihrer Mitglieder muss wiederhergestellt werden u.a. durch die Aufhebung der Spaltung in gegeneinander konkurrierende Fakultäten sowie die Verlagerung aller fachlich relevanten Entscheidungskompetenzen zurück in die Fachbereiche.
Durch einebedarfsdeckende öffentliche Finanzierungwird die finanzielle und damit auch inhaltliche Drittmittelabhängigkeit der Bildung und Forschung von Konzernen und Stiftungen als Minderung des gesellschaftlichen Gebrauchswertes wissenschaftlicher Tätigkeit beendet.
Die „Schuldenbremse“ als ideologisches und praktisches Kerninstrument zur fortgesetzten Kommerzialisierung aller Lebensbereiche mit dem Hauptzweck der Einschüchterung und Unterdrückung progressiver gesellschaftlicher Entwicklungsansprüche ist zu knacken.
Die öffentlichen Etats für Bildung, Soziales, Kultur und Gesundheit müssen opulent und mindestens bedarfsgerecht ausgebaut werden.
Diese Schwerpunkte bilden eine Einheit, weil soziale und kulturelle Verbesserungen die entscheidende Voraussetzung für Frieden sind, weil die emanzipatorische Neuorientierung der Hochschulen eine entscheidende solche Verbesserung ist, weil kritische Wissenschaften inhaltlich einen Beitrag gegen die Austerität und zur zivilen Entwicklung leisten können und müssen und weil die Studierendenbewegung eine gesellschaftliche „Beginner“-Verantwortung hat, den ideologisch erschöpften Neoliberalismus endlich gesamtgesellschaftlich zu überwinden.
14. Bundeskongress (Jun 2014)
/in Bundeskongress /von Pia ChwalczykFriedensbewegung als Leitbewegung
Für einen sozialistischen Friedensverband
„Denn nur der große Gegenstand vermag
Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen;
Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken.“
Friedrich Schiller, Prolog zu „Wallensteins Lager“, 1798
Wissenschaft für den Frieden, also Kooperation zwischen den Fächern, die Förderung der Internationalität, die Bildung mündiger Menschen und die kritische Zuwendung der Wissenschaft zu gesellschaftlichen Aufgaben kann nur aufklärende, zivile Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung sein.
Sie muss entsprechend auf die Überwindung von Militär und struktureller Gewalt orientiert sein. „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“ (Johann Galtung) Krieg und Rüstung sind die brutalste Zuspitzung struktureller Gewalt.
Die Indienstnahme von Wissenschaft und Forschung an Hochschulen durch Rüstungsindustrie und Militär – und damit die Instrumentalisierung der Wissenschaften für die Erforschung neuer Wehrtechniken – ist überall zu bekämpfen.
Gegen Konkurrenz und „Humankapitalbildung“ wirkt Die Linke.SDS an Hochschulen und darüber hinaus als sozialistischer Teil der Friedensbewegung für die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit. Der „große Gegenstand“ Friedensbewegung muss Leitbewegung aller sozialen Bewegungen und damit auch der Studierendenbewegung werden.
Alle Hochschulen sollen darin Hochschulen für den Frieden sein und zur Weitung des „engen Kreis“ der scheinbaren Alternativlosigkeit der Profitausrichtung menschenzugewandte Bildung und Wissenschaft vertreten sowie gesellschaftlich verantwortliches Handeln aller ihrer Mitglieder ermöglichen und unterstützen.
Die Linke.SDS setzt sich dafür ein, dass Friedenswissenschaft statt BWL zur Leitwissenschaft aller Wissenschaftsdisziplinen wird. Wissenschaft muss aufklären und dafür kritisch die gesellschaftlichen Verhältnisse und politischen sowie wirtschaftlichen Interessen und die Kriegsursachen reflektieren statt sie zu verschleiern und zu legitimieren.
Um diese Ziele zu fördern, wirkt Die Linke.SDS bundesweit für die Gründung und die Unterstützung von Arbeitskreisen (AK) für Friedenswissenschaft und damit unter anderem für die bundesweite Einführung von Zivilklauseln. Die Zivilklausel ist eine verbindliche, gesetzliche Festlegung der Hochschulen, dafür, dass sie mit zivilen Mitteln zu einer friedlichen Entwicklung der Gesellschaft beitragen, zu internationaler Solidarität und zur Humanisierung der Lebensverhältnisse weltweit durch Bildung, Arbeit, Kultur, Gesundheit und soziale Entwicklung für alle.
