13. März 2025

Aufruf gegen den Sondierungswahnsinn der neuen Regierung: Gegen die astronomische Aufrüstung!


Mit abgewählten Mehrheiten treiben die neuen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD in einem demokratieverachtenden Coup die Militarisierung Deutschlands voran. Mit einer Grundgesetzänderung soll noch in dieser Woche die Schuldenbremse für Verteidigung aufgehoben und endlose Milliarden Euro Kriegskredite ermöglicht werden – nicht für Soziales oder Bildung, sondern für die Kriegsvorbereitung.

Das milliardenschwere Aufrüstungsprogramm und das kreditfinanzierte Infrastrukturprogramm sind zwei Seiten derselben Medaille: Laut Sondierungsergebnis soll 1% des Wehretats unter die Schuldenbremse fallen, um einen erheblichen Teil des künftigen Bundeshaushalts gegen Sozialausgaben aufzurechnen und Kürzungen zu rechtfertigen. Damit stellt die geplante Grundgesetzänderung faktisch eine Verschärfung der Schuldenbremse dar: Während Sozialausgaben weiter unter Finanzvorbehalt stehen, können zusätzliche Rüstungsvorhaben unbegrenzt über Kriegskredite finanziert werden. Die dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen dienen dabei nicht einer nachhaltigen, sozialen und ökologischen Transformation der Industrie, sondern werden in den zivilen Ausbau militärischer Mobilmachung gelenkt – etwa durch Schienennetze und Krankenhäuser, die vorrangig der Verlegung und Versorgung von Truppen dienen. Das Finanzkapital wird in den Krieg umgeleitet – ein Raubbau an unserer Zukunft.

Ziel ist die Errichtung einer Kriegswirtschaft, und die dafür notwendige Transformation der Bundeswehr zur „kriegstüchtigen“ Streitmacht. Die geschürte Angst vor Russland soll den Rüstungswahnsinn legitimieren – während mit der Raketenstationierung  gezielt Drohgebärden gegen Russland aufgebaut werden. Dabei ist die militärische Überlegenheit der NATO, wenn nur die europäischen NATO-Staaten auf sich allein gestellt blieben, unbestreitbar und jetzt sollen von der EU nochmal 800 Milliarden Euro Schulden für denselben Aufrüstungszweck bereitgestellt werden.

Dieser Aufrüstungskurs dient allein den Herrschenden in Europa, die den Krieg in der Ukraine für ihre Großmachtambitionen am Leben halten wollen, während sie gleichzeitig den Völkermord in Gaza nicht nur duldeten, sondern aktiv unterstützen. Dabei nehmen sie einen Krieg mit Russland in den nächsten fünf Jahren bewusst in Kauf und bereiten ihn strategisch und besonders ideologisch vor.

Die Imperialisten der Welt zeigen ihre wahre Fratze: Das Recht des Stärkeren soll die antifaschistischen Errungenschaften des Völkerrechts ersetzen. Für uns – die Mehrheit der arbeitenden Klasse – bedeutet er nichts anderes als eine gigantische Umverteilung von unten nach oben, durch Rüstung, Krieg und soziale Verelendung.

Die Kürzungen im sozialen Bereich werden zu einer weiteren Prekarisierung der Arbeiter*innenjugend am unteren Rand der Gesellschaft führen. Der einzige Ausweg aus der Verwahrlosung soll das Militär sein, sowohl als sicherer Arbeitgeber als auch als Möglichkeit einer kaum mehr zu bewerkstelligenden Studienfinanzierung. Die parallel dazu eingesetzte Wehrpflicht-Debatte zeigt: Neben wirtschaftlichem Zwang wird auch ideologischer Druck genutzt, um eine neue Kriegsbereitschaft zu formen. Doch bislang gibt es in der Jugend wenig Zustimmung für eine solche nationale Mobilmachung.

Auch die Hochschulen sollen nicht mehr der breiten Bevölkerung offenstehen, sondern nun wieder der Elitenförderung dienen und die Wissenschaft wieder einmal, diesmal aber mit neuer Qualität und noch größerem Anteil, dem Imperialismus dienen. Dem stehen die Zivilklauseln im Weg, die nun auch eine der Regierungsparteien offen verbieten will.

Die Auseinandersetzung um die Aufrüstung spitzt sich also um die Jugend und die Hochschulen zu. Die Rüstungsindustrie benötigt dringend unsere Köpfe und unsere Tätigkeiten. Das heißt, wenn wir uns wehren, wenn wir unsere Tätigkeiten nicht der Kriegsforschung widmen und an den Zivilklauseln halten, wenn wir die soziale Schließung der Hochschulen verhindern und uns nicht als Arbeiter*innenjugend spalten lassen, verunmöglichen wir den Kriegskurs!

Das Friedensgebot im Grundgesetz ist eine antifaschistische Konsequenz: Nie wieder Krieg, nie wieder Militarismus als Staatsräson. Dies erfordert aktive Abrüstung und zivile Konfliktlösung statt endloser Aufrüstungsspiralen. Rüstungsausgaben binden Mittel, die für Bildung, Klimaschutz und öffentliche Infrastruktur fehlen – gesellschaftlicher Fortschritt wird blockiert. Stattdessen braucht es eine echte Zeitenwende: Abrüstung, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.

Also kämpfen wir mit einer langfristigen Organisierung an unserem Lebensschwerpunkt:

mit Bafög für Alle gegen die Elitenbildung zu Kriegszwecken!

mit Zivilklauseln und kritischer Wissenschaft gegen die Vereinnahmung für Kriegsforschung!

Wir rufen alle Studierenden auf, lokale Aktionen vom 13.03. bis 18.03.25 zu organisieren und sich den Ostermärschen anzuschließen!

29. Januar 2025

Pressemitteilung zur beschlossenen Antisemitismusresolution im Bundestag


Als sozialistisch-demokratischer Studierendenverband stehen wir klar gegen jede Form von Diskriminierung und halten somit auch die Bekämpfung von Antisemitismus für wichtig. Doch der von SPD, Grünen, FDP und CDU/ CSU vorgelegte Antrag wird diesem Anspruch nicht gerecht, weshalb wir seine Verabschiedung entschieden kritisieren.

“Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Antisemitismus findet mit dieser Resolution ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit und Verengung des Diskurses statt!”  – Julius aus dem BuVo. Dieser gefährdet nicht nur kritische Wissenschaftler*innen, sondern bedroht auch die Hochschulautonomie und untergräbt unsere Arbeit als Studierendenverband.

Die Verwendung der IHRA-Antisemitismusdefinition als einzige Grundlage, nach welcher zukünftig die Vergabe von Forschungsgeldern auf Antisemitismus überprüft werden soll, stellt einen Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit dar. Die Arbeitsdefinition der IHRA gilt wissenschaftlich als hochgradig umstritten  [1] und ihre Verwendung wird von vielen Menschenrechtsorganisationen kritisiert [2], da sich unter ihr jegliche Kritik am Staat Israel und seiner Politik fassen lassen.

In einer Zeit, in welcher das genozidale Bestreben Israels im Gazastreifen Gegenstand einer Anklage vor dem ISTGH und zahlreicher Berichte der Vereinten Nationen ist, kann die IHRA-Definition genutzt werden, um kritische Stimmen an den Universitäten zu unterdrücken. Die verfassungswidrige Räumung des Protestcamps an der Freien Universität Berlins oder die Stark-Watzinger-Affäre waren nur ein Vorgeschmack darauf, wie sich der Diskursraum für all jene verdichtet, welche sich nicht bedingungslos hinter die deutsche Staatsräson stellen.

Dadurch wird diese Resolution ihrem eigenen Anspruch, nämlich dem Erhalt von Universitäten als Orte des kritischen Diskurses und der Vergabe von Fördergeldern alleine auf Basis der wissenschaftlichen Exzellenz, nicht gerecht und wurde deshalb zu Recht von der Hochschulrektorenkonferenz kritisiert [3].

Darüber hinaus fokussiert sich der Antrag lediglich auf Antisemitismus und setzt sich überhaupt nicht mit der Zunahme antimuslimischen und anti-arabischen Rassismus seit dem 07. Oktober auseinander. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass nur die Geschichte Israels Gegenstand von Unterricht und Forschung sein soll und die Geschichte Palästinas, sowie anderer Länder in der Region keine Rolle spielen soll, wie die Allianz für kritische und solidarische Wissenschaft zu Recht kritisiert [4].

Aus diesen Gründen halten wir die Verabschiedung der Antisemitismus-Resolution für gefährlich und fordern nachdrücklich den Erhalt von Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie, sowie eine Ausfinanzierung der Hochschulen und Rücknahme der Reprresionen, da dies die Grundlage für einen offenen kritischen Diskurs über Antisemitismus darstellt.

22. August 2024

Aufruf: Hinaus zum Antikriegstag!


Getrieben von ökonomischem Expansions- und geopolitischem Machtstreben überfiel am 01. September 1939 das faschistische Deutschland Polen und überzog damit die Menschheit mit dem Zweiten Weltkrieg, der das Leben von über 65 Millionen Menschen beendete, darunter mehr als 27 Millionen Sowjetbürger. Der Krieg war von langer Hand vorbereitet mit enormer Aufrüstung, der Aufkündigung von Abrüstungsverträgen, dem Umbau zu einer Kriegswirtschaft, der Verfolgung von sozialistischen Kräften, Pazifist:innen und Jüd:innen sowie rassistischer Hetze. Einer antifaschistischen Allianz gelang es, den Krieg zu beenden und – als Lehre aus den zwei Weltkriegen – systemübergreifend die UN-Charta und die Verfassung der UNESCO hervorzubringen, damit die Menschheit ihre Geschicke selbst in die Hand nimmt. Angesichts der aktuellen kriegerischen Eskalationen weltweit und der Militarisierung ist es umso notwendiger, diese Lehren zu verwirklichen.

Mit dem Abstieg und der Herausforderung des US-Imperialismus und dem Aufstieg der Länder des globalen Südens sowie Chinas verschärft sich die Konkurrenz der ehemals US-hegemonialen Weltordnung. Gegen diesen Abstieg rüsten BRD und NATO-Staaten auf, um kriegerisch die Führung in der Weltordnung durchzusetzen: zur Sicherung des privilegierten Zugangs westlicher Konzerne zu Rohstoffen, Absatzmärkten und billigen Arbeitskräften. Zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges wird für 2026 die Stationierung von US-Raketen in der BRD vorgesehen. Diese Raketen zielen Richtung Russland. Die Bundesregierung nimmt damit sehenden Auges die Eskalation bis zum Atomkrieg in Kauf.

Begleitet wird diese Eskalation durch immer neue Waffenlieferungen. Diese beschränken sich nicht auf die Ukraine. Durch die Lieferung deutscher Waffen wird auch der Genozid, die Hungerkrise, die vollständige Vernichtung ziviler Infrastruktur und die Zerstörung des Bildungswesen in Gaza befeuert. Entgegen dem gilt es Völkerverständigung sowie die Menschenrechte zu realisieren. Deshalb sagen wir “Nein” zu Waffenlieferungen, Auslandseinsätzen, “Kriegstüchtigkeit” und der „Abschreckung“ als Machtmittel in der internationalen Weltordnung. Statt internationaler Gewalt braucht es gewaltigen Internationalismus für die Lösung der Menschheitsherausforderungen des Hungers, der Armut, dem Klima- und Umweltschutz sowie der Geschlechtergerechtigkeit. Zur Beendigung des Krieges in der Ukraine braucht es Diplomatie und Kooperation als Grundlage für soziale Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Krieg nach innen durch die Verrohung aller zivilgesellschaftlicher Bereiche durch die Bundesregierung geht damit einher, dass die Errungenschaften aus „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ vergessen gemacht werden sollen, um den Menschen auf allgemeine Feindschaft, Konkurrenz, wirtschaftliche Verwertbarkeit und Leistungsfähigkeit umzupolen – darunter sind die Anstrengungen zur Wiedereinführung der Wehrpflicht zu verstehen. Im Interesse aller Menschen und menschlich ist das Zusammenleben selbstbestimmt, solidarisch und auf Augenhöhe zu gestalten. Die Kriegsvorbereitungen zielen auf dsa Gegenteil, dem müssen wir uns geeint entgegenstellen. Der (finanzielle) Aufwand, der gerade für die Aufrüstung betrieben wird, muss in Bildung, Kultur, Gesundheit, Wohnraum, Klima und öffentliche Räume umgewidmet werden.

Der Kampf für soziale Verbesserung in den Bildungseinrichtungen ist ein entscheidender Faktor im Kampf für den Frieden und Sozialismus. Ihre Neugestaltung schafft eine soziale Grundlage für die kritische Meinungsbildung. Mit vollem Magen lässt sich besser studieren! Dies ermöglicht erst die volle Wahrnehmung der eigenen Interessen sowie eine oppositionelle und widerständige Haltung gegen die herrschenden Verhältnisse von Austerität, Gehorsam und Kriegstüchtigkeit.

Anstatt die intellektuelle Kraft, die aus den Hochschulen hervorgeht, für die Militärforschung zu verschwenden, wollen wir diese als entscheidenden Beitrag zur Lösung der globalen Krisen einsetzen.

Hierfür gilt es, die Wissenschaftskooperationen nach zivilen Maßstäben auszubauen – mit Russland, China, Palästina und Israel. Im Falle Israels heißt das konkret: Stopp von Rüstungskooperationen. Stopp von ideologischer, juristischer, geschichtswissenschaftlicher Legitimierung von Völkermord und Ungleichheit und stattdessen eine friedenspolitische Neuausrichtung für Völkerverständigung und einen gerechten und sozialen Frieden. Die Wissenschaftsfreiheit muss dabei stets im Zusammenschluss mit der Verwirklichung des Friedensgebots und der Würde des Menschen begriffen werden. Vorstößen des Bundesforschungsministeriums oder der bayerischen Landesregierung zur Militarisierung der Hochschulen stellen wir uns entschieden entgegen. Für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft für alle haben wir unsere Kreativität und Denkkraft in die menschen- und friedensorientierte Forschung zu stecken.

In diesem Sinne: Hinaus zum Antikriegstag! Kommt mit uns am 01.09.24 auf die Straße und lasst uns ein starkes Zeichen für den Frieden setzen. Wir alle sind diejenigen, auf die es ankommt, eine wirkliche Perspektive zu entwickeln und zu erwirken! BAföG für alle, statt Profite für wenige als Teil einer sozialen Wende. Wir kämpfen für: Internationale Wissenschaftskooperationen als Teil konkreter Völkerverständigung. Friedensbildung als Teil von ziviler Emanzipation. Wissenschaft, die immer dem Frieden und nie dem Krieg dienlich ist als Leitwissenschaft für einen wirklichen Beitrag zur Lösung der gesellschaftlichen Krisen. Das ist die einzige Existenzberechtigung für Universitäten, Lehrende und Lernende. Dafür laden wir alle ein, mit uns an den Hochschulen zu kämpfen!

08. Juli 2024

Waffenstillstand jetzt! Stoppt die Ausweitung des Krieges im Nahen Osten!


Auf dem 34. Bundeskongress von Die Linke.SDS haben wir per Dringlichkeitsbeschluss das folgende Statement verabschiedet:

Als Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband fordern wir alle Gliederungen der Partei, des Jugend- und Studierendenverbands sowie alle Mitglieder auf, sich in einer neuen Qualität und vollkommenen Entschlossenheit für einen sofortigen Waffenstillstand im Nahen Osten einzusetzen. Der fortlaufende Genozid und die absolute Zerstörung aller zivilisatorischen Grundlagen, resultiert durch die Besatzungsökonomie und Apartheid in Israel. Jetzt wurde eine eskalative Ausweitung des israelischen Kriegs auf den Libanon angekündigt.

Ranghohe Armeevertreter haben eine Offensive im Libanon „genehmigt und freigegeben“, teilte die Armee mit. Der israelische Außenminister Israel Katz drohte der Hisbollah mit ihrer Zerstörung in einem umfassenden Krieg (“all-out war”).

Die Gefahr einer weiteren Ausweitung des Krieges zu einem atomaren Flächenbrand droht, wenn keine Deeskalation erkämpft wird. Statt weiteren Waffenlieferungen muss ein umfassendes Waffenembargo gegen Israel und ein Stopp aller Rüstungsexporte aus Deutschland durchgesetzt werden. DIE LINKE wird aufgefordert, sich entschieden und öffentlichkeitswirksam für einen Stopp aller deutschen Waffenlieferungen nach Israel einzusetzen.

08. Mai 2024

BAföG statt Rüstung – Für eine wirkliche Reform der Ausbildungsförderung statt weiterer Elendsverwaltung


Im Bundestag läuft gerade die sogenannte “BAföG-Reform” an. Die Ampel-Regierung hat bereits einen Entwurf vorgelegt, der nun an verschiedenen Stellen diskutiert wird. Gleichzeitig geht es an den Hochschulen in Deutschland rund. In Berlin soll mit der Wiedereinführung des Ordnungsrechts an den Hochschulen die Möglichkeit zu Zwangsexmatrikulationen geschaffen werden, um politisch unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. In Hessen und Bayern arbeiten die unionsgeführten Regierungen an der Aufweichung bzw. Abschaffung der Zivilklauseln, um Rüstungsindustrie und Bundeswehr Zugang zu Forschung und Lehre zu verschaffen. Damit sollen auch Wissenschaft und Studierende “kriegstüchtig” gemacht werden. “Kanonen statt Butter”, wie Ifo-Präsident Clemens Fuest kürzlich in (wohl unbewusster) Anlehnung an den Nazi-Funktionär Rudolf Hess sagte. Das ist aktuell die Devise der Bundesregierung. Zugunsten der Sicherung und Erweiterung der globalen Einflussgebiete strebt der deutsche Staat seit Ausrufen der “Zeitenwende” die umfassende – materielle wie ideologische – Militarisierung der Gesellschaft an. Bei der Butter, d.h. Sozial- und Bildungsausgaben, Umweltschutz und öffentlicher Infrastruktur, usw., muss daher gespart werden.

Dies zeigt sich auch beim BAföG. Im Koalitionsvertrag von 2021 wurde noch die große Reform der Ausbildungsförderung versprochen. Dass daraus nichts wird, war schon abzusehen, als die Bundesregierung ankündigte, im Bundeshaushalt 2024 den BAföG-Topf um rund ein Viertel zu kürzen (von 2,7 Mrd. auf 2,0 Mrd. Euro). Doch das Bildungsministerium unter Stark-Watzinger (FDP) will nun nicht mal die mickrigen 160 Millionen, die im Haushalt der BAföG-Reform zugesprochen wurden, ausgeben. Im Referentenentwurf sind nur 60 Millionen veranschlagt. Zwar enthält dieser auch positive Teilerfolge für Studierende und Schüler*innen, die jedoch völlig unzureichend bleiben:

  • Ab Herbst 2024 sollen die Elternfreibeträge um 5% angehoben werden. Der wirkliche Reformschritt der Elternunabhängigkeit für die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung emanzipatorisch vom Elternhaus und für die Stärkung der öffentlichen, demokratischen Finanzierung der Bildung bleibt offen zu erkämpfen.
  • Die Förderungsdauer wird um ein “Flexibilitätssemester” auf 7 Semester erhöht. Dauerhaftes, leistungs-unabhängiges BAföG zur Realisierung des Rechts auf Bildung und sinnvollen Lernens ist dagegen die reale Verbesserungsperspektive.
  • Eine einmalige “Studienstarthilfe” von 1000 Euro, die Studienanfänger*innen aus armen Familien auf Antrag einen Monat vor Semesterbeginn ausgezahlt werden soll.

Doch im Ganzen kann nicht von einer wirklichen “Reform” gesprochen werden. Vielmehr wird das Elend weiter verwaltet, zu dem das BAföG – bei seiner Einführung 1971 ein Meilenstein für die soziale Öffnung der Hochschulen für Arbeiterkinder – in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde. In wichtigen Punkten stellt der Entwurf eine Verschlechterung dar:

  • Die monatliche Rückzahlungsrate des Darlehensanteil soll von 130 auf 150 Euro steigen.
  • Die maximale Rückzahlungssumme soll von 10.010 auf 11.550 Euro erhöht werden.
  • Zudem gibt es keine Erhöhung der Bedarfssätze sowie der Wohnungspauschale trotz anhaltender Inflation bei Konsumgütern und Mietpreisen!

Nachdem schon viele Vertreter studentischer Interessen wie das Deutsche Studierendenwerk, der fzs und die GEW den Vorstoß kritisierten, machte nun auch der Bundesrat einen vorsichtigen Schritt in diese Richtung, wobei die Sorge um Rechtssicherheit und die Belastung der Sachbearbeiter*innen im Vordergrund stehen:

  • Die Bedarfssätze müssten dem Existenzminimum entsprechen und die Wohnkostenpauschale erhöht werden.
  • Statt des “Flexibilitätssemesters” soll die Förderungshöchstdauer um zwei Semester erhöht werden sowie die “Studienstarthilfe” allen Empfänger*innen ausgezahlt werden.
  • Es gab jedoch keine Kritik an der Verschlechterung der Rückzahlungsmodalitäten.

Für die Länder ist es einfach, die mangelnde Zahlungsbereitschaft des Bundes zu kritisieren. Doch wenn es um notwendige Maßnahmen im eigenen Verantwortungsbereich geht, sind die Länder still. Es muss auch die Ausfinanzierung der Hochschulen und der Studierendenwerke gesichert werden!

Von Mut zur Reform kann daher weder beim Bund, noch bei den Ländern die Rede sein. Dabei kennen die Politiker*innen doch genauso gut wie wir alle die Zahlen: 38% der Studierenden leben unter der Armutsgrenze, unter allein- oder in WGs lebenden Studierenden sogar 76%. Dass die BAföG-Sätze, und speziell die Wohnungspauschale in Großstädten, nicht mal annähernd zum Leben reichen, wird regelmäßig von Forschungsinstituten belegt und sogar bald vor dem Bundesverfassungsgericht diskutiert. Ohnehin erhalten aufgrund der strikten Förderkriterien heute nur noch rund 12% der Studierenden BAföG. Bei der Einführung 1972 waren es noch 45%! Man könnte also meinen, die Bildung wäre der Regierung einfach egal. Doch das wäre falsch. Tatsächlich sorgt sich der Staat immer sehr um die Lage an den Hochschulen, wenn Studierende oder Wissenschaftler*innen aufmüpfig werden, wie die angestrebte Reform des Berliner Hochschulgesetzes zeigt. Bildung und Wissenschaft müssen aus Sicht des Staats ihren Zweck erfüllen, d.h. fleißige, gehorsame Arbeitskräfte produzieren und Innovationen, die dem deutschen Kapital in der Markt- und Staatenkonkurrenz einen Vorteil verschaffen. Die Unterfinanzierung der Hochschulen ist kein Unfall, sondern eine Methode, um die Abhängigkeit und Not der Studierenden wie auch des Lehrpersonals zu verschärfen und damit Konformität zu fördern. Wenn wir eine wirkliche Reform des BAföGs wollen, können wir daher nicht auf die Almosen der Regierung warten. Wirkliche Reformen wurden immer erkämpft!

Das zeigt u.a. die Geschichte des BAföGs, dessen Einführung 1971 wesentlich auf dem Druck der Studierendenbewegung basierte. Dabei betrachteten die Studierenden damals das BAföG als Fortschritt, aber lediglich als einen aus dem Kompromiss geborenen Teilerfolg. Bereits der historische SDS der 60er Jahre forderte ein umfassendes “Studienhonorar”, das Schüler*innen ab 18, Auszubildenden und Studierenden ermöglichen sollte, sich ohne Existenzsorgen auf ihre Bildung zu konzentrieren. Die Bildungsgewerkschaft GEW vertritt diese Forderung bis heute. Ihr zugrunde liegt die Idee, dass es nicht der Sinn von Bildung ist, individuelle Vorteile auf dem Arbeitsmarkt zu erlangen. Bildung ist eine soziale und materielle Produktivkraft, ohne die beim heutigen Entwicklungsstand nichts laufen würde und die daher ausreichend öffentlich finanziert werden muss, damit alle Menschen Zugang zu ihr haben. Nur so kann die Wissenschaft sich den realen Menschheitsproblemen widmen und dabei zur Befreiung von Krieg, Umweltzerstörung und sozialem Elend beitragen – statt diese aktiv zu fördern!

In diesem Sinne streiten wir als SDS für eine wirkliche Reform: BAföG für Alle! Das heißt, dass jede und jeder vom Regelsatz gut leben und lernen kann und dass dieser allen Studierenden, Auszubildenden und Schüler:innen (die nicht mehr bei den Eltern wohnen) zukommt – unabhängig von Alter, Herkunft, Studiendauer und Einkommen der Eltern. Deshalb fordern wir:

  • Erhöhung der Bedarfssätze von dem aktuellen Höchstsatz von 934 Euro auf flächendeckend mindestens 1200 Euro inklusive automatischer Steigerung mit der Inflation, weil damit erst das Recht auf Sozialstaat, menschenwürdige Mindestsicherung und Bildung realisiert wird.
  • Erhöhung der Wohnpauschale, weil die Mieten enorm nach oben gesetzt wurden.
  • Massive Erhöhung der Elternfreibeträge, damit die öffentliche Finanzierung und die emanzipatorische Persönlichkeitsentwicklung gestärkt wird.
  • Verlängerung der Förderungsdauer, damit wir diskutieren, forschen und lernen können.
  • Reduktion des Darlehensanteils, hin zum Vollzuschuss!
  • BAföG für Alle statt bürokratische und erniedrigende Antragsstellung!

Mischt euch mit ein!

08. Mai 2024

BAföG statt Rüstung – Für eine wirkliche Reform der Ausbildungsförderung statt weiterer Elendsverwaltung


Im Bundestag läuft gerade die sogenannte “BAföG-Reform” an. Die Ampel-Regierung hat bereits einen Entwurf vorgelegt, der nun an verschiedenen Stellen diskutiert wird. Gleichzeitig geht es an den Hochschulen in Deutschland rund. In Berlin soll mit der Wiedereinführung des Ordnungsrechts an den Hochschulen die Möglichkeit zu Zwangsexmatrikulationen geschaffen werden, um politisch unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. In Hessen und Bayern arbeiten die unionsgeführten Regierungen an der Aufweichung bzw. Abschaffung der Zivilklauseln, um Rüstungsindustrie und Bundeswehr Zugang zu Forschung und Lehre zu verschaffen. Damit sollen auch Wissenschaft und Studierende “kriegstüchtig” gemacht werden. “Kanonen statt Butter”, wie Ifo-Präsident Clemens Fuest kürzlich in (wohl unbewusster) Anlehnung an den Nazi-Funktionär Rudolf Hess sagte. Das ist aktuell die Devise der Bundesregierung. Zugunsten der Sicherung und Erweiterung der globalen Einflussgebiete strebt der deutsche Staat seit Ausrufen der “Zeitenwende” die umfassende – materielle wie ideologische – Militarisierung der Gesellschaft an. Bei der Butter, d.h. Sozial- und Bildungsausgaben, Umweltschutz und öffentlicher Infrastruktur, usw., muss daher gespart werden.

Dies zeigt sich auch beim BAföG. Im Koalitionsvertrag von 2021 wurde noch die große Reform der Ausbildungsförderung versprochen. Dass daraus nichts wird, war schon abzusehen, als die Bundesregierung ankündigte, im Bundeshaushalt 2024 den BAföG-Topf um rund ein Viertel zu kürzen (von 2,7 Mrd. auf 2,0 Mrd. Euro). Doch das Bildungsministerium unter Stark-Watzinger (FDP) will nun nicht mal die mickrigen 160 Millionen, die im Haushalt der BAföG-Reform zugesprochen wurden, ausgeben. Im Referentenentwurf sind nur 60 Millionen veranschlagt. Zwar enthält dieser auch positive Teilerfolge für Studierende und Schüler*innen, die jedoch völlig unzureichend bleiben:

  • Ab Herbst 2024 sollen die Elternfreibeträge um 5% angehoben werden. Der wirkliche Reformschritt der Elternunabhängigkeit für die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung emanzipatorisch vom Elternhaus und für die Stärkung der öffentlichen, demokratischen Finanzierung der Bildung bleibt offen zu erkämpfen.
  • Die Förderungsdauer wird um ein “Flexibilitätssemester” auf 7 Semester erhöht. Dauerhaftes, leistungs-unabhängiges BAföG zur Realisierung des Rechts auf Bildung und sinnvollen Lernens ist dagegen die reale Verbesserungsperspektive.
  • Eine einmalige “Studienstarthilfe” von 1000 Euro, die Studienanfänger*innen aus armen Familien auf Antrag einen Monat vor Semesterbeginn ausgezahlt werden soll.

Doch im Ganzen kann nicht von einer wirklichen “Reform” gesprochen werden. Vielmehr wird das Elend weiter verwaltet, zu dem das BAföG – bei seiner Einführung 1971 ein Meilenstein für die soziale Öffnung der Hochschulen für Arbeiterkinder – in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde. In wichtigen Punkten stellt der Entwurf eine Verschlechterung dar:

  • Die monatliche Rückzahlungsrate des Darlehensanteil soll von 130 auf 150 Euro steigen.
  • Die maximale Rückzahlungssumme soll von 10.010 auf 11.550 Euro erhöht werden.
  • Zudem gibt es keine Erhöhung der Bedarfssätze sowie der Wohnungspauschale trotz anhaltender Inflation bei Konsumgütern und Mietpreisen!