Ein erster Schritt dahin war die Gründung der Initiative „Hochschulen für den Frieden – Ja zur Zivilklausel“, welche bisher Erhebliches erreicht hat: 19 Zivilklauseln an dt. Hochschulen und eine intensivierte internationale Debatte um die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaften für Frieden und eine menschenwürdige Gesellschaftsentwicklung.
Die Zerstörung von Menschen und ihrer Lebensgrundlagen ist dagegen keine Wissenschaft. Deshalb ist Rüstungs- und Kriegsforschung an allen Hochschulen aufzudecken, zu verhindern und komplett zu verunmöglichen. Dafür sind umfassende demokratische Informations-, Beteiligungs- und Entscheidungsrechte der Mitglieder und ihrer Gremien erforderlich.
Mit einer ergänzenden Transparenzklausel können Forschungsvorhaben, (Dritt-)Mittelvergaben und Interessen der Auftragsgeber zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung gemacht werden. Zu diesem Zweck sollen Ethikkommissionen gegründet werden, die sich auf Basis einer friedlichen Ausrichtung mit Forschungsvorhaben befassen sollen.
Zur Friedensorientierung der Wissenschaften trägt Die Linke.SDS mit Veranstaltungen und Publikationen bei, kooperiert mit Friedensforschungseinrichtungen, ist Unterstützer der bundesweiten Initiative „Hochschulen für den Frieden – Ja zur Zivilklausel“ sowie „Bildungs ohne Bundeswehr“ und beteiligt sich an den Unterschriftensammlungen „Lernen für den Frieden“ (mit einer bundesweit intensivierten Sammelaktion zum Abgabedatum am 9.Oktober 2014) sowie „Keine Kampfdrohnen“.
Die Linke.SDS unterstützt den AK Friedenswissenschaft der HAW Hamburg bei der Vorbereitung eines bundesweiten Zivilklauselkongresses vom 24.-26.10.2014.
Die Linke.SDS ist ein sozialistischer Friedensverband. Er wirkt davon ausgehend für die Auflösung aller militärischen Strukturen, insbesondere von NATO und Bundeswehr.
„Mit den Waffen des Geistes gegen den Geist der Waffen“
Martin Löwenberg, Widerstandskämpfer gegen den deutschen Faschismus, KZ-Häftling und Zwangsarbeiter, Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes
Auch für den Ukraine-Konflikt gilt: Internationale Solidarität
Frieden und Völkerrecht verwirklichen
„Wir, die Völker der Vereinten Nationen – fest entschlossen,
– künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,
– unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen,
– Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können,
– den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern, (…) haben beschlossen, in unserem Bemühen um die Erreichung dieser Ziele zusammenzuwirken.“
Präambel der UN-Charta, 1945
In der UN-Charta sind die – antifaschistischen – Kernelemente des Völkerrechts gefasst: Das Verbot von jeglicher Gewalt und Gewaltandrohung, intensive internationale Zusammenarbeit und die Schaffung gesellschaftlicher Bedingungen, die allen Menschen durch soziale Entwicklung, Bildung, Arbeit, Kultur und Gesundheit die volle Entfaltung ihrer Persönlichkeit gewährleisten.
Dies bildet auch den Maßstab für die Grund- und Menschenrechte.
Die US-Regierung, die EU-Staaten und die NATO haben aktuell mit dem Versuch, Rußland ökonomisch einzukreisen, eine gefährliche Konfrontation angezettelt, die mit Machtpolitik nicht zu lösen ist. Jedoch muß die darauffolgende Reaktion Rußlands ebenfalls kritisch gesehen werden. Die Aufgabe der Linken sollte es sein, die geostrategischen und imperialistischen Interessen der involvierten Staatenblöcke aufzudecken und zu erklären.
Auslöser des Konflikts war das geplante Assoziierungsabkommen zwischen EU und Ukraine und die Erpressung durch den Präsidenten der Europäischen Kommission, Barroso, die Ukraine müsse sich zwischen EU und Rußland entscheiden.
Schon seit Jahren wird mit Geheimdiensten, Stiftungen (Konrad-Adenauer, Friedrich-Naumann, Heinrich-Böll u.a.), der Unterstützung bunter „Revolutionen“, Waffen und Geldern aggressiv von außen interveniert, um auch hier einen „regimechange“ zugunsten einer Regierung durchzusetzen, die alle Wünsche des „Westens“ erfüllt. Dabei wird nicht einmal davor zurückgeschreckt, faschistischen Kräften an die Macht zu verhelfen, die gegen „Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten“ (Vorsitzender der faschistischen „Swoboda“-Partei) hetzen und mit brachialer Gewalt vorgehen.
Die Planspiele von EU, IWF und Weltbank zielen auf eine Austeritätspolitik nach dem Muster von Griechenland und Spanien, mit Kürzungen im Staatshaushalt, Massenentlassungen und Lohnkürzungen im Öffentlichen Dienst, Privatisierungen von Gasunternehmen und Großindustrie sowie intensivierter Ausbeutung der Bodenschätze durch internationale Konzerne.
Die ökonomische Kriegführung wird medial begleitet von einer russophoben Hysterie, die üble Feindbilder aus dem Kalten Krieg wieder aus der Mottenkiste holt.
Die Ost-Erweiterung der NATO im Rahmen der „Neuen Weltordnung“ seit 1990 sowie das Raketen“abwehr“system in Europa sind eine permanente militärische Drohung (nicht nur) gegenüber Rußland und China.
Die innenpolitische Seite des Konflikts ist die soziale Ungleichheit innerhalb der Ukraine. Die Bevölkerung ist in den letzten Jahrzehnten von wechselnden Despoten und Oligarchen durch eine enorme Umverteilung von unten nach oben ausgeplündert worden und ist entsprechend unzufrieden.
Die Interventionen des Westens, die faschistische Propaganda und schließlich der Putsch sind darauf gerichtet, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen und progressive Veränderung zu verhindern. Das war in der Geschichte immer die Funktion von Faschisten.
Die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation ist völkerrechtswidrig, eine einseitige Sezession ist im Völkerrecht nicht vorgesehen. Die Zustimmung Rußlands zu dem Referendum auf der Krim ist als Reaktion auf die Eskalation und das Wüten der faschistischen Organisationen zu verstehen.
Doch weder militärische noch verbale Aufrüstung kann zur Lösung des Konflikts führen.
Ein Weg aus der Krise kann nur über politische Verhandlungen gefunden werden.
Die moralische Empörung etablierter Politiker und Medien, die in den letzten Jahrzehnten einen Völkerrechtsbruch nach dem anderen begangen oder legitimiert haben (den Militärputsch in Chile, die Blockade gegen Kuba, den NATO-Überfall auf Jugoslawien und die Anerkennung Kosovos als eigenständigen Staat, den Afghanistankrieg, den Angriff auf Irak, die Bombardierung Libyens, die Waffenlieferungen an „oppositionelle“ Gruppen in Syrien usw.), ist nicht glaubwürdig.
Richtig ist allerdings, daß das Völkerrecht (wieder) zur Geltung kommen muß – Die Stärke des Rechts statt des Rechts des Stärkeren sollte die internationalen Beziehungen bestimmen.
Das oberste Gebot der UN-Charta ist „Nie wieder Krieg, Nie wieder Faschismus“. Das Völkerrecht als Ganzes als die gemeinsame Grundlage für Völkerverständigung und die Verwirklichung der sozialen Rechte aller Menschen ist zu verteidigen.
Dafür müssen vor allem die zivilen, demokratischen und sozialen Seiten des Völkerrechts gestärkt und umgesetzt werden, wie z.B. der UN-Sozialpakt von 1966, in dem die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte eines jeden – vom Recht auf Arbeit bis hin zum Verbot der Einführung von Studiengebühren – festgeschrieben sind. Diese Grundlagen müssen endlich politisch mit Leben gefüllt werden!
Um Frieden in der Ukraine zu schaffen, fordert die DieLinke.SDS:
Unsere Solidarität gilt allen demokratischen Kräften, die sich mutig für Frieden und Völkerverständigung und sozialen Fortschritt einsetzen!
Solidaritätserklärung von die linke.SDS mit Sevim Dagdelen
„Sie reden hier wieder von dem Einfluss von Neofaschisten in der Regierung der Ukraine. Meine Güte, die haben am Sonntag der Europawahl und der Wahl in der Ukraine noch nicht mal 2% bekommen.“
Katrin Göring-Eckardt, Rede im Deutschen Bundestag, 4. Juni 2014.
„Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“
Theobald Tiger (Kurt Tucholsky), „Rosen auf den Weg gestreut“, März 1931.
In der Debatte zur Regierungserklärung der Kanzlerin am 4. Juni wendete sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, in ihrer Rede auch an Die LINKE. Der Zweck dieser Ansprache war einzig und allein die zuvor von Sahra Wagenknecht angegriffene Regierungs-Beteiligung der Faschisten in der Ukraine massiv zu verniedlichen: „Meine Güte“.
Sie hat dabei weder einen einfachen Hinweis gegeben, noch eine unvollständige Ausführung gemacht, sondern schlicht versucht, die Wahrheit über die die mörderische Macht der Faschisten als Lüge zu verunglimpfen.
Dies vor allem, um davon abzulenken, dass die Grünen als NATO- und EU-treue Partei sich imperialistischen Interessen unterworfen haben und spätestens seit dem Kosovo-Krieg 1999 eine Kriegspartei sind. Es soll durch gespielte Empörung und Gefühligkeiten verschleiert werden, dass sich für die Durchsetzung der geostrategischen und ökonomischen Interessen „des Westens“ der Faschisten gerne bedient wird und diese dafür verharmlost werden.
„Wir führen keinen Krieg, wir leisten Widerstand, verteidigen Menschenrechte, Freiheit und Demokratie.“(Joschka Fischer, 19.04.1999) Während die Grünen zur Legitimierung des Kosovo-Kriegs von der „serbischen SS“, „Deporationen“ sowie „KZs“ in Serbien sprachen und Milošević mit Hitler und Stalin verglichen, werden nun staatstragend wirklich faschistische Kräfte verharmlost. Opportunismus ist flexibel.
„Schnappt euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten.“(Oleh Tjagnibok, Parteichef der Swoboda, 2004) Fünf organisierte rechtsextreme Minister in der aktuellen Ukrainischen Regierung (ein Viertel) und der „Sicherheits“apparat unter faschistischer Kontrolle verbreiten fortgesetzt Angst und brutale Gewalt – daran haben die Präsidentschaftswahlen (die eben nicht Parlamentswahlen waren) nichts geändert.
Was Kurt Tucholsky schon 1931 mahnte, wissen Anti-Faschisten heute mit trauriger Gewissheit: dass das Nazi-Regime auch deshalb möglich wurde, weil die Apologeten des Kapitalismus den Faschismus unterschätzt oder kalkuliert verharmlost haben.
Wir begrüßen daher nachdrücklich, dass Sevim Da?delen und Andrej Hunko die Bagatellisierung faschistischer Verbrechen und Verbrecher im Deutschen Bundestag in der gebotenen Schärfe und mit kritischer Aufklärung zurückgewiesen haben. Diese antifaschistische Aufklärungsarbeit sollten wir als Studierendenverband und Partei in Bewegungen und im Parlament weiter ausbauen. Peinlichkeiten wie die aktuelle Anbiederung des Fraktionsvorsitzenden und der Parteivorsitzenden an die Grünen durch Distanzierung von Sevim sind dabei nicht hilfreich.
Als Studierendenverband müssen wir dafür wirken, dass die kapitalistischen Interessen hinter Krieg und Gewalt klar benannt sowie die Ursachen bekämpft werden und eine zivile Perspektive aufzeigen.
Veranstaltungsreihe gegen Krieg und Militarismus
Die Linke.SDS organisiert im laufenden und kommenden Semester Veranstaltungen zur „Neuen deutschen Außenpolitik/ Neuen Rolle der Bundeswehr und der Friedensbewegung.“
Der Bundesvorstand wird damit beauftragt, einen ReferentInnen-Pool für entsprechende Veranstaltungen zusammenzustellen.
Der Bundesvorstand erstellt ein Plakat/ weiteres Material zum Themengebiet Antimilitarismus, Widerstand gegen die NATO, Antiimperialismus. Die LINKE.SDS bringt sich aktiv in die Friedensbewegung ein. Sie unterstützt Demonstrationen und Aktionen der Friedensbewegung, z.B. am Antikriegstag. Sie macht sich an den Unis für eine konsequente Antikriegsposition stark und mobilisiert an den jeweiligen Hochschulstandorten.