Nachdem schon viele Vertreter studentischer Interessen wie das Deutsche Studierendenwerk, der fzs und die GEW den Vorstoß kritisierten, machte nun auch der Bundesrat einen vorsichtigen Schritt in diese Richtung, wobei die Sorge um Rechtssicherheit und die Belastung der Sachbearbeiter*innen im Vordergrund stehen:

  • Die Bedarfssätze müssten dem Existenzminimum entsprechen und die Wohnkostenpauschale erhöht werden.
  • Statt des “Flexibilitätssemesters” soll die Förderungshöchstdauer um zwei Semester erhöht werden sowie die “Studienstarthilfe” allen Empfänger*innen ausgezahlt werden.
  • Es gab jedoch keine Kritik an der Verschlechterung der Rückzahlungsmodalitäten.

Für die Länder ist es einfach, die mangelnde Zahlungsbereitschaft des Bundes zu kritisieren. Doch wenn es um notwendige Maßnahmen im eigenen Verantwortungsbereich geht, sind die Länder still. Es muss auch die Ausfinanzierung der Hochschulen und der Studierendenwerke gesichert werden!

Von Mut zur Reform kann daher weder beim Bund, noch bei den Ländern die Rede sein. Dabei kennen die Politiker*innen doch genauso gut wie wir alle die Zahlen: 38% der Studierenden leben unter der Armutsgrenze, unter allein- oder in WGs lebenden Studierenden sogar 76%. Dass die BAföG-Sätze, und speziell die Wohnungspauschale in Großstädten, nicht mal annähernd zum Leben reichen, wird regelmäßig von Forschungsinstituten belegt und sogar bald vor dem Bundesverfassungsgericht diskutiert. Ohnehin erhalten aufgrund der strikten Förderkriterien heute nur noch rund 12% der Studierenden BAföG. Bei der Einführung 1972 waren es noch 45%! Man könnte also meinen, die Bildung wäre der Regierung einfach egal. Doch das wäre falsch. Tatsächlich sorgt sich der Staat immer sehr um die Lage an den Hochschulen, wenn Studierende oder Wissenschaftler*innen aufmüpfig werden, wie die angestrebte Reform des Berliner Hochschulgesetzes zeigt. Bildung und Wissenschaft müssen aus Sicht des Staats ihren Zweck erfüllen, d.h. fleißige, gehorsame Arbeitskräfte produzieren und Innovationen, die dem deutschen Kapital in der Markt- und Staatenkonkurrenz einen Vorteil verschaffen. Die Unterfinanzierung der Hochschulen ist kein Unfall, sondern eine Methode, um die Abhängigkeit und Not der Studierenden wie auch des Lehrpersonals zu verschärfen und damit Konformität zu fördern. Wenn wir eine wirkliche Reform des BAföGs wollen, können wir daher nicht auf die Almosen der Regierung warten. Wirkliche Reformen wurden immer erkämpft!

Das zeigt u.a. die Geschichte des BAföGs, dessen Einführung 1971 wesentlich auf dem Druck der Studierendenbewegung basierte. Dabei betrachteten die Studierenden damals das BAföG als Fortschritt, aber lediglich als einen aus dem Kompromiss geborenen Teilerfolg. Bereits der historische SDS der 60er Jahre forderte ein umfassendes “Studienhonorar”, das Schüler*innen ab 18, Auszubildenden und Studierenden ermöglichen sollte, sich ohne Existenzsorgen auf ihre Bildung zu konzentrieren. Die Bildungsgewerkschaft GEW vertritt diese Forderung bis heute. Ihr zugrunde liegt die Idee, dass es nicht der Sinn von Bildung ist, individuelle Vorteile auf dem Arbeitsmarkt zu erlangen. Bildung ist eine soziale und materielle Produktivkraft, ohne die beim heutigen Entwicklungsstand nichts laufen würde und die daher ausreichend öffentlich finanziert werden muss, damit alle Menschen Zugang zu ihr haben. Nur so kann die Wissenschaft sich den realen Menschheitsproblemen widmen und dabei zur Befreiung von Krieg, Umweltzerstörung und sozialem Elend beitragen – statt diese aktiv zu fördern!

In diesem Sinne streiten wir als SDS für eine wirkliche Reform: BAföG für Alle! Das heißt, dass jede und jeder vom Regelsatz gut leben und lernen kann und dass dieser allen Studierenden, Auszubildenden und Schüler:innen (die nicht mehr bei den Eltern wohnen) zukommt – unabhängig von Alter, Herkunft, Studiendauer und Einkommen der Eltern. Deshalb fordern wir:

  • Erhöhung der Bedarfssätze von dem aktuellen Höchstsatz von 934 Euro auf flächendeckend mindestens 1200 Euro inklusive automatischer Steigerung mit der Inflation, weil damit erst das Recht auf Sozialstaat, menschenwürdige Mindestsicherung und Bildung realisiert wird.
  • Erhöhung der Wohnpauschale, weil die Mieten enorm nach oben gesetzt wurden.
  • Massive Erhöhung der Elternfreibeträge, damit die öffentliche Finanzierung und die emanzipatorische Persönlichkeitsentwicklung gestärkt wird.
  • Verlängerung der Förderungsdauer, damit wir diskutieren, forschen und lernen können.
  • Reduktion des Darlehensanteils, hin zum Vollzuschuss!
  • BAföG für Alle statt bürokratische und erniedrigende Antragsstellung!

Mischt euch mit ein!

04. März 2024

Gemeinsame Pressemeldung von Die Linke.SDS und der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost zum Beschluss des fzs


Am vergangenen Wochenende hat der fzs, der “freie Zusammenschluss von Student*innenschaften”, auf seiner 73. Mitgliederversammlung einen Antrag beschlossen mit dem Titel “Aufforderung an die Hochschulleitungen gegen Antisemitismus vorzugehen und Juden:Jüdinnen vor Übergriffen zu schützen”. Dieser Antrag widmet sich formal dem Kampf gegen Antisemitismus, ist aber in seiner politischen Intention klar gegen alle Personen, Organisationen und Wissenschaftler:innen gerichtet, die sich kritisch zum Krieg und angehenden Genozid in Gaza äußern. Wir, der bundesweite Studierendenverband Die Linke.SDS und die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, lehnen diesen Angriff auf uns und die Wissenschaftsfreiheit entschieden ab. Die vom fzs verwendete Antisemitismusdefinition eröffnet die Möglichkeit, Personen, die die deutsche oder die israelische Regierung für ihre eskalierende Politik kritisieren, als Antisemiten zu brandmarken. Das Völkerrecht, welches als Ergebnis von internationalen und systemübergreifenden Lehren aus dem 2. Weltkrieg geschaffen worden ist, gilt auch für Israel. Darauf hinzuweisen, wie Menschenrechtsorganisationen sowie UN-Institutionen unter dem Eindruck des fürchterlichen Massakers im Gaza-Streifen tun, darf nicht pauschal als antisemitisch definiert werden. Im Gegenteil, als Teil der Studierendenschaften tragen wir Verantwortung dafür, von Rassismus und Antisemitismus betroffene Kommilliton:innen, darunter jüdische und muslimische Studierende, effektiv vor Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus zu schützen und etwaigen Vorkommnissen entgegen zu arbeiten.

Wir leben in Zeiten von erneuter Beteiligung Deutschlands an einem angehenden Genozid. Diese Brutalisierung der politischen Realitätenschadet allen: Gleichzeitig steigender Rassismus und Antisemitismus sind die Konsequenz. Wer Antisemitismus bekämpfen will, muss sich daher gegen jede Menschenfeindlichkeit wenden!

Der Internationale Gerichtshof hat mit dem Urteil vom 26. Januar 2024 der Klage Südafrikas hinsichtlich gebotener Maßnahmen zur Verhinderung eines drohenden Genozids in Gaza stattgegeben und Israel zu entsprechenden präventiven Maßnahmen verpflichtet. Der Eintritt Deutschlands als Drittpartei in dieses Verfahren und die militärische Unterstützung Israels vonseiten Deutschlands, aber auch anderer Staaten, nahm die Regierung Nicaraguas zum Anlass, am 02.03.2024 eine Klage gegen Deutschland am Internationalen Gerichtshof einzureichen. Der zentrale Anklagepunkt ist die Beihilfe zum Genozid, mit Betonung auf die Entscheidung Deutschlands dem UN-Hilfswerk UNRWA die finanziellen Mittel zu entziehen, die dringend benötigt werden, um eine Hungerkatastrophe im Gaza-Streifen zu verhindern. Gerade in Deutschland müssen die Konsequenzen aus der Befreiung vom Faschismus wach gehalten werden. Das Friedensgebot und die Universalität der Menschenrechte wollen wir auch gegen Widerstände zur Geltung bringen.

Dass sich nun die offizielle Vertretung der bundesweiten ASten dafür entscheidet, sich zu diesen vom Internationalen Gerichtshof anerkannten Fakten nicht zu äußern und die Rolle Deutschlands darin nicht zu thematisieren, nehmen wir mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis. Zudem wenden wir uns entschieden gegen den versuchten Ausschluss von friedensmotivierten Stimmen vom Campus.

Wir fordern den fzs daher auf, diesen Beschluss zurückzunehmen. Als bundesweite Zusammenschlüsse und als friedensbewegte Studierende werden wir die Auseinandersetzung für einen sofortigen Waffenstillstand, Abrüstung und eine Aufarbeitung von Kriegsverbrechen, Genozid und Apartheid auch an den Universitäten offensiv weiterführen und für Zivilklauseln und ein Wissenschaftsverständnis kämpfen, welches sich an Frieden und Völkerverständigung orientiert.”

Gezeichnet: Die Linke.SDS und die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

28. Februar 2024

Gegen die Privatisierung und Militarisierung der Hochschulen, für Frieden und Sozialismus – Solidarität mit den Studierendenprotesten in Griechenland


[You can find the English and Greek version by clicking the hyperlink in the title.]

Wir erklären unsere Solidarität mit dem rechtmäßigen Kampf der griechischen Studierenden, Schüler*innen und Arbeiter*innen gegen die Privatisierung der Hochschulen!

Seit Anfang des Jahres ziehen in Griechenland Woche für Woche tausende Studierende auf die Straßen Athens und anderer Großstädte, um ihr Recht auf gute Bildung für alle zu verteidigen. Dieses Recht steht nämlich gerade unter Beschuss. Die griechische Regierung plant, das in Artikel 16 der griechischen Verfassung verankerte Verbot privater Hochschulen – eine historische, weil weltweit einmalige Errungenschaft – aufzuheben. Die Folgen wären vorhersehbar: weitere Unterfinanzierung der staatlichen Hochschulen, die die Masse der griechischen Bevölkerung besucht, während die kleine griechische Oberschicht ihre Kinder auf private Eliteuniversitäten schicken kann. Richtig und wichtig also, dass seit Januar zahlreiche Hochschulen von den aufbegehrenden Studierenden besetzt gehalten werden und der Druck auf den Straßen nicht abbricht!

Geschichte hochschulpolitischer Kämpfe in Griechenland

Kämpfe um die Hochschulen sind keine Neuheit in Griechenland. Vor einigen Wochen erst jährte sich zum 50. Mal die Besetzung der Polytechnio Athen durch Studierende, die sich durch die Unterstützung von Schüler*innen und Arbeiter*innen schnell zum Aufstand gegen die Militärdiktatur ausweitete, bevor die Besetzung brutal (24 Tote) niedergeschlagen wurde. Doch der Widerstand konnte nicht unten gehalten werden, die Militärdiktatur wurde 1974 gestürzt. Als Lehre aus den Gewalttaten an der Polytechnio wurde später die Polizeipräsenz an Hochschulen verboten, die als “UNI-Asyl” in die Geschichte einging. Als die griechische Regierung 2021 eine Änderung des Hochschulgesetz anstrebte, um Langzeitstudierende exmatrikulieren und eine “Campuspolizei” schaffen zu können, mobilisierten die Studierenden bereits zu großen Protesten. Die gesammelte Kampferfahrung zahlt sich aus: Während der aktuellen Proteste kann die Studierendenbewegung auf den gebildeten Strukturen an den Hochschulen und Fakultäten aufbauen. Auch die aktuellen Privatisierungspläne der griechischen Regierung sind nicht neu, sondern lediglich eine Fortsetzung der Ereignisse von 2006/07. Den Höhepunkt bildeten damals wie heute landesweite Besetzungen an insgesamt 457 Fakultäten. An den  Vollversammlungen der Studierendenverbände nahmen etwa 80-100.000 Studierende teil. So konnte die Studierendenbewegung den Kampf für gute Bildung für Alle nach Besetzungen und Protesten gewinnen! 

Die Rolle der BRD für die Unterfinanzierung der griechischen Hochschulen

Was ist seitdem passiert? Im Anschluss an die globale Finanzkrise befand sich die griechische Regierung in Schwierigkeiten, ihre Staatsschulden zu finanzieren. Griechenlands Schuldner (vor allem auch deutsche Banken) antworteten, anstelle z.B. von Schuldenerlass, mit aufgezwungener Austeritätspolitik – vermittelt über die Bundesregierung, die EU sowie den Internationalen Währungsfonds. Die Folge: Sozialstaatsabbau, Unterfinanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge (u.a. in der Bildung) sowie hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter der Jugend. Unter solchen Bedingungen wollen die griechische Elite sowie Teile der Mittelschichten natürlich nicht studieren und gehen daher ins Ausland (“Brain drain”). Das ist der Hintergrund der Privatisierungspläne, mit der die Regierung einige Inseln akademischer Qualität schaffen will, um die staatlichen Hochschulen weiter unbekümmert aushungern zu können. Das deutsche Kapital hat hieran seinen Anteil!

Parallelen zu Deutschland: Militarisierung und Kapitaloffensive auf die Hochschulen 

Aber das ist nicht alles: Trotz verordnetem Austeritätszwang haben die Regierungen in Griechenland seit 2015 kontinuierlich aufgerüstet. Eine Verschärfung dieser Politik erleben wir heute durch die massive Militarisierung seit Beginn des Ukraine-Krieges, verbunden mit einem verstärkten Sozialabbau. Dabei gibt es Bestrebungen der Herrschenden, diese Militarisierung auch mittels der Hochschulen durchzusetzen und zu legitimieren. Das System der Unterfinanzierung und Drittmittelforschung zwingt die Universitäten nicht selten, Gelder für Projektfinanzierungen anzunehmen, die aus den Geldbeuteln der Rüstungskonzerne und Militärbündnisse wie der NATO kommen. Ein Aufruf von Akademiker:innen aus den griechischen Universitäten mit hunderten von Unterschriften kritisiert aus diesem Grund nicht nur die Verfassungswidrigkeit des Gesetzes, sondern auch, dass es Unternehmen die Möglichkeit bietet, unter Umgehung der verfassungsrechtlichen Vorschriften Universitätsgesellschaften oder Zweigstellen ausländischer Einrichtungen in Griechenland zu gründen. So spricht auch die International campaign to support the student movement struggling for Public & Free Education in Greece von “partnerships with the private sector and multinational companies in the pretext of connecting them to the market and reciprocal “collaborations”. While war becomes an organic element of capitalism, Greek universities cooperate with the war industry and NATO, turning their research from social needs to those of the killing machines.” 

Ähnliches können wir auch in Deutschland beobachten. Der in sog. “Zivilklauseln” festgeschriebenen Verpflichtung vieler deutscher Hochschulen, Forschung und Lehre an friedlichen und zivilen Zwecken zu orientieren, haben Rüstungslobbyisten und ihre politischen Vertreter wie Friedrich Merz und Marie-Agnes Strack-Zimmermann, aber selbst die Bildungsministerin, den Kampf angesagt. In Bayern und Hessen nimmt die staatliche Offensive zur militärischen Indienstnahme der Hochschulen bereits Fahrt auf. Dagegen gilt es in diesen Zeiten geopolitischer Eskalation die Zivilklauseln, als Ergebnis vorhergegangener studentischer Bewegungen und Proteste für Frieden und Abrüstung, zu verteidigen und auszuweiten. 

Was können wir dabei von unseren Genoss:innen in Griechenland lernen?

In den Protestjahren 2006/2007 waren die linken Kräfte an den griechischen Universitäten dazu gezwungen zusammenzuarbeiten, um gegen die rechte Studierendenorganisation der Nea Dimokratia eine Mehrheit in den Vollversammlungen zu erhalten. Die Fakultäten, die keine linken Fraktionen bilden konnten, gründeten unabhängige und progressive Gruppen von Studierenden, um die Koordinationsräte zu besetzen und Besetzungen durch Vollversammlungen abzusichern. Die wöchentlichen Ergebnisse der Versammlungen in den benachbarten Fakultäten und im ganzen Land gingen unter den politisierten Studierenden um wie ein Lauffeuer. Digitalisierte Besetzungskarten zeigten den Stand der Kämpfe, an denen sich alle beteiligten. Die Macht, die die Studierendenbewegung (auch heute noch!) entfalten kann, zeigt sich nicht zuletzt im Agieren der Regierung: Die sorgte dafür, dass der aktuelle Gesetzentwurf zur Hochschulprivatisierung kurz vor der Prüfungsphase vorgelegt wird, um die Mobilisierungen zu schwächen und eine Spaltung zwischen Studierenden und Gesellschaft zu erzeugen. 

Gegen diesen Druck haben die Studierenden es geschafft, die Fakultätsbesetzungen seit mehr als fünf Wochen zu halten und bei der öffentlichen Anhörung am 8. Februar in Athen und anderen Großstädten zehntausende Demonstrierende auf die Straße zu bringen. Durch die statusgruppen-übergreifende Mobilisierung gelang es zudem, mit der Unterstützung gewerkschaftlich organisierter Hochschulbeschäftigter den Server der Universität Athen lahmzulegen und damit die digitalen Prüfungen zu verhindern. Die Bestrebungen der griechischen Studierendenbewegung, den Kontakt zu Schüler*innen und Lohnarbeitenden herzustellen, hat Tradition und Aktualität. So bildete sich auch bei den aktuellen Bauernprotesten trotz versuchter Spaltungen ein Bündnis verschiedener Bevölkerungsgruppen: Lohnarbeitende, Arbeitslose, Bauern, Studierende und Schüler*innen unterstützten die Proteste. Die Botschaft ist klar: Wir sind die Mehrheit und wir stehen zusammen!

Von den Kampferfahrungen unserer griechischen Genoss:innen – in der Organisation an Hochschule und Fachbereich, im Aufbau von Protesten und der Knüpfung von Bündnissen – können und sollten wir lernen. Die Auseinandersetzung um eine ausfinanzierte, allen zugängliche Bildung und der Kampf gegen die Militarisierung verbindet unsere Kämpfe europaweit. Daher wollen wir ihre Erfahrungen in unseren Kämpfen an deutschen Hochschulen aufgreifen: für Friedensforschung und Zivilklauseln, für ein Bafög für Alle und im Aufbau einer Massenbewegung für eine sozialistische Alternative am Campus und darüber hinaus!

13. Oktober 2023

Statement des SDS-Bundesvorstands zur Situation in Israel/Palästina


Die Ereignisse in Israel und Palästina erschüttern uns zutiefst. Wir betrauern die Toten, unsere Gedanken sind bei all denjenigen, die in den letzten Tagen auf beiden Seiten Angehörige oder Freund*innen verloren haben oder sich derzeit um deren Wohl sorgen müssen. Wir stehen auch an der Seite unserer Genoss*innen in der Diaspora und all derer, die in den nächsten Tagen und Wochen zunehmende Repression, Kriminalisierung oder Angriffe fürchten müssen. Auch nach einigen Tagen können wir nur versuchen, die richtigen Worte zu finden. Mit Blick auf die Eskalation vor Ort, die Situation der Menschen in der Diaspora und der Linken hierzulande sehen wir es aber als geboten an, uns zur aktuellen Situation zu äußern.

Was ist geschehen? 

Am vergangenen Samstag ist es zum größten Angriff  der Hamas und assoziierter Kämpfer auf Israel gekommen. Erstmals haben dutzende Kämpfer den Zaun um Gaza niedergerissen und durchbrochen. Den Menschen in Gaza ist damit erstmals der Ausbruch aus dem Freiluftgefängnis gelungen, was für viele Palästinenser*innen überhaupt eine Möglichkeit des Widerstands gegen die Unterdrücker bedeutet hat. Daraufhin folgten Kämpfe, unter anderem in israelischen Grenzstädten sowie ein Angriff auf ein Festival in der Nähe von Re’im. Die Angreifer haben dabei hunderte Menschen umgebracht und entführt. Die vielfach dokumentierten Gräueltaten und Kriegsverbrechen, die mit dem Angriff einhergingen, verurteilen wir entschieden.  Am selben Tag des Angriffs hat Israel mit der Bombardierung des Gazastreifens in einem nie dagewesenen Ausmaß begonnen.

Hintergrund: Besatzung & Siedlungskolonialismus

Es ist wichtig, diese Ergebnisse in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Diese Kontextualisierung dient keinesfalls dazu, die derzeitigen Verbrechen zu rechtfertigen, sondern dazu, die Gesamtsituation einzuordnen und Möglichkeiten eines Endes der Gewalt vor Ort aufzuzeigen. Denn die Gewalt der letzten Tage ist nicht aus dem Nichts entstanden, sondern folgt, wenn auch nicht mit Notwendigkeit, auf die jahrelange Unterdrückung von Palästinenser*innen und der gewaltvollen Besatzungspolitik durch Israel. Dies wird in der Berichterstattung und Stellungnahmen hierzulande zu oft ausgeblendet. Besonders drastisch ist die Lage in Gaza. Seit 2007 ist der Gazastreifen von Israel zu Lande, zu Wasser und aus der Luft vollständig abgeriegelt, es gibt keinen annähernd menschenwürdigen Zugang zu Trinkwasser, Lebensmitteln, Energie, medizinischer Versorgung, geschweige denn Bildung. Die Menschen in Gaza, von denen über die Hälfte minderjährig sind, leben seit Jahren unter menschenunwürdigen Bedingungen im größten Freiluftgefängnis der Welt. Und immer wieder sind sie Luftangriffen ausgesetzt, bei denen Familien ihr Zuhause und Zivilist*innen ihr Leben verlieren.

Die Bildung der rechtsradikalen Regierung in Israel hat unterdes die Siedler*innen weiter radikalisiert, indem sie unter anderem die vollständige völkerrechtswidrige Annexion des Westjordanlands in Aussicht stellte. Die Palästinenser*innen sind willkürlichen Demütigungen, Übergriffen, ungerechtfertigten Inhaftierungen und Vertreibungen aus ihren Wohnhäusern ausgesetzt. Israelisches Militär und militante Siedler*innen dringen in Ortschaften ein, greifen die Bewohner*innen an und töten Zivilist*innen.

Solidarisierung mit dem palästinensischen Befreiungskampf 

Die derzeitige Gewalteskalation ist ein Resultat jahrzehntelanger israelischer Besatzungspolitik. Als Sozialist*innen und Internationalist*innen stehen wir klar an der Seite des palästinensischen Befreiungskampfes. Die Palästinenser*innen haben das Recht auf Widerstand und (auch bewaffnete) Verteidigung gegen ihre Unterdrückung. Dennoch halten wir eine militärische Lösung des Konflikts weder für möglich noch für friedensbringend. Unzählige vorausgegangene Formen des Protests wurden von Israel und seinen westlichen Partnerstaaten kriminalisiert, diplomatische Bemühungen blieben unbeantwortet, palästinensische Symbole wurden verboten und Demonstrationen niedergeknüppelt.

Wir stehen ein für den Aufbau einer breiten palästinasolidarischen Bewegung, die sich für ein Ende der Gewalt auf beiden Seiten einsetzt und um eine politische Lösung kämpft, um die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Hamas

Auch der Aufstieg der zutiefst reaktionären Hamas selbst ist das Resultat der gewaltvollen Besatzungspolitik der letzten 75 Jahre. Faktoren wie die erdrückende Machtasymmetrie zwischen dem israelischen Staat und den Palästinenser*innen, der Unwille das siedlungskoloniale Projekt als Voraussetzung für einen Friedensprozess zu stoppen und die Korrumpierung zuvor entscheidender Akteure wie der Fatah haben die Position der Hamas heute überhaupt erst möglich gemacht. Die Hamas sind keine progressive Befreiungsarmee und wir stellen uns entschieden gegen die von ihnen verübten, unentschuldbaren Kriegsverbrechen.

Aus unserer Sicht kann nur ein Ende der Besatzung und ein freies Leben in Würde für alle Menschen vor Ort zu einem dauerhaften Ende der Gewalt führen.

Folgen

Über 300.000 Reservist*innen sind seit der Kriegserklärung Netanjahus eingezogen worden. Zwei Tage nach Beginn des Angriffs sprach der israelische Verteidigungsminister, Yoav Gallant, davon, gegen “menschliche Tiere” zu kämpfen und befahl die vollständige Blockade Gazas. Seitdem sind 2,2 Millionen Palästinenser*innen, darunter über eine Million Kinder, von der Versorgung mit Nahrung, Medikamenten, Elektrizität und Wasser abgeschottet. “Wir werden erst alles plattmachen und dann werden die Truppen hineingehen”, kündigt der ehemalige Geheimdienstchef im israelischen Fernsehen an. Netanjahu spricht davon, Gaza in “menschenleeres Gebiet” zu verwandeln. Erst heute morgen forderte das israelische Militär über 1,1 Millionen Menschen auf, die nördlichen Gebiete vor einer drohenden Bodenoffensive zu verlassen – eine Fluchtbewegung, die in den Augen der UN “ohne verheerende humanitäre Folgen unmöglich” ist.  Während der CDU-Generalsekretär Linnemann im DLF fordert, diese „unschönen Bilder auszuhalten“, stellen wir uns entschieden dagegen. Durch die andauernden Bombardierungen, die fehlenden Fluchtmöglichkeiten und die vollständige Blockade des Lebensnotwendigen bereitet der israelische Staat gerade einen Genozid an der palästinensischen Zivilbevölkerung vor, unter Duldung der westlichen Großmächte und unter mehrheitlichem Schweigen der Öffentlichkeit. Menschenrechte und ein sicheres Leben gilt es nicht selektiv zu verteidigen, sondern umfassend für alle.

Reaktionen in Deutschland

Die Eskalation der Gewalt vor Ort ruft nachvollziehbarer Weise zahlreiche Reaktionen auch in Deutschland hervor. Wir stehen als Sozialist*innen selbstverständlich gegen Rassismus und Antisemtismus und bekämpfen solche menschenverachtenden Ideologien, wo immer sie in Erscheinung treten.

Auch deswegen ist es wichtig zum Schutz von Jüd*innen aufzurufen und gleichzeitig das enorm repressive Vorgehen des deutschen Staates gegenüber Einzelpersonen und Gruppen, die sich in Deutschland für die palästinensische Befreiung einsetzen, zu kritisieren. Die Repression gegen den palästinensischen Befreiungskampf kennen wir nicht zuletzt von den Verboten der Demonstrationen rund um das Nakba-Gedenken der letzten zwei Jahre. In den letzten Tagen reagierte die Berliner Polizei auf “Free Palestine”-Rufe oder das Tragen einer Kufiya mit gewaltvollen Verhaftungen. Forderungen nach der Schließung von Zentren für islamische Kultur werden laut und der rassistische Diskurs, der in den letzten Monaten neue Höhen erreichte, setzt sich fort. Die gestern im Bundestag verabschiedete Resolution aller Parteien soll Ausweisungen und die Entziehung von Staatsbürgerschaften aufgrund von Palästina-Solidarität möglich machen und ist Zeichen einer massiven Verschärfung der Repression gegen Palästinenser*innen, die, bei Entzug der Staatsbürgerschaft, keinen Ort mehr haben, an den sie zurückkehren können. Die Kriminalisierung setzt dabei alle Menschen, die auf die Situation vor Ort aufmerksam machen wollen, unter rassistischen Generalverdacht. Während Aiwanger vor wenigen Wochen nicht aus der CSU-Koalition geschmissen wurde, trotz handfester Antisemitismus-Vorwürfe, die AfD immer neue Höchstwerte erreicht und Neonazis auf deutschen Straßen laufen, wird nun wieder die rassistische Warnung vor “importierten Antisemitismus” laut. Antisemitismus ist ein ernsthaftes Problem in dieser Gesellschaft und muss entsprechend bekämpft werden. Der Verweis auf die angeblich “Anderen” oder die Solidarität mit Israel (und damit auch mit dem aktuellen Kriegsverbrechen), ersetzen die Aufarbeitung und die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht. Gleiches gilt selbstverständlich für Rassismus in seinen verschiedenen Ausdrucksformen.

Was tun als Linke hierzulande

Als gesellschaftliche Linke hierzulande ist es unsere Aufgabe, klar an der Seite aller Unterdrückten zu stehen. Dabei sollten wir uns viel stärker an der palästinensischen, jüdischen und israelischen Linken orientieren als an deutscher Staatsräson und israelischen Staatsapparaten.

Für all die Personen, die aufgrund eines deutschen Passes oder sicheren Aufenthaltsstatus nicht von Ausweisung und Abschiebung bedroht sind, gilt es sich in den kommenden Wochen solidarisch zu zeigen und ihre Stimme deutlicher gegen die staatliche Repression und die Unterdrückung der Palästinenser*innen zu erheben und sich gleichzeitig dafür einzusetzen, dass die deutsche Regierung die israelische Besatzung nicht länger finanziell, diplomatisch und ideell unterstützt.

Ebenso gilt es, sich selbstverständlich solidarisch mit Jüdinnen und Juden zu zeigen, die vor antisemitischen Ausschreitungen sowie einem fortschreitenden Rechtsruck bedroht sind und vor diesen geschützt sein müssen.

Den Kampf gegen antipalästinensische, antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus führen wir zusammen und kämpfen für ein sicheres Leben aller marginalisierten Gruppen und eine befreite Gesellschaft.

23. April 2023

Pressemitteilung: Universitätspräsidium untersagt Veranstaltung zu antimuslimischem Rassismus, aus Angst „Ansehen der Philipps-Universität Marburg zu beeinträchtigen“ – Protest angekündigt!


Am Freitag den 21.04.2023 musste die Feier des muslimischen Eid-Gebets und Fests im Georg-Gaßmann-Stadion wegen einer Bombendrohung evakuiert werden. Am selben Tag kündigte die Universitätsleitung die Raumbelegung zur Veranstaltung „Antimuslimischer Rassismus“ der Gruppe ‚Seebrücke Marburg‘ sowie der Hochschulgruppe SDS im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ der Universitätsstadt Marburg. Zwei Meldungen – ein Tag in Marburg.

Die Universitätsleitung begründete die Raumkündigung damit, dass „nicht auszuschließen ist, dass die Veranstaltung das Ansehen der Philipps-Universität Marburg beeinträchtigen könnte“. Von Seiten der Universitätsleitung ließ man sich für einen politischen Streit innerhalb der Studierendenschaft instrumentalisieren, in dem es um die undifferenzierte Gleichsetzung von BDS mit Antisemitismus geht. In der Stellungnahme des SDS an die Universitätsleitung (s.u.) wird Bezug genommen zu dem Vorwurf. Ähnliche Vorwürfe in anderen Orten wurden bereits von zwei deutschen Gerichten verhandelt und als nicht begründet angesehen1.

Der SDS weist daraufhin: „Kernbestandteil des antimuslimischen Rassismus, der von AfD und anderen neurechten Akteur:innen vertreten wird, ist das Narrativ vom sogenannten ‚importierten Antisemitismus‘, der besonders auf muslimische Menschen projeziert wird“.

„Der Beschluss des Universitätspräsidiums, bestätigt nur die Dringlichkeit unserer Veranstaltung. Dass einer rassismusbetroffenen Person seitens des Präsidiums die Plattform genommen wird, sich wissenschaftlich mit dem virulenten Phänomen des Rassismus auseinanderzusetzen, ist ein Skandal“, heißt es in einem Statement des SDS. Wir bekräftigen, dass die Universität ein Raum der wissenschaftlichen Diskussion ist. Die Austragung von Meinungsverschiedenheiten in Forschungsgegenständen sehen wir daher an der Universität richtig platziert.

Deshalb rufen wir alle Menschen, die sich ehrlich gegen antimuslimischen Rassismus einsetzen oder etwas darüber lernen möchten, auf, an unserer Kundgebung „Antimuslimischen Rassismus ernstnehmen“ am Montag den 24.04.2023 um 17:45 Uhr am Firmaneiplatz in Marburg, beim ursprünglichen Veranstaltungsort, teilzunehmen. Anschließend an die Kundgebung möchten wir die Veranstaltung in einem alternativen Raum in der Nähe fortführen.

Mit freundlichen Grüßen

der Bundesvorstand von Die Linke.SDS



1 Das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sieht BDS-Maßnahmen als eindeutig gedeckt durch die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit im Einklang mit der EU-Grundrechtecharta: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-8-2016-005122-ASW_EN.html

Die gleiche Position vertritt der UN-Berichterstatter für die Menschenrechtspakte: https://www.ohchr.org/en/news/2019/04/un-experts-call-israel-overturn-deportation-human-rights-watch-director?LangID=E&NewsID=24516

Das Verwaltungsgericht Oldenburg sah in ähnlich gelagerten Fällen eine Verletzung der Versammlungsfreiheit: https://verwaltungsgericht-oldenburg.niedersachsen.de/aktuelles/vg-oldenburg-haelt-aufhebung-der-entscheidung-zur-ueberlassung-eines-vortragssaals-im-pfl-fuer-eine-vortragsveranstaltung-der-bds-im-mai-2016-durch-die-stadt-oldenburg-fuer-rechtswidrig-169355.html

Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht urteilte, die Beweislast für die Antisemitismus-Vorwürfe liege bei der Partei, die einen solchen Vorwurf erhebt. Das Gericht fand keine Anhaltspunkte dafür, dass die BDS-Initiative antisemitisch ist oder den Grundsätzen der freiheitlich demokratischen Ordnung in Deutschland widerspricht: Beschluss des 10. Senats des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts am 27.3.2019, Beschluss 10 ME 48/19, 3 B 709/19 (Abschrift, nicht online).




Statement an den Universitätspräsidenten Nauss


Hallo sehr geehrter Herr Nauss,

Ein ehrliches Danke für diese Informationen. Diesen schwerwiegenden Vorwurf nehmen wir sehr ernst, da wir uns als SDS grundsätzlich gegen Antisemitismus und Rassismus einsetzen. Wir teilen dabei die Auffassung der von Ihnen genannten zivilgesellschaftlichen Monitoringeinrichtung ausdrücklich nicht. Unsere Auffassung wird innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses (inter-)national auch geteilt und ist daher weiterhin Gegenstand der Forschung.1

Bezüglich der Veranstaltung möchten wir deshalb unsere Auffassung mit Ihnen teilen:

1. Wir sind gegen jede Form von Antisemitismus, gehen dagegen bei Demonstrationen auf die Straße und betreiben Aufklärung innerhalb der Studierendenschaft. Wir setzen uns sogar dagegen ein, dass die Philipps-Universität Marburg Gelder annimmt von Juristischen Personen, die der Mittäterschaft an Holocaust und Vernichtung mitschuldig sind, bis Reperationen und Entschädigungen gezahlt wurden. Dazu zählen die Nachfolgeunternehmen der IG Farben, namentlich Agfa, Basf, Bayer etc. Daher treten wir als SDS, wie Sie wissen, für eine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Universität ein (siehe beschlossener Antrag des 11. Senats vom 30.03.2022, TOP – 33 Antrag zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Philipps-Universität Marburg [Unterlage Nr. 11-223]).

2. Wir sind schockiert darüber, dass unsere Veranstaltung zu antimuslimischem Rassismus gemeinsam mit der Seebrücke Marburg als antisemitisch verurteilt wird. Diese Veranstaltung findet im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus der Stadt Marburg statt. Unsere Intention war es die Perspektive von Geflüchteten unter (Post-)Kolonialen Gesichtspunkten zu behandeln und dabei auch die Situation in Deutschland zu diskutieren. Der von Ihnen genannte Vorwurf des Antisemitismus entspricht in diesem Fall dem Narrativ der „Neuen Rechten“, wonach der Antisemitismus aus „muslimischen Ländern importiert“ sei. Daher haben wir große Bedenken, wenn dieser Zusammenhang in Hinblick auf unsere Veranstaltung überhaupt hergestellt wird. Es bestätigt unsere Veranstaltung, die der Fragestellung nachgeht: Was ist überhaupt antimuslimischer Rassismus.

3. Silencing von Geflüchteten

Gerade in Deutschland werden die Stimmen von Rassismus betroffenen Menschen im Diskurs häufig mundtot gemacht. Diese Perspektive wird, leider auch im (außer-)curricularen Kontext der Universität, noch zu wenig behandelt. Wir verstehen die Philipps-Universität Marburg als diversen und offenen Raum, in dem sich auch marginalisierte Gruppen zu Wort melden können, ohne Angst vor Diffamierung haben zu müssen. Wir hoffen, dass Sie unser Verständnis der Universität als vielfältigen Raum der Diskussion teilen.

Die Universität ist ein Raum der (wissenschaftlichen) Diskussion. Die Austragung von Meinungsverschiedenheiten in Forschungsgegenständen sehen wir daher an der Universität richtig platziert. Deshalb laden wir Sie, das Unipräsidium und auch die RIAS ein, bei unserer Veranstaltung teilzunehmen und in einer gemeinsamen (gern auch kritischen!) Diskussion über antimuslimischen Rassismus Fortschritte zu erzielen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Sollten Ihrerseits weiterhin Unsicherheiten bestehen, sind wir gerne bereit ein ausgereiftes Sicherheits- und Moderationskonzept für die Veranstaltung zu teilen sowie parlamentarische Beobachter als öffentliche Begleitung aus dem hessischen Landtag hinzuzuziehen (Dr. Ulrich Wilken, Landtagsvizepräsident).

Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag,

Viele Grüße

Aktivist*innen von Die Linke.SDS



1 Vgl. Antisemitismus-Definition „The Jerusalem Declaration: https://jerusalemdeclaration.org/;

vgl. Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung „Der BDS-Beschluss ist keine Eingriffsberechtigung in die Tätigkeit von Kulturinstitutionen“: https://www.antisemitismusbeauftragter.de/SharedDocs/interviews/Webs/BAS/DE/2021/BZ_Haustein_BDS.html

vgl. „Von Jüdischen Und Israelischen Wissenschaftler An Deutsche Parteien Zu ‚BDS‘: https://de.scribd.com/document/410140639/Aufruf-von-Judischen-und-Israelischen-Wissenschaftler-an-Deutsche-Parteien-zu-BDS )

19. Februar 2023

Statement des Bundesvorstands zum ‚Manifest für den Frieden‘


Am 24. Februar jährt sich der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Millionen Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende haben bereits ihr Leben verloren, und es ist kein Ende in Sicht. Insbesondere die Zivilbevölkerung leidet unter den Auswirkungen des Krieges, nicht zuletzt, weil russische Truppen gezielt Infrastruktur zerstört haben. Es muss alles dafür getan werden, dass das Leid und Sterben aufhört und dieser Krieg so schnell wie möglich endet. Wir stehen zum Selbstverteidigungsrecht der Ukraine. Zugleich lehnen wir den militaristischen Tunnelblick der Bundesregierung ab und stehen für zivile Alternativen zu einem langen Abnutzungskrieg. Ein erster Schritt muss es sein, genug Druck auf die Bundesregierung aufzubauen, damit sie die Eskalationsspirale der Waffenlieferungen verlässt und endlich ernst gemeinte diplomatische Initiativen vorantreibt.

Das „Manifest für den Frieden“ – welches innerhalb weniger Tage von über 500.000 Menschen unterschrieben wurde – geht dieser wichtigen Richtung nach. Es fordert den Bundeskanzler auf, die weitere Eskalation des Krieges mit immer neuen und schweren Waffen zu stoppen und sich an „die Spitze einer starken Allianz für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zu setzen.“

Auch der Großteil der Bevölkerung lehnt die Waffenlieferungen und eine weitere Eskalation des Krieges ab. 58% der Bevölkerung spricht sich für Verhandlungen aus. Unter den jungen Menschen (1834 Jahre) liegt die Ablehnung der Waffenlieferungen bei 54%. Das „Manifest für den Frieden“ schafft es, sich als ihre Stimme zu repräsentieren.

Trotz der Aussage der Initiator:innen, dass Rechtsextreme auf Friedenskundgebungen „nichts zu suchen“ haben, zeigen jedoch auch Politiker:innen der AfD und das rechtsextreme Magazin Compact Interesse an dem Aufruf. Diese Entwicklung ist nicht neu. Die AfD probiert seit geraumer Zeit, sich als friedenspolitische Kraft im Krieg in der Ukraine zu inszenieren. Dabei eignet sie sich Positionen der LINKEN an, um diese mit Nationalismus zu unterwandern. Denn ihre Kritik an Krieg und Waffenlieferungen entstammt nicht einer antiimperialistischen Haltung im Gegenteil. Die AfD möchte lediglich den deutschen Imperialismus extremer vorantreiben. Aus diesem Grund ist sie für die massive Aufrüstung der Bundeswehr, die Anschaffung von bewaffneten Drohnen und allgemein Befürworterin von Rüstungsexporten nur eben in andere Kriegs und Krisengebiete, geleitet von rein deutschen nationalistischen Interessen.


Warum wir vor Ort sein werden:

Wir unterschätzen die Gefahr einer rechten Präsenz nicht. Da aber die Friedensbewegung auf antifaschistischer Tradition beruht, gibt es für Rechtsextreme auf der Kundgebung (und in der Friedensbewegung generell) keinen Platz. Als Die Linke.SDS werden wir sie ihnen nicht überlassen: Ihre reaktionären und nationalistischen Positionen ebnen erst den Weg für militärische Macht und Kriegspolitik. Somit fordern wir die Organisator:innen der Kundgebung sowie alle Anwesenden dazu auf, möglich anwesenden Rechten und ihren potentiellen Äußerungen, Plakaten und Symbolik entschieden entgegenzutreten und diese des Platzes zu verweisen. Darüber hinaus muss der Versuch von Regierung und breiten Medien, Initiativen für Diplomatie und Friedenspolitik als Verrat oder sogar fünfte Kolonne Moskaus zu diffamieren, entschlossen angegangen werden.

Kriege werden mit Waffen begonnen und mit Verhandlungen beendet. Die Bundesregierung hat keine nennenswerten diplomatischen Initiativen ins Leben gerufen, sondern sich durch die Lieferung von immer mehr schweren Waffen in einem militärischen Tunnelblick verrannt und sich dadurch Steine in den Weg gelegt. Laut dem ehemaligen israelischen Premierminister Naftali Bennett haben der britische ExPremier Boris Johnson sowie USPräsident Joe Biden sogar einen möglichen Friedensbeschluss im März 2022 durch Einwirken auf die Ukraine verhindert. Damit macht sich der Westen mitschuldig an der zunehmenden Eskalation.

Wir stehen daher an der Seite derer, die die Logik des Krieges durchbrechen wollen. Das schließt auch alle mit ein, die sich durch zivilen Widerstand, gewaltfreie Aktionen, Desertion oder Kriegsdienstverweigerung gegen den Krieg stellen. Dafür ist es auch wichtig, dass alle Menschen, die sich dem Krieg entziehen möchten, Schutz durch humanitäre Visa und Asyl finden können. Was es braucht, ist keine militaristische, sondern eine zivile Zeitenwende. Von der Investition des Milliarden Euro schweren Aufrüstungsprogrammes in Soziales, Bildung und Umwelt bis zu einer 180GradWende in der Außenpolitik. Das heißt in der internationalen Politik die Abkehr von Blockbildung und Konfrontationspolitik sowie Einsatz für Multilateralismus, Rüstungskontrolle und Diplomatie.

Wir als Die Linke.SDS unterstützen die Zielsetzungen des „Manifests für den Frieden“. Breite Initiativen und Mobilisierungen für Verhandlungen und gegen weitere Waffenlieferungen sind das Gebot der Stunde. Deshalb werden wir auf der Demonstration mit weiteren Inhalten anwesend sein. Nur eine starke antimilitaristische Linke vor Ort kann den Druck für diplomatische Offensiven ausüben. Wir ringen um den weiteren Aufbau einer starken, internationalistischen sowie antifaschistischen Friedensbewegung. Für uns ist klar: Nur progressive Kräfte können einen echten Frieden erringen. Denn wo die Linke stark ist, sind die Rechten chancenlos.


Wir fordern:
1. Sofortigen Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine
2. Diplomatische Offensive Deutschlands unter Einbindung der EU und Chinas

3. Keine Rüstungsexporte vor allem nicht in Kriegs und Krisengebiete

4. Sofortige Aufnahme aller Deserteure, Kriegsverweigerer und aller Menschen, die vor
Krieg fliehen

5. Den sofortigen Stopp der militärischen Aufrüstung Deutschlands 100 Milliarden für
Soziales, Bildung, Gesundheit und Umwelt, statt für Militarisierung


Solidarische Grüße,

Euer Bundesvorstand

»Tant que la vie continue, le combat continue!«*

Sozialistische Politik in Zeiten von Klimakrise, Krieg und Inflation.

Leitantrag zum 30. Bundeskongress. Beschlossen am 18. Juni 2022.

In einer repräsentativen Befragung aus dem Frühjahr diesen Jahres berichtet die Hälfte der in Deutschland befragten 14-29-Jährigen von einem stressigen Alltag, ein Drittel von Antriebslosigkeit und Erschöpfung. Fast 30% leiden nach eigenen Angaben unter Depression. Nur acht Prozent haben die Hoffnung, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen. Der Jugend scheint die Hoffnung abhanden zu kommen. Angesichts dessen, was auf der Welt passiert, ist das wenig verwunderlich. Als größte Sorgen geben die befragten Jugendlichen die Klimakrise, den Krieg und die zunehmende Inflation an. Es ist also nicht nur daher gesagt, dass die Welt, in der wir leben, die Menschen krank macht. Wenn wir nicht nur die Symptome bekämpfen wollen, muss das System in seinen Grundstrukturen verändert werden.

Mit diesem Text versuchen wir diese zentralen politischen Entwicklungen und Herausforderungen von Studierenden zu verstehen und diskutieren, wo sozialistische Politik ansetzen muss, wenn sie der Hoffnungslosigkeit eine überzeugende Vision der Überwindung des Kapitalismus entgegenstellen will. Krisen scheint es zur Zeit an allen Ecken und Enden zu geben. Wer soll da den Überblick behalten? Uns ist bewusst, dass die Analyse unserer Zeit nie vollständig und abgeschlossen sein kann. Doch die dringend notwendige Veränderung dieser Welt fordert uns heraus, auch als junge Sozialist:innen zu versuchen, gemeinsam ein Gespür für diese Zeit zu bekommen. Nur so wissen wir, wo unsere Kraft und Energie am besten eingesetzt werden können.

Im Folgenden blicken wir daher schlaglichtartig auf die drei großen Sorgen der Jugend: Die Klimakrise, den Krieg und die Inflation als Ausdruck zunehmender sozialer Verwerfungen, die auch an den Hochschulen zu spüren sind. Dabei gehen wir auch auf die Rolle der gesellschaftlichen Linken im Allgemeinen und der LINKEN im Besonderen ein, um Vorschläge für unsere Schwerpunktsetzung als Die Linke.SDS zu machen. Im Widerspruch von steigendem Autoritarismus, Aufrüstung, Konkurrenzpropaganda und Armut ist der Kampf um soziale Gleichheit und internationaler Gerechtigkeit dringend wie nie. Die Erkenntnis, dass es uns in diesem System allen schlecht geht, lässt uns als Sozialist:innen nicht pessimistisch werden, sondern treibt uns an, diese Verhältnisse zusammen mit unseren Genoss:innen, Kommiliton:innen, Kolleg:innen und Freund:innen zu überwinden. An den Hochschulen wie in den restlichen Teilen der Gesellschaft liegt es in unserer Hand, auf die Herausforderungen unserer Zeit die richtigen Antworten zu finden und Lösungen zu entwickeln.

Sozialismus und Kapitalozän

2050 wird Berlin ein Klima wie heute Toulouse haben. Der jüngste IPCC Bericht stellte fest: Das 1,5 Grad Ziel wird nicht erreicht. Im Gegenteil: Die jetzige Politik bringt uns sogar auf 3,2° Erderwärmung. Es kommt zu Extremwettereignissen, Dürren und Ernteausfällen. Auch ein Anstieg des Meeresspiegels, der besonders kleine Inseln und Küstengebiete bedroht, wird nicht abwendbar sein. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten eine Milliarde Menschen in Küstengebieten ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Wenn es zu einer Erderwärmung von 1,7 bis 1,8 Grad kommt, wird die Hälfte der Weltbevölkerung lebensbedrohlicher Hitze und Feuchtigkeit ausgesetzt sein. Bei einem Temperaturanstieg von 1,6 Grad werden 8% der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr nutzbar sein. Dementsprechend mahnt der IPCC-Bericht zu schnellen und grundsätzlichen Maßnahmen: »Jede weitere Verzögerung bei konzertierten globalen Maßnahmen wird ein kurzes und sich schnell schließendes Zeitfenster zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft verpassen.«

Wir befinden uns auf dem Weg in ein Zeitalter der Katastrophen, doch trotzdem scheint niemand die »Notbremse« ziehen zu wollen, als welche Walter Benjamin die Revolution bezeichnete. Die Differenz zwischen Notwendigkeit von Maßnahmen und den leeren Versprechen der Politik könnte nicht größer sein. Die Klimakrise soll individualistisch und technologisch gelöst werden. Das klammert bewusst die Akteur:innen aus, die für die Krise verantwortlich sind. Denn die Klimakrise ist nicht vom Himmel gefallen und es sind auch nicht alle Menschen gleich verantwortlich. Der britische Historiker Adam Tooze bringt es auf den Punkt: »Wenngleich es wahr ist, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wird, verursachen ihn nicht die Menschen im Allgemeinen. Das ökonomische System und diejenigen, die es verwalten und von ihm profitieren, verursachen den Klimawandel. Die krisenhafte Epoche, in der wir uns befinden, sollte das Kapitalozän genannt werden.«

Das System, in dem wir leben, hat die Klimakrise erst hervorgebracht und ist der Motor, der sie immer weiter antreibt. Der Kapitalismus opfert sukzessiv seine eigenen Lebensgrundlagen für den Profit. Er strebt ein unendliches Wachstum an, das es auf einer Erde mit endlichen Ressourcen nicht geben kann. Diesen Widerspruch würde selbst ein vollkommener Umstieg auf erneuerbare Energien und Rohstoffe nicht ändern, denn im Kapitalismus wird nicht nur nach unendlichem Wachstum gestrebt – durch die kapitalistische Konkurrenz muss auch immer schneller immer mehr Wachstum generiert werden. Kurz gesagt: Das Kapital muss in diesem System schneller akkumulieren als erneuerbare Rohstoffe nachwachsen können. Es gibt daher keinen sanften Weg aus dem Kapitalozän. Reformen des Bestehenden reichen nicht aus. Was wir brauchen ist ein »System Change«, einen radikalen Bruch mit dem System. Die »Notbremse« muss betätigt werden.

Dieser radikale Bruch ist unter den aktuellen Kräfteverhältnissen noch nicht absehbar. Stattdessen bestimmt die ökologisch-ökonomische Zangenkrise** die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Unter den aktuellen Herrschaftsverhältnissen käme es zu weiteren schwerwiegenden sozialen Problemen, wenn das Wachstum begrenzt und weniger Profit
erwirtschaftet werden würde. Die Folgen, die mit dem fehlenden Profit einhergehen würden, würden auf dem Rücken der lohnarbeitenden Bevölkerung ausgetragen werden – in Form von Massenentlassungen, einer Arbeitsintensivierung ohne Lohnerhöhung oder einem späteren Renteneintrittsalter. In Anbetracht der Klimakrise ist eine Eingrenzung der
Wachstumsbestrebungen dringend notwendig. Doch das würde unter den aktuellen Kräfteverhältnissen zu einer Verschlechterung der Lebensumstände der lohnarbeitenden Bevölkerung führen. Wir befinden uns in einer Krise der Mensch-Natur-Beziehungen, für die es im bestehenden System keine Lösung geben kann.

Es lassen sich wenige präsente und gute Antworten auf diese Krise finden. Die neue Bundesregierung schmückt sich damit nun endlich effektivere Umweltpolitik zu betreiben und versucht hinter ihrem neuen Hegemonieprojekt eines grünen Kapitalismus verschiedene Bevölkerungsteile zu vereinen. Aber in der Realität sind die Maßnahmen, die ergriffen werden, schlussendlich Maßnahmen für den Systemerhalt unter einem grünen Deckmantel und somit zum Scheitern verurteilt.

Die linken Kräfte in Deutschland haben dem Hegemonieprojekt eines grünen Kapitalismus bisher zu wenig entgegenzusetzen. Es ist klar, dass unsere Vorstellung von einem guten Leben für alle jetzt und in Zukunft immer unter Berücksichtigung der Klimakrise geprägt sein muss. Das heißt, wir müssen Antworten darauf entwickeln, wie mit einem zu erwartenden
Temperaturanstieg konkret umzugehen ist und was dies für die praktische Umgestaltung von gesellschaftlicher Infrastruktur bedeutet. Wir müssen also besser darin werden, unsere Vorstellung von einem guten Leben, das zwar nach dem Kapitalismus aber unter den Folgen der Klimakrise stattfindet, zu konkretisieren. Gleichzeitig fehlt es uns an Stärke, um die
Forderungen, die wir gemeinsam entwickeln, auch wirklich durchzusetzen. Nur wenn wir gesellschaftliche Mehrheiten für einen Klimaschutz der 99% gewinnen, wird sich dies ändern.

Grüner Kapitalismus bedeutet, dass unzureichender Klimaschutz auf Kosten der arbeitenden Klasse betrieben wird. Dagegen müssen wir einen Ansatz stärken, der soziale und ökologische Fragen immer zusammen denkt. Das ist in der Theorie jedoch leichter gesagt als in der Praxis getan. Es gibt sie, die zarten Pflänzchen einer Vision des Ökosozialismus, in der sich ÖPNV-Beschäftige mit FFF-Aktivist:innen oder Bosch-Beschäftigte mit Klimaaktivist:innen vernetzen. Doch diese Beispiele sind bisher mehr Ausnahme als Regel. Vielmehr steckt die Klimabewegung ähnlich wie die LINKE in einer schwierigen Phase. Es gibt wenige Antworten auf die Frage, wie es weitergehen soll. Die Forderung nach Klimagerechtigkeit und die damit einhergehende Einbeziehung der sozialen Frage wird zwar breit geteilt, aber wie diese praktisch umgesetzt wird, ist weiterhin offen.

Es wird daher Zeit, neue Wege zu gehen und sich in Milieus zu wagen, die sich der Klimabewegung gerade noch fern fühlen. Das bedeutet für uns an den Hochschulen: Die Klimabewegung als Mehrheitsbewegung aufbauen, echte Klimastreiks organisieren, Zusammenarbeit mit Gewerkschaften suchen und so Stück für Stück eine ökosozialistische Alternative zum Kapitalozän »sprechbar« machen. Darum veranstalten wir als Die Linke.SDS Ende Oktober den “System Change”-Kongress in Leipzig, der uns genau diesen Austauschraum bieten wird, in welchem wir unsere Ideen und Vorschläge zur Debatte stellen können.

Um die Klimakrise aufzuhalten, braucht es den radikalen Bruch mit dem Kapitalozän. Dieser wird nicht allein durch den nächsten Klimastreik ausgelöst werden. Die Notbremse kann einzig und allein von einer organisierten Arbeiter:innenklasse betätigt werden. Es ist an uns als Sozialist:innen verbindende Bündnisse zwischen Klimabewegung und Arbeiter:innen, die materielle Stärke entfalten können, aufzubauen.

Der Ukraine-Krieg und die Folgen

Die Klimakrise hat nicht nur enormen Einfluss auf soziale Auseinandersetzungen, sondern trägt auch zur Zuspitzung der geopolitischen Lage bei – denn auch Russland befindet sich im
Griff der ökonomisch-ökologischen Zangenkrise. 43% der wirtschaftlichen Leistung Russlands stammen aus dem Export fossiler Energieträger. Je schneller Russlands Abnehmerstaaten die Energiewende vollziehen – welche dringend notwendig ist, um die Menschheit nicht über die Klippe zu stürzen –, desto wertloser werden die russischen Öl und
Gasvorkommen. Die Zukunftsszenarien der herrschenden Klasse in Russland sehen entsprechend finster aus. Wenn die grundlegende Umstrukturierung der russischen Wirtschaft ausbleibt, bleiben den Herrschenden in Russland deshalb perspektivisch in erster
Linie die Machtressource des Militär und die Bereitschaft brutale Angriffskriege zu führen, um ihre imperiale Stellung in der Weltordnung nicht zu verlieren. Diese bleiben aber nur dann anwendbar, solange die Gegner vom russischen Öl und Gas abhängig sind. Der Angriffskrieg sorgt zudem auch in den westlichen Ländern für Instabilität – steigende Preise
führen zu einer geringeren Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Die Folgen treffen in erster Linie die breite Bevölkerung und die dringend notwendige Nachhaltigkeitsrevolution wird erneut zu einem fernen Zukunftsszenario. Der Angriffskrieg Russlands hat den wirtschaftspolitischen Hintergrund, neue Wirtschaftsräume zu erobern und alte Wirtschaftszweige abzusichern.

Als Die Linke.SDS verurteilen wir den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des russischen Regimes. Wir sind solidarisch mit den Menschen in der Ukraine, egal ob sie fliehen oder sich gegen die Besatzungsmacht verteidigen. Die russische Regierung verfolgt imperialistische Interessen, rechtfertigt den Krieg mit einer Reihe von Lügen und nationalistischer Propaganda und nimmt das Leid von Millionen in der Ukraine und darüber hinaus in Kauf. Die Antwort von sozialistischen Studierenden kann nur sein, alles dafür zu tun, dass der Krieg schnell endet und Solidarität mit all jenen zu üben, die vor dem Krieg fliehen oder sich ihm unter Einsatz des eigenen Lebens entgegenstellen.