Der Bundesvorstand erstellt einen Online-Reader für mögliche Lesekreis-Texte zum Thema Imperialismus und Militarismus anhand der anhängenden Texte (Rosa Luxemburg, Artikelserie zu Miliz und Militarismus, W. I. Lenin „Imperialismus als höchste Stufe des Kapitalismus“ , Frank Deppe u.a. „Imperialismus und Antiimperialismus – gestern und heute“ oder Albert Einstein/Sigmund Freud: „Warum Krieg?“)
Den Herrschenden auf den Gipfel steigen!
Bildungsstreik 2014
Heraus zum 8. März: für einen Internationalen Frauen*kampftag 2015
„Der Internationale Frauen*kampftag steht für den Kampf für rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung, ein selbstbestimmtes Leben, für das Recht auf körperliche Unversehrtheit, sowie sexuelle Selbstbestimmung. Beim ersten Internationalen Frauentag 1911 wurden Forderungen nach sozialer und politischer Gleichberechtigung auf die Straße getragen. Auch über hundert Jahre später sind viele Forderungen immer noch aktuell. Wir stellen uns in eine Reihe mit den feministischen Initiativen und Bewegungen und wollen versuchen eine gemeinsame neue feministische Offensive zu organisieren! Unser Ziel ist es, den 8. März zu (re)politisieren, Frauen* untereinander zu solidarisieren und eine Öffentlichkeit für unsere Anliegen und Forderungen zu schaffen“
(Aus dem Aufruf zum Frauen*kampftag 2014)
Um dieses Ziel zu verwirklichen hat sich ein breites Bündnis gegründet, das am 8. März 2014 zu einer großen zentralen Demonstration in Berlin aufrief. Der Erfolg der Arbeit des Bündnisses war groß: rund 5.000 Menschen kamen am Internationalen Frauen*tag in Berlin zusammen, um gemeinsam für feministische Forderungen zu demonstrieren.
Es ist uns gelungen, die Kräfte verschiedener feministischer und emanzipatorischer Organisationen, Gruppen und Aktivist*innen zu bündeln und die vielfältigen Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Damit haben wir die Grundlage für eine neue feministische Offensive geschaffen.
Wie weiter mit dem Frauen*kampftag 2015?
1. Stärkung und Verbreiterung des Bündnisses
Um diese Offensive weiterentwickeln zu können, feministische Forderungen offensiv in die Öffentlichkeit und auf die Straße zu tragen, die Politisierung und das Empowerment von Frauen* zu fördern sowie gemeinsam mit anderen feministische Forderungen und Projekte zu entwickeln und umzusetzen, wollen wir uns nicht ausruhen, sondern weiter daran arbeiten, dass das Bündnis neben der Organisation einer Frauen*kampftagsdemo am 8. März zu einer Plattform wird auf der feministische Akteur*innen sich vernetzen und gemeinsam eine Handlungsfähigkeit entwickeln. Wir wollen an dem bisherigen Konsens des Bündnisses anknüpfen und unsere inhaltlichen Forderungen weiterentwickeln. Wir wollen nächstes Jahr noch mehr Frauen* und Männer* erreichen und motivieren an der Gestaltung sowie an der Demo am 08. März 2015 mitzumachen!
Um das zu erreichen wollen wir das Frauen*kampftag-Bündnis weiterhin stärken, ausbauen und unsere SDS-Perspektive dort weiter stark machen. Das heißt für uns, die Verschränkung von Patriarchat und Kapitalismus in Forderungen und Praxis deutlich zu machen.
Wir wollen forcieren, migrantische Frauen*, women* of colour, Arbeiter*innen und Gewerkschaften sowie IL-Gruppen verstärkt in das Bündnis einzubinden. Gerade bei der Einbindung von Arbeiter*innen macht es Sinn, Synergieeffekte mit der Projektgruppe KiTa-Streik zu nutzen. Für die stärkere Organisation migrantischer Frauen* und women* of colour ist es notwendig, neben Patriarchat und Kapitalismus, verstärkt Rassismus in den Blick zu nehmen.
Darüber hinaus soll noch enger mit der Partei DIE LINKE und deren Frauen*strukturen zusammengearbeitet werden. Einerseits um feministische und antikapitalistische Positionen in der Linken zu stärken, andererseits um nach außen als starker linker Block aus Partei und den beiden Jugendstrukturen aufzutreten.