Es handelt sich bei dem aktuellen Krieg dennoch um eine sehr viel komplexere Lage, als die bürgerliche Erzählung es behauptet. Denn zu dem legitimen Kampf der Ukrainer:innen um Selbstbestimmung tritt zunehmend ein inter-imperialistischer Konflikt hinzu. Deshalb suchen viele Linke nach Orientierung, kontroverse Debatten auch innerhalb der bekannten Lager sind die Folge. Klar ist: Die USA unterstützen die Ukraine nicht, um die demokratischen Werte des Westens vor den autokratischen Bestrebungen Putins zu verteidigen. Sie verfolgen imperialistische Interessen, das Schicksal der Menschen in der Ukraine ist zweitrangig. Bei dem Krieg in der Ukraine handelt es sich daher auch um einen Krieg des globalen Kapitalismus, der bedeutende Umbrüche in der politischen Weltlage zur Folge haben wird.

Die unmittelbaren Konsequenzen des Krieges sind bereits jetzt verheerend: Tausende Tote und Menschen auf der Flucht, denen die Lebensgrundlage entzogen wurde. Russlands Beschlagnahmung und Blockade von Nahrungsmittelexporten tragen – neben Getreidespekulation, Klimakrise und neokolonialen Abhängigkeiten – weltweit zu Versorgungsengpässen und Hunger bei.

Weltweit wirken die Kriegshandlungen in der Ukraine auf die imperialistischen Blöcke. Die USA können von dem Krieg profitieren, da sie die russische Wirtschaft mit Sanktionen schwächen und das russische Militär stellvertretend durch die vom Westen militärisch ausgestatteten ukrainischen Streitkräfte ausbluten lassen können. Die EU, als enger Partner der USA, wird weiter auf sie angewiesen sein, da sie sich perspektivisch wohl eher an amerikanischer statt russischer Energie orientieren muss. Mit der verschärften imperialistischen Konkurrenz kommt es zu einer »neuen/alten Blockkonfrontation« (Solty).

Die imperialistischen Zentren rüsten auf. Mit den Waffenlieferungen der NATO-Staaten an die Ukraine und der Ausbildung ukrainischer Soldat:innen sind diese letztlich eine Kriegspartei geworden. Die Gefahr eines Atomkrieges steigt damit massiv an. Von der weltweiten Aufrüstungsspirale, in der wir uns bereits befinden, profitiert am Ende vor allem die Rüstungsindustrie. Die klimaschädliche Produktion wird enorm vorangetrieben, was zu einer Verschärfung der Klimakrise führt – eine globale Zusammenarbeit, um gemeinsame Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise auf den Weg zu bringen, wird unmöglich. Um
sich von russischen Brennstoffen unabhängig zu machen, würden in Folge neuer Abkommen die weltweiten Bohrungen nach fossilen Brennstoffen wieder zunehmen, sodass der fossile Kapitalismus ungehindert weiter unsere Lebensgrundlage zerstören kann.

In Anbetracht der ökonomisch-ökologischen Zangenkrise nutzen die imperialistischen Akteure die neue Weltlage außerdem dazu, weiter aufzurüsten und sich auf künftige Kriege um Ressourcen vorzubereiten. Denn bei einer weiteren Zuspitzung der Klimakrise werden die mächtigen Staaten zunehmend Ressourcen monopolisieren, andere Staaten zur Versorgung der eigenen Bevölkerung ausbeuten und die Bewegungsfreiheit massiv einschränken. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass es zu weiteren Eskalationsstufen kommen wird, während die Menschheitsfragen des Hungers, der sozialen Ungleichheit und der Bedrohung der Existenz des Planeten – der Klimakrise – unbeantwortet bleiben.

Aufrüstung und Inflation

Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der damit einhergehenden Krise der Weltordnung schlägt auch die Bundesregierung Deutschlands einen neuen Kurs ein. Mit 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr und der damit einhergehenden Steigerung der Rüstungsausgaben auf das NATO-2%-Ziel steht die »Zeitenwende« der Ampel im Zeichen von Aufrüstung und einer neuen Sicherheitspolitik. Damit sehen wir uns mit der »fundamentalen Abkehr von den Prinzipien deutscher Außenpolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs« und einem neuen deutschen Militarismus konfrontiert. Mit der geplanten Aufrüstung könnte Deutschland weltweit auf Platz 3 der Staaten mit den höchsten Militärausgaben landen – und verfolgt damit eindeutig imperialistische Interessen, auch innerhalb der NATO. Doch den Menschen in der Ukraine wird damit nicht geholfen. Genauso macht die neue Hochrüstung Deutschlands die Welt nicht sicherer, sondern bereitet auf künftige militärische Auseinandersetzungen vor. Dass diese Entscheidung ohne vorherige breite öffentliche Debatte und demokratische Meinungsbildung getroffen wurde, kennzeichnet ebenfalls die autoritäre Politik der Regierungsparteien.

Der neue Kurs der Ampel ändert auch die Ausgangsbedingungen, in denen Linke Politik machen. Eine linke friedenspolitische Perspektive gerät zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen wird der öffentliche Diskurs von einer militärischen Logik dominiert, die sich in der derzeitigen Lage als alternativlos präsentiert. Linke werden gar als Verräter diffamiert, weil sie versuchen Deeskalation voranzutreiben. Diese Entwicklungen erschweren es linken Kräften ungemein, in der derzeitigen gesellschaftlichen Stimmung anschlussfähige Forderungen auf die Straße zu bringen. Gleichzeitig ist die aktuelle Situation auch ein Ausdruck der Schwäche der Linken: Trotz stellenweise breiter Ablehnung oder mindestens Skepsis gegenüber der Lieferung schwerer Waffen aus Angst vor einer direkten, möglicherweise atomaren Konfrontation zwischen Russland und der NATO gelingt es linken Kräften bisher kaum, eine breite Friedensbewegung zu mobilisieren.
Zugleich hat der russische Angriffskrieg erneut die fehlende antiimperialistische Grundeinstellung in breiten Teilen der gesellschaftlichen Linken aufgezeigt: Während manche den Imperialismus Russlands nicht als solchen erkennen, führt ein fehlendes Verständnis über den Imperialismus der NATO bei anderen zu einer unkritischen Unterstützung der Politik der Bundesregierung. Dabei braucht es gerade jetzt eine vereinte linke Friedensbewegung, die sich mit allen Unterdrückten von Krieg, Militarismus und Imperialismus solidarisiert, immer zunächst die Rolle der eigenen Regierung problematisiert und mit aller Kraft antiimperialistische und sozialistische Bewegungen weltweit stärkt.

Bereits jetzt wird von den Regierungsparteien deutlich gemacht, dass die Militärausgaben auf Kosten sozialer Projekte gehen werden. So wird wegen des Bundeswehr-Sondervermögens »das ein oder andere in der Legislaturperiode (…) nicht realisier[t]« werden können. Das ist ein Schlag ins Gesicht für progressive Bewegungen, die seit Jahren Investitionen in Sozialstaat, Klima, Gesundheit, Bildung und vieles mehr fordern und die stets mit der Begründung abgewiesen worden, dafür sei kein Geld da. Und am Ende wird sich der Staat das Geld, welches jetzt in die Aufrüstung fließt, durch Einsparungen in eben jenen Bereichen zurückholen.

Parallel zur durchfinanzierten Aufrüstung steigen die Lebensmittel- und Energiepreise. Mit 7,9% ist die Inflationsrate im Mai so hoch gewesen wie seit über 30 Jahren nicht mehr – und ein Ende des starken Preisauftriebs ist derzeit nicht in Sicht. Während damit zu rechnen ist, dass ein Großteil der Kosten an die Endverbraucher:innen weitergegeben wird, werden Unternehmen in der Öl- und Gasförderung enorm vom Krieg und der Inflation profitieren. Finanzminister Lindner lehnt allerdings eine Übergewinnsteuer für Kriegsprofiteure, wie sie
bereits von LINKEN und Grünen gefordert und in einigen Ländern umgesetzt wurde, ab – stattdessen werden »die Bürgerinnen und Bürger das bezahlen«. Darum will Lindner dafür sorgen, dass die Menschen auch »Lust haben zu arbeiten und ‘ne Überstunde zu machen«. Die Folgen der derzeit steigenden Energie- und Lebensmittelpreise sind nur ein Vorgeschmack auf mögliche Ressourcenkrisen der Zukunft. Umso entscheidender ist es, dass sich neue soziale Proteste formieren. Pandemie, Klimakollaps, Krieg und Inflation sind nicht vom Himmel gefallen – sie sind vom Kapitalismus produzierte Krisen, die von der herrschenden Klasse von oben und auf Kosten der breiten Bevölkerung bearbeitet werden. Hier ist die LINKE gefordert, die Widersprüche in der Krisenbearbeitung der Herrschenden aufzuzeigen, soziale Forderungen nach vorne zu stellen und Menschen in Verteilungskämpfen zusammenzubringen. Die Inflation ist eine Entwicklung, die die Mehrheit der Menschen unmittelbar betrifft. Doch die Regierung bringt lieber ein 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr statt wirkungsvolle Entlastungspakete auf den Weg. Die klassenpolitischen Dimensionen sind da. Wir müssen sie nur sichtbar
machen und sozialistische Alternativen ausbuchstabieren.

Auch wir als Studierende spüren die Folgen dieser Krisen und Verwerfungen. In Deutschland ist fast jede:r dritte Studierende von Armut betroffen – die Armutsquote unter Studierenden ist damit fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Mit der Corona-Pandemie, dem Wegfall zahlreicher studentischer Nebenjobs und der Schließung der Mensen verschlechterte sich die finanzielle Lage vieler Studierender in den letzten zwei Jahren bereits enorm – und auch von der aktuellen Inflation sind Studierende besonders stark betroffen. Die Ampel-Reform des BAföG gleicht nicht einmal die Inflation aus, eine großzügige Erhöhung und Ausweitung wäre weiterhin dringend geboten. Diese Position vertritt auch der fzs, dessen Mobilisierungskraft aber schwach ist. Für uns muss sich analog zur LINKEN die Frage stellen, ob und wie aus dieser sozialen Krise an den Hochschulen Protest und schließlich progressive Veränderung erwachsen können.

»Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens«

Die Lage ist ernst. Das zeigt die Analyse der objektiven Zustände und das weiß auch die junge Generation. Der Klimawandel bereitet mehr als der Hälfte dieser Generation große Sorgen, und drei Viertel blicken mit Furcht auf die Zukunft. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen in das Regierungshandeln rapide ab. Der Glaube, dass die Machthabenden in der Lage seien, die Zustände in den Griff zu bekommen, schwindet.

Was bedeutet das für uns? Eine einfache Antwort gibt es sicher nicht und doch ist uns als Sozialist:innen bewusst: Es ist nicht alles verloren. Aus einer historisch-materialistischen Analyse heraus wissen wir, dass die Welt veränderbar ist. Was es braucht, ist eine neue Radikalität der Ehrlichkeit: Die Zustände so zu benennen, wie sie sind und das System, welches die Vielfachkrise zu verschulden hat, in Verantwortung zu nehmen. Doch dort
dürfen wir nicht stehen bleiben.

Die Schwäche der gesellschaftlichen Linken und der Partei zeigt: So wie es ist, darf es nicht bleiben. Es braucht eine grundlegende Erneuerung linker Politik – Erneuerung heißt aber nicht Anpassung an die veränderten Zustände, sondern Einstehen für die grundlegenden Pfeiler einer linken Überzeugung. Eine Organisation, die sich viel auf die Fahne schreibt, aber diese progressiven Ansätze weder in der eigenen Organisation umsetzen noch in die Gestaltung der Gesellschaft einbringen kann, verliert an Glaubwürdigkeit.

Die Ampel-Koalition als »Modernisierungskoalition des Übergangs« (Candeias) ist nicht frei von Widersprüchen. Diese aufzuzeigen und anzugreifen wird Aufgabe einer nach vorne gerichteten, modernen sozialistischen Politik sein. Es ist davon auszugehen, dass die Ampel-Regierung die gesellschaftliche Erwartung zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen und Krisen früher oder später enttäuschen wird. Für die LINKE gilt es, darauf vorbereitet zu sein und den anhaltenden Wunsch nach Veränderung anhand von konkreten Visionen und realen Durchsetzungsperspektiven in gemeinsame Kämpfe zu übertragen. Unser politisches Agieren müssen wir auf das Ziel ausrichten materielle Macht
aufzubauen, die am Ende in der Lage ist, Strukturen anzugreifen und grundlegende Veränderungen voranzutreiben. Denn immerhin zwei Drittel der Jugendlichen haben das Gefühl in einer Generation zu leben, die politisch etwas verändern möchte. Hier können wir als Studierendenverband ansetzen und all den jungen Menschen, die etwas verändern wollen, eine politische Heimat anbieten. Dafür müssen wir ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen, diese in die objektiven Zustände einordnen und dem Gefühl der Lähmung eine Perspektive kollektiver Ermächtigung entgegensetzen.

Dabei könnten die Aufgaben, die vor uns liegen, nicht größer sein. Aber trotz des Katastrophenszenarios, das auf uns zurollt, dürfen wir nicht kopflos agieren. Der Ernst der Lage erfordert von uns, nicht überstürzt zu handeln, sondern wohlüberlegt und gut vorbereitet in Kämpfe zu gehen. Voraussichtlich werden wir dennoch einige der anstehenden Kämpfe verlieren. Umso wichtiger ist es, dass unsere Organisation in der Lage ist, persönliche Resignation, Enttäuschung und Frustration aufzufangen und eine gemeinsame Vision der Veränderung aufrechtzuerhalten.

Wir wissen: Es erscheint naheliegend, anhand der objektiven Zustände zu verzweifeln und aufgeben zu wollen, und doch – gerade in von Krisen geprägten Zeiten ist das Potential für Veränderung groß. Die politische Lage ist bereits fragil: Krieg, soziale Verwerfungen und die sich verschärfenden Klimafolgen werden den Unmut in der Bevölkerung immens verstärken. Es wird neue Möglichkeitsfenster geben, um sozialistischen Ideen neuen Aufwind zu verschaffen – wir müssen sie nur erkennen und nutzen lernen. Der Kapitalismus produziert und reproduziert fortwährend Ungerechtigkeiten und Leid – die Wut darüber kann uns
antreiben weiterzumachen.

Aufgeben war noch nie weniger eine Option. Denn »Tant que la vie continue, le combat continue!«.

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* So reagierte Jean-Luc Melenchon darauf, dass er knapp den Einzug in die Stichwahl bei der französischen Präsident:innenwahl verpasste. Auf deutsch: »Solange das Leben weitergeht, geht auch der Kampf weiter.«

** Als »ökologisch-ökonomische Zangenkrise« beschreibt Klaus Dörre die »historisch neuartige Ausprägung«, die das »strukturelle Wachstumsdilemma kapitalistischer Gesellschaften« im Kapitalozän erfährt. Da die Generierung von Wirtschaftswachstum, das »wichtigste Mittel zur Überwindung ökonomischer Stagnation und zur Pazifizierung sozialer Konflikte im Kapitalismus«, auf seinen heutigen, ressourcen- und energieintensiven fossilen Grundlagen »zunehmend destruktiv und deshalb gesellschaftszerstörend« wirke, befinde sich die Gesellschaft im »Zangengriff von Ökonomie und Ökologie«: Mehr Wachstum verursacht
ökologische Katastrophen, weniger Wachstum sozialen Konflikte. Klaus Dörre: Gesellschaft in der Zangenkrise. Vom Klassen- zum sozial-ökologischen Transformationskonflikt, in: Dörre, Holzschuh, Köster, Sattel (Hrsg.): Abschied von Kohle und Auto? Sozial-ökologische Transformationskonflikte um Energie und Mobilität, Frankfurt 2020.

21. April 2022


#LinkeMeToo
Statement des Bundesvorstands von Die Linke.SDS

Vorbemerkung: Wir haben seit dem Ostermontag an diesem Statement gearbeitet. Wir wollten uns so schnell wie möglich, aber auch so ernsthaft und überlegt wie nötig zu dem Thema zu äußern. Ein paar Tage haben wir auch deshalb gebraucht, weil die Schilderungen sexualisierter Gewalt Mitglieder des Bundesvorstandes aufgrund eigener Erfahrungen in einer Weise belasten, die es erschwert, innerhalb weniger Tage die richtigen Worte zu finden.



Solidarität mit allen Betroffenen sexualisierter Gewalt

Die Schilderungen im SPIEGEL-Artikel haben uns erschüttert und wütend gemacht. Auch wenn wir wissen, wie allgegenwärtig sexualisierte Gewalt in unserer Gesellschaft und damit auch in unserem Umfeld und unseren Organisationen ist – schwarz auf weiß zu lesen, was Genoss:innen erleben mussten und müssen, aber auch was vermeintliche Genoss:innen getan haben und tun, tut weh.
Unsere Solidarität gilt allen, denen sexualisierte Gewalt widerfahren ist. Sie gilt den Genoss:innen in Hessen, aber natürlich auch in allen anderen Regionen. Denn wir wissen: Sexualisierte Gewalt findet auch in unseren Organisationen statt und nicht zum ersten Mal ist das auch öffentlich bekannt gemacht worden. Umso tragischer ist es, dass wir in der LINKEN bisher noch kein breit getragenes und wirkungsvolles Verfahren für den Umgang mit Sexismus in all seinen Formen gefunden haben. Darunter leiden in erster Linie die Betroffenen, die sich teilweise Strukturen gegenüber sehen, die eher Hindernisse als Unterstützung darstellen.

Jetzt ist der Moment, um grundlegende Veränderung auf den Weg zu bringen. Wir begrüßen, dass die Partei hier jetzt erste Maßnahmen ergreift. Die Verantwortung, dass aus Beschlüssen und Bekenntnissen auch reale Veränderungen werden, liegt bei uns allen.

Aufklärung und Aufarbeitung

Für den Moment steht natürlich die Aufklärung und Aufarbeitung  dessen, was in Hessen passiert ist, im Vordergrund. Fest steht, dass dieser Prozess sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren muss. Dies muss in Zusammenarbeit mit externen Beratungsstellen oder anderen Expert*innen im Bereich sexualisierter Gewalt geschehen. Wir stellen uns gegen jegliche Versuche machtpolitischer Vereinnahmung dieser Vorfälle und verurteilen diese zutiefst.

Es gibt in der Linken seit vielen Jahren Debatten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen. Denn für sozialistische Organisationen gelten nicht dieselben Maßstäbe wie etwa vor einem staatlichen Gericht. Unsere Organisationen sollen Orte der Ermutigung und der Emanzipation sein. Orte, an denen wir gemeinsam daran arbeiten, die Gesellschaft zu verändern. Unser Anspruch sollte weit über dem von anderen Parteien liegen.

Außerdem wissen wir, dass in unserer Gesellschaft Betroffenen oft nicht geglaubt wird oder ihre Betroffenheit relativiert wird. Das darf uns nicht passieren. Der Schutz und die Arbeit mit Betroffenen muss im Vordergrund stehen. Gleichzeitig muss unser Umgang mit gewaltausübenden Personen über eine Strafe oder Ähnliches hinaus gehen. Das Auftreten von sexualisierter Gewalt kann nur minimiert werden, wenn gewaltausübenden Personen aufgezeigt wird, inwiefern ihr Verhalten gewaltvoll ist. Nur dadurch können erlernte gewaltvolle Verhaltensmuster verändert werden, die sonst außerhalb der Partei ausgeübt werden. Die Bereitschaft für einen individuellen Veränderungsprozess sowie das Mitwirken an der Veränderung der Organisation gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse sind elementare Bestandteile einer feministischen Praxis.Wenn diese Bereitschaft nicht gegeben ist, muss es Möglichkeiten geben gewaltausübende Personen auszuschließen.

In der Linken wird ein Umgang in dieser Form als Ansatz transformativer Gerechtigkeit – »transformative justice« – diskutiert. An diesem Ansatz, in dessen Zentrum die gemeinsame und grundlegende Veränderung der Gesellschaft steht, orientieren auch wir uns in der Entwicklung eines kollektiven und demokratisch legitimierten Umgangs mit Gewalt und Diskriminierung innerhalb unseres Verbands. Wir halten diese Perspektive auch im Hinblick auf die Partei für eine sinnvolle Orientierung.

Was bedeutet es, eine feministische Partei zu sein?

Verfahren im Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt zu etablieren, die breite Anerkennung in der Partei erfahren und gleichzeitig ihren Zweck erfüllen, ist eine unserer Aufgaben. Feministische Partei zu sein bedeutet jedoch noch viel mehr. Für uns geht mit dem Anspruch sozialistische Mitgliederpartei zu sein auch die Herausforderung einher, dass wir als Genoss:innen gemeinsam versuchen, nicht nur das ABC sozialistischer Politik sondern auch einen solidarischen Umgang jenseits patriarchaler und anderen unterdrückenden Verhaltensweisen zu erlernen.

Feministische Partei zu sein fängt somit schon beim Aufbau von lebendigen und einladenden Ortsverbänden und Basisorganisationen an. Hier können FINTA-Personen insgesamt gefördert und in ihren Ansprüchen bestärkt werden, was nicht bedeutet sie schnell in Amt & Würden zu bringen um Quoten zu erfüllen, strukturelle Probleme aber unangetastet zu lassen. Nachhaltige Sensibilisierung für Sexismus und andere Formen von Diskriminierungen muss auf jeder Ebene der Parteistrukturen stattfinden. Mitarbeiter:innen, Abgeordnete und andere Funktionär:innen müssen in die Pflicht genommen werden ihre Zeit und ihre Ressourcen in den Aufbau und in die Erhaltung von Strukturen einzusetzen, welche dem bestehendem Sexismus und den patriarchalen Machtgefällen entgegenwirken. Zu einer feministischen Praxis muss gehören sich Machtgefällen bewusst zu werden, ihren Missbrauch zu verhindern und sie soweit wie möglich abzubauen. Dafür braucht es sowohl auf kommunaler als auch auf Landes- und Bundesebene kompetente ansprechbare (Vertrauens-)Personen, an die sich in Fällen von Sexismus und sexualisierter Gewalt gewendet werden kann.

Feministische Partei zu sein ist ein andauernder Prozess, denn solange wir die Gesellschaft nicht grundlegend verändert haben, prägt sie uns und fordert damit heraus, dass wir uns gegen alle Verhältnisse von Ausbeutung und Unterdrückung wehren – kollektiv wie individuell.

Zur Debatte

Im Anschluss an die SPIEGEL-Veröffentlichung dreht sich in der Debatte vieles darum, wer jetzt alles zurücktreten muss. Das ist nicht förderlich. Wenn sich Betroffene dazu gezwungen sehen, an die Öffentlichkeit zu gehen, dann ist eindeutig, dass in der Partei einiges schief gelaufen ist und Konsequenzen daraus gezogen werden müssen. Dass für manche jetzt die entscheidende Frage zu sein scheint, was Janine Wissler getan hat und was nicht und ob sie zurücktritt, halten wir für ein Teil des Problems. Ja, auch die jetzige Parteivorsitzende steht in der Verantwortung, mögliche Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und für die Zukunft jetzt die richtigen Schritte in die Wege zu leiten. Das kann aber nur in einem kollektiven Prozess passieren, in dem wir erstens Schutz für Betroffene organisieren und ihre Perspektive in den Vordergrund stellen, zweitens die Beschuldigten zur Verantwortungsübernahme bringen und ggf. Konsequenzen ziehen und drittens als LINKE-Mitglieder Verantwortung für die Partei und jeden Ort in ihr übernehmen und so gleichzeitig die Gesellschaft verbessern. Es liegt an uns, diesen Prozess solidarisch und unter Einbezug verschiedener Perspektiven und Erfahrungen zu gestalten. Dabei müssen Einsicht und Verantwortungsübernahme im Mittelpunkt stehen, denn nur so können wir nachhaltige Strukturen aufbauen und einen echten Kulturwandel innerhalb der Partei erwirken.
Wir als Bundesvorstand wollen von nun an weiterhin Druck auf die Partei ausüben, damit die angekündigten Konsequenzen auch umgesetzt werden. Außerdem arbeiten wir an der Umsetzung der Forderungen innerhalb von Die Linke.SDS. Bereits auf dem vergangenen 29. Bundeskongress hatten wir beschlossen, bis zum 30. Bundeskongress Konzepte für den Umgang mit Diskriminierung im Verband zu erarbeiten.

18. März 2022

Für den Erhalt und den Ausbau internationaler Wissenschaftskooperation!


Der Angriffskrieg der russischen Armee in der Ukraine muss sofort beendet werden. Damit dieser Krieg nicht zu einem atomaren Weltkrieg zugespitzt und das Leid sofort beendet wird, muss umso dringlicher die Spirale der Gewalt aus Abschottung, Abschreckung, Aufrüstung, Provokation und Eskalation durchbrochen werden. Doch die NATO, EU und ihre Mitgliedsregierungen schüren die bisherige Eskalation mit Aufrüstungen, Waffenlieferung, Ausdehnung der Macht- und Einflusssphäre gen Osten brandgefährlich weiter. Brutale Sanktionen treffen die globale Zivilbevölkerung. Kein Menschenleben wird dadurch in der Ukraine gerettet, im Gegenteil wird weiter Öl ins Feuer gegossen.

Dagegen: Wir sind der Überzeugung, dass zivile internationale Kooperation die notwendige und einzige Alternative zum Krieg ist – in Kultur, Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Deswegen streiten wir als dielinke.SDS für internationalen Wissenschaftsaustausch, Völkerverständigung, Abrüstung und menschenwürdige Aufnahme geflüchteter Menschen. Wir sehen uns in der Verantwortung, jetzt erst Recht Orte der internationalen Zusammenarbeit zu schaffen und zu stärken.

Wir rufen die Mitglieder der Hochschulen auf, die internationale wissenschaftliche Kooperation, insbesondere mit Kolleg:innen und Kommiliton:innen aus Russland und der Ukraine, zu suchen und zu intensivieren und so zu einer rationalen Verständigung und friedensstiftenden zivilen Entwicklung beizutragen. Wir fordern außerdem die Wissenschaftsminister:innen, die Bundes- und Landesregierungen, den DAAD, die Hochschulleitungen auf, sofortige Wiederaufnahme der Kooperationsaktivitäten mit russischen Hochschulen und anderen Wissenschaftseinrichtungen zu ermöglichen und aktiv zu befördern. Damit zur Herausbildung gleichberechtigter und verbindlicher kultureller, wirtschaftlicher und politischer Partnerschaften beigetragen wird. Das ermöglicht soziale, demokratische Progression in allen beteiligten Ländern und wirkt friedensbildend.

Wir stellen uns an die Seite der russischen Wissenschaftler:innen für den Frieden:

»Wissenschaftliche Forschung ist ohne eine umfassende Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Ländern nicht denkbar. Die Isolierung Russlands von der Welt bedeutet eine weitere kulturelle und technologische Degradierung unseres Landes, die keine positiven Perspektiven bietet. Ein Krieg mit der Ukraine ist ein Schritt ins Nirgendwo. (…) Wir fordern die sofortige Einstellung aller Militäraktionen gegen die Ukraine. Wir fordern die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität des ukrainischen Staates. Wir fordern Frieden für unsere Länder. Lassen Sie uns Wissenschaft betreiben, nicht Krieg!«

Offener Brief von russischen Wissenschaftlern & Wissenschaftsjournalisten gegen den Krieg mit der Ukraine, 27.02.2022

Wir kämpfen dafür, dass das angekündigte 100 Mrd. Euro Aufrüstungspaket in ein soziales, ziviles Investitionsprogramm umgewidmet wird. Die Hochschulen können, wie alle demokratischen öffentlichen Bereiche, die Mittel zur umfassenden Erfüllung wissenschaftlicher Arbeit und Bildung zum Allgemeinwohl sehr gut gebrauchen.

Wir wirken in den Hochschulen für Solidarität mit ukrainischen und russischen Kommiliton:innen sowie allen internationalen Studierenden. Aufgrund des Krieges fallen aktuell finanzielle Unterstützungen weg. Gerade zum Semesterbeginn setzen wir uns für einen sozialverträglichen Umgang mit der Zahlung von Semesterbeiträgen und Studiengebühren ein, bis zu ihrer Abschaffung. Geflüchtete Menschen, unabhängig ihres Passes, Hautfarbe oder Herkunft, sollen zügig in die Hochschulen und Studium aufgenommen werden.

Wir intensivieren unsere Arbeit für und mit Zivilklauseln für rein zivile Wissenschaft zu Kriegs- und Friedensursachen. Aufklärung und Verständigung ist die Alternative zu Kriegspolitik und -propaganda: Mit Vernunft Frieden schaffen!

28. Februar 2022

Nein zum Krieg um die Ukraine!

Stoppt die Invasion!


Statement des Bundesvorstands von Die Linke.SDS

Mit dem Beginn der Invasion am frühen Donnerstagmorgen hat Russlands Präsident Putin einen Völkerrechtsbruch begangen. Durch diesen Krieg wird das Leben von Tausenden und Millionen von Menschen gefährdet. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die jetzt um ihr Leben fürchten. Jetzt muss alles getan werden, damit die Lage sich wieder beruhigt und so wenig Menschen wie möglich zu Schaden kommen. 