2. Gemeinsame Verbandspraxis entwickeln
Neben der Arbeit im Bündnis soll es den lokalen SDS-Gruppen im nächsten Jahr leichter gemacht werden, an der Organisation und Gestaltung des Frauen*kampftags mitzuwirken. Dies soll auf lokaler Ebene durch die Gründung von Mobi-Bündnissen sowie auf der Bundesebene durch die verstärkte Vernetzung des BAK Feminismus und des Bundesvorstandes mit den lokalen Gruppen geschehen.
Auch in diesem Jahr haben bereits einige lokale Bündnisse dezentrale Bildungsveranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Feminismus und gemeinsame Busreisen zur zentralen Demo in Berlin organisiert. Im kommenden Jahr wollen wir diese Initiative gezielter unterstützen und ausbauen.
Zudem möchten wir im Rahmen des BAK Feminismus mit allen Interessierten, Räume schaffen, um über die Strategie für das Bündnis und feministische Interventionen zu diskutieren und Praxen zu entwickeln.
3. Eigenes Material erstellen
Um unsere feministischen Verbandspositionen noch weiter in die Öffentlichkeit zu tragen, aber auch intern weiterhin zu festigen, wollen wir dieses Mal auch eigenes Material entwickeln und produzieren, das sich sowohl auf hochschulspezifische (z.B. Sexismus an der Hochschule; Kinderbetreuung in der Hochschule, …) als auch allgemeinpolitische Forderungen (z.B. zu Sexueller Selbstbestimmung, KiTa-Streiks, Carearbeit, Frauen* in der EU-Krise, …). Zudem wollen wir mit neuen Medien (Mobiclips, Blogger*innen-Szene, soziale Netzwerke etc.) mobilisieren und versuchen, bekannte Persönlichkeiten, Künstler_innen u.a. für unser Bündnis zu gewinnen.
4. Finanzielle Unterstützung
Zur Umsetzung und Weiterführung unserer 2014 begonnen feministischen Offensive benötigen wir nicht nur engagierte Genoss_innen aus allen SDS Gruppen, sondern auch finanzielle Ressourcen. Daher unterstützt Linke.SDS den BAK Feminismus und das F*KT-Bündnis indem er ausreichend Finanzmittel im Haushalt 2014 und 2015 zur Verfügung stellt. Darüber hinaus werden Bundesvorstand und Geschäftsführung aufgefordert den BAK Feminismus aktiv zu unterstützen.
Solidarität mit dem KiTa-Streik der Erzieher_innen 2015 und Gründung einer bundesweiten Projektgruppe
Im kommenden Jahr steht eine bundesweite Aufwertungsrunde in den Sozial- und Erziehungsdiensten an.
DieLinke.SDS erklärt sich solidarisch mit den voraussichtlich Anfang 2015 startenden Tarifbewegung der ErzieherInnen und gründet im Zuge dessen eine Projektgruppe im SDS, die sich auf diese Streikbewegung vorbereitet. Die Projektgruppe mobilisiert zur „Erneuerung durch Streik II“-Konferenz der Rosa Luxemburg Stiftungen, erstellt einen Kampagnenplan, arbeitet inhaltlich zum Frauen*kampftag, engagiert sich im Bündnis und bereitet die Voraussetzungen zur Gründung von Solidaritätskomitees an Hochschul-Kindergärten und Kindertagesstätten vor. Dafür werden der Projektgruppe finanzielle Mittel für Mobilisierungsmaterial, Infomaterial und Fahrtkosten zur Verfügung gestellt. Über die Höhe befindet der Bundesvorstand.
Gegen ihr Europa, Widerstand im Zentrum des Krisenregimes
Die aktuellen Wahlen zum EUParlament haben bei aller Widersprüchlichkeit und Unterschieden zwischen den Ländern – gezeigt, daß die neoliberale Ideologie und Praxis in einer tiefen Legitimationskrise steckt. Der große Verlierer sind die konservativen Volksparteien als entscheidende parlamentarischer Träger dieser profitdevoten Politik (Thatcher und Nachfolgende). In einigen Ländern kann der gesellschaftliche Unmut nach extrem Rechts einkassiert werden, gerade dort, wo Linke schwach (z.B. Ungarn) und Sozialdemokraten besonders verkommen sind (z.B. Frankreich). Über das Gesamt gesehen und vor allem in den südlichen Ländern dominiert jedoch eine Linksentwicklung (z.B. Spanien, Griechenland). Im liberalen Lager brechen die Wirtschaftsliberalen ein, an deren Stelle bisweilen hilflose Sozialliberale treten (z.B. M5S). Alles drängt nach einer Abkehr vom Neoliberalismus. Die Alternative bedarf der Subjekte.
Die ideologische und praktische Kernwaffe der fortgesetzten Kommerzialisierung aller Lebensbereiche ist die „Schuldenbremse“. Ihr Hauptzweck ist Einschüchterung und Unterdrückung progressiver gesellschaftlicher Entwicklungsansprüche. Scharfe Offensivität gegen Barbarei, Perspektivlosigkeit und Irrealität der Austeritätspolitik und Hoffnung und Engagement für eine menschenwürdige Entwicklungsperspektive bilden eine Einheit.
Kongress im Wintersemester 2015: Perspektiven linker Gesellschaftsveränderung. Revolution, Transformation, Utopie.
DieLinke.SDS organisiert im Wintersemester 2015 einen Kongress zum Thema Perspektiven linker Gesellschaftsveränderung, derdie zentrale Verbandsthemen ebenso in den Blick nehmen wird wie die gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Der SDS-Bundesvorstand und die SDS-Geschäftsführung werden damit beauftragt, zeitnah eine bundesweit offene Vorbereitungsgruppe zu gründen, die für die inhaltliche Ausgestaltung, die Organisierung und die Mobilisierung zuständig ist. Alle SDS-Gruppen werden dazu aufgefordert, sich an der Organisation und der Mobilisierung zu beteiligen.
Der Kongress soll nicht nur dazu dienen, neue InteressentInnen für den SDS zu gewinnen und Ausstrahlungskraft an der Hochschule und Öffentlichkeit zu entwickeln, sondern auch insbesondere Gruppen und Mitglieder aufzubauen. Die Vorbereitungsgruppe wird damit beauftragt, ein Konzept zu erstellen, wie Gruppenaufbau und Mitgliedergewinnung Hand in Hand mit der Kongress-Vorbereitung gehen können.
Die Kosten werden im Wesentlichen vom Verband getragen, sofern nicht andere Projekte darunter leiden, namentlich die Gruppenbudgets, F*KT, HAK, FFP und die BAKs. Bundesvorstand und Geschäftsführung werden damit beauftragt, Kooperationspartner zu finden und insbesondere auf DIE LINKE zuzugehen.
Gramsci lesen!
„Eine neue Kultur zu schaffen bedeutet nicht nur, individuell ›originelle‹ Entdeckungen zu machen, es bedeutet auch und besonders, bereits entdeckte Wahrheiten kritisch zu verbreiten, sie sozusagen zu ›vergesellschaften‹ und sie dadurch Basis vitaler Handlungen, Element der Koordination und der intellektuellen und moralischen Ordnung werden zu lassen.“
Gramsci, Gefängnishefte, Heft 11, §12, 1377
Interessierte SDS Gruppen organisieren im Wintersemester 2014/2015 bundesweit „Gramsci lesen!“ Lesekreise. Der Bundesvorstand und die Geschäftsführung werden damit beauftragt alle SDS-Gruppen und Aktiven zu einem AG-Gründungstreffen zur Vorbereitung und Koordination der Lesekreise einzuladen. Diese „Gramsci lesen!“ AG wird dann mit der Vernetzung der lokalen Gruppen, der Erstellung eines Material-Readers und der Koordination von Auftaktveranstaltungen für die Lesekreise betraut. Alle SDS-Gruppen und Aktiven des SDS sind eingeladen sich in die „Gramsci lesen!“ AG mit Ideen und der Erarbeitung des Material einzubringen. Erste Vorschläge für den Inhalt des Material-Readers sind folgende Materialien:
Für die AG-Treffen und den Material-Reader stellt die Linke.SDS ausreichende finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Ein Finanzplan ist von der „Gramsci lesen!“ AG bei ihrem Gründungs-Treffen zu erstellen
Krise und autoritäre Transformation zusammen bekämpfen!