Das russische Regime behauptet, der Vormarsch sei eine „Friedensmission“. Das ist mehr als zynisch. In Wirklichkeit geht es darum, die russische Vorherrschaft über die Ukraine und die Region wiederherzustellen. Der russische Imperialismus steht dem westlichen in keinen Punkten nach: Es geht darum, die eigenen Kapitalinteressen zu sichern und gegen die Interessen des Westens zu erkämpfen. Putin sprach in seiner Kriegserklärung davon, dass die Ukraine schon immer ein Teil Russlands gewesen sei, verkennt damit jedoch das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das nach der Oktoberrevolution verankert wurde. Dieser Krieg und auch die Stimmungsmache gegen eine selbstbestimmte Ukraine hat zwei wesentliche Effekte: 1) die geopolitisch, sowie ressourcenreiche Ukraine in den eigenen Machtkorpus zu integrieren und 2) Stimmen der Opposition auszublenden. Der militärische Angriff seitens russischer Regierung ist ein klarer Ausdruck der Interessen der Herrschenden und ist aufs Schärfste zu verurteilen. Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand und die Rückkehr an den Verhandlungstisch!

Unsere Solidarität gilt der ukrainischen Bevölkerung, sowie den Demonstrant:innen und Kriegsgegner:innen in Russland und Menschen, die aufgrund der aktuellen Geschehnisse aus ihrem Zuhause fliehen müssen. 

Auf die Straße für Frieden und Abrüstung!

In einem gemeinsamen Statement von Jusos und Grüne Jugend mit der Jungen Union und den jungen Liberalen heißt es: „Als junge Generation, die den Kalten Krieg nicht selbst erlebt hat, ist es auch unsere Verantwortung, den Frieden in Europa zu bewahren und Krieg zu verhindern.“ Für uns bedeutet die Verantwortung, den Frieden als „wertvollste(s) Gut“ zu bewahren, allerdings nicht, gemeinsam mit den politischen Kräften der Aufrüstung und Militarisierung für Frieden zu demonstrieren. Es ist höchste Zeit, dass unsere Generation wieder gegen Waffenexporte und für Abrüstung auf die Straße geht, und das nicht nur für den auf europäischem Boden. Wo war der Einsatz gegen den Krieg der Türkei in Syrien und der Bundeswehr in Afghanistan? Unsere Forderung nach Frieden muss sich auch an die NATO richten.  Auch sie besitzt keine weiße Weste, führt Kriege und hat Kriege geführt, auch in Europa. Wenn Olaf Scholz behauptet, es gäbe seit 75 Jahren keinen Krieg mehr in Europa, dann vergisst er unter anderem Jugoslawien – Rot-Grün hat Deutschland in diesen Krieg geführt.

Wir leben in einem imperialistischen System mit zueinander in Konkurrenz stehenden Kapitalinteressen. Diese Interessen werden zur Not durch kriegerische Handlungen der Nationalstaaten oder Militärbündnisse durchgesetzt. Die Konsequenzen beobachten wir durchgehend weltweit.

Die Ukraine wird hier zu einem Spielball imperialistischer Großmächte, sowie es andere Staaten zuvor wurden und immer noch sind. 

Die Leidtragenden des aktuellen kriegerischen Konflikts sind nicht diejenigen, die ihn anzetteln und befeuern, sondern die Menschen in der Ukraine, die um die Zerstörung ihrer Heimat oder gar die Auslöschung ihres Lebens fürchten müssen; diejenigen, die fliehen und alles zurücklassen müssen; die Menschen in Russland, die unter Repressionen und Sanktionen leiden; Menschen die ihr Leben oder ihre Unversehrtheit verlieren und auch all diejenigen, die aufgrund hoher Rüstungsausgaben in ihren Ländern auf grundlegende Sozialleistungen und damit auf ein Leben in Würde verzichten müssen. Und all das, weil einige wenige profitieren. Und diese wenigen riskieren einen Krieg, in dem es um Kapitalinteressen, fossile Brennstoffe und Rüstungsprofite geht!

Russland , und damit ist die politische und ökonomische Elite gemeint, ist in dieser Situation der akute Aggressor. Das ist eindeutig. Eine weitere Deeskalation wird es dennoch nur geben, wenn auch die NATO mit ihrer Politik unter Druck gerät durch eine neue Friedensbewegung voller junger Menschen. Waffen- und Rüstungslieferungen sowie Kriegsvorbereitungen, wie wir sie seit gestern seitens der Bundesregierung beobachten können, führen nicht zur Deeskalation und bringen keinen Frieden, sondern steigern weiter die Kriegsgefahr! Dass die Bundesregierung nun aktiv Waffen liefert, ist unhaltbar, dort Helfen auch keine beschwichtigenden Ausreden seitens der Regierung, dass man von den Verbündeten dazu gedrängt wird. Ebenso soll das Militärbudget erhöht werden, was eine Eskalation noch weiter vorantreibt. Wir müssen uns ganz klar gegen den Militarismus der Regierung stellen. Unsere Antwort kann nur eins sein: antikapitalistisch, antimilitaristisch und friedensbewegt! 

Der politische Druck lässt sich nur gemeinsam von unten aufbauen! Wir rufen alle Menschen dazu auf, sich an den zahlreichen Kundgebungen für den Frieden, einen Waffenstillstand und Abrüstung zu beteiligen! 

Für den Moment sind für uns folgende Forderungen zentral:

  • Sofortiger Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine!
  • Solidarität mit den Ukrainer:innen und den Demonstrant:innen und Kriegsgegner:innen in Russland
  • Keine Eskalation, keine Intervention der NATO!
  • Waffenstillstand und Verhandlungen jetzt!
  • Abrüstung vor allem von Atomwaffen
  • Asyl für desertierende Soldaten
  • Offene Grenzen ohne Selektierung – Aufnahme aller Geflüchteten!
  • ein Zurück zur Rüstungskontrolle und Abrüstungsverhandlungen
  • Kürzung statt Erhöhung des deutschen Rüstungshaushaltes – Investitionen in Bildung und Soziales!
  • keine Osterweiterung der Nato, keine weitere Waffenlieferung in Krisengebiete

20. Oktober 2021

Zwischen Wahlniederlage und Aufbruchstimmung:

Was kann die studentische Linke zu einem Comeback der LINKEN beitragen?


Statement des Bundesvorstands von Die Linke.SDS nach der Bundestagswahl und zum Semesterstart.

Wenige Wochen nach dem enttäuschenden Ergebnis der LINKEN bei der Wahl kehren wir Studierende endlich wieder an den Campus zurück. Was erwartet uns? Vor welchen Herausforderungen stehen wir? Und vor allem: Wie bauen wir die klein und groß geschriebene Linke (wieder) auf? Um diese Fragen zu beantworten, diskutieren wir in diesem Text zunächst den Wahlausgang mit besonderem Blick auf das Abschneiden der LINKEN. Anschließend widmen wir uns der Stärke von FDP und Grünen bei jungen Leuten und bringen diese in Zusammenhang mit der Lage an den Hochschulen. Zum Abschluss machen wir Vorschläge für Handlungsfelder, in denen wir als studentische Linke jetzt Schritte nach vorn machen können.

Merkels Nachfolge und der »progressive Neoliberalismus«

Die Frage »Wer wird Kanzler:in?« dominierte den Wahlkampf. Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz standen sich allerdings zu nahe, als dass es zu einer echten Polarisierung kommen konnte (vgl. Janis Ehling in der LuXemburg). Alle drei kämpften um das politische Zentrum. Im Vordergrund standen »Personalisierung, individuelle Schwächen der Kandidatin und der Kandidaten sowie reale oder vermeintliche Intrigen und Skandale« (Klaus Dörre im Jacobin), nicht die wichtigen Fragen unserer Zeit »Wie lösen wir die Klimakrise?« und »Wer bezahlt die Kosten des notwendigen Wandels und der Corona-Pandemie?«. Gleichwohl bemerkenswert ist die Krise des Konservatismus. Wohin die Neuaufstellung der Union nach ihrem schlechtesten Wahlergebnis führen wird ist zwar noch unklar, eine Öffnung nach rechts, wie sie Vincent Streichhahn in der LuXemburg diskutiert, halten wir jedenfalls ebenso für möglich wie eine Verjüngung und eine Art »modernen« Konservatismus. Ein Zurück zu alten Zeiten, wie Friedrich Merz vorschlägt, »bleibt aus der Perspektive eines ideellen Gesamtkapitalisten weit hinter den Erfordernissen einer tragfähigen Post-Corona-Agenda zurück«, wie Dörre richtigerweise schreibt. »Sie legt die Union auf Positionen fest, die selbst in der Wirtschaft auf Ablehnung stoßen und im imperialen Kräftemessen zwischen China und den USA in die Isolation führen müssen.«

Für uns steht fest, dass auch die Ampel nur das »Wie« des »Weiter So« verhandelt, nicht das »Ob«. Der »neue Aufbruch«, den Christian Lindner ankündigt, das »fortschrittliche Zentrum« und der »Neuanfang«, den sich 51% der Deutschen von einem Ampel-Bündnis erhoffen, wird kaum mehr sein als ein grünes Update des Status Quo. Als »progressiven Neoliberalismus« hat die neue Bundessprecherin der Grünen Jugend Sarah-Lee Heinrich die Ampel in Anlehnung an den Begriff von Nancy Fraser passenderweise bezeichnet – ein im Kern neoliberales Projekt, das sich fortschrittlich gibt, die sozialen Spaltungen aber verschärfen wird, eine Regierung, die bereits als »fortschritlich« gilt, »wenn die Führungsetagen von Unternehmen diverser besetzt werden, die Büros am Abend aber trotzdem migrantische Frauen für beschissene Löhne sauber machen müssen«.

Die kommenden vier Jahre werden von weiteren Klimakatastrophen und Verteilungskämpfen geprägt sein. Die Kosten der Klima- und Coronakrise werden von der kommenden Regierung mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Mehrheit der Bevölkerung abgewälzt werden. Dagegen Protest organisieren kann nur eine starke LINKE, die Menschen für einen sozial-ökologischen Systemwechsel begeistert. Doch davon sind wir aktuell weit entfernt.

Niederlage der LINKEN: Taktische Fehler und große Aufgaben

Wir sind noch wie selbstverständlich mit einer LINKEN im Bundestag politisch aktiv geworden. Dass das aber eben keine Selbstverständlichkeit ist, mussten wir am Wahlsonntag schmerzlich feststellen. Eine sozialistische Partei aufzubauen, die wirklich im Alltag von Millionen verankert ist, ist eine riesengroße Aufgabe. DIE LINKE ist bisher keine Partei in diesem Sinne, sie bietet uns aber die Möglichkeit, eine solche zu schaffen, weil sie Zehntausende links der Sozialdemokratie vereint. Heute steht auch diese Möglichkeit auf dem Spiel und diesen Trend umzudrehen ist die große Aufgabe vor der wir stehen, wenn wir uns als Sozialist:innen verstehen.

Wie konnte es dazu kommen? Warum hat DIE LINKE bei der Wahl überhaupt so viel Zustimmung verloren? Wir sehen mehrere Gründe. Zunächst stimmt es, dass wir in der Zuspitzung auf Scholz gegen Laschet und anfangs auch Baerbock zerrieben worden sind. Wer beerbt Merkel und wird Merkel 2.0? Das war die zentrale Frage. Mit unseren zentralen Botschaften haben wir als LINKE kaum Gehör finden können. Mediale Aufmerksamkeit bekamen wir erst als die Union Angst vor einem »Linksrutsch« schürte.

Zweitens aber reagierte die Parteispitze auf dieses wenig wahrscheinliche Szenario einer R2G-Regierung unter anderem mit dem sogenannten »Sofortprogramm«. Während wir die taktische Idee dahinter – Grüne und SPD herausfordern, zeigen, dass wir LINKE Veränderung wollen – nachvollziehen können, so war die Ausführung in unseren Augen schwach. SPD und Grüne wurden nicht herausgefordert. Vielmehr sah es so aus, als ob DIE LINKE so gerne regieren wollen würde, dass ihr der Inhalt einer Koalition gar nicht mehr so wichtig ist. Rote Haltelinien und positive »Wendepunkte«, wie sie im Programm eigentlich verankert sind, waren nicht klar erkennbar. Bitter ist dieser Eindruck eines »Lagerwahlkampfes«, der durch verschiedene Interviews und »Hintergrundgespräche« etwa von Dietmar Bartsch und Susanne Hennig-Wellsow noch verstärkt wurde, insbesondere deshalb, weil das Sofortprogramm ohne Zustimmung des Parteivorstands vorgestellt wurde. Es war demnach ein taktischer Fehler von wenigen, der hätte verhindert werden können.

Doch nicht nur der viel zu freundliche Umgang mit SPD und Grünen hat geschadet. Als LINKE haben wir drittens in zentralen Fragen unserer Zeit nicht mit einer Stimme gesprochen. Wir hätten die Grünen an ihren großen Aufbruchsversprechungen messen können, hätten uns für Klimaschutz gegen Konzerninteressen, konsequenten Antirassismus und Antifaschismus, die Abschaffung von Frontex und für Frieden stark machen können. Stattdessen haben wir über »Lifestyle-Linke« diskutiert, weil Sahra Wagenknecht überall erzählt hat, dass wir wie die Grünen sind und die »einfachen Leute« verprellen. Es stimmt, dass wir manche Menschen nicht (mehr) erreichen. Es wird aber nicht besser, wenn wir das nicht gemeinsam angehen sondern großen Medienkonzernen immer wieder sagen, wie blöd DIE LINKE eigentlich ist. Egal ob es Hintergrundgespräche mit der FAZ oder Interviews mit der WELT sind – unsere Bewegung wird nicht durch Interviews aufgebaut, nicht über eine Öffentlichkeit, die uns eher feindlich gegenüber steht.

Viertens und entscheidend ist unseres Erachtens aber die weiterhin fehlende Verankerung der LINKEN im Alltag von Millionen. Auch wenn wir zu den scheinbar glorreichen Zeiten der Partei noch in die Schule gegangen sind, haben wir verstanden, dass das gesellschaftliche Lager, dass die LINKE damals wählte, sich verändert hat. Es ist nicht gelungen, die guten Wahlergebnisse auch in Mitgliedschaft und Verankerung zu übersetzen. So entstanden Apparate und Ressourcen, von denen auch wir profitieren, die in der Realität aber auch zum Problem werden können. Sie simulieren Stärke, die wir nicht haben. Das hat die Wahl deutlich gemacht. DIE LINKE macht fast nie den Unterschied. Doch sie müsste es sein, die Kämpfe im Viertel, im Betrieb und auf den Straßen antreibt und zu Erfolgen führt.

Um die Zukunft der LINKEN als sozialistische Mitgliederpartei zu sichern, brauchen wir daher einen Fokus auf wirkliche Verankerung und einen Aufbau der Partei von unten. Dass das nicht leicht wird und ist, wissen wir selber aus unserer Arbeit an den Hochschulen allzu gut. Aber es gibt keine Alternative zu diesem Weg. Die über 200.000 Haustürgespräche waren ein guter erster Schritt. Gleiches gilt für einzelne Organizing-Projekte. Trotzdem arbeitet die Mehrheit der Kreisverbände nachwievor vor allem für den Sitzungssozialismus, führt kaum Gespräche, baut nicht systematisch auf. Das zu ändern hat nun höchste Priorität und die über 2000 Eintritte kurz nach der Wahl deuten das Potential einer Mitgliederpartei an.

FDP und Grüne statt LINKE: Was ist mit unserer Generation los?

Diese neuen Mitglieder sind wie in den letzten Jahren zu mehr als zwei Drittel junge Leute. Bei der Wahl bekamen allerdings Grüne und FDP die meisten Stimmen von Erstwähler:innen. Nur ein kleiner überzeugter Teil der jüngeren Generationen versteht sich als der LINKEN nahe. Daran müssen wir arbeiten.

Erfreulich ist jedoch zunächst die Tatsache, dass auch die AfD im bundesweiten Durchschnitt wenig Zustimmung innerhalb der Jugend bekommt. Auch wenn das in manchen Regionen und Bundesländern wie Sachsen anders aussieht, so zeigt dies doch, dass es der Jungen Alternative und Vorfeldorganisationen wie der Identitären Bewegung nicht gelingt, sich breit zu verankern. Erfreulich ist auch, dass die Erstwähler:innen kein »Weiter so« wollen. Den Regierungsparteien gaben sie nur wenig Stimmen. Doch der Veränderungswille polarisiert sich zwischen FDP und Grünen, die sich laut Instagram nun zwar annähern, häufig aber als scharfe Gegner:innen dargestellt werden. Als LINKE spielen wir mit 8% nur eine Nebenrolle. Wie ist das zu verstehen?

Blicken wir auf die FDP. Sie profitierte sicherlich von ihrer Ablehnung von zahlreichen Corona-Maßnahmen. Viele Schüler:innen und Studierende erlebten den Staat als einen Akteur, der Präsenzlehre und Freizeit verhindert, aber gleichzeitig wenig Alternativen und Perspektiven bietet. Während solidarische Alternativen zur digitalen Lehre bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Prüfungsdrucks fehlten, bot die FDP eine scheinbar attraktive Lösung an: Weniger Einschränkungen, mehr jede:r für sich. Der Krautreporter Bent Freiwald hat junge FDP-Wähler:innen nach ihren Motiven befragt. Die Antworten drücken einen Mischung aus Staatsmisstrauen und dem Versuch einer Abgrenzung zum grün-linken Milieu um Fridays For Future aus. Zu erwähnen ist schließlich auch die Präsenz der FDP in sozialen Medien und eine gewisse Beliebtheit, die sie in YouTube- und Gaming-Kreisen erfährt, wie der Journalist Raphael Knipping berichtet. Man mag das starke Ergebnis der FDP unter den fast 3 Millionen Erstwähler:innen so besser nachvollziehen können. Es ist dennoch Ausdruck einer neoliberalen Ellenbogen-Mentalität, die unseren Vorstellungen einer solidarischen Gesellschaft diametral entgegensteht.

Etwas relevanter für DIE LINKE ist daher der Blick auf junge Grüne-Wähler:innen. Warum so viele junge Menschen, die Veränderung wollen – die »Generation Greta« –, grün statt links wählen, hat der Jugendforscher Max Lill bereits im Mai diesen Jahres in der LuXemburg diskutiert. Er argumentiert, dass die Grünen mit ihrem »pragmatischen Idealismus« auf Zuspruch treffen, weil sie reale Bedürfnisse nach Sicherheit unter Jugendlichen adressieren. Dieses sogenannte »Re-Grounding« sei eine Reaktion auf zunehmende Unsicherheit bezüglich der eigenen Zukunft sowie gestiegenen Leistungsdruck in Schule und Studium. Wie können diese Bedürfnisse von links angesprochen werden? Wie können die hohen Zustimmungswerte zu Umverteilung, Klimaschutz und anderen progressiven Forderungen für einen Aufschwung sozialistischer Ideen und Politik genutzt werden? Diese Fragen müssen uns jetzt noch mehr beschäftigen. Hoffnungsvoll stimmt uns an dieser Stelle die weiterhin große Mobilisierungskraft der Fridays For Future-Demonstrationen kurz vor der Wahl. Mit 620.000 Menschen bundesweit war der Klimastreik deutlich stärker als andere große Mobilisierungen. FFF hat so wohl auch dazu beigetragen, die Grünen in die Regierung zu bringen. Doch die Hoffnung auf gute Klimapolitik wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell verfliegen. Daraus kann Frustration für die vielen jungen Klimaaktivist:innen entstehen, die von links aufgefangen werden muss.

Die Hochschulen öffnen – und jetzt?

In den Haustürgesprächen – einer der wenigen Möglichkeiten, die uns in den vergangenen Monaten zur Verfügung standen, um mit nicht-organisierten Studierenden in Kontakt zu treten –  erzählten viele unserer Kommiliton:innen nicht nur vom Klimawandel und hohen Mieten, sondern häufig auch von ihrer Vereinzelung und Isolation in anderthalb Jahren digitaler Lehre. Die Unzufriedenheit über die mangelnde Berücksichtigung studentischer Interessen formierte sich aber erst im Juli diesen Jahres z.B. unter #UnisAuf in einer Protestbewegung, auch weil von links bis dahin kaum sinnvolle Angebote entwickelt wurden. So waren es nicht-organisierte Erstsemester, die Kundgebungen organisierten und  die politisch eben vor allem an Einem interessiert waren – der Öffnung der Hochschulen. Dabei wurde wenig differenziert, welche Hochschulgruppen sich in die Proteste einbringen – wir waren genauso willkommen wie der Freie Campus, die liberale Hochschulgruppe. Dem anschließenden Versuch, die Proteste nun stärker von links zu prägen, wurde vielerorts mit den Öffnungsankündigungen der Hochschulleitungen schnell der Wind aus den Segeln genommen.

Mit dem Semesterstart und der damit einhergehenden Öffnung der Hochschulen kann jetzt auch die studentische Linke wieder eingreifen.Junge Studierende betreten das erste Mal die Universität, suchen Austausch, Informationen und Anschluss. An dieses Gefühl knüpfen wir und andere Gruppen bundesweit mit Kritischen Einführungs- und Orientierungswochen an. Wir als studentische Linke sind jetzt gefragt unseren Beitrag dazu zu leisten, die gesamtgesellschaftliche Linke und damit auch DIE LINKE wieder zu stärken. Wir sehen drei Felder, in denen wir jetzt erfolgreich sein können:

1) Den Campus als politischen Raum zurückerobern.

Die Hochschulen sind nicht der entscheidende Ort gesellschaftlicher Veränderung. Und doch können von ihnen Impulse über den Campus hinaus ausgehen. Im Wintersemester bedeutet das an den Hochschulen: Viel Raum für Debatte schaffen, Kundgebungen organisieren, zeigen, dass wir uns den Campus als Wirkungsort nicht so schnell nehmen lassen. Die verschiedenen Formen alternativer Einführungswochen können dabei nur der Anfang sein. Je nach Konfliktlage vor Ort können Vollversammlungen, Sit-Ins etc. sinnvoll sein, um den Campus wieder mit Politik zu füllen und vereinzelte kritische Studierende gegen das Zentrum zu sammeln. Auch grundsätzliche politische Bildungsangebote gilt es auf die Beine zu stellen. Wir werden mit unseren »marxistischen Montagen« zeitnah ein erstes Format auf den Weg bringen. Verstärken wollen wir auch den systematischen Aufbau an Fachhochschulen, an denen politisches Engagement häufig noch verhindert wird. Zuletzt bundesweite Proteste sollten verstärkt mobilisiert werden. Bereits am 22. Oktober findet der Zentralstreik von FFF in Berlin statt. Im Dezember lädt die AfD zum Bundesparteitag nach WIesbaden – eine Möglichkeit, die schwelenden Konflikte durch politischen Druck von außen zu verstärken und die Partei weiter zu schwächen.

2) Gewerkschaftlichen Aufbruch in Studium & Forschung unterstützen.

Die Kolleg:innen von TV Stud Hamburg haben indes schon damit begonnen den Campus zurück zu erobern und gleich zu Beginn des Semesters einen Hörsaal besetzt. Sie starten damit in die Tarifrunde der Länder, in der die Hochschulen zu den größten Betrieben gehören und in welcher nun auch der Tarifvertrag für studentische Beschäftigte verhandelt wird. Gemeinsam mit der Aufmerksamkeit rund um #ichbinhanna erneuern die TV Stud Initiativen die Hochschulpolitik in Deutschland, bringen Studierende und Beschäftigte zusammen, setzten auf systematischen Machtaufbau und Streiks. In der Kombination aus Streiks an den Hochschulen und Solidaritätsaktionen mit Auseinandersetzungen in den Universitätskliniken, die ebenfalls Teil dieser Tarifrunde sind, liegt das Potential, die soziale Frage und gewerkschaftliche Organisierung an den Hochschulen populärer zu machen. Das sollte unser Ziel sein.

3) Ökosozialistische Vision bekannt machen.

Entscheidend wird sein, wie es uns als studentischer Linken und Die Linke.SDS gelingen wird, Anziehungspunkt für die vielen jungen Leute zu werden, die das Voranschreiten der Klimakrise nicht weiter akzeptieren wollen. Dem Vertrauen auf Mechanismen des Marktes, Innovationen in der Technik und allen anderen Formen von systemimmanenten Strategien für den ökologischen Umbau müssen wir eine ökosozialistische Vision entgegenstellen, die sowohl durch etwas Utopisches als auch durch konkret durchsetzbare Projekte überzeugt. Den Anfang haben wir vergangenes Jahr in der Zusammenarbeit von Fridays For Future und ver.di gemacht. Im kommenden Jahr laden wir als Die Linke.SDS zu einer großen Organizing-Akademie ein, auf der wir weitere Projekte verabreden und eine Kultur der organisierenden Politik verallgemeinern wollen. Die studentische Linke, davon sind wir überzeugt, muss weiterhin aktiv das Bündnis mit Beschäftigten suchen und auf gesellschaftliche Mehrheiten für einen sozial-ökologischen Systemwechsel orientieren.

Du willst mitdiskutieren? Werde jetzt Mitglied und komm zum Bundeskongress am 18. und 19. Dezember in Berlin.

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4. Bundeskongress (Mai 2009)

Rettungspaket für Studierende

EinreicherInnen: Jonas Rest, Ben Stotz, Till Petersen

Resolution von Die Linke.SDS zur Krise an den Hochschulen

Die tiefste Krise des Kapitalismus seit 1929 wird auch die Studierenden unmittelbar treffen. Selbst die Bundesregierung rechnet damit, dass bis Ende 2010 4,6 Millionen Menschen arbeitslos sind. Damit stehen ganze Jahrgänge von Studierenden vor der Gefahr, in der Arbeitslosigkeit zu landen.

Gleichzeitig drohen unter den Bedingungen der Krise weitere Verschlechterungen der ohnehin unzumutbaren Studienbedingungen (überfüllte Veranstaltungen, Workload, etc.), neue Kürzungen im Bildungsbereich, wegbrechende Unterstützung von Eltern und Streichung von Studierendenjobs. Soziale Selektion und die Zahl der Studienabbrecher werden unter diesen Bedingungen gesteigert.

Als Teil der neoliberalen Politik sind Bildung und Wissenschaft mit Studiengebühren, Bachelor-/Master-System und Managementstrukturen massiv ökonomisiert und dem Verwertungsprinzip unterworfen worden. Dieses Prinzip ist nun global in der Krise und damit auch die Hochschulen. Es bedarf daher auch in Lehre, Forschung und Studium einer Neuorientierung an den sozialen und kulturellen Interessen der großen Mehrheit der Menschen und damit eines Kurswechsels hin zu Entwicklungsmöglichkeiten für alle.

Als soziale Sofortmaßnahmen für die Studierenden und für einen politischen Richtungswechsel fordert Die Linke.SDS daher:

1. Studiengebühren jeglicher Art abschaffen / Studienhonorar einführen

Spätestens mit den Milliardenpaketen an Banken und Konzerne hat die herrschende Politik die Mär von den natürlich leeren Staatskassen selbst Lügen gestraft. Die sozialen Belastung und Disziplinierung der Studierenden durch Studiengebühren ist sofort zu beenden. Ein Studienhonorar befreit von ökonomischen Zwängen und schafft Muße für ein gesellschaftlich verantwortungsvolles und an den eigenen Interessen gestaltetes Studium.

2. Soziale Selektion bekämpfen und Gleichstellung fördern –
Ausfinanzierung der bestehenden und Schaffung von 500.000 neuen Studienplätzen

Bereits jetzt ist der Zugang zur Hochschulbildung in höchstem Maße sozial selektiv und diejenigen, die einen Studienplatz ergattern, erleben unzumutbare Studienbedingungen. Wie auch bei den Studiengebühren und dem Bachelor/Master-System trifft die soziale Selektion zugespitzt Frauen. Um der sozialen Selektion entgegen zu wirken und die Gleichstellung zu fördern, müssen in erheblichem Umfang mehr Studienmöglichkeiten geschaffen werden.

3. Master für alle als erster Schritt zur Überwindung des Ba-/Ma-Systems

Modularisierung, Dauerprüfungen, strenge Fristen und normierte Studiengestaltung nach Workloads sind pure Zumutung für Studierende und eine enorme Verflachung der Hochschulbildung. Bachelor-AbsolventInnen, die keinen Masterplatz, erhalten landen im Niedriglohnsektor und in der Krise in massenhafter Erwerbslosigkeit, d.h. Hartz IV. Der Master als Regelabschluss durch Aufhebung der Übergangsquoten wirkt der sozialen Selektion des Systems entgegen und ist ein erster notwendiger Schritt, um die Restriktionen aufzubrechen und eine radikale demokratische Hochschulreform einzuleiten.

4. Ausbau kritischer Forschung und Lehre

Die Krise zeigt in aller Deutlichkeit, dass die in den Wissenschaften in den vergangenen Jahren etablierten Menschenbilder, Gesellschaftsvorstellungen und Erklärungsmodelle vollkommen ungeeignet sind, die aktuelle Krise zu verstehen, geschweige denn, einen Beitrag zu ihrer Überwindung zu leisten. Kritische Wissenschaft muss wieder in die Forschung und die Lehrpläne, Systemalternativen zu Kapitalismus müssen wieder gedacht werden. Allen Studierenden muss ermöglicht werden, nach ihrem Abschluss an den Hochschulen zu forschen und ihre Qualifikation für den großen Bedarf an kritischer Forschung für soziale Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit zur Geltung zu bringen. Dies schafft zugleich Beschäftigung und wirkt gegen Arbeitslosigkeit.

5. Demokratisierung der Hochschulen

Hochschulräte, Hierarchisierung und betriebswirtschaftliches Denken in hochschulischen Leitungsfunktionen haben erheblich zur Unterwerfung der Wissenschaften unter unmittelbare Marktanforderungen und damit zur aktuellen Krise beigetragen. Für einen Richtungswechsel müssen die Hochschulen wieder umfassend demokratisiert werden. Paritätisch besetzte Selbstverwaltungsgremien mit umfassender Entscheidungskompetenz, demokratisch gewählte Leitungsfunktionen, Mitbestimmung auf allen Eben sind Eckpunkte dafür, dass die Mitglieder der Hochschule selbst über die Entwicklung der Wissenschaftseinrichtungen entscheiden können.

Unsere Forderungen sind finanzierbar.

Schon ein Achtel alleine der 87-Milliarden-Euro-Spritze für die Hypo Real Estate entspricht der gesamten Finanzierung des Bildungssystems. Mit Millionärssteuer, Vermögenssteuer und anderen Instrumenten einer sozialen Umverteilung von oben nach unten sind nicht nur die ausgeführten Sofortmaßnahmen, sondern ist insgesamt ein Ausbau der Sozialsysteme möglich. Wir suchen das Bündnis mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, um unsere gemeinsamen Interessen durchzusetzen: An den Hochschulen, in den Schulen und in den Betrieben.

Es ist Zeit, dass die Verursacher und Profiteure der Krise zahlen.

 

 

Intervention ins Superwahljahr

EinreicherInnen: Ernesto Klengel (HU Berlin), Ben Stotz (FU Berlin)

Der Bundeskongress möge beschließen:

  1. Die Linke.SDS macht keinen eigenständigen Wahlkampf zur Bundestagswahl und konzentriert sich als zentrale Kampagne nach dem Bildungsstreik auf den MCH-Kon­gress.
  2. Die Linke.SDS empfiehlt interessierten Einzelmitgliedern und SympathisantInnen, sich im Rahmen von LINKSAKTIV in den Wahlkampf einzubringen. Außerdem lädt die Linke.SDS interessierte Mitglieder ein, sich inhaltlich an derJugendwahlkampagne der Linksjugend [’solid] zu beteiligen und die entsprechenden Materialien zu nutzen. [Änderung der AntragstellerInnen]
  3. Die Linke.SDS verabschiedet folgenden Aufruf zur Wahl der Par­tei DIE LINKE:

Protest ins Parlament!

Am 27. September DIE LINKE wäh­len!

Die Wirtschaft befindet sich in der schwersten Krise seit 80 Jahren. Die Regierungen stecken Billionen Euro, Dollar, Yen und Pfund in Ban­ken und Investitionsprogramme, um das Wirtschaftssystem am Lau­fen zu erhalten. Während angeb­lich leere Kassen als Begründung für Hartz IV, Rentenkürzungen und für den Abbau von Studienplätzen und Studiengebühren herhalten mussten, sind zur Bankenrettung in kürzester Zeit 487 Milliarden Euro mobilisierbar. Das Ergebnis: „Damit werden der immense Bildungsnotstand und eine klaffende Schere zwischen Arm und Reich weiter verschärft“ – innerhalb Deutschlands, in Europa und welt­weit.

Die Wirtschaftskrise wird die Bun­destagswahl überdauern. Bereits jetzt wurden alle beschlossenen Bildungsinvestitionen unter „Haus­haltsvorbehalt“ gestellt. Damit wird immer klarer, wohin nach dem Wil­len der Regierung nach der Wahl die Reise gehen soll: Die Milliar­denhilfen sollen mit Kürzungen bei Bildung und Sozialem kompensiert werden.

Wir sind jedoch nicht bereit, für die Folgen der Krise zu zahlen. Wir müssen die Menschen davon überzeugen, den krisenursächlichen Kapitalismus selber in Frage zu stellen. Zunächst müssen diejenigen zur Kasse gebeten werden, die am meisten von Sozialabbau und

Wettbewerbspolitik profitiert haben. Wir fordern Investitionen in soziale Sicherungssysteme und in freie Bildung, statt milliarden­schwere Subventionen für Banken und Konzerne.

Wir stellen uns dagegen, dass Re­kordgewinne weiter privatisiert und Verluste sozialisiert werden sollen, wie es die Regierungen der letzten Jahre zu verantworten haben. Rot-Grün hat den größten Sozialabbau in der Geschichte der Bundesrepu­blik durchgesetzt. Die SPD führte diese Politik in der Großen Koaliti­on fort und zieht heute eine positi­ve Bilanz ihrer Arbeit – trotz Agen­da 2010, trotz Deregulierung und Insolvenzen, Massenentlassungen und Kurzarbeit, Bildungskürzungen und Eliteuniversitäten, trotz Pri­vatisierung und Krieg. Auch

die Grünen stehen noch immer hinter Hartz IV und dem Bundeswehrein­satz in Afghanistan und koalieren inzwischen in Hamburg mit der CDU – dafür waren sie sogar bereit, die Forderung nach Abschaffung der Studiengebühren aufzugeben.

DIE LINKE steht seit ihrer Grün­dung als einzige Partei gegen diese Politik der Umverteilung von unten nach oben, gegen Bildungs- und Sozialabbau [Ä 9.1.4.6]. Sie wirkt schon heu­te,

auch als außerparlamentarische Kraft: Ob gegen die NATO-Konfe­renz, gegen den G8-Gipfel, in den Betrieben oder im Bildungsstreik – DIE LINKE kämpft zusammen mit anderen Betroffenen und ist ein wich­tiger Teil der außerparlamentari­schen Opposition geworden.

Gerade in Zeiten der Krise ist dies notwendiger denn je. Dennoch set­zen Teile der LINKEN noch zu sehr auf rein parlamentarische Erfolge [Ä 9.1.4.8]. Die Linkspartei hat heute die

his­torische Chance, soziale Bewe­gungen und Gewerkschaften beim Kampf für die Überwindung der Krise zu unterstützen. Parlamentarische Arbeit kann diesen Kampf nicht ersetzen – er muss von den Men­schen selbst geführt werden. DIE LINKE kann dazu beitragen, dass soziale Unruhen und politischer Streik auch in Deutschland wieder auf der Tagesordnung stehen.

In Zeiten der tiefsten Krise des Ka­pitalismus seit 1929 muss auch die hochschulpolitische Linke Par­tei ergreifen. Um den Kampf gegen Studiengebühren und für eine radikale demokratische Hochschul- und Studienreform über den Bildungsstreik hinaus fortzuführen, um gesellschaftliche Kräfteverhältnisse zu verschieben, brauchen wir eine starke Vertre­tung der außerparlamentarische Opposition im Parlament. Die Lin­ke.SDS ruft daher dazu auf, am 27. September DIE LINKE zu wählen, damit die dringend notwendige Kri­tik am Kapitalismus auch im Bun­destag gehört wird.

3. Bundeskongress (Dez 2008)

Überlegungen zur hochschulpolitischen Strategie von DIE LINKE.SDS

Antragssteller: Bundesvorstand

Trotz der Verabschiedung erster Beschlüsse zu Hochschulpolitik – etwa der Beschluss zum Studienhonorar oder Beschluss der hochschulpolitischen Forderungen – fehlt es in DIE LINKE.SDS bisher an einer gemeinsamen hochschulpolitischen Strategie. Insbesondere wurde bisher nicht der Versuch unternommen, gemeinsame inhaltliche Schwerpunkte festzulegen, die auf allen Ebenen verfolgt werden. Angefangen von der Arbeit der Gruppen an den Hochschulen bis hin zur Bundesebene wäre DIE LINKE.SDS dann deutlich durchsetzungsfähiger als heute. Auch ist DIE LINKE.SDS zwar in mehren Bündnissen Mitglied bzw. arbeitet mit, allerdinags agiert der Verband bisher weitgehend ohne klare Strategie. In der verbandsinternen Debatte werden zudem immer wieder vermeintliche Widersprüche zwischen dem Bestreben einer eher allgemeinpolitischen Orientierung im Verband und einer Beschränkung auf den direkten Bereich der Hochschule geltend gemacht. Die Bedeutung, die der Gremientätigkeit zugemessen werden soll, ist ebenfalls umstritten.

Im Folgenden skizzieren wir einen Vorschlag für die hochschulpolitische Strategie von DIE LINKE.SDS für die nächsten Monate. Dieses Vorhaben ist umso bedeutender, da in diesem Zeitraum mit den Wahlen zum Europaparlament, zum Bundestag sowie zu mehreren Landtagen tendenziell mehr Möglichkeiten zu politischer Intervention bestehen, die genutzt werden sollten.

Vor diesem Hintergrund geht es uns bei der Skizze vor allem darum, anstelle eines bunten Sammelsuriums von Forderungen drei Schwerpunkte für politische Aktivitäten zu definieren, die sich auf allen Ebenen thematisieren lassen. Daneben wollen wir aufzeigen, auf welche Art und Weise DIE LINKE.SDS diese Monate nutzen kann, um hochschulpolitische Forderungen weiter zu entwickeln und im Verband weiter zu verankern.

1. Politische Schwerpunkte 2009

Wir haben die folgenden politischen Schwerpunkte nach mehreren Kriterien ausgewählt: Erstens ging es um die Frage, was derzeit an den Hochschulen besondere Relevanz hat. Zweitens wollten wir sicherstellen, dass sowohl ein direkter Hochschulbezug als auch ein weiter hochschulpolitischer Ansatz, der die Verbindung in die Allgemeinpolitik sehr offensichtlich verdeutlicht, berücksichtigt wird, um alle Interessengebiete und Aktivitätsfelder der Gruppen zu verdeutlichen. Schließlich ging es uns darum, mit diesen politischen Schwerpunkten vor allem die Alleinstellungsmerkmale aufzuführen, über die DIE LINKE.SDS gegenüber anderen Gruppen und Organisationen verfügt.

1.1 Erläuterung der Schwerpunkte für die Aktivitäten der Hochschulgruppen

1.1.1 Schöner studieren…

… ohne Gebühren … ohne Anwesenheitspflicht … ohne Workload und Prüfungsdruck … selbstbestimmt … ohne überfüllte Hörsäle

Mit dem Schwerpunkt „Schöner studieren …“ lässt sich bundesweit für alle Gruppen ein Slogan setzen, der auch in den folgenden Jahren mit unterschiedlichsten Themen weiter genutzt werden kann (z.B. „Schöner studieren … mit mehr Demokratie“, „Schöner studieren … mit besseren Wohnheimplätzen“ etc.). Wir haben uns für 2009 dazu entschieden mit den drei Forderungen “ohne Anwesenheitspflicht, ohne Prüfungsdruck, ohne überfüllte Hörsäle” zu starten, um damit das Problem des zunehmenden Studienstresses und der Unsicherheit durch sehr strikte und verschulte Studienordnungen aufzugreifen. Mit dieser Auswahl kann zugleich eine Verbindung zu dem 10jährigen Jubiläum des Bologna-Prozesses hergestellt werden.

Mit der Forderung nach der Abschaffung der Anwesenheitspflicht lässt sich hierbei argumentativ gegen die Überfüllung der Lehrpläne, überhöhte Präsenzpflicht und fehlende Freiräume zum selbstständigen, kritischen Denken und Lernen, Arbeiten und zur Persönlichkeitsentwicklung argumentieren. Mit der Forderung nach der Abschaffung von Prüfungsdruck sollte auch die Art und Weise des Abfragens und der Prüfungen thematisiert werden. Und im Zusammenhang mit den überfüllten Hörsälen steht die schlechte Ausstattung der Hochschulen, die vielfach zu Unstudierbarkeit der Studiengänge führt, sowie die Forderung nach mehr Geld für die Hochschulen auch zu einer besseren Gestaltung der Lehrangebote (unter anderem mehr Seminare, die durch Lehrende im Idealfall mit Prüfungsberechtigung in dauerhafter Beschäftigung besetzt werden und Praxisangebote sowie Tutorien, anstelle von Massenveranstaltungen). An der Hochschule gibt es zahlreiche Möglichkeiten für diese Forderungen einzutreten. Am besten natürlich in den Gremien der akademischen Selbstverwaltungen (Fachbereichsrat, Senat etc.), wo über Studien- und Prüfungsordnungen diskutiert und entschieden wird. Bei Themen wie dem Problem, dass vormals bezahlte Tutorien durch unbezahlte Masterstudierende geleistet werden sollen, eignen sich die Gewerkschaften als verlässliche Bündnispartner.

DIE LINKE.SDS Gruppen sollten die Themen bei StuPa-StuRa-Wahlkämpfen thematisieren (in der Regel werden parallel auch die studentischen VertreterInnen in die akademische Selbstverwaltung gewählt und diese in ihre lokalen Zusammenhänge der studentischen Selbstverwaltung (StuPa, StuRa, Fachschaften, etc.) einbringen. Neben Gremienarbeit lassen sich allerdings auch weitere Aktivitäten organisieren, um Druck gegen schlechte Studienbedingungen aufzubauen. Beispiele hierfür sind das gezielte Verschwindenlassen von Anwesenheitslisten, die Unterstützung von Initiativen wie seminarrauswurf.de oder das Organisieren von eigenen Initiativen wie beispielsweise Veranstaltungen, Flugblätter und Protestaktionen, um auf die Situation an den Hochschulen öffentlich aufmerksam machen etc. Das Forum HoPo erarbeitet bei den Schwerpunkten „Schöner Studieren“ neben seinen konkreten kurzfristigen Forderungen eine Perspektive sozialistischer Bildungsaneignung, die in die Programmatik mit eingearbeitet wird.

1.1.2 Stell Dir vor es ist Krieg – und Deine Hochschule macht mit!

Mit mehreren Anfragen der LINKEN im Bundestag wurde bereits angefangen, über die Verbindung von Bundeswehr, Militär und Hochschulen zu recherchieren. Deutlich wurde dabei, dass die Hochschulen in vielfältiger Weise in die Militarisierungspolitik der NATO und der Bundesregierung eingebunden sind und somit Auslandseinsätze der Bundeswehr und Kriege direkt oder indirekt unterstützen. Hier gilt es Widerstand entgegen zu setzen, der im Wahljahr 2009 zusammengefasst und gebündelt werden muss, um konkrete Schritte hin zu Hochschulen und Wissenschaft, die in Verantwortung für den Frieden handeln, zu gehen. Wie beim Bundeskongress beschlossen, geht es dabei vor allem um die Fragen in welcher Art und Weise Rüstungsforschung betrieben wird, wie und was in den einzelnen Studienfächern zum Thema Krieg und Frieden gelehrt wird, welche Sponsoring-Aktivitäten der Rüstungslobby existieren und in welcher Form Repräsentantinnen und Repräsentanten der Hochschule aus der Rüstungsindustrie kommen bzw. enge Verbindung dahin haben. Zudem sollte sich DIE LINKE.SDS für den Ausbau kritischer Friedensforschung an den Hochschulen einsetzen. Schon an der Hochschule bzw. an einzelnen Fachbereichen kann zu diesem Thema gearbeitet werden. In einem ersten Schritt geht es dabei um die Recherche, welche Verstrickungen zu Militär an der eigenen Hochschule überhaupt bestehen, wobei unter anderem auf die Anfrage der LINKEN im Bundestag zurückgegriffen werden kann. Daneben müssen allerdings unbedingt auch eigene Recherchen durchgeführt werden, da in dieser Anfrage, über die Inhalte bestimmter Studienfächer zu Militär bzw. über die Zusammenarbeit einzelner Lehrbeauftragter mit der Rüstungsindustrie natürlich keine Aussagen getroffen werden. Nach dieser Recherche sollte an der Hochschule durch Artikel in der Hochschulzeitung, Beiträge im Hochschulradio, Veranstaltungen, eigene Materialien etc. über die Situation aufgeklärt und gezielte Forderungen für eine friedliche Hochschule entwickelt werden. Hier kann man sowohl grundsätzlich herangehen (das macht auch Sinn, wenn an der eigenen Hochschule bisher noch gar keine Rüstungsforschung o.ä. stattfindet) und öffentlichkeitswirksam fordern, in der Hochschulsatzung eine „Friedensklausel“ aufzunehmen, die das Einwerben und Annehmen von Drittmitteln aus dem Militärbereich verbietet und die Wissenschaft dieser Hochschule zu Frieden verpflichtet. Daneben können gezielt gegen bestimmte bestehende Kooperationen Aktionen organisiert werden und darüber hinaus auch Positivforderungen aufgestellt werden wie etwa die Einrichtung bestimmter friedenspolitischer Lehrstühle bzw. Einladung bestimmter GastdozentInnen, die Durchsetzung bestimmter friedenspolitischer Lehrinhalte und Studienangebote im eigenen Fachbereich etc. Zugleich können an den zahlreichen Hochschulen, wo Rüstungsforschung betrieben wird, öffentlichkeitswirksame Aktionen dagegen organisiert werden, z.B. Umbennungsaktionen “naturwissenschaftliche Fakultät für Krieg und Völkermord”, Die-, Sit- und Teach ins. Das Thema Rüstungsforschung lässt sich sowohl mit den hochschulpolitischen Forderungen von “Schöner studieren” verbinden (z.B. “Der Hörsaal zerfällt, aber für die Forschung an Raketenantrieben ist Geld da…”) und kann auch als hochschulpolitische Brücke für die Nato-und Afghanistankampagne dienen. Denn die in der Hochschule erforschten Technologien, finden direkt im Krieg ihre Anwendung. Seminare zu Sichheits- und Verteidigungspolitik (oft direkt von der Bundeswehr gefördert) legitimieren den Krieg ideologisch und Interventionsforschung bereitet durch die Forschung an den Voraussetzungen und Möglichkeiten politisch-militärischer Eingriffe künftige Kriege mit vor.

1.1.3 Alle wollen Gebühren von Dir – streiten wir gemeinsam für ein Studienhonorar!

„Die Forderung nach einem Studienhonorar besteht vor dem Hintergrund der Forderung nach einer breiten sozialen Absicherung für alle Gesellschaftsschichten. Dies bedeutet unter anderem auch eine gerechte Umverteilung der finanziellen Mittel von oben nach unten. Mit dem Beschluss „Studienhonorar statt BaföG-Nullrunden und Gebühren“ hat sich DIE LINKE.SDS für das ursprünglich in der Denkschrift des historischen SDS skizzierten Modells des Studienhonorars ausgesprochen. Bisher ist das Studium vor allem vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Das BAföG wird immer weiter ausgehöhlt.

Das Studienhonorar macht Schluss mit der Auffassung, dass die Studienfinanzierung eine Sozialleistung für Bedürftige sei. Stattdessen soll das Studium als gesellschaftlich relevante Arbeit anerkannt und deshalb auch aus öffentlichen Mitteln entsprechend finanziert werden. Alle Studierenden erhalten nach diesem Konzept einen bestimmten Betrag als Lohn für ihr Studium. Mit diesem Betrag können sie ihr Studium und ihren Lebensunterhalt umfassend finanzieren. Das Studienhonorar wird elternunabhängig und ohne Darlehensanteil ausgezahlt. Zugleich wurde in dem Beschluss festgelegt, dass es in ersten Schritten auch zukünftig um den Kampf gegen Gebühren in jeder Form sowie um eine Verbesserung und Ausweitung des BAföG gehen soll. Es ist zu erwarten, dass das Thema Studienfinanzierung eines der zentralen hochschulpolitischen Themen des Wahlkampfes 2009 wird. Mit der Forderung nach einem Studienhonorar bei gleichzeitiger Mitarbeit in Bündnissen gegen Gebühren sowie dem Einsatz für die Ausweitung des BAföG kann DIE LINKE.SDS viel erreichen, um Schritte hin zu einer sozialeren Studienfinanzierung zu gehen.

Ein erster Einstieg in ein umfassendes Studienhonorar wäre das „Zwei-Körbe-Modell“ mit einem elternunabhängigen Sockelbetrag (Bündelung der bisherigen Eltern- und Familienleistungen) und einem bedarfsorientierten elternabhängigen Aufstockungsbetrag zu fordern. Hierzu sollte eine Abstimmung mit der GEW vorgenommen werden, die in eine ähnliche Richtung orientiert.

Direkte Beschlüsse zur Studienfinanzierung sind an der eigenen Hochschule kaum möglich, es sei denn die Kompetenz über die Erhebung von Studiengebühren ist auf die Hochschulen verlagert. In diesem Fall geht es natürlich darum, sich entsprechenden Protestbündnissen anzuschließen. Daneben können gegen Studiengebühren an der Hochschule Boykottaktionen angestoßen werden. Speziell zum Studienhonorar können Veranstaltungen angeboten werden, die sich auch gut mit allgemeinen Veranstaltungen zur Denkschrift (siehe unten) koppeln lassen.

1.2 Schlussfolgerungen für den Bundesvorstand

DIE LINKE.SDS im Bund sollte die Gruppen in ihren Aktivitäten zu diesen drei genannten Schwerpunkten unterstützen. Insbesondere durch die Bereitstellung von Materialien (Plakaten, Flyern, Aufklebern etc., aber auch Argumentationsmaterial) kann darauf hingewirkt werden, dass der Verband bundesweit mit diesen Themen in Erscheinung tritt und präsent wird. Bei digitalen Materialien wie Dokumentvorlagen achtet der Bundesvorstand darauf, keine Formate zu verwenden, deren Verwendbarkeit auf spezielle, unfreie Software beschränkt ist.

Zudem können ReferentInnenpools angeboten werden. Mit den Einstiegsseminaren kann gezielte Schulung vorgenommen werden, damit sich die Gruppen vor Ort entsprechend einmischen können. Auch sollten diese Themen einen Schwerpunkt bei der Öffentlichkeitsarbeit bilden.

Für die einzelnen Schwerpunkte bedeutet das konkret:

1.2.1 Schöner studieren…

Die Herausforderung des Bundesvorstandes besteht hier darin, dass der Slogan „Schöner studieren …“ mitsamt der entsprechenden Forderungen bundesweit mit DIE LINKE.SDS verbunden wird. Vom Forum Hopo werden dafür zu den ersten drei Themen erläuternde Texte geliefert. Wir schlagen vor darauf aufbauend eine Postkartenserie (mit einheitlicher Vorderseite und erläuterndem Text auf der Rückseite) sowie Aufkleber zu produzieren. Reserviert ist zudem die Seite „www.schoenerstudieren.de“, die als Unterseite der DIE LINKE.SDS Homepage gestaltet werden könnte und auf die Infos für die Gruppen sowie das Material heruntergeladen werden kann. Außerdem soll auf der Homepage ein Pool eingerichtet werden, in dem die Gruppen ihr Material mit den Slogans präsentieren und austauschen können. Darüber hinaus hat DIE LINKE.SDS über solch eine Seite auch die Möglichkeit von Studierenden, die bisher noch keiner Gruppe zugehörig sind, wahrgenommen zu werden, was gegebenenfalls zu einer Stärkung der jeweiligen Gruppe vor Ort führen kann. Das Material sowie die Homepage sollten ab Anfang 2009 zur Verfügung stehen.

1.2.2 Stell Dir vor es ist Krieg – und Deine Hochschule macht mit!

DIE LINKE.SDS wird in den nächsten Monaten die Proteste gegen Rüstungsforschung und gegen Kriegswissenschaft verstärken. Dazu werden die folgenden Schritte vereinbart:

Alle Hochschulgruppen werden aufgerufen, ihre Recherchen über die militärischen Verstrickungen ihrer eigenen Hochschule fortzuführen und das Thema unter anderem in Selbstdarstellungen, Wahlprogrammen etc. zu berücksichtigen. Eine Arbeitsgruppe „Gegen Kriegswissenschaft“ unterstützt dabei mit einer Zusammenstellung über bestehende Projekte.

Das Thema wird mit in die Vorbereitung und die Mobilisierung zu den NATO-Protesten eingebracht. Hierzu erstellt der Bundesvorstand zeitnah mit Unterstützung des Forum Hopo einen Flyer, der die zentralen Kritikpunkte und die Forderung von DIE LINKE.SDS nach Aufnahme einer Friedensklausel in die Hochschulsatzungen benennt. Dieser Flyer wird mit den übrigen Mobilisierungsmaterialien verschickt. Darüber hinaus werden für die geplante Mobilisierungstour zu den NATO-Protesten auch ReferentInnen benannt, die die Rolle der Hochschulen im Militarisierungskurs der NATO schildern können.

Bis zum Sommersemester wird das Forum Hopo beauftragt, eine Publikation mit Beispielen für Rüstungsforschung und Kriegswissenschaft aus den Hochschulen zu gestalten. Hierzu sind alle Hochschulgruppen zur Beteiligung aufgerufen. Die Publikation soll die unterschiedlichen Facetten von Militarisierung an den Hochschulen anhand von konkreten Beispielen aufzeigen.

Die Hochschulgruppen sind dazu aufgerufen, im Sommersemester im Rahmen eines bundesweit koordinierten dezentralen Aktionstages (mit Umbenennungsaktionen, Die In’s etc.) den Antrag auf Aufnahme der folgenden „Friedensklausel“ an ihre Hochschule zu richten: „Unsere Hochschule verpflichtet sich auf Lehre, Wissenschaft und Forschung in Verantwortung für den Frieden. Sie erteilt Rüstungs- und Kriegsforschung eine Absage und übernimmt deshalb auch keine Aufträge und führt keine Untersuchungen durch, die militärischen Zwecken dienen und bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie für militärische Zwecke genutzt werden. Sie lehnt die Zusammenarbeit mit Personen, Firmen und Institutionen aus dem militärischen Bereich und der Rüstungsindustrie ab und untersagt ihnen Präsenz auf dem Gelände der Hochschule. Alle neuen Mitglieder werden auf diesen Beschluss hingewiesen und verpflichtet.“ Der Bundesvorstand wird beauftragt, hierzu Artikel hierzu in den bundesweiten Medien zu lancieren.

1.2.3 Alle wollen Gebühren von Dir – streiten wir gemeinsam für ein Studienhonorar!

Die Herausforderung für den Bundesvorstand besteht vor allem in der Konkretisierung der Forderung. Wir schlagen vor, mit unserer Forderung nach einem Studienhonorar die Forderung nach dem Einstieg in ein „Zwei-Säulen-Modell“ zu verbinden, bei dem die erste Säule als Sockelbetrag alle bisher an die Eltern gezahlten Leistungen zusammenfasst und der allen Studierenden zusteht; die zweite Säule als bedarfsorientierte elternabhängige Säule. Um die Position im Verband zu klären, sollte ein Antrag an den Bundeskongress im April vorbereitet werden. Der Bundesvorstand sollte das Gespräch mit der GEW suchen, um sich über das weitere Vorgehen abzustimmen. Anfang 2009 sollte ein Flyer mit näherer Erläuterung publiziert werden.

1.3 Schlussfolgerungen für die Bündnisarbeit des Verbandes

Die Festlegung dieser Schwerpunkte hat natürlich auch Konsequenzen für die Bündnisarbeit des Verbandes. In dem Bündnis „Bessere Bildung“, im ABS, im Bündnis zur Studienfinanzierung und selbstverständlich auch in der Partei sollte versucht werden, die Forderungen zu verankern (im Fall des Studienhonorars zumindest die Ausweitung des BAföG und die klare Ablehnung von Studiengebühren sowie den Einstieg in das Zwei-Säulen- Modell). Das Thema Rüstungsforschung kann in den Aktivitäten der Friedensbewegungen eingebracht werden und diese entsprechend bereichern.

Der Bildungsstreik 2009 bietet sich insbesondere für die Kampagne „Schöner Studieren!“ als Fokus für unsere Forderungen an. Grundsätzlich sollte die Bündnispolitik von DIE LINKE.SDS in den nächsten Monaten darauf orientieren, dass im Vorfeld der Bundestagswahlen eine möglichst breit getragene bildungspolitische Kampagne organisiert wird. Am ehesten scheint hierzu das Bündnis „Bessere Bildung …“ eine Grundlage zu bieten, allerdings müssten hierzu mehrere Vorgespräche mit potentiellen BündnispartnerInnen geführt werden.

2. Fundierung der hochschulpolitischen Forderungen im Verband

2.1 Ausarbeitung der Auseinandersetzung mit der SDS-Denkschrift

Mit der Erarbeitung der Auseinandersetzung mit der SDS-Denkschrift und der Debatte hierzu in DIE LINKE.SDS kann insbesondere ein Beitrag dazu geleistet werden, die hochschulpolitische Strategie und die hochschulpolitischen Forderungen theoretisch zu untersetzen und weiter zu entwickeln. Auf dem Bundeskongress haben wir den weiteren Fahrplan beschlossen. Demnach wird sich nach einer erneuten Debatte der noch offenen strittigen Punkte im Forum Hopo eine Redaktionsgruppe an die Arbeit machen und nach Möglichkeit bis Mitte 2009 einen ersten Entwurf zur Denkschrift vorzulegen. Beiträge und Mitarbeit aus den Gruppen sind dazu ausdrücklich erwünscht. Auch besteht die Möglichkeit vor Ort Diskussionsveranstaltungen zur Denkschrift durchzuführen. Für Ende 2009/ Anfang 2010 ist eine wissenschaftliche Konferenz geplant.