Krise der Kapitalerwertung und Verschärfung der Repression – zwei Seiten einer Medaille
Mit dem Ausbruch der Krise in den Jahren 2007/2008 verstärkt sich auf europäischer Ebene eine in den 70er Jahren mit dem Neoliberalismus einsetzende doppelte Tendenz: Eine Abnahme staatlicher Aktivitäten im Bereich Fürsorge und Sozialstaat, bei gleichzeitiger einer Ausweitung des Komplexes aus Überwachung, Repression und der militärischen Absicherung von Herrschaftsverhältnissen, um diese unmenschliche Politik zu verteidigen. An der europäischen Peripherie, wo die Krisenproteste die unmenschliche Politik entlarven, ist diese autoritäreTransformation bereits deutlich weiter fortgeschritten als im europäischen Zentrum.
Die Verschärfung der Repression ergibt sich aus einer doppelten Krisenverschleierungsmethoden der Herrschenden. Während versucht wird, die ökonomische Krise neoliberal zu verlängern, wird gleichzeitig versucht die politische Legitimationskrise der Herrschenden zu bewältigen. Eine Lösung der politischen Legitimationskrise für die Herrschenden ist versperrt, da diese an die momentan nicht gelingende Lösung der ökonomischen Krise gebunden wäre. Da eine Vertrauensbildung nicht möglich ist wird dazu übergegangen zu versuchen, den berechtigen Ansprüchen der Bevölkerung für die soziale Gesellschaft mit zunehmender Brutalität in Form von Repressionen, zugespitzt in der Form der Schuldenbremse, Einhalt zu gebieten. Statt die Krise zu lösen, wird sich verstärkt darauf konzentriert die Auswirkungen der Krise zu verstetigen.
Ausdruck dieser staatlichen Repression ist der Rückbau von Arbeitnehmer, Demonstrations und Versammlungsrechten insbesondere in Staaten der europäischen Peripherie mit großen Massenprotesten wie etwas Spanien und Griechenland , vermehrte Überwachung und Repression sowie eine Militarisierung nach Innen und Außen.
In Deutschland bricht sich die Tendenz zu einem Ausbau staatlicher Repressions und Sicherheitsorgane oft noch nicht Bahn. Grund dafür sind einerseits historische Erfahrungen, wodurch die deutsche Bevölkerung gegenüber Überwachung sensibilisiert wurde, andererseits erleben wir aber auch seit Mitte der 00er Jahre verschiedene Proteste und öffentliche Empörungswellen. Diese Empörungswellen und Proteste setzen die Herrschenden bei ihren Überwachungs und Repressionsplänen regelmäßig unter Druck. Wo es diesen Widerstand nicht gab, erlebten wir hingegen einen umfassenden Umbau zu Kontrollgesellschaften (Großbritannien). Doch auch in Deutschland finden sich Anzeichen einer Aufrüstung für den Kampf gegen die eigene (potentiell) widerständige Bevölkerung: Schlagzeilen machte etwa im vergangenen April die Anschaffung 78 33Tonnen Wasserwerfer durch die deutsche Polizei zum Stückpreis von 900.000 Euro.
Die Linke.SDS muss sich insofern bewusst sein, dass die bürgerliche Demokratie und der bürgerliche Rechtsstaat in der Krise nicht „nur“ von Rechts, sondern auch von oben angegriffen wird. In der Krise droht die autoritäre Transformation von Kapitalismus und bürgerlicher Demokratie. In Publikationen oder Veranstaltungsreihen zur Krise ist also mitzureflektieren, dass sich in der Repressionszunahme die Perspektivlosigkeit der Herrschenden, die Brutalität der Verhältnisse, sowie vor allem das Erstarken der humanistischen Ansprüche ausdrückt. Das Verständnis von Repression als Reaktion ist in Antiüberwachungs und Antirepressionsproteste einzubringen, damit eine inhaltliche Verknüpfung zu Krisenprotest herzustellen und eine dementsprechenden Bündnispolitik ist anzustreben.
Marxistische Studienwoche
Der Bundeskongress beschließt, dass Die Linke.SDS seine Mitglieder dazu aufruft an der Marxistischen Studienwoche 2015 teilzunehmen. Geschäftsführung und Bundesvorstand werden damit beauftragt zu mobilisieren und zu prüfen, ob und in welchem Rahmen die Fahrtkosten für die TeilnehmerInnen erstattet werden können.
Internationale Vernetzung organisieren
Der Bundes-SDS mobilisiert intern zu der internationalismo21-Konferenz in Berlin.
Der Bundes-SDS erklärt sich solidarisch mit den Zielen der Konferenz und unterstützt deren Aufruf zu internationalistischer Zusammenarbeit.