2.2 Untermauerung der beschlossenen hochschulpolitischen Forderungen

Mit der Weiterarbeit an den beschlossenen hochschulpolitischen Forderungen von DIE LINKE.SDS geht es darum, die Gruppen vor Ort handlungsfähiger zu machen und die hochschulpolitische Kompetenz im Verband auszubauen. Wir schlagen hierzu vor, dass die Forderungen zum einen bei den vorgesehenen Einstiegsseminaren genauer diskutiert und erläutert werden. Darüber hinaus sollten von Seiten des Bundesvorstandes sowohl Handreichungen erstellt werden, die aufzeigen, wie sich diese Forderungen im einzelnen umsetzen lassen; also z.B. an wen welche Forderungen zu richten sind, welche Gremien dafür zuständig sind, was wichtige Forderungen für Wahlprogramme bzw. eventuelle Koalitionsverhandlungen sind. Zudem sollten zu besonders drängende Themen weitere Materialien zum Verteilen zur Verfügung gestellt werden. Besonders wichtig erscheint uns das bei der Forderung nach mehr Geschlechtergerechtigkeit an den Hochschulen, nach mehr Demokratie und nach einem offenen Zugang.

 

 

„Bildungsblockaden einreißen – auch an den Hochschulen!“

Der Bundeskongress von DIE LINKE.SDS unterstützt die Initiative der „Projektgruppe Bildungsstreik 2009“ zu einer bundesweiten Protestwoche an den Hochschulen im SoSe 2009 und orientiert dabei auf einen bundesweiten Bildungsstreiktag an den Hochschulen gemeinsam mit dem SchülerInnenstreik 2009.

Der Bundesvorstand (BuVo) und das Forum Hochschulpolitik (Hopo) werden aufgefordert, dazu Materialien zu erstellen (u.a. einen Reader „How to organize a student strike“ [Arbeitstitel], der die Erfahrungen vergangener Streikbewegungen auswertet und für heutige Auseinandersetzungen nutzbar macht) und sich in bundesweite Bündnisse (u.a. dem Vorbereitungstreffen am 13./14.12.08, zu dem die „Projektgruppe Bildungsstreik 2009“ einlädt) einzubringen.

Die Hochschulgruppen von DIE LINKE.SDS werden aufgefordert, sich an lokalen Bündnissen zur Vorbereitung des Bildungsstreiks zu beteiligen und in ihnen aktiv mitzuarbeiten.

Begründung:

In der letzten Zeit ist es kaum gelungen, den weit verbreiteten Unmut über die vielfältigen Missstände im Bildungswesen in wahrnehmbare Proteste dagegen umzuwandeln. Umso bemerkenswerter war der Erfolg des SchülerInnenstreiks im November 2008: Von Basisinitiativen organisiert, beteiligten sich trotz starker Repressionsdrohungen durch die Schulbehörden über 100.000 SchülerInnen am Streik. In den meisten Städten gab es daran leider keine nennenswerte studentische Beteiligung. Dabei sind die bildungspolitischen Forderungen der SchülerInnen unbedingt unterstützenswert und verdienen die Solidarität von linke.SDS: kostenlose Bildung für alle, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen von 20 SchülerInnen, Neueinstellung von 100.000 Lehrkräfte bundesweit und ein Ende der sozialen Auslese im Bildungssystem.

Von Seiten der SchülerInnen wurde an die Solidarität der Studierenden appelliert und ihr Protest war als Bildungsstreik gedacht, blieb aber real v.a. auf den Schulsektor beschränkt.

Für den für Mai oder Juni 2009 geplanten nächsten Schülerstreik sollten wir das gesamte Gewicht unseres Verbandes mit seinen über 40 Hochschulgruppen einsetzen, um daraus einen Streiktag auch an den Hochschulen zu machen. Dabei sollten wir eine enge Kooperation mit den SchülerInnen suchen: Es geht nicht darum, ihr Projekt zu kapern, sondern auf Augenhöhe mit ihnen einen sektorenübergreifenden Bildungsstreik zu organisieren, der nach Möglichkeit auch weitere Bereiche des Bildungswesens erfasst (Azubis, Kitas, Lehrende…). Wir sollten dabei an des Erfolgsrezept des Schülerstreiks anknüpfen: Im Vorfeld breite Bündnisse v.a. auf lokaler Ebene organisieren, und den Streik nicht auf eine einzelne Forderung zuspitzen, sondern einen breiten Katalog von Forderungen aufstellen, in dem sich Protest gegen die zahlreichen Missstände im Bildungswesen (an den Hochschulen: von Gebühren bis BA/MA, von schlechter Ausstattung bis zur Forderung nach kritischer Wissenschaft) artikulieren kann.

Für DIE LINKE.SDS bietet ein Bildungsstreik 2009 zahlreiche Möglichkeiten: Wir können unsere verschiedenen Projekte und Kampagnen (schöner studieren, Studienhonorar, etc.) in einem großen Streik in der Praxis zusammenfließen lassen. Gleichzeitig bietet der Bildungsstreik uns die Möglichkeit, lokal stabile Bildungsbündnisse aufzubauen und z.B. die Zusammenarbeit mit dem

Jugendverband zu intensivieren. Während des Streiks sollten wir – ohne den Protest zu vereinnahmen – als wahrnehmbarer Akteur auftreten und ihn nutzen, um Studierende für die Perspektive des Aufbaus eines bundesweit handlungsfähigen sozialistischen Studierendenverbandes zu begeistern. Und – last but not least – über einen erfolgreichen Bildungsstreik können wir das Thema Bildung zu einem zentralen Thema im Bundestagswahlkampf 2009 machen.

 

 

Konkretisierungsantrag zur Anti-NATO-Kampagne

Seit unserem Beschluss zur Kampagne gegen die NATO auf dem letzten Bundeskongress im Sommersemester ist einiges passiert. Ein bundesweites und ein internationales Bündnis haben sich als breite, spektrenübergreifende Struktur konstituiert und in vielen Regionen wurde eine Vernetzung von Aktivisten aufgebaut.

Das Bündnis plant folgende Protestchoreographie:

Ab 1. April wird es mindestens ein großes Protestcamp in Straßburg geben, das mit einem großen Konzert am 1. April abends eröffnet wird Eine große internationale Friedenskonferenz ist geplant. Es hat sich eine Arbeitsgruppe konstituiert, die Massenaktionen zivilen Ungehorsams plant. Am 5. April wird eine internationale Großdemonstration von der Straßburger Innenstadt bis möglichst nah an den Austragungsort des NATO-Gipfels stattfinden.

Auf lokaler Ebene haben sich vielerorts Aktionsgruppen zusammengefunden, um mit Aktionen und Veranstaltungen auf das NATO-Jubiläum aufmerksam zu machen und für die Proteste dagegen zu mobilisieren.

Auf allen Ebenen, insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene sind überall junge Leute und Studentinnen und Studenten dabei, die die Bündnisse und Aktionsgruppen aufbauen und ihr Umfeld mobilisieren.

Im Bundesarbeitskreis Antimilitarismus und Frieden von DIE LINKE.SDS und Linksjugend [‘solid] arbeiten einige Aktive aus dem Verband seit unserem Beschluss auf dem Bundeskongress im Sommer an der Vorbereitung der Anti-NATO-Kampagne. DIE LINKE.SDS sollte jetzt richtig in die auf vielen Ebenen an Schwung gewinnende Anti-NATO-Kampagne einsteigen und in der zweiten Hälfte des Semesters mithelfen, sie groß zu machen.

Bis 1. Januar 2009 werden die vom Bundesarbeitskreis Antimilitarismus und Frieden vorgeschlagenen Plakate und Flugblätter sowie ein Aufkleber mit dem Plakatmotiv gedruckt und in der ersten Januarwoche an die Gruppen verschickt. Die Idee einer Veranstaltungsrundreise, die im Bundesarbeitskreis Antimilitarismus und Frieden aufkam, wird aufgenommen und bis Anfang Januar ein Referentenpool organisiert, um es den Gruppen möglichst einfach zu machen, im Januar oder Februar eine große Veranstaltung zur Mobilisierung zu den Protesten zu machen. Es werden Referenten dahingehend angefragt, dass ermöglicht wird, auf den Veranstaltungen sowohl

Hintergrundinformationen zur NATO und ihrer Politik, insbesondere dem Krieg in Afghanistan, zu geben als auch die konkreten Proteste zu bewerben und unsere Kampagne vorzustellen.

Eine wichtige Mobilisierungsstation für DIELINKE.SDS, da gewissermaßen Testlauf für die Proteste im April, ist die Demonstration gegen die NATO-Sicherheitskonferenz in München am 7. Februar. Da die Sicherheitskonferenz direkt zu Semesterende stattfindet, ist das eine gute Gelegenheit Multiplikatoren kennen zu lernen und Mitstreiter zu finden, mit denen gemeinsam wir die Mobilisierung unter Studierenden in die Semesterferien hinein weiterführen können. Die internationale Aktivenkonferenz zur Anti-NATO-Kampagne am 14. und 15. Februar in Straßburg ist für DIE LINKE.SDS ebenso wie für viele andere der Auftakt für die heiße Mobilisierungsphase der Kampagne. Wir wollen mit Delegierten aller Hochschulgruppen auf der Aktivenkonferenz vertreten sein und am letzten Schliff der internationalen Kampagne mitarbeiten.

Die Hochschulgruppen von DIE LINKE.SDS werden aufgefordert, in lokalen und regionalen Bündnisstrukturen mit zu arbeiten DIE LINKE.SDS organisiert (ggf. gemeinsam mit der Linksjugend [‘solid], sollte der Jugendverband dem zustimmen) in jedem Bundesland mindestens einen Bus zu den Protesten vom 1. bis 5. April in Straßburg. Das wird von Aktiven aus dem Bundesarbeitskreis AuF organisatorisch unterstützt. Auf der Homepage von DIE LINKE.SDS wird eine Busbörse eingerichtet. DIE LINKE.SDS ist ab 1. April in den Protestcamps präsent, beteiligt sich an den Massenaktionen zivilen Ungehorsams und bringt sich mit einem Block in die internationale Großdemonstration am 5. April ein.

NATO (2)

Auf dem Bundeskongress im Sommer haben wir eine Kampagne gegen den NATO-Gipfel im April 2009 in Straßburg und Baden-Baden beschlossen. Dieses Papier soll noch einmal inhaltliche Punkte und eine Analyse der neuesten Entwicklungen in Thesen zusammenfassen, welche die gemeinsame inhaltliche Grundlage von DIE LINKE.SDS in der Kampagne gegen den NATO-Gipfel bilden.

Bundeswehr raus aus Afghanistan! Nein zur NATO!

  • ?  Die Außenpolitik westlicher Staaten ist nach dem Zusammenbruch des Ostblocks aggressiver geworden und internationale Konflikte haben zugenommen. Insgesamt gibt es mehr bewaffnete Konflikte und Kriegseinsätze durch westliche Länder und die NATO.
  • ?  In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich auch die deutsche Außenpolitik entscheidend

verschärft. Seit den 90er Jahren wird die Militarisierung deutscher Außenpolitik von Politik und Bundeswehr offensiv betrieben. Die Vorgabe der verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesregierung von 1992, dass deutsche Soldaten „die Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt…“ durchsetzen sollen steht beispielhaft für diese politische Entwicklung. Gleichzeitig rüstet die EU auf und strebt eine gemeinsame Verteidigungsstrategie an, zu der etwa eine schnelle Eingreiftruppe der EU gehört.

? Der Westen in Gestalt vor allem der USA und des EU-Raums versucht seinen Einfluss auf dem Gebiet des ehemaligen Warschauer Pakts auszudehnen. Die Neuaufteilung des Einflusses in der Welt findet zunehmend durch militärische Gewalt statt, weil sowohl Staaten als auch Konzerne ihre ökonomischen und geopolitischen Interessen in anderen Ländern verteidigen.

  • ?  Die internationale Finanzkrise und die daraus die erwachsende Wirtschaftskrise verschärfen die Konflikte um Rohstoffe und Absatzmärkte weiter. Geostrategischer Einfluss wird umso wichtiger für die großen Industriestaaten, wenn die wirtschaftliche Lage schwierig ist, da er wirtschaftliche Vorteile für die eigenen Unternehmen bedeutet. Die Finanzkrise kann so die Kriegsgefahr in verschiedenen Teilen der Welt weiter verschärfen. Die Neuaufteilung des Einflusses auf der Welt fördert Konfrontationen zwischen alten und neuen politisch- ökonomischen Blöcken, die durch die Verflechtung der internationalen Finanzmärkte enger zusammen geschweißt werden. Die durch die Krise noch verschärfte Konkurrenz droht zu noch engerer Verflechtung bis hin zur Monopolisierung einzelner Branchen zu führen und damit zu verschärfter Konkurrenz zwischen stärkeren Akteuren. Je stärker Konfrontationen werden, desto aggressiver werden die jeweiligen Interessen verteidigt, zum Beispiel im Falle des Zugangs zu Rohstoffen in ärmeren Ländern
  • ?  Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung war der Krieg zwischen dem designierten NATO- Mitgliedsstaat Georgien und Russland im Sommer 2008. Die Kaukasus-Region ist eine für den Zugang Europas zu Energieträgern wie Öl und Gas eine strategisch äußerst wichtige Region. Über eine enge Zusammenarbeit mit Georgien wären die europäischen Staaten in der Lage, die russische Kontrolle über den Zugang zu diesen Rohstoffen zu umgehen. Russland hat gezeigt, dass es diese Entwicklung zu verhindern versucht, während sich die georgische Regierung am Westen orientiert und keine Konflikte mit den NATO-Staaten und vor allem den USA herausfordern will, im Gegenteil, sie als potentielle Unterstützung für die eigene Politik sieht.
  • ?  Die NATO ist das Vehikel der gemeinsamen Durchsetzung westlicher ökonomischer und geostrategischer Interessen und die militärische Exekutive dieser Interessen. In diesem Kontext ist die NATO-Strategie zu sehen.

? Der Krieg in Afghanistan ist der Prüfstein für die NATO und ihre Strategie, Sieg oder Niederlage in diesem Krieg entscheiden über Erfolg und Akzeptanz des Bündnisses, wie sogar Bundeskanzlerin Merkel zugibt. Die NATO ist das Bündnis der militärisch und wirtschaftlich stärksten westlichen Staaten der Welt. Würde die NATO den Krieg gegen schlecht ausgestattete Widerstandsgruppen in einem der ärmsten Länder verlieren, stünde ihre gesamte Legitimation und die ihrer Strategie auf dem Spiel. Afghanistan ist dementsprechend als die Achillesferse der NATO zu sehen. In den deutschen Medien wird der Krieg in Afghanistan als „Aufbauhilfe“ verharmlost. Bei zehntausenden toten Zivilisten und hunderten toten Soldaten kann nicht von einem humanitären Einsatz gesprochen werden, zumal die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben für den Krieg ausmachen und die militärische Priorität allzu deutlich hervorheben.

? Millionen Menschen weltweit setzen nun Hoffnung auf den vermeintlich friedfertigen neuen US-Präsidenten Obama. Die Wahl Obamas zum Präsidenten der USA wird jedoch keine grundsätzliche Änderung der Kriegspolitik der USA bedeuten. Das zeigt auch die Politik vorheriger demokratischer Präsidenten wie Bill Clinton, der während seiner Amtszeit unter anderem eine Medikamentenfabrik im Sudan bombardieren ließ. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Rolle der NATO eine stärkere sein wird als unter Bush und dass die USA stärker als bisher von Europa, und allen voran von Deutschland, noch mehr Unterstützung bei Kriegseinsätzen einfordern werden. Schon jetzt gibt es einen enormen Druck auf die Bundesregierung, sich stärker als bisher an Kriegen – vor allem in Afghanistan – zu beteiligen. Andererseits ist die Wahl Obamas vor allem Ergebnis des hohen Drucks der sozialen Bewegungen und insbesondere der Friedensbewegung für einen politischen Richtungswechsel in den USA. Wenn diese Bewegung unnachgiebig bleibt und die internationale Kooperation der Friedensbewegung ausgebaut wird, kann die Kriegspolitik der USA und der NATO zurückgedrängt werden.

? Die NATO ist in Afghanistan weit davon entfernt ihre Ziele zu erreichen. Die Zahl der Anschläge auf die Besatzungstruppen und der Widerstand in der Bevölkerung nehmen zu. Nach Angaben des kanadischen Think Tanks Senlis Council setzt sich inzwischen d Großteil des Widerstands nicht aus islamistischen Fundamentalisten zusammen, sondern aus „armutsgetriebenen Graswurzelgruppen“. Trotz mehr Soldaten und aggressiverer Strategie verlassen die NATO-Truppen in manchen Teilen des Landes kaum ihre Kasernen, da sie nicht einmal ihre eigenen Leute schützen können. Gleichzeitig lehnt der Großteil der Bevölkerung in Deutschland und Frankreich den Krieg in Afghanistan ab, auch in den USA wächst die Ablehnung dieses Krieges, obwohl dort der Krieg im Irak der Hauptfokus der

Antikriegsbewegung ist. Die Debatte innerhalb der SPD und der Grünen um die Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz letztes Jahr hat gezeigt, dass nicht alles, was die NATO- und Bundeswehrstrategen in Afghanistan für notwendig halten, politisch auch durchsetzbar ist. Die breite Ablehnung des Krieges in der Bevölkerung zwingt auch diesen Parteien Debatten auf. Ganz ähnlich ist die monatelange Diskussion in französischen Medien und allen französischen Parteien über Sinn und Unsinn des Afghanistan-Krieges nach dem Tod von zehn französischen Soldaten im Sommer zu sehen.

  • ?  Eine starke, internationale Antikriegsbewegung, die in der Lage ist, große Proteste zu mobilisieren, könnte so viel Druck aufbauen, dass einzelne Länder gezwungen wären, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Als Beispiel für eine solche Dynamik ist der Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak nach der Abwahl Berlusconis zu sehen. Im Gegensatz zu dieser Situation würde der Abzug der deutschen und/oder französischen Soldaten aus Afghanistan auf längere Sicht den Abzug aller NATO-Truppen bedeuten und die NATO damit in eine tiefe Krise stürzen.
  • ?  Der Protest gegen den NATO-Gipfel im April kann der Anfang der Entstehung einer solchen starken, internationalen Antikriegsbewegung sein.
  • ?  Die beeindruckende Antikriegsbewegung gegen den Krieg im Irak 2002/2003 mit 15 Millionen DemonstrantInnen weltweit konnte den Krieg zwar nicht verhindern, hat ihn aber in den Augen einer überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung delegitimiert. Eine neu erstarkende Antikriegsbewegung kann an die Erfahrungen dieser Bewegung anknüpfen und an die politisierende Wirkung unter denen, die damals ihre Schulen und Universitäten bestreikten.
  • ?  Eben deshalb kommt jungen Leuten, Jugend- und Studierendenorganisationen, eine besondere Rolle im Aufbau einer solchen Bewegung zu: Von denen, die ihre politischen Erfahrungen in der Bewegung von 2003 gemacht haben, sind heute viele an den Universitäten und können dort den Grundstein für neuen aktivistischen, antikapitalistischen Antikriegsprotest legen. Auch in Schulen und Betrieben gibt es Potenzial für die Mobilisierung von Protesten, Die Erfahrungen von 2003 können hier ebenso Vorbild sein und Mut machen.
  • ?  DIE LINKE.SDS und Linksjugend [`solid] möchten mithelfen, das möglich zu machen. Ebenso wie die Erfahrung der letzten großen Antikriegsbewegung möchten wir unsere Erfahrung der Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm mit einbringen, eine Erfahrung, die für viele von uns prägend war. Ebenso wie die tausende junger Leute, die im vergangenen Jahr mit dem G8-Gipfel symbolisch auch Neoliberalismus, Armut und Krieg blockierten, möchten wir die hier formulierten Zusammenhänge aufzeigen und unsere Ideen und Fragen in die

Diskussionen und Protestformen einbringen. ? Die NATO war von Beginn an und ist bis heute ein Militärbündnis zur Durchsetzung der

imperialistischen Interessen der kapitalistischen Zentren. Die NATO ist nicht reformierbar, sondern muss aufgelöst werden. Der Austritt der BRD aus der NATO wäre ein richtiger Schritt in diese Richtung.

 

 

Kolumbien

Der Bundeskongress des Studierendenverbands DIE LINKE.SDS erklärt seine Solidarität mit den Studierenden kolumbianischer Hochschulen und unterstützt die studentischen Proteste gegen die Hochschulpolitik der Regierung Uribe.

Der Bundeskongress begrüßt die Aufnahme des politischen Austauschs mit dem Studierendenverband ACEU (kolumbianische Assoziation von Studierenden an Universitäten) sowie mit dem Jugendverband der kolumbianischen Linkspartei Polo Democratico Alternativo (PDA; demokratischer Alternativer Pol).

Der Bundesvorstand und die mit den politischen Beziehungen nach Lateinamerika betrauten Strukturen von DIE LINKE.SDS werden aufgefordert:

  1. Informationen über die Situation in Kolumbien für die Verbandsarbeit verfügbar zu machen,
  2. die bestehenden Kontakte zur studentischen Bewegung nach Kolumbien zu institutionalisieren und
  3. sich an Vorbereitungen von Protesten gegen die Unterstützung der kolumbianischen Regierung durch europäische und bundesdeutsche Politik zu beteiligen, z.B. “Karawane des Friedens” nach Straßburg u.a.

Weiterhin wird geprüft, ob eine Vertreterin/ein Vertreter von DIE LINKE.SDS die Einladung des Jugendverbandes des PDA (Juventud del PDA) wahrnimmt, an dem am 06. bis 08. Februar 2009 in Ibague, Kolumbien, stattfindenden ersten Kongress teilzunehmen und ob BündnispartnerInnen hierfür gefunden werden können. Die Erfahrungen der kolumbianischen Studierenden sollen angemessenen Raum in den Publikationen von DIE LINKE.SDS und der verbandsinternen Diskussion einnehmen.

Begründung:

Das poltische Modell in Kolumbien unterscheidet sich wesentlich von den nach immer stärker nach links gerichteten Staaten Lateinamerikas. Die Staatsmacht stützt sich auf Terror durch staatliche Kräfte und Verquickung mit paramilitärischen Gruppen und Organisationen. Präsidente Uribe tritt als starke Führungsgestalt auf. Der Vorwurf der Zusammenarbeit mit der FARC ist in Kolumbien allgegenwärtig, Terrorhysterie Normalität. Die Regierung Uribe vertritt uneingeschränkt neoliberale und unternehmer”freundliche” Politikkonzepte und erfährt finanzielle, militärische und handelspolitische Unterstützung aus den USA und Europa. 4 Millionen KolumbianerInnen leben als interne Vertriebene am Rande der Legalität oder im politischen Exil. Politische Morde durch Paramilitärs sind in ländlichen Regionen an der Tagesordnung und bleiben unbelangt.

Zahlreiche soziale Bewegungen stellen sich gegen die Politik der Regierung. Aktuelle Beispiele sind die Bewegungen der ZurckerrohrarbeiterInnen, der Indigenen und der Streik der im Justizsystem Beschäftigten. Sie unterliegen Einschüchterungen, Morddrohungen, extralegalen Hinrichtungen.

Auch die Studierendenorganisation ACEU mobilisiert gegen die Regierungspolitik und den neoliberalen Umbau der Hochschulen (Zugangsbeschränkung, Kürzungen, Ausrichtung der Bildungsinhalte und -formen auf Interessen von Unternehmen). Präsident Uribe bezeichnete die protestierenden Studierenden als “von Venezuela infiltierte Anarchisten”. Daraufhin gingen verstärkt Morddrohungen der Paramilitärs bei ihnen ein. In den vergangenen Jahren wurden systematisch Studierendenvertreter in hervorgehobenen Positionen ermordet.

Die Partei POLO DEMOCRATICO ALTERNATIVO ist eine Vereinigung aus verschiedenen Parteien. Das Spektrum reicht von der kommunistischen Partei bis ins linksliberalen Lager. Trotz zahlreicher Repressionen spielt der POLO eine immer stärkere Rolle in der nationalen Politik. Er stellt beispielsweise den Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und anderen Städten. Der erste Nationalkongress der POLO-Jugend wird vom 06. bis 08.02.2009 in der Stadt Ibagué stattfinden. Auf ihm soll das Projekt eines linken Jugendverbands Gestalt annehmen.

Nach Auffassung der AntragstellerInnen ist internationalistische Arbeit ein Grundelement sozialistischer Politik. Aus dem Austausch mit den Studierenden in Kolumbien können Schlüsse für Zusammenhänge und die Folgen des globalen Kapitalismus gezogen werden. Ihre Erfahrungen bilden eine aktuelle Anschauung dafür, dass der Kapitalismus die Grundlagen für Faschismus in sich trägt. Der politische Austausch mit den kolumbischen GenossInnen ist auch aufgrund der ähnlichen Erfahrungen im Bildungssektor sowie ähnlicher Organisationsformen höchst aufschlussreich. Auf der anderen Seite sind die sozialen und studentischen Bewegungen auf die europäische Öffentlichkeit angewiesen, um der kolumbianischen Regierung politische Unterstützung zu entziehen und so Spielraum für den politischen Kampf zu gewinnen.

2. Bundeskongress (Jun 2008)

Hochschulen und Milita­risierung

Antragssteller: Forum Hochschulpolitik

I.

Der Studierendenverband DIE LINKE..SDS ruft alle Hochschulgruppen dazu auf, die Rolle ihrer Hochschule im Militarisie­rungskurs der Bundesregierung und der NATO vor Ort zu analysieren und bekanntzumachen. Insbesondere gilt es, darüber aufzuklären, in welcher Art und Weise Rüstungsfor­schung betrieben wird, wie in den einzel­nen Studienfächern zum Thema Krieg und Frieden gelehrt wird, welche Sponsoring-Aktivitäten der Rüstungslobby existieren und in welcher Form Repräsentantinnen und Repräsentanten der Hochschule aus der Rüstungsindustrie kommen bzw. enge Verbindung dahin haben.

Gleichzeitig ruft der Studierendenverband die Hochschulgruppen auf, die Kooperation mit FriedenswissenschaftlerInnen und Forschungseinrichtungen für zivile Konfliktlösung und Rüstungskonversion zu suchen sowie Bemühungen zur stärkeren Verankerung friedenswissenschaftlicher und internationalistischer Ansätze an den Hochschulen vor Ort zu unterstützen.

Der Studierendenverband DIE LINKE.SDS beauftragt den Bundesvorstand in Ab­stimmung mit dem Forum Hopo und der Afghanistan- bzw. NATO-AG diese Aktivi­täten der Hochschulgruppen zu unterstüt­zen und die gewonnenen Erkenntnisse für die Mobilisierung in den anstehenden friedenspolitischen Kampagnen des Ver­bandes zu nutzen.

Der Studierendenverband DIE LINKE.SDS bittet die Fraktion DIE LINKE im Bundes­tag, die mit dem Rüstungsatlas NRW be­gonnenen Aktivitäten in diesem Bereich auch für andere Bundesländer fortzuset­zen und entsprechende Anfragen an die Bundesregierung zu stellen. Er begrüßt das Vorhaben der Fraktion, auch einen bundesweiten Rüstungsatlas zu erstellen.

II.

Der Studierendenverband Die Linke.SDS tritt vehement gegen jede Verflechtung der Hochschulen mit der Rüstungsindustrie und der Bundeswehr sowie der NATO in finanzieller und personeller Hinsicht ein. Der im Ergebnis dieser Verflechtung entstandene Masterstudiengang „military studies“ an der Universität Potsdam soll abgeschafft und stattdessen die Friedenswissenschaft profiliert und ausgebaut werden.

 

 

Studienhonorar statt BAföG-Nullrunden und Gebüh­ren

Antragssteller: Forum Hochschulpolitik

DIE LINKE.SDS lehnt die jetzige Studien­finanzierung mit BAföG, KfW-Krediten, Finanzierung über die Eltern oder Ver­wandte, vereinzelten Stipendien sowie Jobben neben dem Studium ab. Außer­dem bekämpfen wir jede Art von Studi­engebühren. Wir fordern stattdessen ein Studienhonorar, das alle in Deutschland lebenden Studierenden erhalten. Das Studi­enhonorar muss bedarfsdeckend sein und öffentlich finanziert werden. Wir greifen damit eine Forderung des SDS der 68er Bewegung auf, mit der damals erstmals die Diskussion darüber eröffnet wurde, dass Studierende eine volkswirtschaftlich und gesellschaftlich nützliche Arbeit lei­sten und öffentliche Studienfinanzierung vor diesem Hintergrund nicht als Sozial­leistung angesehen werden sollte. Diese Forderung wurde bereits in den Siebziger Jahren in der DDR mit dem Grundstipendium und später in der KdS (Konferenz der Studentenräte) wieder aufgegriffen und in der deutschen Hochschullandschaft realisiert.

Die Forderung nach einem Studienhono­rar ist für uns Bestandteil des Kampfes für eine soziale Öffnung der Hochschulen, ein selbstbestimmtes Studium und eine kritische Wissenschaft in gesamtgesell­schaftlicher Verantwortung. Sie lässt sich nicht von heute auf morgen durchsetzen. Wichtige Ansatzpunkte in der aktuellen Debatte sind: das BAföG gegen Angriffe zu verteidigen, Privatisierungstendenzen in der Studienfinanzierung – etwa über die Aufstockung von Mitteln für Stipendien oder so genannte Hochbegabtenförderung – zurückzuweisen sowie jegliche Form von Gebühren zu bekämpfen.

Für eine soziale Öffnung der Hochschulen!

• Konsequente Gebührenfreiheit:

Gebühren stellen immer eine soziale Hür­de dar, die diejenigen diskriminiert, die von Haus aus nicht die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung haben. Ihnen bleibt dann nichts anderes übrig, als auf ein Studium zu verzichten oder sich durch die Aufnahme eines Studiums mit den Gebühren noch zusätzlich zu ver­schulden. Auch Stipendien sind keine Lö­sung für dieses Problem. Ganz davon abge­sehen, dass der von der Wirtschaft mit der Einführung allgemeiner Studiengebühren versprochene Ausbau des Stipendiensy­stems bisher noch nicht stattgefunden hat, besteht auch ein grundsätzlicher Un­terschied, auf ein Stipendium angewiesen zu sein oder einen Rechtsanspruch auf die Teilhabe am Studium zu haben. Das Modell eines Studienhonorars verfolgt die entgegen gesetzte Logik zu den Gebühren: Anstatt ein Studium als Investition in das eigene Humankapital zu sehen und dafür Gebühren zu verlangen, wird mit dem Stu­dienhonorar der Anspruch erhoben, dass ein Studium im gesamtgesellschaftlichen Interesse betrieben wird und die Verbes­serung der Lebenssituation aller – nicht die kapitalistische Verwertbarkeit – zum Ziel hat.

• Keine Darlehenskomponenten:

Wer nach dem Studium mit einem hohen Schuldenberg zu rechnen hat, wird die Auf­nahme eines Studiums von vorneherein in Frage stellen. Gerade junge Menschen aus finanzschwachen Schichten verfügen oft nur über eine sehr geringe Bereitschaft, ein Darlehen aufzunehmen. Die Angst vor Verschuldung schreckt vor diesem Schritt ab. Hinzu kommt, dass die Entscheidung zur Aufnahme eines Studiums sich bei Darlehen an marktwirtschaftliche Kriteri­en im Sinne einer Bildungsrendite knüpft und somit dem Anspruch der freien Stu­dienfachwahl entgegensteht. Die Einfüh­rung einer Verschuldungsobergrenze von 10.000 Euro beim BAföG war vor diesem Hintergrund ein erster richtiger Schritt, der allerdings noch alles andere als aus­reichend ist. Schritt für Schritt muss die gesamte BAföG-Förderung in einen Voll­zuschuss umgewandelt werden. Außer­dem darf die Verschuldungsobergrenze nicht immer weiter ausgehebelt werden, indem beispielsweise Bildungskredite in der Abschlussphase, die KfW-Studienkre­dite oder auch das Auslands-BAföG bei der Deckelung nicht mehr berücksichtigt werden. Mit dem Modell des Studienho­norars wird die Studienfinanzierung als Vollzuschuss gezahlt; es gibt keine Darle­henskomponente.

• Umfassendes SchülerInnen-BAföG ab Klasse 11: Wer den Anspruch einer sozialen Öffnung der Hochschulen verfolgt, darf nicht erst zu Beginn des Studiums ansetzen. Neben strukturellen Reformen im Schulsystem hin zu einem längeren gemeinsamen Ler­nen, um der frühen Aussortierung von Kindern aus bildungsfernen Schichten in Haupt- oder Förderschulen zu begegnen, muss auch die Finanzierungsfrage ab der Oberstufe gelöst werden. Wenn junge Menschen zu Beginn der Oberstufe vor der Wahl stehen, eine Lehre zu beginnen oder länger zur Schule zu gehen, um eine Hochschulzugangsberechtigung zu erwer­ben, werden insbesondere Jugendliche aus einkommensschwachen Schichten versuchen, auf die ausfinanzierte Form der betrieblichen Ausbildung zurückzu­greifen. Da die Möglichkeiten, SchülerIn­nen-BAföG zu erhalten, zurzeit auf wenige Ausnahmen begrenzt sind, ist keine tat­sächliche Wahlfreiheit gegeben.

Mit einem Blick in die Geschichte lässt sich belegen, dass eine umfassende BAföG-Förderung in der Oberstufe einen wesentlichen Beitrag zum Abbau sozi­aler Ungleichheit an den Hochschulen leisten kann. Als in den 70er Jahren ein umfassendes SchülerInnen-BAföG zur Verfügung stand, stieg der Anteil Studie­render aus finanzschwachen Schichten schnell auf über 20 Prozent an. Aktuell sind es nur noch rund 10 Prozent. Des­halb beschränken wir uns bei der Reform der Studienfinanzierung nicht nur auf die Forderung nach einem Studienhonorar, sondern fordern die Beibehaltung und massive Ausweitung des BAföG für die Zeit der schulischen Oberstufe. Um eine Benachteiligung von Auszubildenden zu verhindern, muss Auszubildenden in überbetrieblichen oder schulischen Aus­bildungsgängen ebenfalls weiterhin ein Anspruch gewährt werden.

Für ein selbstbestimmtes Studi­um!

• Für kostendeckende Fördersätze

Die aktuelle Ausgestaltung der Studien­finanzierung ist nicht bedarfsdeckend. Immer wieder werden notwendige An­passungen durch parteipolitische Taktie­rereien, falsche Prioritätensetzungen und selbst verschuldete haushaltspolitische Zwänge verschleppt. Dies steht der Pla­nungssicherheit und der unabhängigen Entscheidung für ein Studium entgegen. Rund zwei Drittel der Studierenden sind gezwungen sich durch einen Nebenjob die notwendigen Mittel zu erarbeiten. Im Rah­men des BAföG setzen wir uns deshalb für kostendeckende Bedarfssätze ein, die au­tomatisch an die jährliche Inflationsrate angepasst werden. Nullrunden beim BA­föG oder zu geringe Erhöhungen sind für uns nicht akzeptabel.

Mit dem Modell des Studienhonorars wäre die Studienfinanzierung keine Sozi­alleistung mehr, sondern würde das Studi­um als gesellschaftlich relevante Tätigkeit anerkennen und finanzieren. Aus dieser Perspektive wäre es ein Widerspruch, die Förderung zu niedrig zu gestalten, so dass neben dem Studium weiter gejobbt wer­den muss und man sich nicht vollständig auf das Studium konzentrieren kann.

• Für eine elternunabhängige, individuel­le Förderung:

Das aktuelle Modell der Studienfinanzie­rung knüpft die Bedürftigkeit der Studie­renden an das Einkommen der Eltern. Die Studierenden werden in die Position von BittstellerInnen gebracht. Sie sind auf die Zuarbeit ihrer Eltern bei der Beantra­gung von BAföG angewiesen und werden gezwungen im Notfall gegen diese zu kla­gen. Viele Studierende sind zudem auf einen finanziellen Zuschuss ihrer Eltern angewiesen, da zum einen die aktuellen Sätze nicht ausreichen oder sie sich im so genannten Mittelstandsloch befinden und gar nicht förderberechtigt sind. Dies wi­derspricht aber der freien Bildungs- und Ausbildungsplanung, da dieser Zuschuss zwangsläufig an Erwartungen und Bedin­gungen seitens der Eltern geknüpft wird.

Junge Menschen haben bei der Aufnahme eines Studiums bereits die Volljährigkeit erreicht und sollten unabhängig von ih­rem jeweiligen Elternhaus in die Lage versetzt werden, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Mit dem Modell ei­nes Studienhonorars wird ein Studium zur gesellschaftlich anerkannten Tätigkeit. Eine Kopplung an das Einkommen und Vermögen der Eltern wäre nicht mehr vorgesehen. Durch das Honorar werden die Leistungen direkt an die Studierenden und SchülerInnen gezahlt und stehen diesen zur Verfügung. Bisher geht der Hauptteil der staatlichen Studienfinanzierung an die Eltern in Form von Kindergeld und Steuererleichterungen. Dies bevorzugt Studierende aus wohlhabenden Elternhäusern gegenüber BAFöG-EmpfängerInnen.

• Für eine repressionsfreie Förderung:

Die Gewährung der Studienfinanzierung muss sich mindestens an der tatsächlichen

durchschnittlichen Studienzeit und nicht an vorgeschriebenen Regelstudienzeiten orientieren. Im Zentrum unserer Poli­tik steht, allen Studierenden Zeit für ein selbstbestimmtes und kritisches Studie­ren zu ermöglichen. Weiterhin muss auch die Möglichkeit bestehen, ein Teilzeitstudium in Anspruch zu nehmen. Wir weisen deshalb eine Studienfinanzierung zurück, die die Studienzeit in enge Korsette zwängt und durch ständige Kontrolle und Antrags­pflicht eine Atmosphäre der Abhängigkeit und Angst schafft. Mit einem Studienho­norar wird die entgegengesetzte Perspek­tive geöffnet.

Für eine kritische Wissenschaft in gesamtgesellschaftlicher Ver­antwortung

• Einheitlichkeit statt elitärer Differenzie­rungskonzepte:

Wir lehnen die Orientierung der herr­schenden Hochschulpolitik auf die Her­ausbildung einer zukünftigen Elite ab. Un­ser Ziel ist keine Gesellschaft, in der weni­ge das Sagen über die große Mehrheit ha­ben, sondern eine Gesellschaft, in die sich alle gleichberechtigt einbringen können. Maßnahmen wie die Exzellenzinitiative der Bundesregierung oder die zunehmen­den Beschränkungen zum Masterstudium stehen diesem Ziel entgegen und werden von uns deshalb zurückgewiesen. Auch bei der Gestaltung der Studienfinanzie­rung lehnen wir elitäre Differenzierungs­konzepte ab. Diese bestehen beispielswei­se darin, dass die BAföG-Förderung auf das Bachelorstudium beschränkt wird, dass Masterstudiengänge zunehmend gebührenpflichtig werden oder dass be­stimmte besondere Studienangebote mit höheren Gebühren belegt werden. Solche Tendenzen führen zu einer Zwei-Klasssen-Hochschulbildung, die diejenigen mit rei­chem Elternhaus bevorzugt und soziale Ungleichheit an den Hochschulen und in der Gesellschaft weiter vorantreibt. Wichtige erste Forderungen sind deshalb eine generelle BAföG-Förderung und Ge­bührenfreiheit bis zum Master. Neben der grundsätzlichen Ablehnung von Ge­bühren gilt es allen voran dagegen zu kämpfen, dass Hochschulen die Möglich­keit eingeräumt wird, autonom über die Erhebung von Gebühren und ihre Höhe zu entscheiden. Unser Modell des Studienho­norars hat grundsätzlich den Anspruch ei­ner Einheitlichkeit in der Förderung und steht somit bewusst im Widerspruch zu den herrschenden Elitekonzepten.

•Rechtsanspruch auf Förderung

Mit unserem Modell des Studienhonorars fordern wir in der Studienfinanzierung einen generellen Rechtsanspruch auf Förderung. Dagegen werden in der herr­schenden Hochschulpolitik die Mittel für die Begabtenförderung erhöht und zu­nehmend Stipendien als Alternative zum BAföG und als Antwort bei der Gebühre­nerhebung gegeben. Wenn sich Studie­rende auf diese Weisen Auswahlverfah­ren stellen müssen, um eine Förderung zu erhalten, wird die Entwicklung einer kritischen Wissenschaft in gesellschaftli­cher Verantwortung zurückgedrängt. Die herrschende Klasse hat weder ein Inter­esse daran, bisherige Bildungsprivilegien aufzugeben und bisher diskriminierte Gruppen gezielt zu fördern, noch legt sie großen Wert darauf, dass wissenschaft­liche Qualifikationen Studierende in die Lage versetzen, Bestehendes zu hinterfra­gen und zu verändern. Stattdessen geht es um Absicherung und Zementierung der gegenwärtigen Verhältnisse. Ein generel­ler Rechtsanspruch auf Förderung, wie er mit dem Studienhonorar gegeben wäre, schafft dagegen erst die Voraussetzung für eine tatsächlich freie Studienwahl, kri­tische Wissenschaft und die Aufhebung von Bildungsprivilegien. Ein Mitnahmeanspruch außerhalb Deutschlands muss Bestandteil der Regelungen sein, Auch wenn sich die Förderung auf eine Immatrikulation an einer deutschen Hochschule bezieht, darf sie sich nicht auf Deutsche im Sinne des Grundgesetzes beschränken.

• Öffentliche Verantwortung

Die neoliberale Privatisierung der letzten Jahre hat auch vor den Hochschulen nicht Halt gemacht. Die Einführung allgemeiner Studiengebühren ist hier nur einer der zahlreichen Aspekte. Hinzu kommen Pu­blic-Private-Partnership zwischen Hoch­schulen und Unternehmen, Finanzierung von Stiftungslehrstühlen durch die Privat­wirtschaft, Auslagerungen von Bereichen der Hochschule (z.B. Fremdspracheninsti­tute) in die Hände von Privaten etc. Auch die Studienfinanzierung soll nach dieser Logik zunehmend privatisiert werden. Studierende wären dann in der Pflicht, sich um private KreditgeberInnen zur Fi­nanzierung ihres Studiums zu bemühen. Es versteht sich von selbst, dass auf diese Weise eine massive Beeinflussung bei der Wahl des Studienfaches und der Ausge­staltung des Studiums verbunden wäre.

Das Modell eines Studienhonorars legt die Studienfinanzierung stattdessen grund­sätzlich in öffentliche Verantwortung. Mit dem Begriff „Honorar“ soll verdeut­licht werden, dass Studierende mit ihrem Studium einen gesellschaftlichen Beitrag leisten, für den aus diesem Grund auch öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Voraussetzung zur Finanzierung des Studienhonorars ist eine grundlegen­de Umkehr in der Steuer- und Finanzpo­litik. Notwendig sind eine stärkere Bela­stung von Unternehmen und Vermögen­den sowie eine Umverteilung von oben nach unten.

 

 

Wenn Bachelor, dann Master für alle!

Antragssteller: Forum Hochschulpolitik

Der Studierendenverband Die Linke.SDS unterstützt die Forderung nach einem „Master für alle, kostenlos und beschränkungsfrei“.

Die Forderung „Master für alle, kostenlos und beschränkungsfrei“ bedeutet für uns die Abschaffung des Mastersystems in seiner Intention der Selektion und Elitenbildung.

Darüber hinaus lehnen wir die Zweistufigkeit des Studiums ab und fordern ein offenes Studium, das bildet und ausbildet.

Begründung:

Die Einführung des Bachelor/Master Systems an den Hochschulen in Deutschland brachte und bringt diverse Einschränkungen für die Studierenden mit sich.

Verschulte Studiengänge ohne die Möglichkeit eigene Interessen im Studium zu entwickeln, Abbau kritischer Wissenschaft stattdessen die Reproduktion von Mainstream- Wissenschaft, enorme Arbeitsbelastungen für Lehrende und Studierende, Verschärfung der Konkurrenz zwischen den Studierenden. Kurz gesagt bringt die Einführung der modularisierten Studiengänge keine Verbesserung der Lehre und ist somit gescheitert.

Als sozialistischer Studierendenverband lehnen wir diese Art des Schmalspurstudiums natürlich ab und fordern eine Neuausgestaltung des Studienablaufs und der Studieninhalte.

Diese Forderung sollten wir auch weiterhin nach außen kommunizieren. Trotzdem denken wir, dass die Forderung „Master für alle, kostenlos und zugangsfreig dieser keinesfalls widerspricht. Sie setzt nur woanders an.

Sie setzt genau an der Problemlage der Studierenden an.

Der Master für alle, wäre, zum gegeben Zeitpunkt, ein Fortschritt für alle, die ihr Bachelor Studium beendet haben, aber deren Abschlussnote zu „schlechtg ist, um zum Master zugelassen zu werden oder die es sich schlichtweg nicht leisten können einen gebührenpflichtigen Master zu bezahlen. Somit würde dies für einige tausend Studierende eine echte Verbesserung mit sich bringen.

Man sollte die Forderungen nicht gegeneinander diskutieren oder sich von der einen verabschieden, es geht darum in konkreten Situationen auch konkrete Forderungen zu formulieren.

 

 

Bundeswehr raus aus Af­ghanistan – NATO abschaffen!

EinreicherInnen: Sarah Nagel (SDS.Die Linke Bochum), Julia Meier (Die Linke.SDS Freiburg), Florian Wilde (Die Linke.SDS Uni Hamburg), Jana Werner (Die Linke.SDS Leipzig)

Im April 2009 wird die NATO ihren 60. Jahrestag des Bestehens der Organisation in Straßburg und Kehl feierlich begehen. Für uns ist das kein Grund zum Feiern und innerhalb der Friedensbewegung, bei attac und in der Interventionistischen Linken wird daher bereits eingehend über mögliche Protestformen diskutiert und es gibt den Vorschlag, am Rande der Afgha­nistan-Konferenz in Hannover ein erstes Gespräch über ein Bündnis zu führen.

Nach unserem Dafürhalten sollte DIE LIN­KE.SDS sich anknüpfend an die Kampa­gne „Bundeswehr raus aus Afghanistan!“ auch am Protest gegen die NATO als die Organisation, die den Krieg in Afghani­stan maßgeblich mit führt, beteiligen.

Hintergründe

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die deutsche Außenpolitik massiv verändert.

Der Zusammenbruch des Ostblocks und der damit einhergehende Verlust des Feindbildes Kommunismus, welches vie­le Jahre lang die Identitätsbasis für das Bündnis und deren Selbstverständnis ab­gegeben hatte, hatte die Lage der globalen Kräfteverhältnisse, das Zusammenspiel des politischen Einflusses der einzelnen Staaten verändert. Anstatt jedoch das überflüssig gewordene Bündnis aufzulö­sen, wurden neue Feindbilder konstruiert und wirtschaftliche Einflussbereiche neu aufgeteilt.

Die EU gewann an Stärke und Bedeutung und das wieder vereinigte Deutschland machte seinen Einfluss innerhalb Europas geltend.

Inzwischen steht für das Außen- und Ver­teidigungsministerium die weltweite In­tervention der Bundeswehr außer Frage und Peter Strucks Begründung für den Krieg in Afghanistan, Deutschland werde eben auch am Hindukusch verteidigt, ist der ehrlicheren Begründung der Verteidi­gung deutscher Interessen gewichen. So sagte Außenminister Franz-Walter Stein­meier Anfang März bei einer Rede vor der Willy Brandt Stiftung zur Bedeutung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr: „Das macht uns zu einem Spieler in der Region, die nicht nur als Energie- und Transportkorridor heftig umworben wird, sondern auch eine wichtige Brücken­funktion hat: in den Nahen und Mittleren Osten oder hin zum Kaspischen Meer.“

Diese Entwicklung wirft zahlreiche Fra­gen auf. Zum Beispiel nach der Aktualität von Begriffen wie Imperialismus, nach den wirtschaftlichen und politischen Hin­tergründen dieser Entwicklung und die, in der globalisierungskritischen Bewegung intensiv geführte Debatte, ob die neuen Kriege Resultat einer neuen Entwicklung oder eher Rückfall in Handlungsweisen vergangener Zeiten ohne aktuelle Ratio­nalität darstellen.

Diese Fragen zu diskutieren und eigene Antworten zu entwickeln sollte unserer Ansicht nach Teil einer Beschäftigung von DIE LINKE.SDS mit dem Thema sein. Das Imperialismus-Seminar im November kann den Ausgangspunkt dafür bilden.

Des Weiteren könnten sich die einzelnen Hochschulgruppen mit dem Zusammen­hang von Rüstungsforschung und Kriegs­politik konkret vor Ort auseinandersetzen und mögliche Forschungen zugunsten der Rüstungsindustrie an der eigenen Hoch­schule bekannt machen. Resultat könnten dann Aktionen der Hochschulgruppen ge­gen Rüstungsforschungen an der eigenen Uni sein.

Der Afghanistan-Krieg als Achil­lesferse der Herrschenden

Die Entwicklung hin zu einer militäri­schen Außenpolitik stößt in der deutschen Bevölkerung auf große Skepsis. Der Pro­test gegen den Krieg im Irak 2003 prägte zu einem gewissen Grad den politischen Mainstream unter Azubis, Schülern und Studenten. Die Feuilletons diskutierten darüber, dass es unter jungen Leuten wie­der zum „Guten Ton“ gehöre, auf Demon­strationen zu gehen.

Gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afgha­nistan gibt es bisher noch keine vergleich­bar große Bewegung, wie damals gegen den Irak-Krieg. Wesentlichere Unter­schied dürfte hier sein, dass im aktuellen Fall SPD und Grüne den Einsatz befürwor­ten, während die Rot-Grüne Regierung den Irak-Krieg damals ablehnten.

Von der Bevölkerung wird der Krieg in Afghanistan jedoch inzwischen klar abge­lehnt. Im Juni 2007 veröffentlichte Emnid eine Umfrage, nach der 68% der Bundes­bürger den Afghanistan-Einsatz für falsch halten, nur 29% halten ihn für richtig.

Für die Bundesregierung stellt die Legiti­mation dieses Einsatzes daher ein immer größer werdendes Problem dar. Immer mehr Berichte über die katastrophale Situation vor Ort erreichen uns. Die Bun­deswehrsoldaten werden ebenso wie die Amerikaner und andere westliche Trup­pen als Besatzer wahrgenommen. Ihre Anwesenheit wird abgelehnt und zuneh­mend mit Waffengewalt bekämpft.

Im Vorfeld der Abstimmung über die Mandatsverlängerung Ende September 2007 wurde jedoch deutlich, dass die ge­sellschaftliche Ablehnung der deutschen Kriegsbeteiligung auch in der Basis von SPD und vor allem der Grünen angekom­men ist.

Bei den Grünen setzte eine Mehrheit der Basis auf einem Sonderparteitag ein Vo­tum gegen die Beteiligung an Operation Enduring Freedom (OEF) durch und kri­tisierte den ISAF-Einsatz teilweise heftig. Dass bei der Abstimmung im Bundestag trotzdem mehr grüne Abgeordneten auch für die OEF-Beteiligung stimmten (15) als dagegen (7), wurde von vielen in der Par­tei kritisiert. Auch die SPD musste ihre Position noch vor der Abstimmung auf einem Parteitag diskutieren, auch dort wurden kritische Stimmen laut.

Eine große Bewegung, die in der Lage wäre, SPD und Grüne weiter unter Druck zu setzen, könnte die Widersprüche zwi­schen Wählern und einfachen Mitglie­dern auf der einen Seite und Parteispitze auf der anderen Seite so zuspitzen, dass beide Parteien gezwungen wären, ihr Abstimmungsverhalten zugunsten eines Abzugs der Truppen aus Afghanistan ein­zusetzen.

Zum anderen gilt der Krieg in Afghani­stan als Gradmesser für die Tauglichkeit des NATO-Bündnisses zur Durchsetzung westlicher Interessen. Ein Scheitern der NATO in Afghanistan hätte somit weit reichende Folgen und würde das öffentliche Ansehen, sowie deren Legitimationsbasis enorm schädigen.

Falls es der Antikriegsbewegung hier ge­lingen sollte, den öffentlichen Druck zu er­höhen und somit den Abzug der Bundes­wehr aus Afghanistan zu erzwingen, wäre eine Schwächung des Bündnisses und der führenden westlichen Militärmächte die Folge. Die Möglichkeit weitere derartige Interventionskriege zu führen, wäre be­schränkt.

Der Protest gegen den NATO-Gipfel im April nächsten Jahres kann ein erster Schritt zu einer großen Antikriegsbewe­gung sein und DIE LINKE.SDS kann einen Beitrag dazu leisten.

Es kommt auch auf uns an!

In der Entstehung vieler solcher Bewe­gungen haben die Universitäten oft eine entscheidende Rolle gespielt. Die riesigen Proteste gegen den Vietnam-Krieg in den 60er Jahren begannen mit studentischen Aktionen und die Studenten wirkten als politisierendes Element in die gesamte Ge­sellschaft hinein. Auch an den Protesten gegen den Irak-Krieg 2003 hatten die Stu­dierenden entscheidenden Anteil.

DIE LINKE.SDS kann einen Beitrag zur Ent­stehung einer Bewegung gegen den Krieg in Afghanistan und gegen die NATO lei­sten und durch inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema sowohl die Qualifikation des Verbandes erhöhen, als auch die De­batten in der Bewegung voranbringen.

Wir beantragen:

  • Die LINKE.SDS beteiligt sich an den Aktionen (bundesweite Demonstration) im Vorfeld der Abstimmungen im Bun­destag über die Mandatsverlängerung im Herbst diesen Jahres
  • DIE LINKE.SDS beteiligt sich an den Anstrengungen ein Bündnis gegen den NATO-Gipfel 2009 in Straßburg/Kehl aufzubauen und arbeitet in diesem mit.
  • Ausgehend von den Debatten in der Vorbereitung des Imperialismus-Seminars im Herbst und auf dem Seminar selbst, erarbeiten diejenigen LINKE.SDSler, die in der gemeinsamen BAG mit dem Ju­gendverband mitarbeiten, eventuell in Zu­sammenarbeit mit der Theorie-AG, einen Reader zum Thema. Dieser soll mit Hilfe tiefer gehender Texte den Anfang einer intensiveren Debatte darstellen. Die Fra­gen von Antikriegspositionen heute und die Aktualität von Imperialismustheorien, sowie Erklärungen der heutigen Kriegspo­litik sollen darin diskutiert werden.
  • DIE LINKE.SDS setzt sich im Bündnis für eine zentrale Demonstration gegen den NATO-Gipfel in Straßburg ein, sowie für Aktionen des massenhaften zivilen Ungehorsams (z.B. vergleichbar zu den Blockaden des G8-Gipfels in Heiligen­damm). Der Studierendenverband mobili­siert auf die im Bündnis zu erarbeitenden Aktionen und erstellt zu diesem Zweck eigene Materialien (wie Plakate, Flugblät­ter, Aufkleber)
  • Die LINKE.SDS tritt ein für die Auflösung der NATO und deshalb für den Austritt der BRD als ersten Schritt
  • In allen diesen Aktivitäten werden die Zusammenhänge von Krieg, Rüstung und Hochschule thematisiert, um so einen spezifischen Beitrag als Studierendenverband aus unserem Lebensumfeld in die Bündnisse einzubringen.

 

 

Kein Fußbreit dem Neofa­schismus in Hochschule und Ge­sellschaft – Für ein Verbot aller neofaschistischen Organisation

EinreicherInnen: SDS.DIE LINKE an der Uni Marburg

Der Studierendenverband DIE LINKE.SDS unterstützt die Forderung nach einem Verbot aller neofaschistischen Organisa­tionen, insbesondere der NPD, und wird sich rechtsextremistischen Ideologien und Organisationsformen an der Hochschule und in der Gesellschaft vehement entgegenstellen. Dazu gehört u. a. die Auseinandersetzung mit dem stu­dentischen Verbindungswesen durch die Herausgabe eines Flugblatts/Broschüre zu diesem Thema, welches von Aktiven innerhalb der gemeinsamen Arbeitsstruk­tur von Jugend- und Studierendenverband zum Thema „Antifa“ und vom BuVo erar­beitet werden soll, um das antifaschisti­sche Profil des Verbandes zu schärfen. Die Forderungen nach einem NPD-Verbot ersetzt nicht die politische Arbeit an den Ursachen und Verwurzelungen faschistischen Gedankengutes als Voraussetzung für den Kampf gegen den Faschismus.

 

 

„Unterstützung Demo Versammlungsfreiheit“ am 21.06.08 in München

Antragsteller: SDS Regensburg

Der Bundesvorstand möge beschließen, dass sich der Studierendenverband mit der Demonstration „Für das Recht auf Versammlungsfreiheit“ solidarisiert. Die Solidaritätsbekundung soll noch am Samstag, den 21. Juni 2008 durch eine Pressemitteilung ausgedrückt werden.

Begründung:

Quelle: demorecht.de

“Alle Bewohner Bayerns haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder besondere
Erlaubnis friedlich und unbewaffnet zu versammeln.”

Bayerische Verfassung Art. 113

Bayerisches Versammlungsgesetz Das neue Versammlungsgesetz, das die Bayerische Staatsregierung noch vor der Sommerpause im bayerischen Landtag abstimmen lassen will, liest sich wie die Erfüllung aller polizeistaatlichen Wunschträume. Dieses Gesetz fügt sich nahtlos ein in eine ganze Reihe von Gesetzen, die der Überwachung und Bespitzelung dienen, wie dem polizeirechtlichen Lauschangriff, der Kennzeichenerfassung und der Speicherung und Aufzeichnung der Telekommunikation.

Bayern spielt dabei den Vorreiter für die anderen Bundesländer, die den Erlass von Versammlungsgesetzen zunächst zurückgestellt haben.

Kontrolle und Überwachung

Mit dem neuen Gesetz werden Versammlungen noch stärker polizeilicher Kontrolle und Schikane unterworfen und zugleich bisher rechtswidrige Praktiken der Polizei und Behörden gesetzlich verankert.

  • Eindringen des Staates bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen.
  • Polizei darf bei allen Versammlungen „Übersichtsaufnahmen“ erstellen, die auch ausgewertet und beliebig lange gespeichert werden dürfen.
  • VersammlungsleiterInnen und OrdnerInnen werden zu „Hilfspolizisten“ gemacht und können von Behörden und Polizei sogar als „ungeeignet“ oder „unzuverlässig“ abgelehnt werden.
  • Zukünftig ist ein Versammlungsverbot auch möglich, wenn „Rechte Dritter unzumutbar beeinträchtigt“ werden.
  • Der neu eingeführte Begriff des „Militanzverbots“ gibt der Polizei die Handhabe, gegen Demonstrationen oder TeilnehmerInnengruppen vorzugehen, wenn sie den „Eindruck von Gewaltbereitschaft“ vermitteln und “einschüchternd” wirken.

Durch die Einführung neuer Straftatbestände wird die Leitung von Versammlungen zum unkalkulierbaren persönlichen Risiko.